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Am Donnerstag noch unvollendet: das Motiv von Fuchs&Rabe auf der Thünentreppe. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid.  Es wird kompliziert. Nicht nur, dass einige der ursprünglich ausgewählten Flächen die „Paint the Wall“-Macher „Willi&Söhne“ vor unverhoffte Schwierigkeiten stellen. Jetzt bremsen auch noch die steigenden Corona-Zahlen die für Ende Oktober geplante Eröffnung des Lüdenscheider Street-Art-Festivals aus. Sie soll, so der aktuelle Stand, im November nachgeholt werden.

Knochenarbeit an der Thünentreppe

Unterdessen waren oder sind die Street-Art-Künstler fleißig. „Akut“ hat sein großes Wandbild (Fachjargon: Mural) im Rosengarten bereits vor einigen Wochen fertiggestellt. In der Winkelgasse wird gearbeitet. Gegenüber Schillers Hotel&Café waren LOW BROS aktiv. Und an der Thünentreppe bringen „Fuchs& Rabe“ ihr Motiv auf – das Porträt eins Jungen mit Megafon, aus dem eine Sprechblase gegen Rassismus quillen soll. Davis Pahl alias Fuchs&Rabe leistet hier Knochenarbeit. Allein die Grundierung der Treppe habe mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant, sagt er

Die Künstler, ihre Biografien und auch ihre Stile sind grundverschieden – in Lüdenscheid haben sie alle aber eines gemeinsam: Das Leitthema. „Wir haben den Artists, hinsichtlich der Gestaltung der Fassaden, keine Vorgaben in Sachen Form, Farbe und Stil gemacht. Einzig das Leitthema ’Kindern gehört die Zukunft’ soll in der thematischen Botschaft be­rücksichtigt werden“, erläutert Davis Pahl.

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Spezialist für Porträts

Welche Künstler sind beteiligt? Martin Bender: Martin Bender ist ein Street-Art-Künstler aus Hagen. Er wurde in Kasachstan geboren. Im Jahr 1999 kam der damals Elfjährige mit seinen Eltern nach Deutschland, Gevelsberg. Er besuchte die Gestaltungs­schule für Farbtechnik und Raumgestaltung in Wupper­tal und studierte anschließend ein Semester lang Malerei und Grafik in Bochum. Daraufhin lebte und arbeitete Mar­tin Bender in Berlin und Leipzig, bevor er 2015 nach Hagen zurückkehrte. Martin Bender hat sich auf das Malen von Portraits spezi­alisiert. Seine Kunstwerke stellt er zwar auch auf Leinwän­den und Papier in Galerien aus, doch seine bekanntesten Werke zieren meterhohe Fassaden. Die Wandmalereien Benders zählen in der Street-Art-Szene zu den originells­ten Kunstwerken ihrer Art. 

Menschenmaler Davis Pahl

Fuchs+Rabe (Davis Pahl): Davis Pahl, in der Street-Art-Szene unter seinem Labelna­men Fuchs+Rabe bekannt, ist ein Street-Art-Künstler aus Lüdenscheid. Der 32-Jährige arbeitet als Grafik-Designer. In seiner Freizeit ist der als Urban-Ar­tist und Graffiti-Künstler unterwegs. Der gebürtige Lüden­scheider hat sich auf das Malen von Menschen spezialisiert. Seine Kunstwerke handeln von jenen Menschen, die ihn inspirieren. Pahl beschreibt seine Werke als provokativ, bunt und unbequem. Auf eine bestimmte Gestaltungsfläche hat er sich nicht festgelegt: „Ich bemale, besprühe und beklebe alles, was die Natur oder der Künstlerfachmarkt so herge­ben“, so Pahl.

