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Bitte nehmen Sie nicht Platz. Die Kissen bestehen aus einer Acryl-Haut, die mit Luftpolstern aufgefüllt ist. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. „Flat Volumes“ bedeutet übersetzt flache Volumen. Ein Widerspruch. Mit solchen scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen arbeiten die beiden Künstlerinnen Alex Grein und Julia Gruner. Unter dem Ausstellungstitel „Flat Volumes“ zeigen sie vom 24. März bis 3. Juni neue Arbeiten in der Städtischen Galerie Lüdenscheid.

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Julia Gruner stellt die Malerei auf den Kopf. Sie holt sie aus der Zweidimensionalität und verschafft ihr Volumen. Etwa mit den zehn farbigen Kissen, die im Forum der Stadtgalerie zu sehen sind.

Raffiniertes Spiel um echt und falsch

„Bitte nicht draufsetzen oder anfassen“, bittet die Künstlerin. Dieser Wunsch ist nur zu verständlich. Betrachtet man die Gebilde, möchte man sie gleich berühren, um sie näher zu ergründen. Das könnte fatal werden. Die Kissen bestehen aus Schichten von Acrylfarbe, die mit Luftpolstern aufgefüllt sind. So gibt Julia Gruner der Farbe Raum, platziert sie im Ausstellungsraum und es entfaltet sich ein raffiniertes Spiel um echt und falsch.



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Säulen dupliziert

Ähnlich ist es bei Alex Grein. Die Düsseldorferin nutzt das Medium der Fotografie als Platzhalter für das Gesehene und bewegt sich in ihren Werken zwischen Wahrheit und Illusion. Das Material, auf das die Fotografie gedruckt oder belichtet wird, ist elementarer Bestandteil der Wirkweise des Bildes.

Illusion oder echt? Galerieleiterin
Dr. Susanne Conzen mit dem Foto einer der Säulen
aus dem Forum.
Foto: Wolfgang Teipel

Für die Lüdenscheider Ausstellung dupliziert sie das den Raum strukturierende architektonische Element der Säulen fotografisch und nutzt die sonst „flache“, bildhafte Fotografie als Objekt, das den realen Raum erweitert.

Besonders beindruckend ist ein aus 286 Elementen bestehendes Kachelbild, das auf einer Stirnwand des Forums platziert wird. Es beinhaltet gleich mehrere Geschichten. „Suchen Sie sich eine aus“, sagte Alex Grein am Dienstag. Na dann: Großen Raum nimmt ein Foto des Athener Parthenons ein. Das Bild des antiken Tempels zu Ehren der Stadtgöttin Pallas Athena hat Alex Grein aus dem Internet gefischt. Ein flüchtiger Schnappschuss, den sie mit anderen Bildebenen verknüpft und für die Ewigkeit auf Kacheln gebrannt hat.

286 gebrannte Kacheln und mehrere Bildebenen: Dieses Werk von Alex Grein auf einer Stirnwand des Forums angebracht. Foto: Wolfgang Teipel

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

Alex Grein und Julia Gruner haben beide an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Beide haben gleichzeitig einen biografischen Bezug zur Region: Alex Grein (*1983), Meisterschülerin bei Andreas Gursky, erhielt 2016 das Märkische Stipendium für Bildende Kunst im Fach Fotografie. Julia Gruner (*1984), Meisterschülerin bei Katharina Grosse, ist in Lüdenscheid geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Köln.

Die Städtische Galerie hat mit beiden Künstlerinnen eine intensive Zusammenarbeit vereinbart, deren Ziel die Entwicklung eines gemeinsamen Konzepts mit einer raumbezogenen Installation für den Wechselausstellungsbereich des Forums ist, eines weitläufigen, nur durch einzelne Betonstützen gegliederten Raumes.

Somit wird zum wiederholten Mal die eigenwillige Architektur des Museumsbaus zur Herausforderung, der sich die Künstlerinnen gerne und mit großem Engagement stellen.

Förderung durch Kunststiftung NRW und KFL

„In der Zusammenschau der Werke funktioniert das sehr gut“, sagt Dr. Susanne Conzen. Die Leiterin der Städtischen Galerie ist besonders froh darüber, dass die aufwändige Ausstellung mit Mitteln der Kunststiftung NRW und der Unterstützung der Kunstfreunde Lüdenscheid (KFL) realisiert werden konnte.

Zur Ausstellung soll im Mai ein Katalog mit Texten von Beat Wismer und Romina Dümler erscheinen.

Die Eröffnungsveranstaltung findet am Freitag, 23. März, statt. Einlass ist ab 19 Uhr. Die offizielle Eröffnung beginnt um 19.30 Uhr.

Öffentliche Führungen

Am 25. März, 15. April sowie am 6. und 27. Mai werden öffentliche Führungen unter der Leitung Dr. Carolin Krüger-Bahr angeboten.  Die Kunsthistorikerin hofft, dass insbesondere Lüdenscheider Schülerinnen und Schüler die Ausstellung nutzen, um sich einen Blick auf zeitgenössische Kunst zu verschaffen. „Die Ausstellung geht weit über das Verständnis herkömmlicher Kunstgalerien hinaus“, betont sie.

Städtische Galerie: Sauerfelder Str. 14 – 20, 58511 Lüdenscheid
T. 02351 / 17 – 1496/F. 02351 / 17 – 17 091 Mail: museen@luedenscheid.de

Öffnungszeiten: Mi – So 11 – 18 Uhr

Ansprechpartnerin Dr. Susanne Conzen, T. 02351 / 17 – 1234

“Regenhaut”, Acrylfarbe, 75 x 50 x 5 cm, 2015. ©Julia Gruner
In der Arbeit Farn hat Alex Grein ein vorher gesammeltes Farnblatt reprodukziert. Das Fundstück wurde fotografiert und in der Originalgröße doppelt ausgedruckt, um dann in seine Ursprungsform zurück gebracht zu werden. Jeder Blattstrang ist einzeln ausgeschnitten und bekommt dadurch die Anmutung eines realen Objektes. Auf den ersten Blick scheinen die zwei Duplikate identisch, doch beim genaueren Betrachten erkennt man die Unterschiede.
© Alex Grein

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