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Der Blinden- und Sehbehindertenverein Lüdenscheid feierte im Festzentrum Hohe Steinert sein 100-jähriges Bestehen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Lüdenscheid und Umgebung hat am Samstag im Festzentrum Hohe Steinert seinen 100. Geburtstag gefeiert. Svetlana Böhm, 1. Vorsitzende des Westfälischen Blindenvereins, unterstrich in ihrem Grußwort die Bedeutung der Selbsthilfeorganisationen. „Sie sind eine wichtige Ergänzung zur professionellen Gesundheitsversorgung.“ Gerade bei der Emanzipation blinder Menschen spielten sie eine wichtige Rolle. Die Selbsthilfegruppen seien ein Garant dafür, dass sich Blinde an Veränderungsprozessen beteiligen könnten. „Also nur mit uns und nicht über uns“, betonte die Vorsitzende vor zahlreichen Gästen im festlich geschmückten Saal.

Svetlana Böhm (hier mit Moderatorin Klaudia Stahlschmidt) unterstrich die Bedeutung von Selbsthilfeorganisationen. Foto: Wolfgang Teipel

„Betroffene wissen selbst, was für sie am besten ist“, sagte auch Bürgermeister Dieter Dzewas in seinem Grußwort. Planer und Architekten müssen Barrieren in ihren Köpfen abbauen, grundständig denken und so Gebäude und Verkehrsflächen entwickeln, die für alle geeignet seien. Weitere Grußworte kamen von Detlef Seidel (Stellvertretender Landrat) und Renate Burg (Blindenverein Hagen).

Schlaglichter aus 100 Jahren

Josef Küppers, 1. Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins Lüdenscheid und Umgebung, erinnerte an die Zeit der Gründung und an die erste Ausstellung der örtlichen Bezirksgruppe im Jahr 1926. Damals ging es in der Schulung und Ausbildung blinder Menschen um die klassischen Berufe des Korb- und Bürstenmachers. Außerdem wurde bei dieser Ausstellung ein Büroarbeitsplatz für Blinde vorgestellt.



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Weitere Schlaglichter: 1961 errichtete der Westfälische Blindenverein ein Wohnhaus, um während der herrschenden Wohnungsnot für Blinde und ihre Familien zu schaffen. Das Haus wurde am 5. Juli 1961 an acht Mitglieder und ihre Familien übergeben.

Mitte der 1960er Jahre wurde das Blindenerholungsheim Haus Valbert eröffnet. Bis zu seiner Schließung im Jahr 2000 diente es als Erholungsheim und Fortbildungsstätte. Heute gehört es zum Blindenwerk Westfalen und dient mehrfachbehinderten blinden und sehbehinderten Menschen als Zuhause.

1963 wurde Margret Schnaare als erste Frau in den Vereinsvorstand gewählt. Sie war wenig später auch Mitbegründerin der Frauengruppe und von 1972 bis 2004 stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Von 1972 bis 1996 leitete Friedhelm Stahlschmidt den Verein und war während dieser Zeit lange Jahre auch gleichzeitig Vorsitzender des Westfälischen Blindenvereins.

Hörzeitung “Medardusbote” seit 1998

1998 wurde der „Medardusbote“, eine Hörzeitung für Blinde, gegründet.  Er existiert noch heute und liefert Blinden und Sehbehinderten Nachrichten auf CD. Sie werden von ehrenamtlichen Vorlesern aufgelesen.

Streicherinnen und Streicher des Märkischen Jugendsinfonieorchesters begleiteten die Veranstaltung mit klassischer Musik. Foto: Wolfgang Teipel

Seit 20 Jahren nehmen Mitglieder des Vereins in Zusammenarbeit mit dem Bürgerschützenverein am Schießsport teil. Beim Schießen wird eine spezielle Optronik verwendet. Sie wandelt Licht in Signaltöne um und ermöglicht es Blinden so, mit dem Luftgewehr exakt zu zielen. Auf Landes- und Bundesebene heimsten die blinden Schützen in der vergangenen jahren zahlreiche Erfolge ein.

Vergleichsweise neu in der 100-jährigen Geschichte ist die Beratungsstelle „Treffpunkt Auge“ in der Lünsche-Apotheke. Sie öffnet seit 1. März 2013 jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat ihre Pforten und berät in Fragen des Sozial-, Rechts- und Gesundheitswesens und gibt Tipps zu Hilfsmitteln.

Klassische Musik und “Dinner for one”

Streicherinnen und Streicher des Märkischen Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Christoph Corazolla begleiteten den Festtag mit klassischer Musik. Für Unterhaltung sorgten nach dem Mittagsbuffet Claudia und Uwe Baumann. Sie führten den beliebten Sketch „Dinner for one“ auf. Klaudia Stahlschmidt, Tochter des ehemaligen Vereinsvorsitzenden und Mitarbeiterin der von Bodelschwingschen Anstalten Bethel, führte durch das Programm.

Zudem bot die Jubiläumsveranstaltung einen würdigen Rahmen für die Ehrung treuer Mitglieder. Vorsitzender Josef Küppers gratulierte Margret Schaare (60 Jahre Mitgliedschaft) und Anne Herr (40 Jahre Mitgliedschaft).

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