Die Zukunft der Stadthalle - das Top-Thema in Meinerzhagen. Foto: Wolfgang Teipel

Meinerzhagen. Vor einigen Tagen stellte die Stadt Meinerzhagen ihre Überlegungen vor, die Stadthalle durch einen Neubau mit Einkaufszentrum und neuen Veranstaltungsräumlichkeiten zu ersetzen und diesen um weiteren Parkraum zu ergänzen. Die Rückmeldungen der im Rat vertretenen Fraktionen nach einer ersten Vorstellung dieser Gedanken prägte – ebenso wie die vieler Bürgerinnen und Bürger – breiter Zuspruch, und auch Vertreter der heimischen Wirtschaft und potenzielle Investoren haben bereits ihr Interesse an einer Realisierung signalisiert. Gleichzeitig kamen verschiedene Fragen auf, die die Stadtverwaltung an dieser Stelle nach heutigem Stand umfassend beantworten will.

Von Ende Mai bis Mitte Juni hatte die Stadtverwaltung Mitgliedern der im Rat vertretenen Fraktionen ihre Überlegungen zum Thema vorgestellt, um ein erstes Meinungsbild einzuholen. Grundsätzlich ging es dabei um den Vorschlag, die Stadthalle, für die kontinuierlich enorme Unterhaltungs- und Modernisierungskosten anfallen, einer neuen Nutzung zuzuführen.

Reizvoller Dreiklang

Die erste Idee geht dahin, das Gebäude durch ein Einkaufszentrum in Kombination mit einer neuen Stadthalle als Veranstaltungssaal und zusätzlichen Parkplätzen zu ersetzen. Dieser Dreiklang wäre insofern reizvoll, als dass der Einzelhandel in der Stadt insgesamt durch eine breite, moderne Aufstellung ergänzt und gestärkt würde und gleichzeitig die Funktion der Stadthalle als Veranstaltungsräumlichkeit erhalten bliebe. Zusammen mit umfangreichem Parkraum in bester Innenstadtlage könnte diese Aufstellung für eine erhebliche Verbesserung der Infrastruktur in der Innenstadt sorgen.

Ergebnisoffene Diskussion

Die Überlegungen trafen bei den Fraktionen auf große Zustimmung und haben darüber hinaus bereits zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Da sie sich nach wie vor durchweg im Anfangsstadium befinden, geht es in den kommenden Wochen zunächst um eine ergebnisoffene Diskussion über ein mögliches Projekt, seine Rahmenbedingungen und die auf lange Sicht bestmögliche Stadtentwicklung. Insbesondere die Bürgerinnen und Bürger sollen über alle Sachstände aktuell Informationen aus erster Hand erhalten. Auf die Fragen, die in den vergangenen Tagen aufkamen, will die Stadt sachgemäß, umfassend und korrekt antworten.

Noch plätschert der Brunnen auf dem Vorplatz. Foto: Wolfgang Teipel
Noch plätschert der Brunnen auf dem Vorplatz. Foto: Wolfgang Teipel

In einer Presseerklärung hat die Stadt Meinerzhagen  Fakten rund um das Thema Stadthalle zusammengestellt:

In welchem Zustand befindet sich die Stadthalle und welche Modernisierungsmaßnahmen wären nötig, um sie weiter zu nutzen?

Eine Modernisierung der Stadthalle bringt immense Kosten und Bindung von Steuergeldern mit sich: Die Stadthalle wurde vor gut vierzig Jahren erbaut. Seitdem wurden kontinuierlich Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, um einem Sanierungsstau vorzubeugen. Künftig müssten die Investitionen aber nicht zuletzt aufgrund sich verändernder rechtlicher Rahmenbedingungen und Sicherheitsbestimmungen extrem ausgeweitet werden, um heutigen Vorgaben und Umweltstandards Genüge zu tun: Elektrik, Beheizung, Sanitäreinrichtung und auch Brandmeldeanlage müssten erneuert werden – ganz zu schweigen von weiter fortlaufenden Modernisierungsmaßnahmen beispielsweise an der Fassade, der Heizungs- und Lüftungsanlage. Auch unter energetischen Gesichtspunkten befindet sich die Stadthalle in einem schwierigen Zustand: Rund 1.800 Glühbirnen oder eine Außenwanddicke von wei Zentimetern die eine Nutzung der Heizkörper unter jedem Fenster mit sich zieht – verdeutlichen, dass die Stadthalle für eine wirtschaftliche, umweltschonende Nutzung von Grund auf renoviert werden müsste. Das gilt z.B. für die Umrüstung auf LED-Beleuchtung, die Erneuerung von Fenstern, Türen und Dach, für Dämmung und Elektrik. Auch die Gastronomie entspricht nicht mehr heutigen Standards: Eine Dämmung fehlt hier komplett, das Dach ist mit Sperrholzplatten und Bitumen abgedichtet und die Küche ohne Heizung eingerichtet. Die in den nächsten Jahren zwingend anfallenden Investitionen könnten sich auf über zwei Millionen Euro belaufen; hinzu kommt der monatliche Unterhalt. Angesichts dieser Summen, die aus Steuergeldern aufzubringen sind, müssen alle Varianten einer künftigen Nutzung durchdacht werden.

