Diskutierten im Kulturhaus: Bernd Schildknecht, Karin Käppel, Manfred Gante, Petra Crone und Manfred Kapschak. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Die Wirtschaft brummt. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind gut gefüllt, die Arbeitslosenzahlen sinken, zugleich steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften. Allerdings profitieren nicht alle Menschen davon. Bei der Veranstaltung „Fraktion vor Ort“ legten am Dienstag Experten den Finger in diese Wunde. „25 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Manfred Kapschak bei der von der heimischen SPD-Parlamentarierin Petra Crone initiierten Podiumsveranstaltung im Roten Saal des Kulturhauses.

Gesetzlicher Mindestlohn wichtiger Schritt

Von einem Job-Wunder wollte Kapschak, der Mitglied im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales ist, nichts wissen. „Viele Beschäftigungsverhältnisse sind befristet. Oft handelt es sich um Teilzeitarbeit oder auch Mini-Jobs.“ Das führe dazu, dass ein großer Teil dieser Beschäftigten ihr Einkommen mit Mitteln des Jobcenters aufstocken müsste. „Wir wollen aber, dass Beschäftigte von ihrer Arbeit leben können.“ Der gesetzliche Mindestlohn sei ein erster Schritt dazu.

Kein „Job-Killer“

Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde sei keineswegs ein Job-Killer, betonte Petra Crone. „Er wird sich eher wie ein Konjunkturprogramm auswirken und die öffentlichen Kassen entlasten“, sagte sie. Zudem sorge der Mindestlohn in der Wirtschaft für gleiche Verhältnisse. „So wird Billig-Konkurrenz eingedämmt“, ergänzte Manfred Kapschak. Die Regelung könne allerdings nur ein Einstieg sein. „Mindestlohn ist nur eine Art Hartz IV de luxe“, zitierte er NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider.

Bernd Schildknecht, IG-Metall-Bevollmächtigter und Vorsitzender des DGB-Kreises Mark, wendete sich gegen die Aufweichung von Flächentarifen. „Wir brauchen diese allgemeine Verbindlichkeit, um Leiharbeit und andere Auswüchse zu begrenzen.“

Kritik an Politik und Agentur für Arbeit

Manfred Gante, Hauptgesellschafter des Kiersper Kunststoff-Unternehmens Backhaus, sparte nicht mit Kritik an Politik und der Agentur für Arbeit. Viele Unternehmen hätten sich auf die Rente mit 67 eingestellt. Die Neuregelung zur abschlagfreien Rente schon mit 63 stelle viele Betriebe auch angesichts des Fachkräftemangels vor große Probleme. „Das ist brandgefährlich.“ Zudem vermisst Manfred Gante die Förderung junger Leute. „Viele sind für die Unternehmen gar nicht greifbar.“

Aus dem Publikum heraus wurde bemängelt, dass Ausbildung vielfach am Bedarf der Wirtschaft vorbei laufe. Zudem trage das Lohnniveau im heimischen Raum dazu bei, dass qualifizierte Arbeitnehmer in Regionen abwanderten, in denen besser bezahlt werde.

Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt

Dass Abwanderung und die Überalterung der Gesellschaft den Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis in Schwierigkeiten bringen werden, bestätigte Karin Käppel, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit. Bis 2030, zitierte sie aus einer Prognose, werde die Altersgruppe zwischen 14 und 65 Jahren um 15,5 Prozent sinken. „Das sind immerhin rund 55 000 Frauen und Männer.“

 

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