stipendiatenhaus
Das als Stipendiatenhaus der Werkstatt genutzte Haus Kirchstraße 10 soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Das Haus Kirchstraße 10, das seit etlichen Jahren vom Kunstförderverein Werkstatt Plettenberg als Stipendiatenhaus genutzt wird, soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Damit ist der Eigentümer (ein Privatmann, nicht der Verein Werkstatt) nicht einverstanden. Das Thema steht auf der Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses, der am heutigen Mittwoch um 17 Uhr in öffentlicher Sitzung in der Aula der Martin-Luther-Schule tagt.

Die Sachdarstellung der Stadtverwaltung: Das „Wohnhaus wurde im Jahr 1979 in der vom damaligen Landeskonservator von Westfalen-Lippe erstellten Liste des zu schützenden Kulturgutes in der Stadt Plettenberg erfasst und nunmehr von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Münster fachlich überprüft. Danach handelt es sich bei dem Objekt um ein Denkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 DSchG NRW, wodurch die Voraussetzungen für eine Eintragung in die Denkmalliste gem. § 3 dieses Gesetzes vorliegen.

Die Denkmaleigenschaft wird damit begründet, dass es sich bei dem Gebäude um eines der Häuser handelt, die noch zum erhaltenen Kirchring gehören und in ihrer Lage sowohl auf die Kirche als auch auf die Straßensituation sowie die ehemalige Stadtmauer reagieren. Das Haus bildet das Scharnier zwischen Kirchring und Kirchstraße, indem es die Flucht der südlichen Nachbarhäuser aufnimmt und nur leicht nach Westen gedreht ist und dadurch den Kirchring zur Kirchstraße öffnet. Obwohl das Haus jünger ist, erkennt man diese Straßensituation schon auf dem „accuraten Plan der Stadt Plettenberg“ von Johann Michael Moser, Unna, von 1725. Weiterhin nehmen Parzelle und Haus den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer auf, der im hinteren Garten des Hauses noch wahrzunehmen ist.

Das fünfachsige, spätklassizistische Fachwerkhaus wurde Mitte oder Anfang der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet und stand laut dem Häuserbuch des Albrecht von Schwartzen ab 1869 im Eigentum des Kaufmanns Albrecht von Banchet. Es erhebt sich über einem hohen Bruchsteinsockel, der auf der Nordseite als Keller ausgebildet ist. Das zweigeschossige Gebäude mit zentralem Eingang steht traufständig zur Straße und ist mit einem pfannengedeckten Satteldach geschlossen. Das Fachwerk ist allseitig mit horizontal verlaufenden, an den Nuten abgeschrägten Holzbrettern verkleidet, so dass der Stoß als horizontale, spitz zulaufende Kerbe ausgebildet ist. Insgesamt stellt sich das Bild eines verputzten Steinhauses ein, dessen Oberfläche mit einem Bänderputz strukturiert wurde. Dies wird noch durch die Fensterrahmungen verstärkt, da die Verdachungen mit den Konsolen ebenfalls an den Steinbau erinnern, wobei das bei dem Gebälk der Haustürverdachung am deutlichsten herauskommt. Ein weiteres Element ist die kantig verkleidete Traufe, die den Hauskasten abschließt.

Die Fenster scheinen im gesamten Haus noch die bauzeitlichen zu sein. 1891 wurde das Haus auf der Ostseite vergrößert, geplant von dem durchaus angesehenen „Villenarchitekten“ Otto Leppin aus Iserlohn. Der Anbau wurde später einmal aufgestockt und hat dadurch an Eleganz verloren, ist aber im eigentlichen historischen Bestand vollständig erhalten. Aufgrund der zurückhaltenden Nutzung des Gebäudes sind noch verhältnismäßig viel wandfeste Ausstattungsdetails wie Fenster, Türen, Fliesen, Treppenanlage usw. vorhanden, so dass hier von einer hohen Dichte an bauzeitlicher bzw. historischer Substanz zu sprechen ist.
 Im Inneren entspricht das Haus dem äußeren Aufbau; das Kernhaus wird von einem Mittelquerflur traufseitig erschlossen, der im hinteren Teil einen Ausgang in den Garten hat. Die geradläufigen nach oben führenden Treppen weisen aufwendig ausgearbeitete Treppenpfosten aus, die stilis- tisch ebenfalls in die spätklassizistische Zeit einzuordnen sind.

Der Boden im Erdgeschossflur ist mit farbigen Zementplatten belegt, die offensichtlich mit dem Anbau verlegt worden sind. In dem hinteren Zimmer, von dem später das Badezimmer abgetrennt worden ist, befindet sich noch ein Rest einer Wandpaneel, die wohl im gesamten ehemaligen Zimmer zu finden war. Das hohe Zimmer des Anbaus ist als Gartensaal ausgebaut, weist große Fenster auf und hat einen Zugang zum Garten. Hier befinden sich noch sehr qualitätvolle und vor allem gut erhaltene Linkrusta-Paneele. Die braunen Tür- und Fensterrahmen scheinen auf die Linkrusta abgestimmt zu sein.

Das Gebäude ist bedeutend für die Stadtgeschichte Plettenbergs, da es in dem guten historischen Erhaltungszustand das Leben und Wirtschaften seiner Bewohner noch gut ablesbar überliefert. Weiterhin ist das Haus aus siedlungsgeschichtlichen Gründen bedeutend, da seine Lage noch auf den bis zum Stadtbrand 1725 zurückgehenden Stadtgrundriss zurückgeht.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, hier hauskundliche Gründe vor, da es sich um ein bis ins Detail erhaltenes Gebäude handelt, in dem noch die Konstruktion und große Teile der Oberflächen sowie der wandfesten Ausstattung erhalten sind.

Im Anhörungsverfahren zur angekündigten Unterschutzstellung hat der Eigentümer erklärt, das Haus sei wegen mehrfacher, unsachgemäßer Veränderungen nicht denkmalwürdig, eine Unter- schutzstellung werde abgelehnt.
Die vorgetragenen Argumente können aber, auch nach Abstimmung mit der Fachbehörde in Münster, den festgestellten Denkmalwert nicht entkräften; ein Ermessen ist nicht gegeben, so dass hier der gesetzlichen Verpflichtung der Eintragung in die Denkmalliste nachgekommen werden muss.

Aus städtischer Sicht bestehen gegen die Unterschutzstellung keine Bedenken, zumal das Objekt bereits im Rahmen der noch zu erlassenden Denkmalbereichssatzung „Kirchumring“ explizit vorgesehen war. Ich beabsichtige daher, das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Plettenberg einzutragen.“

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