Warum werden keine Gelder aus der Otto-Rudolf-Fuchs-Stiftung für die Sanierung eingesetzt?

Eine Nutzung von Fördergeldern aus der Otto-Rudolf-Fuchs-Stiftung ist entgegen anderer Meinungen – überhaupt nicht möglich: Die Stiftung stellt laut Satzung ausschließlich Geldmittel aus den Erträgen des eingesetzten Kapitals zur Verfügung, wobei der Stiftungsweck ganz klar formuliert ist: Die Gelder dürfen einzig und allein in einer Dreiteilung für wissenschaftliche, soziale und kulturelle Zwecke eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Jugend- und Bildungsprojekte, Kultur -und Sportförderung oder der aktive Denkmalschutz, nicht aber die Sanierung oder Instandhaltung der Stadthalle. Die Otto Stiftung ist in keiner Weise an die Stadthalle ge- oder mit ihr verbunden. Noch nie sind Mittel aus der Stiftung in Modernisierungsmaßnahmen geflossen, und das wird auch in Zukunft nicht so sein.Meinerzhagen Stadthalle (2)

Warum strebt die Stadt eine Investorenlösung an?

Der Verkauf der Stadthalle bietet sich als finanziell deutlich günstigeres und risikofreies Modell an: In dieser Lösungsvariante würde die Stadt ausschließlich die Ausgaben für die Ausschreibung tragen. Alle weiteren Kosten liegen in der Folge bei dem ausgewählten Investor, und die Stadt legt sich erst dann endgültig auf einen solchen fest, wenn ein überzeugendes Gesamtkonzept vorliegt. Der Investor selbst würde außer dem im Vorfeld eingehend auf Bonität geprüft. Angesichts der hohen Ausgaben für Instandsetzungsmaßnahmen und Unterhaltskosten bietet dieses Investorenmodell eine beachtliche Entlastung des städtischen Haushalts. Die Stadt könnte die neue Stadthalle bedarfsgerecht anmieten und in gewohnter Zusammenarbeit mit Vereinen und Kulturschaffenden nutzen.

Wie gehen Sie mit der Sorge um die Veranstaltungsvielfalt um?

Kulturschaffende werden auch weiterhin von einer guten Lösung profitieren und Bücherei, Stadtarchiv sowie die Verwaltung eine Unterbringung finden: Bislang hat KUK -Verein für Kommunikation und Kultur Kierspe und Meinerzhagen – die Stadthalle komplett kostenfrei nutzen können und musste nur für die Nebenkosten seiner Veranstaltungen aufkommen, die sich insgesamt knapp über eintausend Euro im Jahr beliefen. Auch die Vereine konnten jeweils eine Veranstaltung im Jahr kostenlos in der Stadthalle ausrichten. Eine ähnliche Regelung strebt die Stadt auch im Falle einer neuen Lösung an, wobei über die Kosten insgesamt zu sprechen sein wird: Aktuell werden bei jährlichen Gesamtaufwendungen der Stadt von über 500.000 Euro für die Stadthalle in Gegenrechnung von Erträgen in Höhe von ca. 50.000 Euro rund90 Prozent der Aufwendungen für die Stadthalle aus dem städtischen Haushalt und damit ausschließlich aus Steuergeldern der Meinerzhagen Bürgerinnen und Bürger finanziert. Dazu gehört auch die Unterstützung der verschiedenen mietfreien Veranstaltungen.

Welche Lösung im Detail gefunden wird, kann Stand heute noch gar nicht geklärt werden: Bevor über die Form der Nutzung gesprochen wird, müssen ein Konzept erstellt und seine Inhalte klar sein. Für die zurzeit in der Stadthalle untergebrachten Stellen – Stadtbücherei, Stadtarchiv, Teile der Stadtverwaltung, Vereinsraum, Kino und die Altenbegegnungsstätte des AWO-Ortsvereins – wird im Fall eines Neubaus sicher eine adäquate Unterbringung gefunden. Gleiches gilt für das großformatige Gemälde „Inti huatana“ von Antonio Máro, das auf der Bühnentrennwand angebracht ist.

Welche Geschäfte könnten ins Einkaufszentrum kommen?

Die Ausrichtung anzusiedelnder Geschäfte ist im Einzelhandelskonzept grundsätzlich vorgesehen; konkrete Namen aber reine Spekulation: Bisher sind weder eine Entscheidung für ein Einkaufszentrum noch überhaupt für eine Projektentwicklung gefallen. Fakt ist, dass die Stadt unter Einbeziehung der Meinerzhagener Händlerschaft bereits im Jahr 2012 ein Einzelhandelskonzept erarbeitet hat, in dem die Stärkung Meinerzhagens als Mittelzentrum durch Ansiedlung weiterer, bislang – unterrepräsentierter Geschäfte als Ziel formuliert ist.

