Siegerehrung für die „Goldene Gießkanne“ 2022 (v.l.): Katja Rosenhoff (hagebaumarkt Holz & Bau), die Drittplatzierte Ina Hanke, Siegerin Stefanie Auer, die Zweitplatzierte Petra Rößler sowie Ivonne Schönerstedt (hagebaumarkt Holz & Bau). Bild: Stadt Iserlohn

Iserlohn. Zum dritten Mal nach der gut zehnjährigen Pause hat in diesem Jahr der traditionsreiche Blumenschmuck-Wettbewerb „Die Goldene Gießkanne“ stattgefunden. Und so grünte, blühte und summte es auch in diesem Jahr in zahlreichen Vorgärten und auf etlichen Balkonen im Stadtgebiet. Gemeinsam mit der Abteilung für Umwelt- und Klimaschutz sowie dem Stadtbetrieb Iserlohn Hemer (SIH) hatte das Stadtmarketing zwischen Juni und September abermals zum großen Hobbygärtner-Wettbewerb aufgerufen, bei dem die ansprechendsten, nachhaltigsten und insektenfreundlichsten Vorgarten- und Balkongestaltungen im Stadtgebiet prämiert werden.

Die Teilnahme war denkbar einfach: die Hobbygärtner mussten zweimal drei Fotos ihrer botanischen Meisterwerke im Abstand von sechs Wochen einsenden. Auf diese Weise dokumentierten sie nicht nur ihren grünen Daumen und ihren Sinn für eine ansprechende gärtnerische Gestaltung, sondern auch ein nachhaltiges, langlebiges und bestenfalls sogar insektenfreundliches Arrangement im heimischen Garten. Wichtig dabei war auch, dass die Bepflanzung im Vorgarten oder auf dem Balkon im öffentlichen Sichtbereich liegt, um der Stadtbildverschönerung Rechnung zu tragen.

„Sechzehn Anpflanzungen durften wir in diesem Jahr bewerten“, resümiert Simone Korte vom Iserlohner Stadtmarketing den diesjährigen Erfolg des Wettbewerbs. „Dazu gab es noch einige Teilnehmer, die leider nur einen Satz Bilder eingereicht haben. Auch darunter waren vielversprechende Anpflanzungen.“

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Gemeinsam mit der Biologin Patricia White aus der Abteilung für Umwelt- und Klimaschutz, Gärtnermeister Christian Gernert, Sachgebietsleiter für Grünpflege, Spiel- und Sportplätze des SIH und Laura Niehus vom Team Stadtmarketing durfte Korte weit über 100 Bilder von Vorgärten, Balkonen und Nistmöglichkeiten sichten und die diesjährigen Gewinner ermitteln. „Auch in diesem Jahr war die Vielfalt der Gärten wieder beeindruckend, genauso ‚das Auge‘ und die Kenntnis der Bürgerinnen und Bürger, was ökologisches Gärtnern anbelangt“, freut sich White als Biologin natürlich besonders über eine beabsichtigte, klima- und artengerechte Gestaltung von Balkonen und Gärten.

Besonders überzeugt hat die Jury die Anpflanzung von Siegerin Stefanie Auer. Der überschaubare Vorgarten besticht durch eine gelungene Mischung aus Stauden, Blühsträuchern, Gräsern und Kulturpflanzen sowie prächtigen Rosenbüschen. „Mit Anemonen, Polsterphlox, Vergißmeinnicht, Glockenblumen, Nelken und Sonnenhut als Stauden sowie Kolkwitzie, Magnolie, Pfingstrose, Hibiscus und Bambus als Sträucher und Gräser ist hier ein optischer Hingucker und zugleich insektenfreundlicher Vorgarten entstanden“, lobte Gärtnermeister Christian Gernert bei der Preisverleihung den in der – wie passend – Gartenstraße gelegenen Vorgarten.

