Auswege aus der DDR-Mangelwirtschaft: Dr. Eckhard Trox bestaunt einen Rasenmäher. Das Gerät entstand 1970 auf der Basis eines ausgedienten Kinderwagens. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. „Do it yourself! Die neue Lust aufs Selbermachen“ – ab Sonntag zeigen die städtischen Museen Lüdenscheid, was kreative Heimwerkerinnen und Heimwerker, Bastlerinnen und Bastler entweder aus der Not geboren oder von Fantasie beflügelt erschaffen haben. Die Ausstellung wird um 11.30 Uhr eröffnet und dauert bis zum 9. Januar.
Den Daniel Düsentriebs dieser Welt ist nichts zu schwer. So bestaunte Museumsdirektor Dr. Eckhard Trox bei der Preview zur Ausstellung am Dienstag einen selbstgebauten Rasenmäher auf der Basis eines ausgedienten Kinderwagens. Das Gerät wurde nachweislich 1970 gebaut und war der Mangelwirtschaft in der damaligen DDR geschuldet. Fasziniert war der Museumschef  auch von einem weiteren Aussetllungsstück. Es handelt sich um den Zusatztank eines Weltkriegs-Bombers. Aus dem Tank bastelten findige Leute ein Boot, mit dem Kinder auf der Weser herumschippern konnten. Vom Kriegs- zum Spielgerät: Das erinnert an den Slogan „Schwerter zu Flugscharen.“

Aus diesem abgeworfenen Zusatztank eines Weltkriegs-Bombers bastelten findige Menschen ein Boot, mit dem Kinder später auf der Weser herumschipperten. Fotos in der Ausstellung belegen das. Foto: Wolfgang Teipel

Die Ausstellung beleuchtet viele Aspekte des Selbermachens, das unter dem Kürzel „DIY“ für „Do it yourself“ wieder in Mode gekommen ist. „Die Idee zur Ausstellung wurde vor etwas zwei Jahren geboren“, erläuterte Verene Burhenne, wissenschaftliche Referentin des LWL-Museumsamt für Westfalen, das die Ausstellung durch sieben westfälische Museen auf die Reise geschickt.

Do it yourself liegt voll im Trend

Seit einigen Jahren ist „Do it yourself“ oder kurz DIY, wie das Selbermachen auch genannt wird, wieder voll im Trend: Menschen stricken in der Bahn, ziehen in Gemeinschaftsgärten Gemüse oder reparieren in sogenannten Repair-Cafés Fahrräder und Radios. Die Ausstellung zeigt, wie sich Motivationen zum Selbermachen seit den 1950er Jahren verändert haben. Sie zeigt Grenzen und Übergänge zwischen historischen und aktuellen Formen des Selbermachens und wirft dabei auch einen kritischen Blick auf den DIY-Boom.

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Motivation hat sich seit den 1950er Jahren verändert

Die Ausstellung betrachtet die Praktiken des Selbermachens in den Spannungsfeldern „Mangel & Überfluss“, „Hobby & Arbeit“ und „Alltag & Gegenkulturen“. Dabei liegt der Fokus auf den Akteurinnen und Akteuren sowie auf zeittypischen Formen des Selbermachens: Wer machte zu einem bestimmten Zeitpunkt was selbst – und warum? enannt wird, wieder voll im Trend: Menschen stricken in der Bahn, ziehen in Gemeinschaftsgärten Gemüse oder reparieren in sogenannten Repair-Cafés Fahrräder und Radios. Die Ausstellung zeigt, wie sich Motivationen zum Selbermachen seit den 1950er Jahren verändert haben. Sie zeigt Grenzen und Übergänge zwischen historischen und aktuellen Formen des Selbermachens und wirft dabei auch einen kritischen Blick auf den DIY-Boom.

Stellten am Dienstag die Ausstellung vor: Sarah Pfeiffer, wissenschaftliche Volontärin beim LWL-Museumsamt für Westfalen, Dr. Eckard Trox, Verena Burhenne, wissenschaftliche Referentin LWL-Museumsamt für Westfalen und Ursula Delounge, Mitarbeiterin des Lüdenscheider Museums. Foto: Wolfgang Teipel

Trend wird kommerzialisiert

„Die Ausstellung erzählt vom Selbermachen in der von Mangel geprägten Nachkriegszeit, in der es als Versorgungsstrategie oft wieder aufgegriffen wurde. Sie zeigt, wie das Heimwerken oder ‚Do it yourself‘ in der aufstrebenden Wohlstandsgesellschaft der 1950er Jahre zum neuen Freizeittrend des Kleinbürgertums avancierte und wie das DIY-Prinzip vom alternativen Milieu der 1970er gekapert wurde, um antikapitalistische Überzeugungen umzusetzen und sich kreativ selbst zu verwirklichen. Nicht zuletzt wirft die Ausstellung auch einen kritischen Blick auf das DIY-Fieber und veranschaulicht, wie der Trend zum DIY heute zunehmend kommerzialisiert wird“, sagt Sarah Lieneke, die das Konzept für die Ausstellung entwickelt hat.

83 Ausstellungsstücke

Besucherinnen und Besucher können in der Ausstellung ein Quiz spielen, um herauszufinden, welcher DIY-Typ sie sind, sie können ihre Fingerfertigkeiten beim Falten von Origami ausprobieren und in Interviews die persönlichen Perspektiven von Selbermacherinnen und Selöbermachern aus Westfalen kennenlernen. Viele der insgesamt 83 Ausstellungsstücke haben Menschen aus Westfalen dem LWL-Museumsamt nach einen Presseaufruf für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Vom selbstgemachten Teddy bis zu Alltagshilfen aus dem 3D-Drucker für Menschen mit Behinderung zeigen die Exponate die Vielfalt an Materialien, Praktiken und Motivationen für das Selbermachen.

Erinnerungen werden geweckt

„Einige Ausstellungsstücke wie der Schulwebrahmen aus dem Handarbeitsunterricht oder der gestrickte Norwegerpulli aus dem Hörsaal der 1980er Jahre wecken Erinnerungen an eigene Erlebnisse. Geschichten vom Selbermachen erzählen von Alltag, Freizeit und Wertevorstellungen unterschiedlicher Generationen und sind deshalb auch gut geeignet, um mit den eigenen Kindern, Eltern und Großeltern ins Gespräch zu kommen“, so die Ausstellungmacherin weiter.

Ein Katalog mit 136 Seiten, zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Textbeiträgen vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Er ist im Museum für 11,90 Euro erhältlich.

Auf ein Begleitprogramm haben sich die Städtischen Museen noch nicht festgelegt. „Wir werden das Interesse genau beobachten und flexibel darauf reagieren“, kündigte Dr. Eckhard Trox an. Ein Termin steht allerdings bereits fest. Am 7. November ab 15 Uhr findet eine Führung für taubstumme Menschen in Gebärdensprache statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Museen der Stadt Lüdenscheid: 31. Oktober bis 09. Januar 2022
Weitere Stationen:

Hexenbürgermeisterhaus Lemgo: 16. Januar bis 13. März 2022
Stadtmuseum Werne: 20. März bis 15. Mai 2022
Stadtmuseum Lippstadt: 22. Mai bis 17. Juli 2022
Emschertal-Museum Schloss Strünkede Herne: 24. Juli bis 18. September 2022
Junges Museum im Osthaus Museum Hagen: 25. September bis 20. November 2022

 

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