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Der Bautz soll wieder strahlen: LSM und Willi & Söhne wären bereit für den nächsten Kraftakt. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Das Bautz-Festival war für die Veranstalter ein Kraftakt sondergleichen. Davon können André Westermann (Stadtmarketing) Matthias Czech, Gregor Biedrzycki, Phillip Nieland und Linus Wortmann (alle Willi & Söhne) ein Liedchen singen. Das Bautz-Fieber hat sie bis heute nicht losgelassen. Jetzt wollen sie mehr. „Ich hoffe inständig auf ein Bautz-Festival 2020“, sagt Matthias Czech. „Wenn das nicht funktioniert, wäre das für mich persönlich eine Katastrophe. Und für die Stadt auch.“ Die Stadt könne auf ihren Einsatz zählen. Klar sei aber auch: „Wir brauchen schnell ein klares Signal aus der Politik.“ Ohne zusätzliche Unterstützung sei ein solches Mega-Event nicht zu stemmen.

Rückhalt aus den Fan-Reihen

Die Fans haben das Lüdenscheider Stadtmarketing und Willi & Söhne auf ihrer Seite. Bei einer Online-Umfrage des Portals www.come-on.de haben sich von über 2200 Teilnehmern 82,2 Prozent (Stichtag 5. September) für eine Wiederholung ausgesprochen.

Einmalige Atmosphäre: Auch das Konzept, für jeden etwas zu bringen, ging beim Festival auf. Foto: Irios Kannenberg

Warum eine schnelle Entscheidung notwendig ist, verdeutlichten André Westermann und die Vertreter von Willi & Söhne am Freitagnachmittag ihn einem Pressegespräch. Schon im Herbst dieses Jahres fallen bei den Booking-Agenturen die Entscheidungen fürs nächste Jahr. Gleiches gilt für potenzielle Sponsoren, die in Kürze damit beginnen, ihre Budgets aufzuteilen. Wenn das Bautz-Festival nicht schnell aufspringe, sei der Zug für 2020 abgefahren.



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Schon neue Ticket-Anfragen

Über Rückenwind können sich die Veranstalter nicht beklagen. „Wir haben schon Ticket-Anfragen“, berichtete Matthias Czech. Einige Sponsoren stünden schon Gewehr bei Fuß. Lüdenscheider Unternehmen, die in diesem Jahr nicht dabei gewesen seien, hätten signalisiert: „Beim nächsten Mal wollen wir Teil des Festivals sein.“

André Westermann unterstrich die Bedeutung des Festivals für Lüdenscheid. „Es wäre ein wichtiger Faktor für das Standortmarketing, weil es klar über die Grenzen der Stadt hinausstrahlt.“ Dazu komme: Ein großer Teil des Geldes, das am Nattenberg umgesetzt worden sei, bleibe ja in der Stadt. Für André Westermann ist klar: „Die Stadt braucht viele Veranstaltungsformate und dazu immer einen Höhepunkt.“ So werde Lüdenscheid auch interessant für Fachkräfte und deren Familien, die ja dringend gesucht würden.

André Westermann, Matthais Czech, Gregor Biedrzycki, Linus Wortmann und Phillip Nieland: Bei ihnen liefen die Fäden des Mega-Events zusammen. Foto: Wolfgang Teipel

Willi & Söhne betrachten ihren ehrenamtlichen Einsatz in diesem Jahr als Investition in die Zukunft. „Mit Bautz haben wir aus dem Nichts heraus eine Marke aufgebaut“, erklärt Gregor Biedrzycki. Das müsse jetzt konsequent genutzt werden, fordert er.

Auch Nena fühlte sich gut aufgehoben

„Am Anfang hatten wir nichts außer der Idee, dem Datum und den Ort.“ Aus über 40 Namensvorschlägen für das Festival habe sich dann Bautz herausgeschält. „Daraus haben wir einen Charakter geformt.“ Nur wenige hätten geglaubt, dass Willi & Söhne und LSM ein Festival mit über 40 Künstlern auf die Beine stellten könnten. Rückmeldungen aus den Booking-Agenturen und von Künstlern zeigten jetzt, dass sich alle in Lüdenscheid gut aufgehoben gefühlt haben. Das gelte auch für Stars wie Nena.

Persönlich vom Hotel abgeholt

„Ich habe Nena und ihren Stab von 40 Leuten persönlich vom Hotel abgeholt“, berichtete Phillip Nieland. Diesen Kontakt wüssten die Künstler zu schätzen. Bei Nieland liefen vor und während des Festivals die Fäden in Sachen Booking, Personal, Catering, Reiseplanung und mehr zusammen. Er war für alle Abläufe auf dem Gelände verantwortlich. „Klar, ich hatte von Anfang an ein Bild vor Augen wie es laufen sollte. Aber das war Theorie.“ Sein Horror: Warteschlangen. „Sie sind der Tod jedes Festivals.“ Dann wurden die Pläne umgesetzt und er spürte, dass sie funktionieren.

Sehr persönlicher Post auf Facebook

In einem sehr persönlichen Post auf Facebook beschreibt Phillip Nieland seine Gefühlswelt so: „Insbesondere die letzte Woche vor dem Festival hat mir dann noch einmal alles abverlangt. Aber immer mehr war auch diesen Spirit auf dem Gelände zu spüren. Schwer zu beschreiben. Aber mit über 20 Jahren Erfahrung auf dem Buckel merkst Du schnell, dass da gerade etwas ganz Besonderes passiert. Chaos und Hektik auf der Baustelle, unzählige freiwillige Helfer packen spontan mit an, die Sonne strahlt vom Himmel und Du siehst in jedem vorbeiflitzenden Gesicht diese magische Energie. Und den Stolz, Teil dieses einzigartigen Projektes zu sein.“

Kistenweise Bauanträge ins Rathaus geschleppt

Willi & Söhne hatten ihre gesamten beruflichen Qualifikationen ehrenamtlich in das Projekt eingebracht. Das gelte auch für Linus Wortmann, der als Architekt das riesige Nattenberg-Gelände für das Festival vorbereitet und die Aufbauarbeiten begleitet hat. „Wir haben kistenweise Bauanträge ins Rathaus geschleppt“, erinnert sich André Westermann. Unzählige Fragen in Sachen Sicherheit und darüber hinaus hätten beantwortet werden müssen. „Diesen Erfahrungsschatz besitzen wir jetzt und können ihn in ein neues Festival einbringen. Das erleichtert dann manches“, sagte Linus Wortmann.

Abbruch hinterlässt Spuren in der Bilanz

Die Zahlen, die der Politik eine Entscheidungsgrundlage liefern können, wird André Westermann in Kürze vorlegen. „In spätestens zehn Tagen machen wir den Strich unter die Rechnung“, kündigt er am Freitag an. Er bedauert wie viele andere auch, dass das Festival wegen eines drohenden Unwetters abgebrochen werden musste. Das habe massive Auswirkungen auf die Umsätze am Samstagabend gehabt. Auch die Erstattungsaktion für nicht verbrauchte Token wird Spuren in der Bilanz hinterlassen, rechnet er vor. Was ihm Hoffnung macht: Viele hätten auf die Erstattung verzichtet und das als ihren kleinen Beitrag zum nächsten Festival gesehen.

“Wir haben geliefert”

Für die Festival-Macher steht fest: „Wir haben geliefert. Jetzt muss sich die Stadt zum Bautz-Festival bekennen.“ Der Anschub müsse schnell kommen. Linus Wortmann denkt bereits über das Jahr 2020 hinaus. „Mittelfristig ist es durchaus möglich, dass sich das Festival selbst finanziert.“

 

 

 

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