Angesichts steigender Risiken fallen die Erwartungen in der Industrie schwächer aus. Foto: pixabay.com

Hagen/Südwestfalen. Die Wirtschaft im märkischen Südwestfalen konnte die konjunkturelle Herbstdelle mit einem unerwartet starken Jahresendspurt weitgehend ausgleichen. Sie geht aber angesichts der zunehmenden weltwirtschaftlichen Turbulenzen und protektionistischen Tendenzen mit etwas gedämpften Optimismus in das Jahr 2017. „Die Geschäfte gehen gut, die Auftragslage ist überwiegend stabil, der Jobmotor läuft in weiten Teilen der Region. Aufgrund der zunehmenden Risiken sind die Erwartungen für die Zukunft nur verhalten optimistisch“, fasst SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) bei 218 Unternehmen mit 33.000 Beschäftigten zusammen.

Indikator klettert und 116 Punkte

Branchenübergreifend beurteilen 87 Prozent der Befragten laut Mitteilung SIHK ihre aktuelle Situation mit gut oder befriedigend. Immerhin 84 Prozent rechnen mit besseren oder gleichbleibend guten Geschäften im weiteren Jahresverlauf. Die Wirtschaft im Kammerbezirk Hagen sollte daher trotz aller wirtschaftlichen und politischen Risiken auf Wachstumskurs bleiben. Der SIHK-Konjunkturklimaindikator steigt aufgrund des Schubs in den letzten Monaten bei gering steigenden Geschäftserwartungen um 14 auf 116 Punkte von maximal 200 Punkten, und erreicht damit fast wieder das Niveau vom Vorjahr (117).

Wirtschaft bIeibt auf Wachstumskurs

Alle Indikatoren – Lage (Saldo: plus 26 Punkte), Erwartung (5), Umsätze (16), Exporte (11), Investitionen (16) und Beschäftigung (4) – weisen im Urteil der befragten Unternehmen mehr oder weniger starke positive Salden auf. Dr. Geruschkat sieht die regionale Wirtschaft gut aufgestellt, sich auf den nationalen und internationalen Märkten zu behaupten.

Zunehmende Risiken wirken als Bremse

Die heimische Wirtschaft verortet ihre Hauptrisiken bei der Wirtschaftsentwicklung nicht nur bei steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (57 Prozent), sondern auch bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (50 Prozent). Der zunehmende Fachkräftemangel (40), steigende Arbeitskosten (38) und die unsichere Auslandsnachfrage werden als weitere Risikofaktoren genannt.

Industrie legt erst zum Jahresende 2016 zu

Die Industrie berichtet nach einem ruhigen Vorjahresbeginn und dem schwachen Herbst erst für das vierte Quartal 2016 von einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung. Auslastung (fast 82 Prozent), Auftragseingänge sowie Auftragsreichweiten entwickelten sich zuletzt gut und die aktuelle Umsatzentwicklung liegt in der Region Ende November „nur“ noch 1,2 Prozent unter dem hohen Vorjahresergebnis (NRW minus 1,0/Bund plus 0,1). Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in 2017 sind zu Jahresbeginn mit 19 Prozent verhalten optimistisch, differieren aber in den einzelnen Industriezweigen sehr stark. Der SIHK-Konjunkturklimaindex der südwestfälischen Industrie steigt von 99 auf 115 Punkte.

Belebung am Bau

Die Belebung am Bau setzt sich fort. Steigende Auftragseingänge und Preise zeugen von den unverändert guten Geschäften der Branche. Mit aktuell 108 Klimapunkten bewegt sich das Baugewerbe deutlich über dem Niveau vom Herbst (100) und dem Vorjahr (97).

Handel profitiert vom Verbraucherkonsum

Groß- und Einzelhändler erreichen bei der aktuellen Befragung, getragen von der anhaltend hohen Konsumneigung, gute Werte. Der Einzelhandel hatte ein gutes viertes Quartal und der Facheinzelhandel war mit dem Weihnachtsgeschäft insgesamt zufrieden. Im laufenden Jahr wird der Konsum aufgrund steigender Einkommen voraussichtlich leicht zunehmen. Von einem Konsumrausch ist die Region nach Beurteilung von Dr. Geruschkat aber weit entfernt. Der Druck in der Handelsbranche und speziell im stationären Einzelhandel hält an und wird durch die steigende Onlinekonkurrenz noch verstärkt. Die Einzelhändler bleiben dennoch positiv gestimmt. Der Klimaindex stieg von 108 Punkten im Vorjahr über 94 Punkte im Herbst auf aktuell 130 Punkte.

Dienstleister mit positiver Gesamtentwicklung

Die Geschäftslage im Verkehrsgewerbe zeigt sich nach den schwachen Umfragewerten des Vorjahres erholt. Die Spediteure sind für 2017 optimistisch und rechnen beim Beförderungsvolumen mit leichten Zuwächsen.

Exportgeschäfte werden schwieriger

Die saldierten Exportumsätze der regionalen Industrie sind bis einschließlich November 2016 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent gesunken (NRW minus 0,1/Bund plus 1,0). Der schwache Euro und die Erholung in der EU sprechen für eine Belebung bei den Exporten. Nach dem Präsidentschaftswechsel in den USA stehen einige Fragezeichen hinter dem zu erwartenden Auslandsgeschäft.

Brexit-Folgen schwer einzuschätzen

Auch die Auswirkungen des kommenden Brexits sind schwer einzuschätzen. Dieses Jahr sind außerdem Wahlen in den wichtigen Partnerländern Frankreich und Holland sowie in Deutschland, deren Ausgang auch Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft haben. Weitere Unsicherheiten bestehen hinsichtlich der Entwicklungen in Italien und die instabile Lage im Mittleren und Nahen Osten sowie schwächelnder wichtiger Schwellenländer. Gleichwohl gehen die Unternehmen am Jahresanfang insgesamt von steigenden Exporten aus: 31 Prozent rechnen mit einem Zuwachs, 15 Prozent gehen dagegen von einem abnehmendem Auslandsgeschäft aus.

Investitionsneigung weiter aufwärts gerichtet

Die Investitionsneigung der Betriebe ist deutlich gestiegen – ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Die Zahl der Unternehmen, die im Laufe des Jahres ihr Investitionsvolumen erhöhen möchten, ist seit dem Herbst letzten Jahres von 26 auf aktuell 37 Prozent gestiegen. Die Zahl der Unternehmen mit geringeren oder keinen Investitionsabsichten ist gleichzeitig von fast 30 auf 23 Prozent gefallen ist. Die Investitionen im Inland, die bisher die Achillesferse der wirtschaftlichen Entwicklung bilden, sollten daher zulegen.

Beschäftigungsentwicklung hat sich beruhigt

Die gute Beschäftigungsentwicklung in der Märkischen Region im Jahresverlauf 2016 hat sich, anders als im Bund, merklich beruhigt. Die SIHK geht davon aus, dass sich die unterdurchschnittliche Entwicklung im Bundesvergleich in den nächsten Monaten fortsetzen wird. Dennoch bereitet vor allem der anhaltende Fachkräftemangel wachsende Sorgen.

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