Westfälisches Bauernmädchen mit Pumpernickelbroten, um 1919 / Foto: Heinrich Genau © LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster

Lüdenscheid. Westfalen trinken Korn, essen Pumpernickel und Schinken, sind eher stur, arbeitsam und reden nicht viel? Gibt es etwas, was die Menschen im Sauer- und Siegerland, in Wittgenstein, in Ostwestfalen, in Minden-Ravensberg, im Münsterland und im östlichen Ruhrgebiet miteinander verbindet – ein westfälisches Heimatgefühl? Eine Ausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen zeigt vom 6. November bis 8. Januar, dass es ein solches Heimatgefühlt gibt. Es geht dieser Frage nach und gratuliert Westfalen zum runden Geburtstag. Die Ausstellung wird am Sonntag, 6. November, um 11.30 Uhr in den Museen der Stadt Lüdenscheid am Sauerfeld eröffnet.

Global Player und Visionäre

1815, während des Wiener Kongresses, wurden die Voraussetzungen zur Gründung Westfalens in seinen heutigen Grenzen und als preußische Provinz geschaffen. Gefeiert wird das Jubiläum nach Dortmund als erster Station mit einer Wanderausstellung, die Geschichte inszeniert und Geschichten erzählt. Es geht um technische Wunderwerke, Hidden Champions und Global Player, um Visionäre und erfolgreiche Unternehmer, um Fremde und Heimat. „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ ist Spurensuche und Tiefenbohrung zugleich.

Aus- und Zuwanderungsland

Und Westfalen hat einiges zu bieten: Es hat Wald- und Ackerlandschaften, Bodenschätze über und unter Tage, Verwaltungsstandorte und Industriemetropolen. Es ist Aus- und Zuwanderungsland, Naherholungsgebiet und Innovationsstandort und das nicht erst seit gestern.

Bauen in Rekordzeit

Westfalen bauten in Rekordzeit die Köln-Mindener Eisenbahn. Sie schickten per Bahn, Schiff und auf der Straße Erze und Kohle, Salz aus der Hellwegregion, feines Leinen aus dem Münsterland und Wacholderschnaps aus Ostwestfalen, Schrauben, Nägel und Nadeln aus den südlichen Teilen Westfalens in die ganze Welt. Aluminiumknöpfe gingen nach China, Sensen nach Südamerika. Heute ist Westfalen eine Region mit einer ungewöhnlich hohen Dichte an Weltmarktführern.

Knöpfe mit chinesischen Schriftzeichen, um 1890, Museen der Stadt Lüdenscheid, Foto: Jürgen Spiler
Knöpfe mit chinesischen Schriftzeichen, um 1890, Museen der Stadt Lüdenscheid, Foto: Jürgen Spiler

„200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ umfasst drei Abteilungen: den Gang durch die Geschichte, die Wirtschaft der Regionen und das Musée sentimental. Ausgangspunkt ist der Wiener Kongress: 1815 wurden Westfalen und die Rheinlande in ihren heutigen Grenzen zu preußischen Provinzen und bildeten später, ergänzt um das Land Lippe, die Landesteile des Landes Nordrhein-Westfalen, das die britische Besatzungsmacht 1946 schuf. Die Chronologie reicht vom Wiener Kongress 1815 über die Revolution 1848/49, das deutsche Kaiserreich, die beiden Weltkriege, die Gründung von NRW über den Strukturwandel im 20. Jahrhundert bis heute.

Wirtschaft der Regionen

In der Abteilung „Wirtschaft der Regionen“ präsentieren das Sauerland, das Siegerland, die Hellwegregion, das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe als auch das Ruhrgebiet ihre vielfältige Industrie und stellen sich vor. Dokumentiert werden die Metallverarbeitung und Beleuchtungsindustrie im Sauerland, die Forstwirtschaft und Köhlerei im Siegerland ebenso wie die Zementindustrie der Hellwegregion, der Eisenbahn- und Maschinenbau in Ostwestfalen-Lippe oder die Pferdezucht im Münsterland sowie die Stahlindustrie im Ruhrgebiet.

Musée sentimental

Im Musée sentimental präsentieren sich die Kreise und kreisfreien Städte jeweils mit einem ausgewählten Exponat. Überwiegend Alltagsgegenstände dokumentieren Aspekte der spannenden Geschichte. Das reicht von Orden- und Abzeichen der Bundesrepublik Deutschland bis hin zum Pressluft-Abbauhammer der Glückauf GmbH, von der für Westfalen bekannten Pumpernickelbackform bis hin zu Löwenspuren in Bottrop. Auch ein Bühnenbildmodell von den Ruhrfestspielen in Recklinghausen ist dabei.

Westfälischer Fußball

Viele Exponate aus westfälischen Museen und Heimatvereinen stellen die historischen Ereignisse und prägenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, wie den Freiherrn vom Stein, vor; aber auch die Aspekte der Massenkultur des 20. Jahrhunderts in der Region, wie zum Beispiel der westfälische Fußball, dürfen nicht fehlen. Zu den westfälischen Besonderheiten gehören auch die ausgeprägten Gegensätze in der Region: ländliche gegenüber stark industrialisierten Regionen.

Erstaunliches und Bedeutsames, Kurioses und Lehrreiches haben die Westfälischen Heimatvereine beigesteuert. Sie leihen Exponate, von denen jedes einzelne eine besondere Geschichte erzählen kann.

 

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2 KOMMENTARE

    • Guten Tag Herr Tütemann, ein blöder Fehler. Die Ausstellung ist in den Museen der Stadt Lüdenscheid am Sauerfeld zu sehen. Das Musee sentimental ist Teil der Ausstellung.

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