Ausgebremst: Dr. Michael Piepenstock ist von der Stadt Lüdenscheid enttäuscht. Foto: pixabay.com

Lüdenscheid. Der Neubau der Feuer- und Rettungswache soll auf einem rund 22.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Wiesenstraße angesiedelt werden. Mit diesem Ratsbeschluss macht die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht an der Fläche Gebrauch. Das Areal gehört allerdings Dr. Michael Piepenstock. Sein Autohaus hat es Ende Oktober von der Firma Novelis erworben. Er benötigt die Fläche für die dringend notwenige Standortverlagerung seines VW-Autohauses. In einer Presseerklräung spricht Dr. Michael Piepenstock jetzt von “mangelender Wertschätzung”. Hier seine Erklärung im Wortlaut:

In der Ratssitzung am Montagabend, 11. Dezember, ist final beschlossen worden, dass die Stadt Lüdenscheid das Vorkaufsrecht für das vom Autohaus Piepenstock. zur dringend notwendigen VW Standortverlagerung Ende Oktober 2017 gekaufte Grundstück Wiesenstraße ausübt, um dort in frühestens sechs bis acht Jahren einen Neubau für die Feuer- und Rettungswache anzusiedeln. Wer weiß, wie bis dahin die Anforderungen aussehen? Dabei sind die frappierenden Arbeitsschutzmängel u. der Sanierungsstau der beiden Einrichtungen bereits seit mindestens 12 bis 15 Jahren bekannt.

Klares Nutzungskonzept

Eines dem Verkäufer für Dezember avisierte Gutachten einschließlich Machbarkeitsstudie, Vorplanung, Anforderungs- u. Nutzungskonzept sowie Lärm- u. Verkehrsbeurteilungen, Umsetzungszeitplan … liegt bisher immer noch nicht vor. Das Autohaus Piepenstock kann ein klares Nutzungskonzept vorlegen; neben klassischen Autohausfunktionen, u.a. öffentliche Elektro-Ladesäulen, digitale Präsenter, neuartige Mobilitätskonzepte. Das sichert und schafft neue Arbeitsplätze!

Alternativ-Standorte ohne intensive Prüfung verworfen

Möglicherweise stellt ein Sachverständigengutachten im Nachgang fest, dass das Grundstück aufgrund der Topographie, Bodentragfähigkeit . . .  doch nicht für die Ansiedlung geeignet ist. In den kommenden Jahren entsteht im Industrie- und Gewerbegebiet Rosmart der Neubau einer Feuerwehr Kreisleitstelle für mindestens 23 Millionen Euro, woraus auch mögliche Synergien generiert werden können. Alternativstandorte wie im Innenhof der Stadtwerke, oberhalb der STL und die zum Verkauf stehenden Grundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite, der Firmen Kostal u. Markes, wurden ohne intensive Prüfungen verworfen.

Angebot 40 Prozent niedriger

Ursprünglich wollte die Firma Novelis das Grundstück an die Stadt verkaufen, doch sie bot ca. 40 Prozent weniger als in einem aktuellen Wertgutachten aus dem Frühjahr 2017, obwohl sie wusste, dass das Autohaus Piepenstock das Areal zu dem Preis kaufen möchte. Der Verkäufer hat die Stadt sogar noch ca. zehn Tage vor Kauf-/Notarvertragsunterzeichnung persönlich informiert. „Das hat für mich nichts mit Marktwirtschaft zu tun, sondern ist Enteignung!“

Weitreichendes Entgegenkommen

Es freut mich zwar von der Politik und den Gremien zu hören, dass sie mir bei der Grundstückssuche aktiv helfen möchten, doch dann Frage ich mich, was die Stadt diesbezüglich in den vergangenen sieben bis acht Jahren gemacht hat? Ich habe der Stadt in 2008/09 meine Grundstücke Lutherstr. 5 und 7 verkauft, damit das Kunststoff Institut Lüd. als Ankermieter dem EGC erhalten bleibt, einen Neubau realisieren kann, dringend benötigte Parkplätze geschaffen werden können, ansonsten wäre die Regionale 2013 („Denkfabrik“) mit Phänomenta, Fachhochschule, DIAL . . . mit ca. 25 Millionen Euro öffentlichem Zuschuss gefährdet gewesen. Dafür haben wir die VW Nutzfahrzeuge Werkstatt zum Fuhrpark ausgelagert, was jedoch die Marke ab Januar 2018 nicht mehr duldet. Damals ist mir von der Stadt zugesichert worden, dass sie mich tatkräftig bei der Grundstückssuche unterstützen würde, andernfalls hätte ich die knapp 3000 Quadratmeter nicht abgegeben.

