Gordan Dudas (Mitte) im Gespräch mit Frank Bossong (rechts) und Marcus Teuber. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Gordan Dudas schält die Rinde einer frisch gefällten Fichte ab. Was er da im Krummenscheider Forst sieht, schockt den Lüdenscheider SPD-Landtagsabgeordneten. Auge in Auge mit dem Borkenkäfer, dem Feind der Fichte.

Die Schäden, die das nur millimetergroße Insekt im märkischen Forst angerichtet hat, sind weithin sichtbar. Überall stehen bereits abgestorbene Bäume. Die Baumgerippe sind leicht an der bräunlich-roten Färbung zu erkennen. „Eine Katastrophe“, sagt Frank Bossing, Vorsitzender der Bezirksgruppe MK im Bund Deutscher Forstleute. Zusammen mit ihm und dem Lüdenscheider Förster Marcus Teuber hat sich Dudas auf den Weg gemacht, um sich über das Ausmaß und die Folgen des großen Fichtensterbens zu informieren. Sein Tagespraktikum unter dem Motto „Freitag ist DiensTag“ fand am 13. September unter freiem Himmel im Krummenscheider Forst statt.



Seit zwei Jahren im Trockenstress

Marcus Teuber zeigt einen toten Borkenkäfer in einem Stück Rinde. Foto: Wolfgang Teipel

Rund ein Drittel des Fichtenbestandes im Märkischen Kreis sind betroffen. Der Grund: Seit zwei Jahren befindet sich der Wald im Trockenstress, verursacht durch heiße Sommer und geringen Niederschlag. Ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Den Bäumen fehlt jetzt die Widerstandskraft. Und so kann das nur millimetergroße Insekt im Gemeinschaftsangriff auch stattliche Fichten großflächig zum Absterben bringen.

Marcus Förster erklärt: „Von den 180 Hektar Wald im Lüdenscheider Forstgebiet sind 130 Hektar Nadelwald. Rund 80 Hektar Fichten sind über 50 Jahre alt. Wenn ich davon 20 Hektar halten kann, habe ich Glück gehabt.“

Die Landschaft verändert sich

Betroffene Bäume müssten möglichst schnell gefällt werden, damit gesunde Bäume nicht in Gefahr geraten. Und so verändert sich innerhalb von Wochen das gewohnte Landschaftsbild. So wie an der Landstraße 692 zwischen der Autobahnzufahrt Lüdenscheid-Nord und Wiblingwerde. Hier wurden in den vergangenen Tagen Fichten auf rund 1,5 Hektar gefällt.

Zurzeit liegt die geschlagene Holzmenge 50-mal höher als in normalen Zeiten. Das führt zu einem ruinösen Preisverfall. Foto: Wolfgang Teipel

Es fehlt Personal und Geld

Den Forstämtern fehlt das Personal und den Waldbesitzern oftmals das Geld, um schnell zu reagieren. „Zurzeit fahren wir etwa das 50fache der üblichen Nutzung“, sagt Marcus Teuber. Das bringt die übliche Verwertungskette durcheinander. „Die Sägewerke laufen schon über.“ Ein wenig Entlastung bringe der Holzexport nach China und Korea. Dennoch: Der Preisverfall sei ruinös.

Dudas: “Brauchen eine Task Force”

„Die Lage ist sehr ernst“, sagt Gordan Dudas. „Wir brauchen eine Task Force für den Wald. Die Politik muss sich stärker mit dem Fichtensterben auseinandersetzen. Ministerpräsident Armin Laschet muss das Thema in NRW zur Chefsache machen“, fordert der SPD-Landtagsabgeordnete.

Info:

Wie kommt es zum Borkenkäferbefall?

Der Buchdrucker wählt seine Wirtsbäume nach bisher nicht vollständig geklärten Kriterien aus. Der Kupferstecher reagiert gezielt auf Duftsignale geschädigter Bäume – sie signalisieren ihm eine Brutmöglichkeit. Ein Pionierkäfer bohrt sich in die Rinde ein und legt eine so genannte Rammelkammer an. Danach sendet der nur wenige Millimeter große Schädling Pheromone zur Anlockung seiner Artgenossen aus. Nach der Paarung legen die Weibchen Eier entlang eines Muttergangs ab. Nach Larvenfraß und Verpuppung schlüpfen die Jungtiere. Dieser Zyklus einer Borkenkäfergeneration dauert je nach Witterung zwischen sieben und zehn Wochen. Das ermöglicht pro Jahr in der Regel zwei bis maximal drei Generationen. In Nordrhein-Westfalen sind im Extremjahr 2018 bis zu vier Generationen beobachtet worden. Geschätzt folgten so aus der Brut eines Weibchens im Laufe der Vegetationsperiode zwischen 100.000 und 250.000 Nachkommen.

Warum sterben Bäume bei starkem Befall ab?

Larven und Jungkäfer fressen sich zwischen Borke und Splintholz durch den so genannten Bast. Sie durchtrennen dabei die Leitungsbahnen, die die Baumwurzeln mit lebenswichtiger, in den Nadeln gebildeter Nahrung versorgen (Assimilate). Bei starkem Befall wird auch der Wassertransport in die Kronen so stark gestört, dass der Baum abstirbt. Tote Bäume mit komplett roten Nadeln und aufgeplatzter bzw. abgefallener Rinde, aus denen die Käferbrut bereits ausgeflogen ist, können nicht erneut befallen werden. (Auszug aus einem Praxisleitfaden des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.

Der Märkische Kreis hat zu diesem Thema eine Pressemitteilung herausgegeben. Mehr hier.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here