(V.l.n.r.: Christoph Wilk, Sachgebietsleiter „Jugend, Schule und Sport“ und Architekt Dirk Busch, aus der „Technischen Gebäudewirtschaft“ mit einem Grundriss der künftigen Grundschule Holthausen.) Quelle: Stadt Plettenberg

Plettenberg. Seit einem guten Jahr ist klar: Ab 2026 besteht für jedes neue Grundschulkind der Anspruch auf einen Platz im offenen Ganztag. Die Einführung geschieht schrittweise und ab 2029 gilt dies für jedes Kind in der Grundschule. Dies wurde durch Bundestag und Bundesrat im September 2021 beschlossen.

Dies hat die Stadt Plettenberg zum Anlass genommen, sich die Grundschullandschaft hier genauer anzusehen und auf die neuen Vorgaben hin zu überprüfen. Dabei standen auch die räumlichen und baulichen Voraussetzungen im Blick. Aktuell bietet die Stadt ungefähr 380 OGS-Plätze an, mit dem oben genannten Anspruch werden es je nach demographischer Lage und der tatsächlichen Inanspruchnahme durch die Eltern 700 bis 930 Plätze im offenen Ganztag sein, die zur Verfügung gestellt werden müssen. Der zusätzliche Bedarf an Plätzen lässt sich in keinem der vorhandenen Gebäude unterbringen, zudem bestehen in den Gebäuden auch weitere bauliche Missstände. Es wären daher umfangreiche Umbauarbeiten erforderlich. Hierfür müsste viel Geld ausgegeben werden, eine grundlegende Verbesserung und zukunftsorientierte Ausrichtung der Standorte wäre damit jedoch nicht verbunden.

Das Ergebnis: Die bisher bestehenden sechs Grundschulen werden so umgelegt und umgebaut, dass am Ende zwar nur noch vier Grundschulen existieren werden, allerdings mit mehr Raum, Möglichkeiten und pädagogisch auf dem allerneusten Stand.

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Die Grundschule Holthausen (ehemals Vier-Täler-Schule, eine ehemalige Förderschule) wird gänzlich neu gebaut, die Martin-Luther-Schule (Grundschule) zieht mit beiden bisherigen Standorten (Königstraße und Oestertal) in das Gebäude der bisherigen Hauptschule Zeppelinschule im Stadtzentrum um, an den Grundschulen Halle und Eschen wird es Erweiterungsbauten geben. Der Teilstandort Ohle der Hallenschule zieht in das erweiterte Gebäude der Hallenschule selbst, dann ist dort also auch alles unter einem Dach. So können die Grundschulstandorte im Oestertal und Ohle aufgegeben werden.

Exkurs: Damit die Grundschüler in die ehemalige Zeppelinschule (Hauptschule) umziehen können, müssen erst noch Bau-, Erweiterungs- und Sanierungsarbeiten an den weiterführenden Schulen am Schulzentrum im Stadtteil Böddinghausen stattfinden oder abgeschlossen werden, wohin die Hauptschüler umziehen sollen. Daher klappen die jeweiligen Umzüge der Grund- und Hauptschüler frühestens ab 2026. Wann genau hängt von dem Fortschritt der Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten ab. Am Standort Böddinghausen befinden sich das Albert-Schweitzer-Gymnasium, die Geschwister-Scholl-Realschule und das so genannte „KBOP“ (ausgesprochen Kabop), das Kompetenzzentrum-Berufsorientierung Plettenberg. In letzteres soll nach dem Erweiterungsbau die Hauptschule in Gänze einziehen. Zurzeit nutzt allerdings die Realschule noch dieses Gebäude, da ein Flügel der Realschule selbst im kommenden Jahr erstmal wegen Schadstoffbelastungen (Astbestplatten und PCB belastete Fugen) saniert werden muss. Dieser „Ringtausch“ hat den Vorteil, dass alle Schulen während der Arbeiten nutzbar bleiben und auf Provisorien soweit wie möglich verzichtet werden kann. Das hierdurch eingesparte Geld kann besser in dauerhafte Gebäude investiert werden.

Es ist also kompliziert, was den zeitlichen Ablauf aller Maßnahmen angeht.

Ein weiteres Problem ist natürlich auch hier die aktuelle Lage in der Welt. Die steigenden Bau- und Materialkosten, aber auch das steigenden Zinsniveau beeinflussen das Budget. Für die Umgestaltung der Grundschullandschaft sind die aktuellen Mittel für die nächsten sechs Jahre im Haushaltsentwurf 2023 mit rund 16 Millionen Euro angesetzt, für die komplette Schullandschaft sind es gut 31 Millionen. Aufgabe der nächsten Jahre wird es neben der baulichen Umsetzung auch sein, die Finanzierung dieser Investitionen sicherzustellen. Ebenso gilt es alle Planungen mit den Schulgemeinschaften (Lehrer-, Schüler- und Elternschaft) abzustimmen, um hinterher ein Ergebnis zu erzielen, dass möglichst allen Anforderungen gerecht wird.

Doch dieser Aufwand ist es der Stadt Plettenberg wert, denn unsere Kinder werden vom erweiterten Raum- und dem größeren pädagogischen Angebot im allerbesten Maße profitieren.