In Krankenhäusern in Niedersachsen traten nach der Impfung von Mitarbeitern Nebenwirkungen auf, so dass sich zahlreiche Beschäftigte krankgemeldet und die Krankenhäuser ihr Impfkonzept geändert haben, um den Klinikbetrieb nicht zu gefährden.

Lösen die Impfstoffe, die gegen Covid-19 verabreicht werden, unerwartet häufig Ne-benwirkungen aus, und sind diese Nebenwirkungen schwerwiegend?

Nein, die Impfstoffe lösen weder unerwartet häufig Nebenwirkungen aus, noch sind diese unerwartet schwer. Nebenwirkungen sind nach Impfungen normal. Sie sind ein intendierter, ein beabsichtigter Effekt. Sie zeigen schließlich auch, dass sich wirkungsvoll Antikörper bilden.

Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) können Impfreaktionen bei allen drei derzeit zugelassenen Impfstoffen von Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca auftreten. Sie reichen von einer Empfindlichkeit an der Einstichstelle, über Kälte und Schüttelfrost sowie Fieber bei den mRNA-Impfstoffen vor allem nach der zweiten Impfung bis zu Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühle beim Impfstoff von AstraZeneca – eher nach der ersten Impfung. All diese Nebenwirkungen sind nicht schwer, und sie sind zu erwarten.

Kann ich mich auf die Nebenwirkungen einstellen oder diese lindern?

Es ist sinnvoll, sich auf mögliche Impfreaktionen einzustellen und – wenn es möglich ist – zwei ruhigere Tage, ohne zu starke körperliche Belastung nach der Impfung einzuplanen. Ein Arbeitgeber, dessen Belegschaft geimpft wird, sollte ebenfalls einkalkulieren, dass ein Teil der Mitarbeiter für etwa 24 bis 48 Stunden nach der Impfung nur eingeschränkt ver-fügbar sein kann. Manche Menschen nehmen nach der Impfung zur Vorbeugung von Ein-schränkungen – auch wenn sie keine Beschwerden haben – ein schmerzlinderndes und fiebersenkendes Präparat, um in jedem Falle einsatzfähig zu bleiben.

Ist die Impfung trotz Nebenwirkungen sinnvoll?

Ja, auf jeden Fall ist die Impfung sinnvoll. Die Nebenwirkungen treten nur selten auf und klingen rasch wieder ab. Ohne Impfung führt eine festgestellte Infektion mit dem Corona-Virus in etwa 20 Prozent der Fälle zu einem schweren oder sehr schweren Verlauf. Die möglichen nachfolgenden Erkrankungen sind noch gar nicht absehbar. 2,5 Prozent der Menschen, bei denen eine Infektion festgestellt wurde, sterben. Das ist jede 40. Person unter 100 Menschen mit einer festgestellten Infektion. Jene Menschen, die an oder mit Covid sterben, verlieren rein rechnerisch 9,7 Lebensjahre. Es sind also nicht nur 96jährige, die sterben, sondern auch Menschen in ihren 20er bis 40er Jahren und Kinder können schwer erkranken.

Helfen die Impfstoffe gegen die neuen Virusvarianten?

Alles spricht dafür, dass die Impfung bei den in Deutschland vertretenen Virusvarianten wirkt. In Osnabrück hatten sich jüngst in einem Pflegeheim alte Menschen nach der Imp-fung mit der britischen Virusvariante infiziert, sie sind aber nicht erkrankt. Das zeigt: Der Impfstoff wirkt.

Wie lautet Ihr Fazit?

Die Impfstoffe wirken – und das überdurchschnittlich. Auch der Impfstoff von Astrazeneca wirkt. Impfnebenwirkungen sind bei allen Impfstoffen normal. Sie sind ein Zeichen der Wirksamkeit. Sie waren zuvor beschrieben und erwartet worden. Das Auftreten von Ne-benwirkungen in der genannten Zahl überrascht niemanden, der sich mit dem Sachverhalt befasst hat. Wir haben Mangel an Impfstoffen angesichts einer bedrohlichen Pandemie. Es ist unverantwortlich, in dieser Lage auf einen der zugelassenen und überdurchschnittlich wirksamen Impfstoffe zu verzichten. Wir können nicht wählerisch sein. Dafür ist unsere Lage zu ernst.


Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit den Märkischen Kliniken und ist Teil der Serie “Gesundheit Aktuell”.

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