Dieser Anblick könnte in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Foto: Wolfgang Teipel
Dieser Anblick könnte in einigen Jahren der Vergangenheit angehören. Foto: Wolfgang Teipel

Die Sorge, der etablierte Einzelhandel könnte verdrängt werden, ist also völlig unbegründet. Vielmehr besteht die Erwartung, dass durch Bindung zusätzlicher Kaufkraft der innerstädtische Einzelhandel ergänzt und somit gestärkt wird. Sollte ein Einkaufszentrum gebaut werden, werden – neben einem einzigen Vollsortimenter als Anker – in Absprache zwischen Stadt und Investor solche Geschäfte angesiedelt, die sich auf den Wirtschaftsfaktor positiv auswirken. Dabei wird die Stadt natürlich die Position der hiesigen Einzelhändler nicht aus den Augen verlieren.

Warum wird das Projekt nach Umsetzung der Maßnahmen für das Stadthallenumfeld angestoßen?

Die Überlegungen reihen sich in die Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt ein und könnten daran anknüpfen: In der Vergangenheit haben immer wieder Investoren weitere Entwicklungsmöglichkeiten angefragt, die auch das Areal der Stadthalle betreffen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In Meinerzhagen ist dies der ideale – und im Übrigen auch der einzige mögliche – Standort für die weitere Ansiedlung des Einzelhandels. Hinzu kommt konkret die laufende Neugestaltung des Stadthallenumfelds. Diese setzt für die gesamte Innenstadt und ihre Infrastruktur ein deutliches Zeichen für eine weitere Aufwertung und damit neue Impulse auch für die Wirtschaft. Diese Maßnahmen haben nun das Interesse von möglichen Investoren erneut geweckt.

Der Umbau des Stadthallen-Umfeld läuft auf vollen Touren: Foto: Wolfgang Teipel
Der Umbau des Stadthallen-Umfeld läuft auf vollen Touren: Foto: Wolfgang Teipel

Warum wurde die Öffentlichkeit erst jetzt informiert?

Alle Sachstände werden aktuell und zeitnah kommuniziert: Bevor eine Überlegung an die Öffentlichkeit geht, müssen ihre Chancen auf Akzeptanz geprüft werden. Es ist daher selbstverständlich, dass die Stadtverwaltung zunächst mit den von der Bürgerschaft gewählten Vertretern spricht, bevor sie weitere Schritte anstößt und damit an die Öffentlichkeit geht. In diesem Fall haben die Gespräche mit Vertretern der Ratsfraktionen in der Zeit von Ende Mai bis Mitte Juni stattgefunden. Nach dem breiten Zuspruch hat die Stadtverwaltung am 21. Juni eine Pressemitteilung zum Thema herausgegeben.

Welches wären, sollten die Überlegungen auf Zustimmung treffen, die nächsten Schritte?

Am Anfang steht zunächst immer eine Idee: Diese haben Vertreter der Fraktionen im Rat in Gesprächen von Ende Mai bis Mitte Juni erstmals gemeinsam mit Vertretern der Stadt diskutiert. Nachdem die Überlegungen zur Neubebauung des Stadthallenareals auf positive Reaktionen stießen, wird das Thema im Rahmen einer der kommenden Ratssitzungen erörtert. Sollte sich der Rat dann für eine Weiterverfolgung entscheiden, würden über eine Ausschreibung – diese müsste aufgrund des Umfangs EU-weit erfolgen – Angebote eingeholt. Schlussendlich würde der Rat, unter Einbeziehung der Öffentlichkeit – zum Beispiel im Rahmen einer Einwohnerversammlung-, entscheiden, ob und welches Modell wie umgesetzt würde.

Wer wird in die Planung eingebunden?

Alle beteiligten Gruppen, unter ihnen Einzelhandel, Wirtschaft, Bevölkerung und Kulturschaffende, werden intensiv in Zielsetzung, Planung und Konzeptauswahl eingebunden: Vor Anstoß aller weiteren Überlegungen stand die Einbeziehung von Vertretern der Ratsfraktionen als gewählte Repräsentanten der Bürgerschaft. Auch die jeweils aktuelle, sachliche und umfassende Information der Öffentlichkeit ist und bleibt der Stadt ein Anliegen, und ihre weitere Einbindung in die Entscheidungsfindung und Auswahl ist wesentlicher Bestandteil der weiteren Arbeit. Gleiches gilt für Kulturschaffende und Vertreter des Einzelhandels. Letztere haben nicht nur aktiv die Entwicklung des Einzelhandelskonzepts der Stadt begleitet, das eine wichtige Grundlage für alle weiteren Schritte bildet, sondern sind eingeladen, auch den weiteren Verlauf mitzugestalten. Inzwischen haben die Überlegungen zur weiteren Aufwertung der Innenstadt für weitere positive Reaktionen insbesondere seitens der Wirtschaft gesorgt, die die Investitionen in die städtische Infrastruktur ausdrücklich begrüßt.

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here