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Der untere Schulhof während einer Pause. Das Bild entstand vor drei Jahren - die Gebäude hinten und rechts werden jetzt aufgestockt. Die Symmetrie der Anlage geht leider verloren, dafür ist in den Räumen dann endlich wieder genug Platz für alle Schülerinnen.

Lüdenscheid. “So viele Schülerinnen gab es an der Atefa-Schule noch nie: 616 Mädchen besuchen die Schule“ – mit diesem Satz begann das letzte Info-Blatt des Vereins Eschan Lüdenscheid e. V. Das war eine schöne Nachricht, denn sie war eine Bestätigung für den Erfolg der Arbeit.

Der Andrang der Schülerinnen hat aber auch eine Kehrseite, berichtet Dr. Anwar Nabiyar, Vorsitzender des Vereins. Seit Jahren, heißt es im seinem neusten Info-Schreiben, leidet die Atefa-Schule unter einem gravierenden Mangel an Räumen. Mehrere Klassen mussten entweder in der benachbarten Jungenschule oder im Freien auf dem Schulhof und im Lehrerzimmer unterrichtet werden. Nun kann Eschan e.V. endlich mit einer Erweiterung des Schulgebäudes beginnen. Auf dem rechten Flügel soll ein weiteres Stockwerk errichtet werden. Dadurch gibt es vier zusätzliche Klassenräume und einen kleineren Gruppenraum sowie zwei Toiletten.

Vorbereitung für die Erweiterung: Das Dach und die Decke des Seitenflügels sind abgerissen. Man kann gut den rechteckigen Altbau mit dem innen liegenden Schulhof sowie einen Flügel des Anbaus für die oberen Klassen erkennen.

Diese Baumaßnahme ist nur möglich, weil Eschan e.V. von der Stiftung BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ großzügig unterstützt wird. Aus eigenen Mitteln von Eschan e.V. ist allerdings ein größerer Betrag nötig, um die Einrichtung und vor allem die Unterhaltung des Gebäudes zu finanzieren.

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Bauarbeiten haben Anfang Oktober begonnen

Die Bauarbeiten haben Anfang Oktober wenige Tage nach der Zusage der Fördermittel bereits begonnen. Sie sind inzwischen weit fortgeschritten. In wenigen Wochen ist dann hoffentlich die Erweiterung abgeschlossen, sodass das neue Gebäude sich im neuen Schuljahr mit Leben füllt.

In diesem Jahr erhielt die Atefa-Schule gleich zwei Auszeichnungen: Im Frühjahr wurde Schulleiterin Farida eine Urkunde überreicht, dass die Schule die beste Schule der Provinz Kabul ist. Im Sommer folgte dann die nächste Ehrung: Die Atefa-Schule fand sich in einer Liste mit den hundert besten Schulen ganz Afghanistans.

Gedenkstein für Dr. Anwar Nabiyar

Die Stadtverwaltung hat einen Gedenkstein mit dem Bild von Dr. Nabiyar im Schulhof anbringen lassen.

Auch in der Stadt und im Kreis Estalef werden die Arbeit und die Hilfe aus Deutschland immer wieder gewürdigt. Rolf und Dr. Arnhild Scholten erhielten Urkunden mit dem Dank für ihre langjährige Arbeit, für Dr. Nabiyar wurde im Hof der Schule sogar ein Gedenkstein angebracht.

Die Auszeichnungen für die Schule sind natürlich auch eine Verpflichtung, alles zu tun, damit das so bleibt. Wie berichtet, wird auch von den Lehrerinnen, die bereits seit Jahren erfolgreich unterrichten, verlangt, dass sie eine zweijährige Fortbildung machen, die pro Person ca. 1300 € kostet. Tun sie das nicht, werden sie versetzt und dürfen nur noch die unteren Klassen unterrichten. Auf die bewährten Lehrkräfte will Eschan e. V. aber nicht verzichten.

Langsam wird das Geld knapp

Die Fortbildung aus der eigenen Tasche zu finanzieren, ist bei den niedrigen Gehältern nicht möglich. Deshalb erhalten jetzt sieben Lehrerinnen Stipendien. Damit ist allerdings erstmals nicht mehr genügend Geld vorhanden, um allen 24 Abiturientinnen, die in diesem Jahr abschließen und die einen Beruf ergreifen wollen, ein Studium zu ermöglichen.