Besonders gepunktet hat Stefanie Auer mit ihrer Bepflanzung in den Kategorien Durchgängigkeit der Blütezeit, Mehrjährigkeit und Standortanpassung. „Tatsächlich muss man auch diesen Garten für seine Insektenfreundlichkeit loben. Mit der langgestreckten Blütezeit sowie der Auswahl an Pflanzen mit ungefüllter, nektarreicher Blütenfolge sowie dem vielfältigen Lebensraum ist es ein Kleinod für Insekten“, freut sich Patricia White über den ökologischen Aspekt des Sieger-Gartens.

Hobbygärtnerin Stefanie Auer darf sich über einen 250 Euro-Gutschein des Hagebaumarkts Holz & Bau in Iserlohn freuen, der gestern (20. Dezember), von Ivonne Schönerstedt und Katja Rosenhoff bei der Siegerehrung übergeben wurde – gemeinsam mit der „Goldenen Gießkanne“ natürlich.

Ganz anders ist der Vorgarten der zweiten Gewinnerin: Er ist weitläufig und offen, selbst die Seitenbereiche sind gut von der Straße aus einsehbar. Es ist der Garten von Petra Rössler aus Gerlingsen, die im vergangenen Jahr schon den dritten Platz belegt und in der Sonderkategorie gewonnen hat.

Gärtnermeister Gernert zollt der optisch harmonischen Anpflanzung bei der Größe des Gartens seinen höchsten Respekt, dessen Struktur durch die künstlerischen Elemente nochmals unterstrichen wird. Mit Bambus, Fingerhut, wildem Majoran, unterschiedlichen Sorten Rosen, Goldfelberich, Fetter Henne, einer Unterart der Nelkenwurz sowie Frauenmantel und Co. setzt die Zweitplatzierte vor allem auf eine mehrjährige Bepflanzung und punktete zudem bei ihrer Anpflanzung mit einer durchgängigen Blütezeit, einer standortangepassten Auswahl der Pflanzen sowie einem nahezu optimalen Verhältnis von Grün- zu Pflasterfläche. So durfte Petra Rössler den 150 Euro-Gutschein des Hagebaumarkts Holz & Bau für den zweiten Platz in Empfang nehmen.

Zum zweiten Mal nach 2020 darf sich Ina Hanke aus Hennen über den mit einem 100 Euro-Gutschein dotierten, dritten Platz freuen. Ihr Bauerngarten ist in Kombination mit dem hübschen Fachwerkhaus ein absoluter Hingucker für alle Vorbeikommenden. Der Rosenbogen ist dabei genau so beeindruckend wie die Kombination aus Hortensien und Rhododendren. „Kugelahorn, Stockrose und Lavendel ergänzen das harmonische Arrangement auf der kleinen Fläche im Vorgarten gekonnt“, resümiert Christian Gernert mit fachkundigem Auge, der hier insbesondere auch das Verhältnis zwischen Grün- und Pflasterfläche sowie den Gesamteindruck hervorhebt.

Dass die Insektenfreundlichkeit der Anpflanzungen beim Wettbewerb einen hohen Stellenwert hat, wird durch die ausgelobte Sonderkategorie „Summen & Brummen“ deutlich. Hierbei werden zusätzlich Nistmöglichkeiten, Insektenrückzugsräume, die Vielfalt des Lebensraums sowie die Verwendung von Pflanzen mit einer nektarreichen Blütenfolge bewertet. „Ihren Verzicht auf Spritzmittel müssen die Teilnehmenden dabei in einer Erklärung abgeben“, erklärt Patricia White die Modalitäten. Der Grund ist denkbar einfach: „Der Einsatz von Herbiziden, so werden Unkraut-Spritzmittel offiziell genannt, schadet Flora und Fauna nachhaltig. Es ist pures Gift für unsere Natur.“

Mit dem Sonderpreis wurde in diesem Jahr in Abwesenheit der Preisträgerin der Garten von Karin Klohn aus Hennen ausgezeichnet. Hier findet sich über die gesamte Spanne des Gartenjahres eine üppige Vielfalt an unterschiedlichen Blütenformen. Diese bieten einen gedeckten Tisch für alle Insektenformen, die auf Nektar oder Pollen als Nahrung angewiesen sind – Schmetterlinge, Hummeln, Wildbienen und andere.

