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Frank Rehme: "Alle Macht geht vom Kunden aus." Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Frank Rehme kommt von ganz unten. 15 Jahre lang hat er auf der Zeche Prosper Haniel in Bottrop unter Tage geschafft und nach eigenem Bekunden „jede Menge Kohle gemacht“. Heute verdient er sein Geld als Trendforscher, Vortragsredner und als Experte für den Handel der Zukunft. Am Dienstag sprach er im Museum über die Chancen, die innerstädtischer Handel noch hat und was Inhaber von Einzelhandelsgeschäften unternehmen müssen.

Nach einem Workshop in der Wunderkammer des Museums, bei dem es um Bildung, das digitale Rathaus und die Verbindung Handel und Stadt ging, stellte er bei einer öffentlichen Veranstaltung seine Thesen und Vorschläge vor.

Digitalisierung geht nicht wieder weg

„Digitalisierung geht nicht morgen wieder weg. Wir müssen uns intensiv damit beschäftigen“, sagt der Innovationsexperte. Die kleinen inhabergeführten Geschäfte seinen wichtig für das bunte Leben in den Innenstädten. Sie seien aber mächtig unter Druck geraten, nicht nur durch den Onlinehandel. „Er macht aber gerade mal zwölf Prozent des gesamten Handelsvolumens aus“, relativierte Rehme ein immer wieder ins Feld geführtes Argument, dass das Internet Schuld am Niedergang der kleineren Geschäfte sei.



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Unternehmerisches Denken fehlt

Seine Diagnose: Es fehlt das unternehmerische Denken. Der Händler, der sich lediglich als Warenverteiler verstehe, habe schon verloren. Kunden seien im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer anspruchsvoller geworden. Warum? Erst hätten sie die Selbstbedienung gelernt, dann den Kauf und Zusammenbau von Möbeln und seien schließlich im Zuge des Baumarktbooms zu Handwerkern geworden. Außerdem: „Die Leute habe alles.“ Ein Hemd mehr oder weniger beeinflusse die Lebensqualität nicht.

„Warum sollen sie also zum Shoppen in die Innenstadt kommen?“ fragte Frank Rehme. Der Handel müsse Freizeiterlebnisse und Inspiration bieten, fordert der Experte. Sein Bekenntnis: „Alle Macht geht vom Kunden aus.“

“Future City” Langenfeld

Mit dem Projekt „Future City“ gestaltet Rehme in Langenfeld gerade die Zukunft des Einzelhandels. Der Innovator und sein Team bauen hier Zugangshürden ab. Die wichtigsten Hemmschuhe für den Handel seien fehlende digitale Präsens, unklare Öffnungszeiten und vor allem das Parken.

Magische Momente schaffen

„Wer fürs Parken zahlen muss, bei dem läuft im Kopf ständig die Parkuhr“, sagt Rehme. Das wirke sich negativ auf die Aufenthaltsdauer aus. In Langenfeld wurde das Problem wie folgt gelöst: Mit einem sogenannten Stadtschlüssel können die Langenfelder kontakt- und bargeldlos parken und Punkte bei den beteiligten Händlern sammeln können. „Stellen Sie sich vor, sie fahren in ein Parkhaus und die Schranke öffnet sich von selbst. Solche magischen Momente müssen Sie schaffen.“ Dabei ist der Stadtschlüssel keineswegs ein Gag. Rehme sieht ihn als Vorstufe zur digitalen Bürgerkarte. Ein messbarer Effekt lasse sich bereits nachweisen. Die Aufenthaltsdauer von Kunden in der Langenfelder City habe sich bereits spürbar erhöht.

Jede Stadt muss ihre eigene Story erzählen

Langenfeld könne aber nicht zum Vorbild für alle Städte werden. „Jede Stadt muss ihre eigene Story erzählen. Sie muss ihr Erbe nach vorn spielen, um das Feuer für die Zukunft zu entfachen“, lautete Rehmes Schlussappell. Da gäbe es nicht nur in Lüdenscheid noch eine Menge zu tun.

 

 

 

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