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Die Ricke legt ihr Kitz in der vermeintlichen Sicherheit des hohen Grases ab. Doch die Wiese kann zur Todesfalle werden. In den ersten zwei Wochen ihres Lebens haben die Kitze keinen Fluchtinstinkt. Foto: privat


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Plettenberg/Herscheid. In diesen Tagen führen die Landwirte auf ihren Wiesen die erste Mahd durch. Bei dieser notwendigen Arbeit laufen sie gerade in den Monaten Mai und Juni Gefahr, gerade erst geborene Wildtiere mit den Landwirtschaftsmaschinen tödlich zu verletzen. Um dies zu verhindern, arbeiten die heimischen Landwirte und die Jägerschaft eng zusammen. Eine Kooperation, die sich bewährt und Tierleben rettet.

„Der Landwirt verständigt den zuständigen Jagdpächter, bevor er die Wiese mäht. Der Jagdpächter organisiert dann, dass die betreffenden Flächen nach abgelegten Rehkitzen abgesucht werden“, beschreibt Philip Plassmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Plettenberg, das Vorgehen. Solche Sucheinsätze wurden jetzt in Jagdbezirken in Herscheid und Plettenberg durchgeführt. Zahlreiche Jäger und freiwillige Helfer beteiligten sich an der Begehung der Wiesen. Sie waren zu Fuß, zu Pferd und sogar mit Unterstützung aus der Luft unterwegs, um vor allem Rehkitze vor dem grausamen Tod durch Mähmaschinen zu bewahren.

Luftunterstützung durch Kameradrohne

Frank Hanfler steuert die Drohne, an der eine Wärmebildkamera angebracht ist. Foto: privat

Rehe setzen ihre Jungen vorzugsweise im hohen Gras ab, das sie vor der Entdeckung durch natürliche Feinde schützen soll. Doch der vermeintlich sichere Platz wird durch den Menschen zur tödlichen Falle, denn: „Kitze haben in den ersten zwei Wochen ihres Lebens noch keinen Fluchtinstinkt“, erklärt Philip Plassmann.



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Bei der Suchaktion im Herscheider Jagdbezirk 4 im Bereich zwischen Kiesbert, Reblin und Katerlöh wurden zwei Kitze und ein Junghase in den Wiesen gefunden. Dabei half Frank Hanfler mit seiner Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist. Auch eine Gruppe Reiterinnen war mit von der Suchpartie auf insgesamt etwa 150 Hektar Fläche.

Fachgerechte Bergung und Verwahrung

Moritz Marl zeigt, wie es gemacht wird: Das Kitz darf nur mit Handschuhen und Grasbüscheln angefasst werden, damit die Ricke nicht durch Menschengeruch abgeschreckt wird. Foto: privat

„Bei der Bergung darf man das Kitz niemals mit bloßen Händen anfassen“, weiß Jäger Moritz Marl. „Der Menschengeruch würde die Ricke veranlassen, das Kitz nicht mehr anzunehmen.“ Mit Handschuhen und Grasbüscheln wird das Kitz in eine Box gesetzt und an einer ruhigen und stressfreien Stelle verwahrt. Nach dem Mähvorgang kann es dann am Rand der Fläche, nahe des Fundorts ausgesetzt werden, wo es die Ricke wiederfindet.

Im Plettenberger Jagdbezirk 6, der sich von Bremcke bis nach Ohle erstreckt, wurde bei der Suchaktion diesmal kein Wildbaby gefunden. „Das liegt auch daran, dass durch die Trockenheit das Gras recht niedrig ist. Die Ricken suchen sich dann eher geschützte Stellen im Wald“, meint Philip Plassmann. Insgesamt können die Jäger und Helfer zufrieden sein. Die Rückmeldung der Landwirte lautete, dass beim Mähen kein Tier zu Schaden gekommen sei.

Betretungsverbot für Wiesen und Äcker

Einen dringenden Hinweis gibt Philip Plassmann allen, die in Wald und Flur unterwegs sind: „Es gilt ein Betretungsverbot für Wiesen und Äcker, nicht nur während der Brut- und Setzzeit, sondern allgemein zum Schutz der landwirtschaftlichen Pflanzen.“ Gleiches gelte auch für den Wald, wo die Freizeitnutzer auf den Wegen bleiben sollten. Hunde sollten immer an der Leine geführt werden. „Sie verscheuchen sonst die Muttertiere“, so Philip Plassmann.

„Falls man ein Jungtier entdeckt, sollte es unter keinen Umständen angefasst werden. Die Kitze oder Junghasen sind nicht verwaist. Ihre Mütter kehren erst bei Dunkelheit zum Säugen zurück und wenn keine Menschen mehr zu sehen sind.“ Erst kürzlich seien zwei Kitze in der Nähe der Kersmecke in Plettenberg gestorben. „Sie waren offenbar von einem Hund beschnüffelt oder abgeleckt worden. Ihre Mutter hat sie nicht mehr angenommen.“

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