Simon Pearce bescherte dem Publikum einen erfrischenden und unterhaltsamen Abend mit Tiefgang. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Der kleine Simon Pearce hat’s nicht leicht. Er ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters. In der Grundschule muss er für das Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ herhalten. Schon am ersten Schultag werden dem kleinen Simon Grenzen aufgezeigt. Sein Banknachbar wird nicht sein Freund. Simon hatte sich das inständig erhofft. Stattdessen zieht sein Mitschüler mit dem Bleistift eine Linie über den Tisch. „Deine Seite, meine Seite.“ Damit ist alles klar. Das klingt übel. Am Mittwoch sorgten die Anekdoten des Comedians aus dem bayerischen Puchheim für zahlreiche Lacher. Nicht, dass der Mann offenen und auch latenten Rassismus auf die leichte Schulter nimmt. Er gewinnt ihm aber seine komischen Momente ab. „Allein unter Schwarzen“, so heißt sein auf Bayern gemünztes Programm.

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Die Mama ist ein wahrer Freak

Der Theater- und TV-Schauspieler (unter anderem „Tatort“ und „Die Rosenheim-Cops“) zog jede Menge Publikum aus Lüdenscheid und Umgebung. Die Vorstellung im Wettstreit um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“, den Kleinkunstpreis der Sparkasse Lüdenscheid, war nahezu ausverkauft.

Die Mama, ein wahrer Freak („Der Inhalt ihrer Handtasche glich eher dem einer Voodoo-Priesterin.“), der Papa ein Spießer („Bau bloß keine Scheiße, Simon.“) prägten Kindheit und Jugend in Puchheim. Die Karriere als Sportler kam nicht ins Rollen, auch als Anführer der Gangsta-Gang taugte Simon nicht. Also raus aus dem beschaulichen Puchheim, ab nach München.

Auch München ist nur ein Dorf

Aber auch hier erlebt er die seltsamsten Dinge. So wuschelt ihm eine ältere Dame durchs dichte Haupthaar und murmelt „Mei, wie a Schaf“. Simon greift ihr an den Hals und sagt „Mei, wie a Truthahn.“ Die Macht der Worte bringt ihn immer wieder in Bedrängnis, ob bei den zahllosen Polizeikontrollen, bei denen immer wieder ausgerechnet er als Stichprobe herhalten muss oder in der Disco, in der er junge Frauen anschwärmt und die merkwürdigsten Abfuhren erhält.

So erlebte das Publikum einen erfrischen und unterhaltsamen Abend, bei dem sich so ganz nebenbei die Erkenntnis festsetzt, dass der Rassismus offenbar überall lauert. Auch München ist, so Simon Pearce, eben nicht die offene und tolerante Multi-Kulti-Gesellschaft. „München ist eben auch nur ein Dorf, durch das eine U-Bahn fährt. Das Dorf findet in den Köpfen statt.“

 

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