Am Sonntag waren Geflüchtete und Gastfamilien zu einem Fest auf dem Gelände der Firma Prange eingeladen. Foto: Florian König
Plettenberg. Die Hilfe hört nicht mit der Fahrt ins Sauerland auf. Im Gegenteil, damit fängt sie erst an. Aus diesem Grund veranstaltete die Initiative „Bus Brücke“ am vergangenen
Wochenende ein Familienfest für geflüchtete Ukrainer und ihre Gastfamilien auf dem Gelände der Firma Prange in Plettenberg-Eiringhausen.

Der Gedanke: Die Geflüchteten, die sie in den vergangenen Wochen ins Sauerland geholt haben, auf andere Gedanken bringen und ihnen gleichzeitig den Start in der neuen Umgebung erleichtern. „Wichtig ist jetzt, die Menschen zu integrieren. Mit dem Fest wollten wir bewirken, dass die Geflüchteten zuerst einmal untereinander ins Gespräch kommen und sich in der neuen Umgebung nicht alleine fühlen“, sagt der Plettenberger Florian König.
Gemeinsam mit den Attendornern Stefan Burghaus und Albrecht Brodhun ist er der Initiator der Organisation.

Gleichzeitig bekamen auch die Gastfamilien mit dem Fest die Möglichkeit zu einem Austausch. Auch für sie ist die Situation schließlich neu. Für die entsprechend lockere Atmosphäre und Ablenkung nach der strapaziösen Reise stand eine Hüpfburg für die Kinder bereit, es gab Popcorn und Schnupperkurse in Zumba und Boxen wurden angeboten. Ein ganz herzlicher Dank der Organisatoren gilt den zahlreichen Helfern sowie Geld- und
Sachspendern, die bei der Ausrichtung für über 100 Personen unterstützt haben, u.a. der Plettenberger Prange Gruppe, Getränke Service Schulte, R.B. Makler sowie Königs Brot aus Attendorn und dem Institut für Arbeitsmedizin (IFAM) aus Neuenrade.

Eine Lebensentscheidung

„Die Entscheidung in den Bus zu steigen und in ein fremdes Land, eine Stadt, die 2.600 Kilometer vom Heimartort entfernt liegt, zu fahren, ist für viele nicht einfach. Das ist eine Lebensentscheidung und die treffen diese Personen innerhalb weniger Stunden. Das ist kaum vorstellbar“, schildert Albrecht Brodhun. Die Organisation versucht den Menschen daher schon, bevor sie diese ins Sauerland holen, zu vermitteln, dass sie
sie nicht einfach nur irgendwo hinbringen, sondern sich auch im Nachhinein um sie kümmern. Dieses Angebot soll zukünftig auch noch weiter ausgebaut werden. Dazu werden aktuell innerhalb des Netzwerkes Patenschaften gesucht und vermittelt. Die
Familien sollen so zum Beispiel durch Fahrdienste oder bei Einkäufen Unterstützung erfahren. Der nächste Schritt wird sein, eine Betreuung für die Kinder zu organisieren.

Gemeinsam mit zwei Helferinnen reiste Albrecht Brodhun am Wochenende erneut nach Krakau, um weitere geflüchtete Menschen abzuholen. Foto: Albrecht Brodhun

 


Gemeinsam mit zwei Helferinnen reiste Albrecht Brodhun am Wochenende erneut nach Krakau, um weitere geflüchtete Menschen abzuholen. Mit 38 Personen, darunter 23 Kindern, kamen sie am Sonntagmorgen wieder im Sauerland an. „Vor allem für die Kinder ist es wichtig, dass sie wieder in geordnete Verhältnisse kommen und nicht so viel von der Flucht mitbekommen beziehungsweise diese so schnell wie möglich
wieder vergessen“, erklärt Albrecht Brodhun. Eine Veranstaltung wie das Familienfest sei hier ein Anfang.

Menschen zunächst skeptisch

Deutlich wahrzunehmen war für ihn, seine Begleiterinnen und die „Bus Brücke“-Helfer vor Ort am Wochenende eine Veränderung der Stimmung an den Hotspots in Polen. Nachdem in den Sozialen Medien vor Menschenhändlern, die sich als vermeintliche Helfer ausgeben, gewarnt wurde, seien die Menschen erst einmal sehr zurückhaltend. „Sie haben Angst und sind zunächst sehr skeptisch. Das ist natürlich verständlich“, berichtet der Attendorner. Wenn sie merken, dass die Helfer der „Bus Brücke“ es ehrlich meinen, sei die Dankbarkeit jedoch nach wie vor sehr groß.
Hintergrund: Die „Bus Brücke“ ist eine gemeinnützige Initiative, die von dem Plettenberger Unternehmen Event-Manufaktur (DEM) unter dem Dach des prange akzente e. V. gegründet wurde, um ukrainischen Geflüchteten zu helfen. Inspiriert durch die
Lüdenscheider Community Willi & Söhne entstand der Name „Bus Brücke“, um symbolisch eine Hilfsbrücke zwischen der Ukraine und dem Sauerland zu bauen. Die „Bus Brücke“ organisiert Abholungen der geflohenen Menschen aus Polen nach Deutschland und vermittelt private Unterkünfte für sie nach ihrer Ankunft im Sauerland. Unterstützt wird die Initiative durch Spenden.

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