Tobi Katze, Buchautor und Slam Poet, las in der Stadtbücherei Lüdenscheid aus seinem Buch "Morgen ist leider auch noch ein Tag". Foto: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Im Rahmen seiner “World of Wordcraft”-Veranstaltungen luden Marian Heuser und sein Team zu einer Lesung in die Stadtbücherei Lüdenscheid ein. Ein gelungenes Vorstoßen in einen ganz neuen Bereich, zeichnete sich doch bisher “WoW” hauptsächlich durch größere und kleiner Poetry Slam-Veranstaltungen aus.

Ein mutiger Schritt

Er ging neue Weg und wurde dafür mit Erfolg belohnt. Marian Heuser, “World of Wordcraft”, moderierte und inszenierte die Lesung in der Stadtbücherei.

Die Buchlesung mit Tobi Katze und damit der mutige Schritt hinein in ein ganz neues Terrain, wurden belohnt. Vor einem ausverkauften Haus las der erfolgreiche Buchautor aus seinem Buch “Morgen ist leider auch noch ein Tag”.

Tobi Katze stammt ganz unbestreitbar auch aus der Liga der Poetry-Slammer und ist dort ebenso erfolgreich, wie als Autor. Dies kam ihm bei seiner Lesung durchaus zugute. Er wechselte zwischen Stand- und Freihand-Mikro, sitzendem und stehendem Vortrag ab und faszinierte allein durch seine mitreißende Art die Anwesenden von der ersten gelesenen Zeile an.

Authentischer Vortrag

Sein Thema “Depression” war dabei dabei ein ernstes und das kam – trotz der lockeren, teilweise sehr witzigen Art mit der Tobi seine Diagnose und den Weg dahin beschreibt – voll rüber. Niemand im Saal, der nicht getroffen war. Teilweise wechselten sich daher in schneller Folge lautes Lachen und absolute Stille im Auditorium ab.

Witzig und betroffen

Groß war das Interesse und zahlreich das Publikum. Tobi Katze wusste zu berühren.

Ein sehr authetisches Buch, das witzig ist, aber eben auch betroffen macht und zum Nachdenken darüber anhält, warum unsere Gesellschaft nach wie vor eine psychische Krankheit für weniger relevant hält als eine körperliche Erkrankung.

Fallen doch psychischen Erkrankungen jedes Jahr fast genauso viele Menschen zum Opfer. Durch Selbstmord, aber auch durch die weniger deutliche Folgen von Depression, nämlich Alkoholismus, Drogensucht oder Verzweiflungstaten gleich welcher Art. Angesichts der rasant steigenden Zahl von Burnout-Patienten beispielsweise, sollte man sich ernsthaft fragen, ob eine Gesellschaft es sich wirklich leisten kann, psychische Krankheiten auch weiterhin als Krankheit 2. Grades zu diffamieren und oft einfach unter den Tisch zu kehren.

Öffentlichkeit schaffen

Man merkte ihm seine Betroffenheit aber auch sein Engament für das Thema an. Umso überzeugender war sein Vortrag.

Tobi Katze jedenfalls geht mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, nicht etwa, weil es so toll ist, ein erfolgreicher Buchautor zu sein, sondern hauptsächlich, um eine Lanze zu brechen für ein Thema, dass zusehends mehr Menschen betrifft. Er will eine Öffentlichkeit schaffen, informieren und aufrütteln.

Zumindest an diesem Abend ist ihm das gelungen. In seiner sympathische Art und mit viel Überzeugungskraft, die einfach schon darin steckt, dass er alles, was er in dem Buch beschreibt, selbst durchgemacht hat, hat er nicht nur die Zuhörer begeistert, sondern auch nach der Veranstaltung für viel Diskussionsstoff gesorgt.

Die richtigen Schritte

Er war einer der Gewinner des Abends: Bei dem Preisausschreiben im Vorfeld hatte er zwei Freikarten “ergattert”.

Marian Heuser hat an diesem Abend ganz offensichtlich – mit Unterstützung von Bibliotheksleiterin Dagmar Plümer – einen Schritt in die richtige Richtung getan.

Das scheinbare Wagnis – ein voller Erfolg. Wünschenswert wäre mehr davon. Solche “Schritte auf dem Wasser” führen – zumindest in diesem Fall – ganz offensichtlich in eine richtige Richtung, die durchaus ausbaufähig ist.

Alle hier gezeigten Fotos wurden mit der persönlichen und ausdrücklichen Einwilligung der gezeigten Personen veröffentlicht!

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