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Nach einer definierten Laufzeit - bei den Elektrotriebwagen sind das 1,5 Mio. KIlometer - werden die Drehgestelle zur Aufarbeitung geschickt und generalüberholte Gestelle eingebaut. Foto: Stefan Aschauer-Hundt
Nach einer definierten Laufzeit - bei den Elektrotriebwagen sind das 1,5 Mio. KIlometer - werden die Drehgestelle zur Aufarbeitung geschickt und generalüberholte Gestelle eingebaut. Foto: Stefan Aschauer-Hundt

Plettenberg. Die private Bahngesellschaft Abellio ist ein Gewinn für den gesamten südwestfälischen Raum und ein Erfolgsmodell auf der Ruhr-Sieg-Strecke. Davon ist die CDU Plettenberg überzeugt, die jetzt gemeinsam mit interessierten Bürgern einen Besuch im Triebwagen-Bahnbetriebswerk in Hagen unternahm und einen Blick hinter die Kulissen von Abellio warf.

Standesgemäß reiste die Plettenberger CDU-Delegation im Regionalexpress 16 von Plettenberg aus nach Hagen an – und stellte einmal mehr fest, dass Abellio nicht nur auf Zeigersprung pünktlich, sondern der Zug auch sauber und ordentlich war. Das sei früher, zu den Zeiten der Staatsbahn, deutlich anders gewesen, urteilten die Christdemokraten – und nahmen sich vor, im Bahnbetriebswerk zu ergründen, wie es Abellio gelungen ist, die Ruhr-Sieg-Strecke so positiv umzukrempeln.

Im Betriebswerk wurden die Plettenberger von Dirk Aschöwer, dem Abellio-Geschäftsführer für Betrieb und Technik, Markus Kowalski, dem Leiter der Werkstatt Hagen, und Pressesprecherin Julia Limia y Campos begrüßt. Das Betriebswerk befindet sich in Hagen an der Eckeseyer Straße im Bereich der alten Wagenwerkstatt und der früheren Bundesbahn-Schwerlastgruppe. Durch Sanierung und den Neubau einer großen Wartungshalle ist eine zeitgemäße Werkstatt entstanden.

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Technischer Geschäftsführer Dirk Aschöwer führte die Plettenberger durch die Abellio-Werkstatt und über den Betriebshof. Foto: Stefan Aschauer-Hundt
Technischer Geschäftsführer Dirk Aschöwer führte die Plettenberger durch die Abellio-Werkstatt und über den Betriebshof.
Foto: Stefan Aschauer-Hundt

Wurzeln bei niederländischer Eisenbahn

Begonnen hat das Engagement der Firma Abellio, deren Wurzeln bei der Nederlandse Spoorwegen (der niederländischen Eisenbahn) liegen, ab 2005 mit Leistungen im Emscher-Ruhr-Bereich und ab 2007 mit der Übernahme des Ruhr-Sieg-Netzes. Seitdem sei man beständig gewachsen, erfuhren die Christdemokraten von Dirk Aschöwer.

Inzwischen ist Abellio Rail NRW auf 1.000 Mitarbeiter angewachsen, von denen 450 im Lokfahrdienst und 400 als Kundenbetreuer eingesetzt sind. Betrieben werden neben den Strecken im Ruhr-Sieg-Netz Linien am Niederrhein, im bergischen Städtedreieck und Teile des S-Bahn-Netzes an der Ruhr. Unterhalten werden die Fahrzeuge in den Werkstätten in Hagen und Duisburg; Stützpunkte für Reinigung und kleinere Arbeiten gibt es u.a. in Remscheid und Siegen.

18 Fahrzeuge sind für das Ruhr-Sieg-Netz vorhanden, 17 davon sind auf Achse. Ein Triebzug befindet sich in der Wartung oder in Reserve – durchaus ein anspruchsvolles Programm, zumal die Leistungen der auf 30 Jahre Betriebsdauer konzipierten Züge höchst beachtlich sind. Von Wartung zu Wartung legt jeder Zug 40.000 Kilometer zurück. Jährlich absolviert jeder silberne Elektrotriebwagen 330.000 Kilometer. Nach rund vier Jahren steht eine große Untersuchung an, die an den Boxenstopp bei der Formel 1 erinnert: Der Zug wird auf generalüberholte Drehgestelle gesetzt und fährt auf diesen weiter, während die ausgebauten Lauf- und Antriebsgestelle in die Aufarbeitung gehen. Werksneu kehren diese dann nach Hagen zurück, um unter den nächsten Zug gesetzt zu werden, der einen „Boxenstopp“ absolviert.

Thema während der fast dreistündigen Führung war die hohe Zuverlässigkeit der elektrischen Triebwagen – ein engagiertes Werkstattteam ist dafür ebenso entscheidend wie ein großer Ersatzteilfundus. So gut wie jedes Teil lagert im Hagener Magazin, selbst komplette automatische Kupplungen liegen griffbereit in den Hochregalen. Man sollte meinen, dass sich das ständige An- und Abkuppeln der Züge in Letmathe – erforderlich durch die nach und von Iserlohn fahrenden Teilzüge, die zwischen Letmathe und Hagen mit den Einheiten von und nach Siegen/Plettenberg gemeinsam geführt werden – als Verschleiß bemerkbar macht. Technischer Geschäftsführer Dirk Aschöwer beruhigte: Das Material mache das sehr gut mit.

Eisenbahn-Nahverkehrsangebot verbessern

Für CDU-Bürgermeisterkandidat Patrick Hansmann war das eine wertvolle Nachricht: Das Verkehrskonzept der CDU Plettenberg sieht vor, dass von Plettenberg kommende Züge in Hagen durch Trennung auf die Ziele Bochum/Essen und Dortmund geteilt werden. Dafür sind weitere Kuppelmanöver erforderlich. Nach der Kommunal- und Kreistagswahl soll an der weiteren Verbesserung des Eisenbahn-Nahverkehrsangebotes gearbeitet werden, ist Ziel der CDU.

Auch der Fernverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke war Thema – es ging um den Regional-IC, der seit einiger Zeit im Gespräch ist. Die CDU will ihn als schnelle, umsteigefreie Verbindung zwischen Dortmund, Hagen, den Städten des Lennetals, Siegen, Gießen, Frankfurt bis zum Rhein-Main-Airport. Abellio könnte diesen Zug – ebenso wie die Deutsche Bahn AG – fahren, wobei die Bahnexperten in Hagen und die CDU Plettenberg sich einig waren, dass eine solche Verbindung als Mischung zwischen Fern- und Regionalverkehr eine öffentliche Aufgabe ist, die anders finanziert werden muss als ein klassischer ICE auf hochbelasteten und umsatzstarken Magistralen.

Die Vertreter von Abellio und der CDU Plettenberg wollen im Gespräch bleiben, weil die weitere Verbesserung des Bahnverkehrs ein wichtiges Anliegen der Union ist. Bürgermeister-Kandidat Patrick Hansmann sieht im Mix aller relevanten Verkehrsmittel – Bahn, Bus, Auto, Fahrrad, Fußweg – die beste Gewähr, eine bürger- wie umweltfreundliche Mobilität zu verwirklichen. Aus Hagen nahm man abschließend die gute Nachricht mit, dass Abellio daran arbeite, in nicht ferner Zukunft jeden Zug auch im Lennetal mit Schaffnern bzw. Kundenbetreuern zu fahren.

Quelle: CDU Plettenberg/Stefan Aschauer-Hundt

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