9 Volt Nelly
Ferien auf der "MS Europe of the Sea": Sie enden im Desaster. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Jede Menge Energie und Spielfreude, die manchmal auch vor den Grenzen des guten Geschmacks keinen Halt macht – das sind 9 Volt Nelly. Wenn, dann arbeitet das Duo aus der Schweiz ganz bewusst unter der Gürtellinie. Beispielsweise beim Rap „Gender Dschihad“.

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Mit ihrem ersten abendfüllenden Programm „Ich möchte ein Eisberg sein“ eröffneten Jane Mumford und Lea Whitcher alias „Frau Schmidli“ und „Frau Heini“ am Freitag (23. Februar) die Lüdenscheider Kleinkunsttage. Rund 150 Comedy- und Kabarettfreunde sahen einen erfrischenden Auftakt im Wettstreit um den von der Sparkasse Lüdenscheid gestifteten Kleinkunstpreis „Lüdenscheider Lüsterklemme“.

9 Volt Nelly
Die Radikalisierung von “Frau Heini” zieht sich als roter Faden durchs Programm. Foto: Wolfgang Teipel

Ansteckende gute Laune

„Wir gehen jetzt ein Bierli trinken.“ Die gute Laune auf der Bühne in der umgebauten Garderobenhalle des Kulturhauses hatte eine kleine Besuchergruppe angesteckt. Die Stimmung, die 9 Volt Nelly zuvor in Schweizer Mundart verbreitet hatte, wirkte wohl deutlich über den Auftritt hinaus.

Gesprächsstoff für eine unterhaltsame Fortsetzung des Abends bietet das Programm, mit dem Mumford und Whitcher im Kulturhaus Deutschland-Premiere feierten, allemal.

Schiff voller Realitätsflüchtlinge

Frau Heini und Frau Schmidli sind zwei normale Schweizer Frauen mittleren Alters, mit ersten Anzeichen eines totalen Empathie-Burnouts. Da hilft nur eins: Ferien. Aber das Kreuzfahrtschiff „MS Europe of the Seas“ voller Realitätsflüchtlinge nimmt Kurs auf das Kap der falschen Hoffnung und steuert bald schon mit Volldampf auf die unsichtbaren Grenzen der politischen Korrektheit zu. Dazu zählte nicht nur der Flirt mit dem dunkelhäutigen Poolboy Tarek.

9 Volt Nelly
9 Volt Nelly als “Apocalypse Duo” auf der “MS Europe of the Sea” Foto: Wolfgang Teipel

„One Song für all the Problems in the World“ – bei der Spendengala auf dem Kreuzfahrtdampfer wird mächtig getanzt. Nachdenken ist out. „Nachdenken macht keinen Spaß, sondern es macht nachdenklich.“ Wer Pech hat, hat Pech und wer Glück hat, hat eben Glück. Da lassen Frau Schmidli und Frau Heini beim Shoppen in den Bordboutiquen und beim Drink an der Bar froh gelaunt einen Cent von ihrer Spezialkarte für Flüchtlinge abbuchen.

Aber: Die „Radikalisierung der Frau Heini“, die sich als roter Faden durch das Programm zieht, schreitet voran. Klar: Die Kreuzfahrt endet im Desaster. Die „MS Europe of the Seas“ prallt gegen einen Eisberg. „Frau Schmidli“ rettet sich dank ihrer in zahllosen Jogging-Läufen gewonnen Kondition, schwimmt bis nach Amerika und landet schließlich auf dem Mond. Frau Heini, nicht minder sportlich, schafft es bis nach Lampedusa und schließlich bis in die heimischen Schweizer Berge.

Kulturhausleiterin Rebecca Egeling: “9 Volt Nelly spielen an der Schnittstelle von Theater und Trickfilm.”

Von diesesm Ort zieht sie später aus, um die Welt zu retten „Wenn’s sein muss auch auf die harte Tour“, verkündet sie.

„9 Volt Nelly“ singen, spielen Gitarre, arbeiten mit dem Schlagzeug, lassen durch eine Loopstation ihren Stimmen vielfach erklingen, wechseln im Minutentakt die Kostüme, mal schweben sie über die Bühne, mal knallen sie hart auf die Bretter und holen das Publikum mit ihren „Empathie-Burnouts“ immer wieder in die Realität zurück: Einfach gute Action-Comedy.

 

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