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Openair-Probe auf der Waldbühne: Das war für alle etwas Neues. Collage: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. „Mehr Lautstärke, bitte.“ Die Stimme von Johannes Gehring schallte durch die Waldbühne im Stadtpark. Auf ein Neues. Die beiden Bratschistinnen geben alles. Der Leiter des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule Lüdenscheid scheint zufrieden.

Orchesterprobe im Grünen, daran müssen sich Dirigent und Ensemble erst einmal gewöhnen. Auch Spaziergänger und Jogger im Stadtpark registrieren Ungewöhnliches. Auszüge aus Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel „Coriolan“ zur Nachmittagsrunde – das gab’s noch nie. Die Corona-Pandemie macht’s möglich.

Johannes Gehring fordert: “Mehr Lautstärke, bitte”. Foto: Wolfgang Teipel

Gemeinsame Proben waren für die Musikerinnen und Musikerin seit Ausbruch des Coronavirus nicht möglich. Und auch zurzeit stehen keine geeigneten Räumlichkeiten für das rund 40-köpfige Ensemble zur Verfügung. Was tun?



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Auf der Waldbühne können alle Sicherheitsbestimmungen, die die Ausbreitung des neuartigen Virus verhindern sollen, eingehalten werden. Was lag also näher, als die Probe ins Grüne zu verlegen?

Montagsnachmittag, 17.15 Uhr: Langsam trudeln die Mitglieder des Ensembles, bepackt mit Instrumenten und Notenständern, ein. Die zierliche Kontrabassistin schleppt ihr sperriges Instrument den Abhang zur Waldbühne hinunter. Aber auch sie findet mit dem riesigen Streichinstrument ihren Platz.

Als “Plopp-Schutz” dient ein Nylonstrumpf vor dem Schalltrichter. Foto: Wolfgang Teipel

Zwei Meter Abstand zum nächsten, bei den Blasinstrumenten soll der Abstand noch größer sein. Sie werden mit einem „Plopp-Schutz“ versehen. Die Musiker ziehen Nylonstrümpfe über den Schalltrichter. Die Flötisten kämpfen noch ein wenig mit dem feinen Gespinst, das sie sich vor den Mund gehängt haben. Dann geht’s aber los.

„Alle sind ganz glücklich, dass sie wieder zusammen spielen können“, berichtet Katja Fernholz-Bernicker in einer kurzen Pause. Das gilt wohl auch für sie. Ein Ersatz für das geplante Sommerkonzert kann die Openair-Probe allerdings nicht sein. Ohne Corona hätte das Orchester in Kürze im Beethoven-Jubiläumsjahr vor Publikum dem Meister der Wiener Klassik und dem Wegbereiter der Romantik gehuldigt. Das Freiluft-Experiment auf der Waldbühne hätte dem großen Komponisten aber sicher ebenso gut gefallen wie den Zaungästen an Montag.

Platzsuche or der Probe auf der Waldbühne. Foto: Wolfgang Teipel

 

 

 

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