Rätherwiese offenbar keine Option

Das jetzt avisierte städtische Grundstück „Rätherwiese“, Bierbaum, hatte ich als mögliche Option vor ca. neun Monaten angesprochen. Damals wurde mir wurde klar signalisiert, dass dies ausschließlich für Wohnbebauung vorgesehen ist. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Herr Bodenheimer, wies in einem Pressebericht am vergangenen Wochenende darauf hin, dass im Ampel Koalitionsvertrag der weitere Flächenverbrauch speziell dort untersagt sei.

Den mir bei einer Besprechung mit dem Bürgermeister und Dezernatsleitern Ende November von dem Areal avisierte Lageplan nebst Einzeichnung des möglichen Grundstücks sowie Kaufpreisvorstellung habe ich trotz schriftlicher und mündlicher Nachfrage auch noch nicht vorliegen, so dass ich auch bei VW noch nicht anfragen konnte, ob sie diesem künftigen VW-Standort zustimmen würden.

Halbwahrheiten und Halbwissen

Bedenklich finde ich auch, mit welcher Wertschätzung und „Gutsherrenart“ diese Thematik von einigen Politikern und der Stadt behandelt wurden. Halbwahrheiten und gefährliches Halbwissen bezüglich des ehemaligen Gartencenters Cordt oder unseres Areals an der Elbinger Straße, Weitergabe des Verkaufspreises an die Presse sowie ganz kurzfristige Aufnahme der Flächenplannutzungs- u. Bauplanänderung „Nördliche Wiesenstraße“ in die Bau- und Verkehrsausschusssitzung ohne Vorabinfo. an mich in die Tageszeitung zu setzen, obwohl wir zwei Tage vorher den besagten Termin bei der Stadt hatten, zeugt nicht gerade von besonders gutem Stil, gegenseitiger Wertschätzung und Lösungsorientierung.

Verwaltungsrechtler eingeschaltet

Dann müssen jetzt halt Juristen und Verwaltungsgerichte die Rechtmäßigkeit der Grundstücksvorhaltung nebst möglichen Regresszahlungen überprüfen. Ein entsprechendes Rechtsanwaltsschreiben eines profunden Verwaltungsrechtlers liegt der Stadt vor. Ein solches Verfahren zieht sich womöglich über mehrere Jahre hin, doch ich möchte mir am Ende nicht eingestehen müssen, dass ich etwas unversucht gelassen habe. Das bin ich unserem Familienunternehmen, den Gesellschaftern und vor allem auch den Mitarbeitern schuldig, die mir tagtäglich ihr Vertrauen und die Arbeitskraft schenken. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte erwarten (Entwicklungs-)Perspektiven, ansonsten verlassen einen die Besten zuerst!

Auf unbürokratische Unterstützung gehofft

Unser Autohaus setzt traditionell bei Neubaumaßnahmen heimische Handwerker ein, denn ich brauche nicht europaweit ausschreiben (siehe Sporthalle Bergstadt Gymnasium und Kunststoff Institut Lüdenscheid).  Dies sichert Arbeitsplätze in der Stadt und schafft Steuereinnahmen!

Eigentlich hätte ich mir von der Stadt Lüdenscheid, z.B. Bürgermeister, Amt für Wirtschaftsförderung …, entweder einen Gratulationsanruf oder –schreiben zum lang ersehnten Grundstückskauf erhofft mit der Zusage, mich bei der Bauplanung und –umsetzung tatkräftig u. unbürokratisch zu unterstützen. – Das wäre Wirtschaftsförderung gewesen!

Keine Zukunft am beengten Standort

Ich möchte eigentlich „nur“ Arbeitsplatz-, Unternehmenssicherung, Wirtschaftsförderung betreiben und unser familiengeführtes Autohaus (dieses Jahr 130jähriges Firmenjubiläum!) zukunftsorientiert aufstellen. Das funktioniert am jetzigen beengten VW Standort nicht!

Ich danke meiner Familie, Freunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern . . ., die mich sowohl moralisch als auch mit Informationen tatkräftig in den letzten Wochen unterstützt haben.

Ich hoffe, den Entscheidern sind die Tragweite, die daraus resultierenden Konsequenzen bewusst und sie übernehmen auch dafür die Verantwortung?! Meine Familie / Gesellschafter und ich werden mit gewissem Abstand zwischen den Feiertagen die Entscheidung bewerten u. wir werden daraus unsere Schlüsse ziehen.

 

 

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