Gut gefüllt war der Ratssaal beim 3. Plettenberger Bürgerforum am Donnerstag, 12. Juli. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Mit den Themen fürs 3. Bürgerforum hat der Arbeitskreis Bürgerbeteiligung offensichtlich den Nerv der Plettenberger getroffen. Die Ausrichtung des Aqua Magis und die Weiterentwicklung der Kulturarbeit standen auf dem Programm. Rund 90 Bürgerinnen und Bürger waren am Donnerstagabend (12. Juli) im Ratssaal erschienen, um sich über diese Themen zu informieren und darüber zu diskutieren.

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Die Befürchtung von Bürgermeister Ulrich Schulte, dass nach Abhandlung des Aqua-Magis-Themas viele Bürger vorzeitig den Saal verlassen würden, erwies sich als unbegründet. Vielmehr war offenbar das Interesse an der Weiterentwicklung der Kulturangebote vorrangig. Ulrich Schulte stellte fest, dass Freizeitbad und Kulturangebot “Meckerthemen” seien, die vor allem in den sozialen Medien in Stammtischmanier behandelt würden. Umso mehr freute sich der Bürgermeister, dass zahlreiche Bürger die Gelegenheit nutzten im wirklichen Leben diese Themen anzugehen.

Martina Wittkopp-Beine von der Stadtverwaltung und Christiane Flick-Schöttler, Leiterin der Stadtbücherei, führten mit einer beispielhaften Aufzählung vorhandener Kulturangebote ins Thema ein. Es wurde deutlich, dass den Plettenbergern in Plettenberg schon einiges geboten wird. Doch nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden kann. Also forderte Moderator Volker Vorwerk vom Beratungsunternehmen Bürgerwissen in Bielefeld die Anwesenden auf: “Stellen sie sich vor, sie hätten alles Geld der Welt …”

Martina Wittkopp-Beine (links) und Christiane Flick-Schöttler führten mit der Darstellung des vorhandenen Kulturangebots ins Thema “Kultur in Plettenberg” ein. Foto: Bernhard Schlütter

Derzeit unerfüllbarer Wunsch: Stadthalle

In den Tischgruppen entwickelte sich ein kreatives Brainstorming, das etliche gute Anregungen für kulturelle Angebote hervorbrachte. Zu den eher illusorischen Wünschen gehörte gleich aus mehreren Gruppen eine Stadthalle, am besten mit allem Drum und Dran wie Orchestergraben und variabler Bühne. Da Plettenberg eben nicht alles Geld der Welt hat, ist dieser Wunsch in absehbarer Zeit nicht zu erfüllen, zeigt aber, dass ein zentraler und flexibel nutzbarer Veranstaltungsort wichtig wäre.

Was für Jugendliche: Science Slam

Gute Chancen auf Verwirklichung haben die Anregungen, die von Jugendlichen in der Runde gemacht wurden: Durchführung von Science Slams oder eine Extrabühne für junge Bands beim PleWo-Stadtfest. Warum nicht regelmäßig ein sog. MitSingDing veranstalten. Alle die Bock haben treffen sich in geselliger Atmosphäre und singen mit allen alles:
Gassenhauer und Evergreens, Chart-Hits und Schlager und ab und zu ein Volkslied. Das würde Leute ansprechen, die durchaus gerne singen, aber sich nicht fest an einen Chor binden möchten. Das MitSingDing wird schon in einigen Städten mit Erfolg praktiziert.

Brainstorming in den Tischrunden: Zum Thema Kultur fiel den Bürgern vieles ein. Foto: Bernhard Schlütter

Weitere interessante Anregungen der Bürger: Mittelalterfest auf der Burg Schwarzenberg, internationales Streetfood-Festival, ein Flashmob-Orchester, offene Workshops zu verschiedenen Themen wie Tanzen, Singen oder Theater. Warum nicht Werbeflächen für Kultur z.B. am Aqua Magis anbringen? Oder Sonderbusse zu Veranstaltungen anbieten?

625. Stadtjubiläum im Jahr 2022

Aufhorchen sollten die Schützenvereine der Vier-Täler-Stadt: Aus mehreren Diskussionsrunden kamen die Vorschläge, ein Stadt-Schützenfest zu feiern – reihum ausgerichtet von den verschiedenen Vereinen. “Bei so einem Riesenschützenfest wäre dann richtig was los”, meinte ein Bürger. Eine weitere Idee die Schützen betreffend: Der erste Winterball der Saison könnte doch zu Silvester stattfinden.

4. Bürgerforum für 10. Oktober geplant

Notieren sollten sich Kulturtreibende in dieser Stadt zwei Termine: Im Jahr 2022 wird Plettenberg 625 Jahre alt und 2025 jährt sich der große Stadtbrand von 1725 zum 300. Mal.

Am Ende waren sich alle im Ratssaal einig: Das Thema Kultur in Plettenberg soll weiterverfolgt werden. Ulrich Schulte stellte eine Veranstaltung, die sich ausschließlich dem Kulturthema widmet, in Aussicht. Das nächste Bürgerforum ist schon terminiert: Es soll am 10. Oktober stattfinden. Immer auf dem Laufenden werden die Bürger mit der Vorhabenliste auf der Stadt-Homepage gehalten. Themenvorschläge für die Liste können online oder persönlich im Rathaus geäußert werden.

Aqua Magis als Freizeitbad in der 1. Liga

“Eins für alle”, so wurde das Aqua Magis bei seiner Eröffnung im Jahr 2003 betitelt. Diesen Spagat dauerhaft aufrechtzuerhalten ist eine schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Das zeigte der Vortrag von Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann. Das Aqua Magis müsse zuallererst wirtschaftlich arbeiten, was auch seit Jahren gelinge. Dies belegte Allmann mit eindeutigen Zahlen. Seinen Aufgaben für Schulsport, Vereinsschwimmen und als Schwimmbad für Stammgäste werde das Bad ebenfalls gerecht.

Dr. Uwe Allmann (rechts) berichtete über das Aqua Magis und stellte sich den Fragen der Bürger. Foto: Bernhard Schlütter

Die häufig kritisierte Verkleinerung des Saunabereichs und die Spezialisierung auf das Rutschenthema rechtfertigte Allmann. “Die Sauna war und ist nicht wirtschaftlich zu betreiben. Als Spaß- und Freizeitbad sind wir die Nummer 2 oder 3 in Deutschland. Der Eintritt ist nicht billig, aber wir bieten auch einen hohen Freizeitwert.” Über 400.000 Besucher im Jahr seien Beleg dafür. Und davon kämen auch eta 160.000 aus Plettenberg.

Noch etwas zum Thema Kosten: Der Bau des Aqua Magis kostete 25 Millionen Euro, die die Stadt 2003 ohne Eigenkapital komplett finanzierte. Die Verbindlichkeiten betragen aktuell noch drei Millionen Euro. “2022 sind wir komplett schuldenfrei und haben einen Bilanzwert von 25 Millionen Euro. Das wäre mit den alten Bädern niemals möglich gewesen”, betonte Allmann.

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