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Historische Büromöbel und -geräte im modernen Kundencenter: Ulrich Baberg (links) und Markus Hacke an einem Lohnbuchhalter-Schreibtisch aus der Zeit um 1900. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Büromöbel- und Maschinensammlung von Ulrich Baberg wächst und wächst. Erst kürzlich hat er von einer alten Dame wieder eine Schreibmaschine aus Uropas Zeiten und einen Beutel voll funktionsfähiger Pelikan-Füller erhalten. Ulrich Baberg ist Mitglied im „Internationalen Forum Historische Bürowelt“ und Sammler aus Leidenschaft. Einen Teil seiner Schätze zeigt er seit Montag in der Ausstellung „Das historische Büro“ im Kundencenter der Sparkasse Lüdenscheid am Sauerfeld.

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Beitrag zum Jubiläumsjahr

„Ein toller Beitrag zum 175. Jubiläumsjahr der Sparkasse“, freute sich Vorstandssprecher Markus Hacke anlässlich der Ausstellungseröffnung. Ulrich Baberg muss sich selbst bremsen, wenn er über seine Sammler-Leidenschaft spricht.

Eine Hammond 2 Ideal: Diese Schreibmaschine wurde 1895 vom amerikanische Hersteller Hammond Typewriter produziert. Foto: Wolfgang Teipel

Zu jedem Stück kann er eine Geschichte erzählen. Beispielseise zu einer der Schreibmaschinen, auf der die belgische Widerstandskämpferin Flugblätter gegen die deutschen Besatzer verfasst hat. Oder die Story zur Continental 1938: Sie stammt aus dem Besitz des Journalisten und Schriftstellers Dr. Wilhelm Ehmer. Ehmer war viele Jahre Chefredakteur der Lüdenscheider Nachrichten und tippte auf der Maschine ungezählte Artikel. Außerdem schrieb er auf der Continental 1938 seinen Sportroman „Um den Gipfel der Welt“, für den er bei den Olympischen Spielen 1936 die Silbermedaille erhielt. Die Besonderheit: Der Vielschreiber tippte seine zahllosen Zeilen mit nur einer Hand, weil er einen Arm verloren hatte.



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Zeitgeschichte, Technikgeschichte und Unternehmerschicksale

Ein Lohnbuchhalter-Schreibtisch aus der Zeit um 1900, links das Candlestick-Telefon. Foto: Wolfgang Teipel

Insolvenzen, weil Schreibmaschinenhersteller den Zug der Zeit verpasst hatten, 5000 Rechenmaschinen, die beim Schiffstransport nach Indien im Meer versunken sind – in der Ausstellung „Das historische Büro“ stecken Zeitgeschichte, Technikgeschichte und Unternehmerschicksale.

Die Ausstellung zeigt zudem zwei komplett eingerichtete Arbeitsplätze: Den Schreibtisch eines Lohnbuchhalters um 1900 mit Candlestick-Telefon. Sie waren ab 1890 bis in die 1940er Jahre üblich. Diese Telefone verfügten über ein Mundstück (Sender), das oben am Ständer angebracht war, und einen Empfänger (Ohrhörer), der vom Benutzer während eines Anrufs ans Ohr gehalten wurde.

Der zweite Arbeitsplatz zeigt einen Schreibtisch um die 1950er Jahre nebst Schreibmaschinentisch mit Olympia-Schreibmaschine und einem Assmann Magnetplatten-Diktiergerät.

Stimmaufzeichnung auf Wachswalzen

So in etwa sah ein Büroschreibtisch in den 1950er Jahren aus. Foto: Wolfgang Teipel

Im ersten Stock des Kundencenters befinden sich noch vier Großgeräte, darunter eine National-Registrierbuchungsmaschine, die hauptsächlich in Sparkassen und Banken genutzt wurde. Außerdem ist hier ein Diktafon-Diktiergerät zu sehen. Diese Geräte, die die Stimme auf Wachswalzen aufzeichneten, verbreiteten sich ab etwa 1900.

Viele weitere Stücke aus der Sammlung von Ulrich Baberg – unter anderem einige der ersten Computer – sind in einer Ausstellung im EGC-Gebäude an der Gustav-Adolf-Straße zu sehen. Sie können nach Vereinbarung besichtigt werden.

Die Ausstellung in der Sparkasse ist während der Öffnungszeiten bis zum 5. Juli zu sehen.

 

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