Die "Lüdenscheider Linedance-Fans". Innerhalb eines Jahres wurden aus vier Mitgliedern fast 30. Fotos: Kannenberg Design & Kommunikation.

Lüdenscheid. Besuch bei den „Lüdenscheider Linedance-Fans“. Sie sind eine Dance-Company der besonderen Art. Sie tanzen nämlich nicht nur im „Western-Style“, sie leben ihn auch! Wenn man das erste Mal bei ihnen ist, wird man sehr schnell von der guten und offenen Atmosphäre eingenommen. Denn: Ohne Umwege ist man nicht mehr einfach ein Besucher, sondern ein Freund.



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Man möchte sofort mittanzen

Billy und Susanne (links), sie leiten die Lüdenscheider Linedancer.
Billy und Susanne (links), sie leiten die Lüdenscheider Linedance-Fans.

Ungefähr 30 Menschen sind in dem Raum anwesend, als ich ihn betrete, die meisten in Western-Outfit, mit Hut, Cowboystiefeln und den Accessoires, die man von einem richtigen Cowgirl-/Boy erwartet. Flotte Musik klingt aus den großen Boxen, die sofort in die Beine geht.

Man möchte augenblicklich mittanzen. An einem Tisch gibt es jede Menge guter Dinge zu essen und zu trinken, jeder hat etwas mitgebracht, außerdem hatte der Leiter der Gruppe, Billy the Kid, Geburtstag und feiert ihn mit der Truppe. Einige Anwesende sitzen einfach gemütlich um den Tisch herum, andere tanzen bereits. Ich werde von den Leitern der Gruppe, Billy Schmeckenbecher und seiner Frau Susanne sehr herzlich begrüßt.

Tänzer mal ganz „unplugged“

Sie sind einfach "western".
Sie sind einfach „western“.

Die beiden habe ich bereits vor einem Jahr bei einem Country and Western-Konzert mit Tom Frost kennengelernt, bei dem sie mir deshalb auffielen, weil sie so gut und so anhaltend tanzten. Seitdem haben sich unsere Weg immer wieder gekreuzt. Heute bin ich hier, um sie und ihre Tänzer mal ganz „unplugged“ kennenzulernen.

Was ich sehe, beeindruckt mich. Sie tanzen in Formation. Synchron und gleichzeitig und nebeneinander, was dem ganzen eine besondere Dynamik gibt. Durch die Outfits bekommt der Tanz noch einmal zusätzlich eine Authetizität, die einen ungeachtet der eher prosaischen Umgebung sofort in ein ganz anderes Jahrhundert versetzt.

Alle meine Helden winken mir zu

Sehr cool und ganz Cowboy: Salim.
Sehr cool und ganz Cowboy: Salim.

Man fühlt sich ganz losgelöst von den eigenen Sorgen und einem normalen Alltag. Hier wird das Tanzen zu einer Zeitreise. Alle meine Helden aus allen meinen Karl-May-Büchern der Kindheit sind augenblicklich präsent und winken mir imaginär und freundlich zu. Ich winke zurück, bin völlig begeistert und stürze mich ohne jeden Vorbehalt ins Getümmel.

Ein Tanz, der „Mama Maria“ heißt

Und bekomme gleich die Order, eine Tanz zu erlernen. „Einen Tanz musst Du mitnehmen“ sagt Susanne. Und alle drumherum stimmen lautstark zu. Da gibt es keine Widerworte. Ich stehe anfangs eher zögerlich auf der Tanzfläche und erlerne dann quasi in Windeseile einen Tanz der „Mama Maria“ heißt. Ok. Passt, irgendwie. Als ich gerade der Meinung bin, ich hätte jetzt genug gelernt, werde ich eines Besseren belehrt. Jetzt MIT Musik! Ach so. Und diese Musik ist schnell. Ich gebe alles und schaffe es, meine Beine irgendwie in die richtige Richtnung zu dirigieren. Das macht Spaß! Schade, dass es so schnell vorbei ist.

Eine generationenübergreifende Tanztruppe

Generationenübergreifend: Sie verstehen sich einfach.
Generationenübergreifend: Sie verstehen sich einfach.

Die Profis tanzen und tanzen und es wird immer anspruchsvoller. Auffällig: Hier ist jedes Alter ab ca. 18 Jahren vertreten. Einträchtig und in schönster Harmonie tanzen sie zusammen. Und gerade das ergibt diesen besonderen, außergewöhnlichen Eindruck.

Eine generationenübergreifende Gemeinschaft, die alle zusammen und ohne Ausnahme, ein gutes, stimmiges Bild abgeben. Wer möchte, macht Pause und sitzt am Rand, einige, wie Salim und seine hübsche Frau tanzen auch einmal ein „pas de deux“. Sie sind die absoluten Profis hier und tanzen auch mal zu zweit ganz vorne, losgelöst und doch als Teil des ganzen, während die Menge hinter ihnen die passende Choreo liefert.

Das Miteinander steht im Vordergrund_DSC0294

In dieser Gruppe stehen ganz eindeutig der Spaß und das Miteinander im Vordergrund. Ich habe auch schon ganz anders geartete Dance-Companies kennengelernt, bei denen nur die Leistung zählte und der „Spaß an der Sache“ eher einsam und alleine ein Dasein in einer Ecke fristete. Da ging es bierernst und sehr ordentlich zu.