Alle bisherigen Studentinnen sind jedoch weiterhin in der Ausbildung oder haben ihre Prüfungen bereits abgeschlossen: 13 Hebammen sind zu Anfang des Jahres fertig geworden, fünf Lehrerinnen im Spätsommer.

2020 folgen weitere Lehrerinnen und Hebammen. Die Ausgaben für Stipendien liegen in diesem Jahr bei ca. 30.000 €. Den großzügigen Stipendiengebern gilt deshalb ein besonderer Dank.

Im Herbst wurden auch wieder die Patenschaftsgelder ausgezahlt. 280 Schülerinnen der Klassen 5-12 erhalten eine Unterstützung. Zwei Schülerinnen bekommen Geld aus einer Patenschaft, nämlich zweimal im Jahr ca. 35 € für jede. 44 Studentinnen erhalten ebenfalls eine Förderung. Sie bekommen eine volle Patenschaft, d.h. im Jahr ca. 160 €. So reichen die Spenden für Stipendien für mehr Studentinnen. Das Geld wird monatlich mit dem Stipendium ausgezahlt.

Mit dem restlichen Geld aus den Patenschaften werden Ausgaben bestritten, die den Mädchen unmittelbar zugute kommen, z.B. Schulkleidung insbesondere für die Mädchen der 1. – 4. Klasse. Auch die Patenschaftsgelder bilden bei den vielen Geförderten einen großen Posten in der Jahresrechnung: Im Frühjahr und im Herbst sind jeweils ca. 10.000 € überwiesen worden.

Regelmäßig sind auch Reparaturen an der Pumpe oder dem Generator fällig, die für sauberes Wasser sorgen. Knapp 1000 € sind das im Jahr. Wir hoffen, dass endlich der Stromanschluss für die Schule gelegt wird. Das scheitert bisher daran, dass die Einwohner in der Nachbarschaft für einen Anschluss zu wenig Geld haben. Deshalb verweigert die Stromgesellschaft den Bau einer Trafostation.

Probleme bei der Überweisung

Auch die Löhne für die Angestellten und die Kosten für den täglichen Transport der Lehrerinnen von Kabul nach Estalef waren im Herbst zu zahlen – immerhin auch ein Posten von knapp 7000 €.

Große Probleme gab es in diesem Jahr, Geld nach Afghanistan zu überweisen. Das hängt wohl auch mit Beschränkungen beim Zahlungsverkehr zusammen, die Geldwäsche und Terrorfinanzierung verhindern sollen. Dadurch erhöhten sich zwischenzeitlich auch die Kosten für den Transfer. Trotzdem liegen die Verwaltungskosten des Vereins immer noch bei niedrigen vier Prozent.

Stellvertretende Leiterin schwer erkrankt

 

Die stellvertretende Schulleiterin Aziza muss dringend operiert werden,

 

Leider ist Aziza, die stellvertretende Schulleiterin, schwer erkrankt: Sie hat Probleme mit der Halswirbelsäule und ist teilweise gelähmt. Die notwendige Operation kann nur in Indien durchgeführt werden und kostet ca. 7.000 €. Aziza, deren Mann gestorben ist und die ihre Familie alleine durchbringen muss, kann diese Summe von ihrem Gehalt, monatlich ca. 70 €, natürlich nicht aufbringen. Wir sammeln deshalb Spenden, um die Operation zu finanzieren. Wenn Sie Aziza helfen wollen, können Sie Ihre Spende auf das unten angegebene Konto überweisen, Stichwort „Aziza“. Sie ist von Anfang als Lehrerin an der Atefa-Schule und bei ihrer Arbeit außerordentlich engagiert und zuverlässig. Bislang sind bereits knapp 3000 Euro Spenden zur Finanzierung dieser dringend notwendigen Operation eingegangen.

Spenden für Ausbau und Einrichtung der Atefa-Mädchenschule:

Sparkasse Lüdenscheid – IBAN: DE 51 4585 0005 0000 3067 61

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