Pianistin Taisiia Nikitova mit Heidi Lengelsen. Foto Andrea Ziemann

Neuenrade. Auf ein zusätzliches Bonbon dürfen sich die Besucher der Varieté-Revue „Himmelswesen“ am 30. April im Kaisergarten Neuenrade freuen. Die ukrainische Pianistin Taisiia Nikitova wird zu Beginn zusätzlich ein kurzes Konzert geben. Ihr Auftritt wird sicher ebenso zu Herzen gehen, wie die Geschichte, die sie zu
erzählen hat.

In der Heimat ein kleiner Star

Taisiia Nikitova ist gerade einmal 15 Jahre alt und in ihrer Heimat ein kleiner Star. Wer ihr Klavierspiel hört, weiß, dass er gerade Teil von etwas Großem ist. Die Magie ihres Spiels zieht einen sofort in den Bann. Schon im Alter von vier Jahren wird
ihr Talent entdeckt. Als Siebenjährige nimmt sie die staatliche Musikfachschule für begabte Kinder an. Nur ein Jahr später hat sie ihren ersten großen Auftritt mit dem Schulorchester. Chopin, Mozart, Beethoven – anspruchsvollste Werke großer
Komponisten gehören zu ihrem Repertoire. Mit elf Jahren kann Taisiia Nikitova Chöre dirigieren und studiert Operngesang. Es folgen Konzertreisen in die Schweiz und nach Bulgarien.

Auszeichnungen zieren das Kinderzimmer

Preise und Auszeichnungen – unter anderem in Spanien ge-
wonnen – zieren ihr Kinderzimmer. Es ist nicht übertrieben, von einem Ausnahmetalent zu sprechen.

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Ein beeindruckender Werdegang. Und nun kam völlig unerwartet die wohl schlimmste Zäsur im Leben eines so jungen, aufstrebenden Menschen. Eine, wie sie niemand je erleben sollte: Putins Angriffskrieg auf die Ukraine. Es war der 2. März dieses Jahres, als Taisiias Vater entschied, dass es zu gefährlich für seine
Familie in der Heimat wurde. Taisiia, ihre elfjährige Schwester Anastasiia und Mutter Tetiana Yakubovska verließen Odessa schweren Herzens in eine ungewisse Zukunft, ließen Vater, Großeltern, Freunde, Nachbarn, einfach alles zurück. Aus
der Millionenstadt am Schwarzen Meer führte der Weg der drei Frauen über Berlin, Essen und Dorsten nach Neuenrade.

Endlich ein adäquates Klavier

Nun sind Mutter und Töchter rund einen Monat hier und ganz verliebt in die Kleinstadt. Sie sind dankbar für die Hilfsbereitschaft der Neuenrader. In der DRK-Begegnungsstätte entdeckte die 15-Jährige ein Klavier, das sie einmal pro Woche spielen durfte. Sie lernte Bernd Buntenbach kennen, der seine guten Kontakte in
der Stadt nutze, um ein adäquates Instrument für das junge Talent aufzutreiben.

Fündig wurde er an zwei Stellen: bei Heidi Lengelsen und im Festsaal des Kaisergartens Neuenrade. Das eine Klavier schätzt Taisiia Nikitova für den Klang, an dem anderen schult sie ihre Technik. Wie andere Teenager hört sie auch gerne Popmusik – „aber klassische Musik ist meine Inspiration“, sagt sie.

Einen Monat ohne Klavierspiel

Einen Monat hatte Taisiia nicht mehr am Klavier gesessen. „Wir waren geschockt, wie viel ich verlernt habe“, erzählt die 15-Jährige. In Odessa spielte sie immerhin bis zu sechs Stunden täglich. Aktuell kommt sie wieder auf zwei bis drei Stunden
am Tag. Seit ihrer Einschulung wird sie von ihrer Klavierlehrerin begleitet. „Ihr Name ist Anna Balaksheva – sie hat mir so viel beigebracht“, betont Taisiia dankbar.

Inzwischen übt Taisilia Nikitova wieder zwei bis drei Stunden am Tag. Foto: Annabell Steiner

Selbst aktuell ist die Lehrerin manchmal digital zu den Proben zugeschaltet. Sie ist nach wie vor in Odessa. Auch ihr gelten Taisiias Sorgen. Wenn sie in die Tasten greift, verarbeitet sie das Erlebte. Sie geben ihr Halt. „Musik ist Therapie“, fasst es die junge Ukrainerin zusammen – und wenn man sie dann am Kawai-Flügel im Kaisergarten spielen sieht und hört, scheint es tatsächlich, als würde sie Zeit und Raum vergessen.

Wenn Taisiia Nikitova auch vieles fehlt, die Musik begleitet sie überall hin. Musik kennt keine Grenzen. Über den Kulturverein Forum Neuenrade gelang es nun, dem begabten Mädchen eine Bühne zu bieten. Monika Arens, Kulturbeauftragte der Stadt Neuenrade und Geschäftsführerin des Forum Neuenrade, und Andrea Ziemann, ebenfalls vom Neuenrader Kulturnetzwerk, machten sich dafür stark, dass Taisiia wieder vor Publikum ihr Talent zeigen kann. Es gibt Überlegungen für ein eigenes Konzert mit der begnadeten Pianistin, aber fürs Erste tritt sie am kommenden Samstag mit einem der berühmtesten Werke von Frederic Chopin auf, dem Fantaisie-Impromptu (op. 66).

Danach kommen die „Himmelswesen“

Anschließend übernehmen die Künstler der Varieté-Revue „Himmelswesen“. Die Veranstaltung beginnt am Samstag um 19.30 Uhr.
Karten können an der Bürgerrezeption im Neuenrader Rathaus (Tel. 02392/693-0) reserviert und an der Abendkasse abgeholt werden. Sie kosten für Erwachsene 15 Euro, Jugendliche, Schüler und Schwerbehinderte zahlen 11 Euro.

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