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Froha Ghiumay alias "Fisher", Joud Jabuuli und Lana Oubied mit Anne Altrogge vor der Lesung im "L'Aperitivo". Foto: Rolf Scholten

Lüdenscheid. Respekt kleine Lana. Das muss man sich mit gerade acht Jahren erst einmal trauen. Vor rund dreieinhalb Jahren ist das Mädchen mit seiner Familie vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. Am Donnerstag stand Lana auf einem Barhocker im vollbesetzten Bistro „L’Aperitivo“ und trug mit fester Stimme einen Text vor, in dem sie an ihre Heimatstadt Idlib erinnerte – auf Deutsch. „Geflüchtete Freunde in unserer Stadt erinnern sich“: Diese Veranstaltung im Rahmen der Vorlesewochen in Lüdenscheid war ganz sicher einer der Höhepunkte des Lesemarathons, der Lüdenscheid zur Vorlesestadt machen soll.

Respekt: Lana hatte den Text, den ihr Vater auf Arabisch geschrieben hatte ins Deutsche übersetzt und in Schönschrift übertragen. Sie besucht die dritte Klasse der Knapper Schule und ist, so Anne Altrogge, „meine ganz persönliche Freude“.

Im Haus der Oma duftet alles nach Blumen

Lana Oubied las mit fester Stimme aus Erinnerungen an ihre Heimatstadt Idlib in Syrien. Foto: Wolfgang Teipel

Anne Altrogge hatte die Veranstaltung im „L’Aperitivo“ organisiert. Als ehemalige Dozentin von Deutschkursen für Emigranten hält sie nach wie vor Kontakt und präsentierte zusammen mit Lana Oubied, Joud Jabboli und Fisha Ghirmay Texte zum Thema „Stimmen der Welt“.

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Das Haus ihrer Großmutter wird Lana wohl nie vergessen. „Da duftet alles nach Blumen“, erzählte sie am Donnerstag. Manchmal träume sie auch davon.

Leben in der Patenfamilie

So ähnlich geht auch „Fisha“ Ghirmay. Manchmal schaut er sich auf Google Earth sein Heimatdorf Dera in Eritrea an und denkt an den Ort. „Es sieht so ähnlich aus wie in den Alpen – nur ohne Schnee”, berichtete er. Fisha ist in Lüdenscheid angekommen. Der 25-Jährige freut sich über seine Ausbildung als Werkzeugmechaniker.

Freut sich über seine Ausbildung als Werkzeugmechaniker: Fisha Ghirmay. Foto: Wolfgang Teipel

Über die dramatischen Umstände seiner Flucht wollte er am Donnerstag nicht berichten. Froh sei er aber darüber, dass es seine Schwester nach mehreren vergeblichen Versuchen jetzt auch geschafft habe. Sie warte jetzt in einem niederländischen Lager darauf, dass sie endlich wieder mit ihrem Mann, der in den Niederlanden lebt, zusammenkommen könne.

Gäste beeindruckt

Mit Freunden durch die Stadt spazieren („Das tun die Syrer am liebsten.“), daran erinnert sich Joud Jabboli (19) aus Aleppo gern. Die Samstage, an denen er und seine Familie mit sieben Kindern nichts anderes zu tun hatten, als es sich bei den Großeltern gut gehen zu lassen – er wird sie in seiner neuen Heimat Lüdenscheid nie vergessen. Hier besucht er das Berufskolleg (BKT. Die Gäste im „L’Aperitivo“ zeigten sich beeindruckt – die Bewältigung von Schicksalen, der Wille, etwas Neues zu schaffen  und das neue Lebensgefühl fernab der früheren Heimat –  all das klang bei der Lesung zum Thema „Stimmen der Welt“ durch. Respekt.

 

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