Loteten im Podiumsgespräch die Chancen der heimischen Wirtschaft in Asien aus: Prof. Dr. Karl Pilny, Dietrich Alberts (Gust. Alebrts GmbH & Co. KG, Geschäftsführender Gesellschafter), Dr. Ing. Hinrich Mählmann (Otto Fuchs KG, Geschäftsführung) und Roland Krebs (Vorstand der Volksbank in Südwestfalen eG). Foto: Wolfgang Teipel

Meinerzhagen. China ist längst nicht mehr der „schlafende Drache“, als den ihn Napoleon bezeichnete. Der gesamte asiatische Raum wird sich zu einer wirtschaftlichen Kraft aufschwingen, die die bisherigen Strukturen in der Weltwirtschaft radikal verändern wird. „Wenn Sie keine Lust haben, nach Asien zu gehen – macht nichts. Asien kommt nämlich zu Ihnen“, sagt Prof. Dr. Karl Pilny. Das, so sagte er beim Volksbankforum 2018 in der Meinerzhagener Stadthalle voraus, gelte auch für Südwestfalen und seine „Hidden Champions“.

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Asien ante Portas

Karl Pilny gilt als einer der besten Asienkenner Deutschlands. Der Wirtschaftsanwalt, Wissenschaftler und Buchautor setzte am Dienstag beim Volksbankforum die Reihe hochkarätiger Referenten wie Sascha Lobo, Margot Kaesmann oder Werner Sinn fort. „Für Kenner steht heute schon fest: Asien ante Portas“, sagte Karl-Michael Dommes, Vorstandssprecher der Volksbank in Südwestfalen, in seinen einführenden Worten.

Anpassungs- und leidensfähig

“Asien 2030”: Auch das neuste Buch von Prof. Dr. Karl Pilny handelt von der aufkommenden Wirtschaftsmacht. Foto: Wolfgang Teipel

Karl Pilny beschreibt die Asiaten als zielstrebig, anpassungs- und auch leidensfähig sowie mit einer langfristig ausgerichteten Strategie ausgestattet. Das, kombiniert mit einer adaptiven emotionalen Intelligenz, seien die Faktoren, die den asiatischen Raum an die Spitze der Weltwirtschaft führen würden, berichtete er vor zahlreichen Vertretern aus Unternehmen, Verbänden, Verwaltung und Politik.

Karl Pilny lieferte zahlreiche Beispiele für diese Entwicklung. „Denken Sie an die Olympischen Spiele – 1964 Tokio, 1988 Seoul, 2008 Peking – immer wieder präsentierten sich die Gastgeber zur Überraschung der Weltöffentlichkeit als moderne, wirtschaftlich starke und aufgeschlossene Länder.“ Dahinter verberge sich auch eine stringente Industriepolitik und eine Dynamik, von der Europa nur träumen könne.

Höchste Zeit für Europa

Nach vierhundert Jahren eurozentrischen Dominanzstrebens in Asien sei es jetzt höchste Zeit für Europa, sich an die neuen geopolitisch-ökonomischen Gegebenheiten in einem “asiatischen Jahrhundert” anzupassen, in dem Asien wieder ins Zentrum von Macht und Wohlstand rücke – und der europäische Kontinent an die relative Peripherie.

Asien ante portas: Karl-Michael Dommes eröffnete das Volksbankforum 2018 in der Stadthalle Meinerzhagen. Foto: Wolfgang Teipel

Europa müsse sich entscheiden: Entweder man wohne dem asiatischen Aufschwung als Außenstehender bei oder man gestalte die Entwicklung lieber selbst mit. Besonders hiesige Unternehmen sollten Asiens Aufstieg zur ökonomisch wichtigsten Region nicht verpassen und versuchen, sich einen Teil von diesem Kuchen abzuschneiden. „Asien ist schon lange nicht mehr die verlängerte Werkbank der westlichen Industrie“, betonte er.

Keine leichtfertigen Entscheidungen

Dass der Einstieg ins China-Geschäft nicht so leicht ist, verdeutlichte Dietrich Alberts, Geschäftsführender Gesellschafter der Gust. Alberts GmbH & Co. KG. Er nahm zusammen mit Karl Pilny, Hinrich Mählmann, Persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer der Otto Fuchs KG und Roland Krebs, Vorstand der Volksbank in Südwesfalen, am anschließenden Podiumsgespräch teil. „Wer in China aktiv sein will, muss sich zunächst einmal auf weite und beschwerliche Auto- und Flugreisen einlassen“, sagte Dietrich Alberts.

Roland Krebs warnte vor leichtfertigen Entscheidungen. „Auch wenn Asien für sein hohes Wirtschaftswachstum bekannt ist, so erfordert jede Investition in dieser Region eine gründliche Vorbereitung“, sagte er. Jeder Fehler – und sei es auch nur eine mangelnde interkulturelle Vorbereitung des Managements und der Mitarbeiter – koste am Ende Geld und könne schlimmstenfalls das gesamte Projekt gefährden.

 

 

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