Die Lüdenscheiderin Jutta Hellmann macht es mit ihrem Ladenlokal vor: Gegen den Leerstand in Lüdenscheids Straßen kann etwas Sinnvolles getan werden. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Eine besondere “Schatzkammer” eröffnete “Visionärin” Jutta Hellmann, die vielen Lüdenscheidern auch als Teil der Lüdenscheider “Visionäre” und engagierte Streetworkerin bekannt ist, in der Kluser Straße 5.

Gravierender Leerstand

Sieht doch gleich viel besser aus: Die Kluser Straße 5 ist wieder voller Leben.

Ihr ganz persönliches Anliegen ist der gravierende Leerstand in Lüdenscheid. Inspiriert von einem Pop-UP-Projekt in Altena, wo Leerstand eine Zeitlang gezielt an Künstler, Kleingewerbler oder Outlets vergeben wurde, liegt es ihr schon lange auf dem Herzen, auch für Lüdenscheid eine entsprechende Initiative zu starten. Die Kluser Straße, die einerseits noch eine der letzten intakten Straßen mit einer Bausubstanz aus der Gründerzeit (Ende 1900) ist und andererseits einen hohen Leerstand an Geschäften zu beklagen hat, ist nun quasi über Nacht zum Start-UP-Projekt für die Vision von Jutta Hellmann geworden.

Start-UP-Projekt an der Kluse

Jutta Hellmann ist eine Frau mit einem großen Herzen für die Stadt und ihre Bedürftigen.

Sie mietete sich nämlich dort kurzerhand in einem leerstehenden Geschäft ein und verkauft nun nicht nur Dekoartikel, bunte Schals und ausgefallene Second-Hand-Kleidung, sondern lädt auch mit einer chilligen Sofa-Ecke zum Verweilen und guten Gesprächen ein.

Der Laden ist gemütlich und die Besitzerin nicht nur jemand, der gut zuhören kann, sondern auch etwas zu sagen hat.

Jutta Hellmann ist mit Leib und Seele Lüdenscheiderin. Nicht umsonst engagiert sie sich schon viele Jahre im Bereich Kultur und ist zudem stark frequentierte Ansprechpartnerin für die Menschen der Stadt, denen es nicht gut geht. Drogenabhängige, Obdachlose, Frauen, die unter der Gewalt ihrer Männer leiden und alte einsame Menschen finden Gehör bei ihr. Und oft auch die entsprechende Hilfe.

Sie ist eine Networkerin

Denn Jutta Hellmann ist gut vernetzt. Es gibt kaum eine Hilfsorganisation in der Stadt, die sie nicht kennt oder in der man ihren Namen nicht zumindest schon einmal gehört hat. Frau Hellmann verleiht denen, die niemand hören will eine Stimme. Und unterstützt damit aktiv eine Stadt, die oft genug überfordert wirkt im Umgang mit ihren “Outsidern”.

Und auch jetzt mit diesem neuen Projekt will sie aktiv etwas tun für Lüdenscheid, das sich des zweifelhaften Ruhmes erfreut, die Stadt mit dem größten Leerstand weit und breit zu sein. Da kann so schnell keine andere Kommune mithalten. Gemessen an der Einwohnerzahl natürlich.

Leerstand auch als Möglichkeit

Gemütlich ist es in Juttas neuem Laden.

Jutta Hellmanns Vision ist groß. Leerstände zur Verfügung zu stellen für Kunstaktionen, Künstler, Ateliers, Gewerbetreibende, altes Handwerk, Kommunikationszentren, Kneipen und Cafés, ist möglich, wenn sich Stadt, Vermieter und die Menschen, die bezahlbare Räume suchen besser vernetzen können.

Jutta Hellmann steht als geübte Netzwerkerin dafür zur Verfügung. Bei ihr können im Rahmen der Vision, die gerade umgesetzt wird, Leerstände gemeldet werden und Menschen, die Räume suchen, dürfen sich ebenfalls bei ihr in ihrer “Schatzkammer” danach erkundigen. Leerstand ist in ihren Augen nämlich nicht nur eine trostlose Angelegenheit, sondern kann auch zur Möglichkeit werden, durch ambitionierte und kreative Nutzung, eine Stadt ganz neu zu beleben.

Sprechstunde in der Schatzkammer

Die Öffnungszeiten für die Kunden. Ihre Sprechstunde findet außerhalb der Öffnungszeiten auch im Laden statt.

Zudem hat sie auch weiterhin ein offenes Ohr für die Bedürftigen. Ihre Sprechstunde, die bisher immer in einem bestimmten Café statt fand, ist nun in ihrem neuen Geschäft an der Kluserstraße 5. Auch dort wird die erfahrene Seelsorgerin für diejenigen da sein, die ihre Probleme, Sorgen und Nöte einfach einmal jemandem erzählen wollen und nach Hilfe raus aus ihrer Situation suchen.

Eine Stadt attraktiver machen

Lüdenscheid ist zu wünschen, dass Jutta Hellmann umsetzen kann, was sie da im Rahmen der Aktionsgruppe der “Visionäre” erarbeitet hat: Nämlich, dass die vielen leerstehenden “Bauruinen” mitten in Lüdenscheid sinnvolle Verwendungen finden, die die Stadt um einiges attraktiver machen dürften.

Dass das Sinn macht, sieht man z.B. an der Belebung der Hochstraße, die sich immer mehr zu Lüdenscheids attraktivster Ess- und Feiermeile entwickelt. Geht doch, möchte man da sagen …

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