Das Motiv von LOW BROS gegenüber Schillers Hotel&Café. Foto: Wolfgang Teipel

Abstrakt mit viel Farbe

LOW BROS (Christoph und Florian Schmidt): Christoph und Florian Schmidt aus Hamburg sind in der Street-Art-Szene unter ihrem Pseudonym LOW BROS bekannt. Die beiden Brüder sind seit 2011 als Künstler aktiv. Mittler­weile zählen sie mit ihren großflächigen Kunstwerken zu den bekanntesten Mural-Artists in Deutschland. Ihr unverkennbarer abstrakter Stil zeichnet sich durch eine Mischung von farbreichen Motiven und geometri­schen Elementen aus. Bei ihren Kunstwerken spielen die LOW BROS bewusst mit Zwei- und Dreidimensionalität sowie Licht und Schatten. Ihre Motive thematisieren dabei sowohl natürliche, tierische Elemente als auch menschli­che Possen und Accessoires. In Kombination mit ihrer sehr exakten grafischen Arbeitsweise, kreieren sie interessante surreale Illustrationen, die humorvoll auf die Graffiti- und Skateboardingkultur der 80er- und 90er-Jahre anspielen.

Falk Lehmann alias “Akut” aus Berlin hat sein Motiv im Rosengarten schon vor einiger Zeit fertiggestellt. Foto: Wolfgang Teipel

Akut malt hyperrealistisch

Akut (Falk Lehmann): Falk Lehmann ist ein Street-Art-Künstler aus Berlin. In der Mural-Art-Szene erlangte der gebürtige Thüringer unter dem Pseudonym Akut große Bekanntheit. Lehmann (Jahrgang 1977) studierte visuelle Kommunikation und Grafik-Design an der Bauhaus-Universität in Weimar. Mit der Graffiti-Crew „Ma’Claim“ hatte er sich von 2001 bis 2004, durch einen bis dato nicht da gewesenen hyperrealis­tischen Stil, einen Namen gemacht. Seit 2004 arbeitet der Street-Artist und Fotograf mit Jasmin Siddiqui alias HERA zusammen. Die beiden treten als HERAKUT in Erscheinung und zählen zu den erfolgreichsten Street-Art-Duos weltweit. Falk Lehmann gilt als Spezialist für Oberflächentextur und fotorealistische Effekte, die er mithilfe von Sprühdosen kreiert. 

Fiktive 3D-Kreaturen

Mark Gmehling: Mark Gmehling ist ein international bekannter Street-Art-Künstler aus Dortmund. Gmehling, der schon in den 80er-Jahren das Graffiti-Sprayen für sich entdeckte, zählt zu den Pionieren der deutschen Graffiti-Szene. Er studierte freie Kunst und Grafikdesign in Dortmund. Heute arbeitet er als Illustrator für namhafte internationa­le Werbekunden und ist Mitglied des Art Director Clubs. Er hat sich auf Charakter-/ Sympathieträgerentwicklung sowie Animation spezialisiert, jedoch ist er auch weiterhin als freier Künstler tätig und kreiert großformatige Murals an Häuserfassaden. Seine Kunst liegt in der Erschaffung von fiktiven 3D-Kreaturen und Schriftzügen.

Schon mit 13 das Sprayen entdeckt

Wert (Franco Marasciulo): Franco Marasciulo ist ein Street-Art-Künstler aus Lüden­scheid. Der 1980 in Plettenberg geborene und in Herscheid aufgewachsen Marasciulo, tritt in der Street-Art-Szene unter dem Pseudonym Wert in Erscheinung. Nach seiner Ausbildung zum Fahrzeuglackierer lebte Marasciulo für einige Zeit in Italien. Zuvor, schon 1993, hatte der damals 13-Jährige das Graffiti-Sprayen für sich entdeckt. Nun, zurück in Lüdenscheid, ist Franco Marasciulo immer noch als Künstler in der Graffiti-Szene aktiv.

Kooperation mit zahlreichen Partnern

Das Projekt „Paint the Wall“ entstand vor fünf Jahren im Zuge der „Visionen“ für Lüdenscheid. In der „Vision 58“ schwebte Willi&Söhne Street-Art vor.

Um den Traum nun endlich Wirklichkeit werden zu lassen, hat sich der Verein mit dem Lüdenscheider Stadtmarketing und verschiedenen Unternehmen aus der Region zusammengetan. Sie konnten Partner aus der Gastronomie gewinnen, die sich um die Verpflegung der Künstler kümmern. Auch Fachgeschäfte wie der Malerbetrieb Wieghardt, die Genossenschaft Maler-Einkauf oder die Arbeitsbüh­nenvermietung Steigermax sind Teil der innerstädtischen Kooperation. Sie beliefern die Künstler mit allerlei Material und Ausrüstung, das zur Kreation der Kunstwerke benö­tigt wird.

 

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