Besonders hervorzuheben sind die Blüten von Pflanzenarten, die sich erst am späten Abend öffnen und somit Nahrung für Nachtfalter liefern, wie zum Beispiel die Nachtkerze. Durch die Förderung der Nachtfalterpopulationen werden indirekt auch Fledermäuse unterstützt, die sich unter anderem von Nachtfaltern ernähren. Kräuter, Obstbäume und Stauden bilden einen mehrstufigen Aufbau, der zahlreichen Insekten Rückzugsmöglichkeiten in der heißen Sommerzeit, aber auch im Winter in der Ruhephase bietet. Für die Vogelwelt werden Nisthilfen, aber auch natürliche Nistplätze in den Obstbäumen angeboten.

„Eine überzeugende Mischung aus heimischen und exotischen Pflanzen im Stil eines traditionellen Bauerngartens. Einfach ein ganz besonderer Garten“, bewertet Biologin White das Areal, das mit einem 50 Euro-Stauden-Gutschein des Hagebaumarktes sowie einem Insektenhotel ausgezeichnet wurde. Besonders hierbei auch: bei dem Garten von Karin Klohn handelt es sich nicht um einen Vorgarten. Es ist ein ganz klassischer Garten, der zwar nur die Nachbarn erfreut und nicht direkt von der Straße eingesehen werden kann, aber auf Grund seiner außerordentlichen und zugleich außergewöhnlichen Insektenfreundlichkeit und damit Bedeutung für Flora und Fauna in der Nachbarschaft der Jury die Vergabe des Sonderpreises Wert war.

Siegerin Stefanie Auer, deren Vorgarten durch das Gremium ebenfalls als besonders insektenfreundlich eingestuft wurde, erhielt zusätzlich als Anerkennung ebenfalls eine Nisthilfe – „als besonderen Sonderpreis sozusagen“. Denn ihr Garten zeigt, welche vielseitigen Möglichkeiten auf kleinstem Raum zu realisieren sind. Für Insekten bieten sich Rückzugsräume innerhalb der Staudenpflanzungen, aber auch in der Fassadenbegrünung an Zäunen, Hauswand und Mauern. Ein Paradies für Vögel und Insekten in einem sonst recht ausgeräumten und versiegelten Straßenbereich“, bringt White die Insektenfreundlichkeit auf den Punkt.

Dass der Nistkasten, den Stefanie Auer bei der Siegerehrung entgegen nehmen durfte, nachhaltig ist, versteht sich von selbst: er ist Mitarbeitenden der  Beschäftigungsförderung der Stadt Iserlohn fachgerecht aus Eschenholz von Gefahrenbäumen aus dem örtlichen Forst produziert worden.

Um nachzulesen, wie insektenfreundlich der eigene Garten ist und für all diejenigen, die sich bisher dafür nur interessieren, sich aber noch nie intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, hat die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz auf der Homepage der Stadt Iserlohn unter der Rubrik „Natur- und Landschaftsschutz“ ein ganzes Kompendium dazu veröffentlicht. „Ein toller Tipp für alle Teilnehmer der Goldenen Gießkanne 2023“, sagt Patricia White und gibt damit bereits einen Hinweis auf die Fortsetzung des Wettbewerbs. „Auch im neuen Jahr haben wieder alle heimischen Hobbygärtner die Gelegenheit, mit ihren Anpflanzungen ihren Beitrag zum Umwelt- und Artenschutz sowie zur Verschönerung des Stadtbilds zu leisten und ganz nebenbei tolle Preise zu gewinnen“, ergänzt Korte.