Der Umweltexperte David Wortmann sagt: "Wir dürfen nicht auf Berlin warten." Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Um die vom Menschen verursachte Erderwärmung aufzuhalten, braucht es schon ein kleines Wunder. Aber es geht. Darin sind der Poetry Slammer Marian Heuser und David Wortmann, Inhaber der auf Umweltthemen spezialisierten Beratungsagentur DWR eco GmbH, einig. Der Dichter Heuser sagt: „Es wohnt die Lösung im Problem.“ Der Umweltexperte erklärt: „Die 100prozentige Energieversorgung durch erneuerbare Energien ist technisch und wirtschaftlich darstellbar.“ Das ist die gute Nachricht.

Politisches System zu träge

David Wortmann verschwieg aber bei seinem Vortrag am Freitag auch nicht die schlechten Nachrichten. Die Umsetzung aller wissenschaftlicher Erkenntnisse müsse schnell erfolgen, sagte er nach einem Workshop in der „Wunderkammer der Zukunft“ des Museums. Das schaffe das träge politische System nicht. Ein Beispiel dafür sei das halbherzige Papier zu Klimaschutzmaßnahmen, das die große Koalition am Freitagmittag verabschiedet habe.

Der Dichter Marian Heuser sagt: „Es wohnt die Lösung im Problem.“ Foto: Wolfgang Teipel

Zudem, kritisierte der Experte aus Berlin, werde zu viel über „Scheinlösungen“ diskutiert. Dazu zählt er unter anderem den Einsatz von Atomkraft, Erdgas oder Geo-Engineering. „Die Erde braucht die erneuerbaren Energien, um sich abzukühlen“, sagte er bei der gut besuchten Vortragsveranstaltung im Museum. Nur ihr Einsatz sei die richtige Strategie, um den hohen CO2-Ausstoß zu senken.

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„So wie die Dinge stehen, dürfen wir nicht auf Berlin warten“, forderte er. Wirtschaft, Handel, Gewerbe, Kommunen und Privatleute müssten bei sich selbst beginnen.

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg habe mächtig Schwung in die Debatte um die Erderwärmung gebracht. Ihr großer Verdienst sei, dass sie die „Brücke von der Wissenschaft in die Herzen der Menschen“ geschlagen habe. Ihre Botschaft „Unser Haus brennt“ sei bei Millionen angekommen.

Erstaunlich viele Ideen

Vor Wortmanns öffentlichem Vortrag hatte eine Runde aus Klima-Aktivisten, Vertretern aus Rat und Verwaltung, Politikern, Vertretern aus der Wirtschaft und Klimaschutz-Experten gemeinsam über einen kommunalen Klimaschutzplan für Lüdenscheid beraten.

„Erstaunlich, was in der kurzen Zeit an Ideen zusammengetragen worden ist“, sagte SPD-Fraktionschef Jens Voß als Teilnehmer des Workshops.

Das Brainstorming in der „Wanderkammer der Zukunft“ befasste sich mit fünf Themenbereichen. Hier ein Überblick über die Handlungsfelder und Vorschläge:

  • Mobilität:

Carsharing, Mifahrbörsen, Micro-Elektromobilität, verbesserte Verkehrssteuerung, ÖPNV CO2-neutral bis 2030 durch Umstellung von Busantrieben auf Elektro oder Wasserstoff, kostenloses Laden beim Arbeitgeber, autonomer Bus im Ringverkehr um die Stadt, Verkehrsvermeidung durch digitale Arbeitsplätze und Job-Tausch, um Wege zu minimieren.

  • Gewerbe/Handel/Industrie:

Abwärme nutzen, Pflicht zum Einsatz von Solarthermie und Photovoltaik bei Neubauten, Öffnungszeiten optimieren.

  • Gebäude/Haushalte:

Heizungschecks für öffentliche und private Gebäude, Pflicht zum Einsatz von Solarthermie und Photovoltaik bei Neubauten, Aufbau und Nutzung von Nahwärmenetzen, digitale Arbeitsplätze zur optimalen Nutzung von Gebäude, Bestand der Wohnungsbaugesellschaften und öffentliche Gebäude CO-2-frei bis 2030.

  • CO2 senken/Kreislaufwirtschaft

Aufforstungsprogramme, regionale Wertschöpfungsketten stärken und stärker nutzen in Kombination mit verbessertem Wissenstransfer: Wer macht eigentlich was? Weg von Monokulturen hin zu mehr Diversität.

  • Information/Akzeptanz:

Lüdenscheider Klimakabinett einrichten als Sprachrohr und Marke für mehr Akzeptanz, Transparenz zu Fördermitteln schaffen, mehr Informations- und Wissensaustausch über gute Beispiele in den bereichen Industrie, Gewerbe, Mobilität usw. Akzeptanzkampagne unter dem Motto: Was kann ich selbst machen? Positiv-Beispiele hervorheben, etwa durch einen Preis, Aktion: Wie viel Platz haben wir, wenn wir die Stadt mal autofrei machen.

David Wortmann hat der TACH!-Redaktion die Powerpoint-Präsentation zu seinem Vortrag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Für alle, die sich für Zahlen und Statistiken interessieren, hier ist sie:Ergebnisse_Lüdenscheid_Klimanotstand

Hinweis zu Folie 3: Inzwischen haben 69 Kommunen den Klimanotstand ausgerufen.

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