Hier dominiert die Lebensfreude

Salim und seine Frau.
Salim und seine Frau.

Auch bei den Lüdenscheider Linedance-Fans handelt es sich um Tänzer, die man für Auftritte buchen kann und die es gewohnt sind, in der Öffentlichkeit zu stehen und auch vor großem Publikum perfekt „abzuliefern“. Aber bei ihnen dominiert die Lebensfreude, hier herrscht eine Lebendigkeit, die ansteckt.

Außergewöhnlich: Die sogenanten „lebenden Bilder“. Einige Mitglieder sind nämlich in perfekten Western-Outfits erschienen. Sie tanzen nicht mit, da sie dazu körperlich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, aber sie geben den anwesenden Linedancern einen perfekten, historischen Rahmen.

Doc Hollyday und Old Firehand

Lebende Bilder. Diese drei scheinen direkt aus der Vergangenheit nach Lüdensched importiert.
Lebende Bilder. Diese drei scheinen direkt aus der Vergangenheit nach Lüdenscheid importiert.

So sind an diesem Abend nicht nur Doc Hollyday, sondern auch Old Firehand und seine Frau anwesend. In Outfits, die man so höchstens im Film oder bei den Karl-May-Festspielen in Elspe erlebt. Diese drei haben mich ganz besonders beeindruckt. Durch ihre Ausstrahlung, ihren Spaß und ihre Art, einer Gruppe allein durch Anwesenheit und der Freude daran, zu dienen. Spürbar der Respekt, der ihnen von den Tänzern entgegengebracht wird!

Ich spreche dann noch einmal abseits von Tanz und Trubel mit den beiden Leitern Billy und Susanne. Wenn der Spruch „Wie der Herr, so das Gescherr“ eine reale Bedeutung hat, dann müssen die beiden etwas haben, was in die Gruppe hineinstrahlt, nämlich ein ganz großes Herz. Und genau diesem Herz will ich jetzt genauer auf den Grund gehen.

Hallo ihr zwei, danke für die Einladung! Ich bin begeistert! Eure Linedancer gibt es ja noch gar nicht so lange und dennoch seit ihr schon so viele!

S&B: Wir haben vor einem Jahr zu viert angefangen und sind jetzt ca. 30 Personen. Wir können es selbst manchmal nicht glauben, dass wir so schnell so viele geworden sind.

Woran denkt ihr, liegt das wohl?

Eine echte Liebe. Man sieht es ihnen an!
Eine echte Liebe. Man sieht es ihnen an!

S&B: Wir glauben schon, dass es mit daran liegt, dass wir keinerlei Druck ausüben. Wir sind kein Verein und keine Institution, in der man etwas Besonderes leisten muss. Wir wollen einfach nur Spaß haben, Freude am Tanz und an der Gemeinschaft untereinander. Jeder ist willkommen, kann sich einbringen, ganz so, wie es ihm möglich ist.

Das ist spürbar. Wie übt ihr diese Tänze ein? Muss jeder alles tanzen können?

Nein, auch da ist die Freiwilligkeit oberstes Gebot. Man übt mit, was man erlernen will. Manchen reichen die eher einfachen Stücke, manche, wie z.B. Salim und seine Frau tanzen auf einem sehr hohem Level. Sie geben das aber auch weiter, dienen der Gruppe mit ihrem Können und bringen uns immer wieder ganz neue Dinge bei. Was uns beide sehr entlastet, weil wir zwar schon beide seit vier bzw. sechs Jahren tanzen, aber eben auch erst seit einem Jahr als Trainer tätig sind. Billy ist dabei eher für die Musik zuständig und Susanne ganz konkret für das Training. Tanzen tun wir beide mit Begeisterung!

Tanzt ihr auch vor Publikum? Oder ist das eher die Ausnahme?

Nein, wir tanzen gerne vor Zuschauern. Man kann uns auch buchen, als kleinere oder größere Gruppe. Für Feste, Events oder einfach nur für den privaten Geburtstag. Wir kommen gerne vorbei und bringe auch Stimmung mit. Oft ist es so, dass die Freude, die wir beim Tanzen haben, schon nach kurzer Zeit auf das Publikum überspringt. Wir nehmen auch gerne Tanzwillige vor Ort mit in die Gruppe hinein. Du hast ja selbst gesehen, dass man schon in ganz kurzer Zeit zumindest einfache Tänze mittanzen kann.

Ja, und das hat richtig Spaß gemacht! Habt ihr zwei euch auch beim tanzen kennen gelernt?

Billy hat alles im Griff. Und viel Spaß dabei.
Billy hat alles im Griff.
Und viel Spaß dabei.

Haben wir. Da war von Anfang an so eine besondere Anziehung zwischen uns. Mittlerweile sind wir ja auch verheiratet. Linedance schafft ganz allgemein eine besondere Gruppendynamik.

Verbindet, ohne einzuengen. Man ist frei und dennoch eine homogene Einheit. Das schafft eine besondere Verbundenheit, in der man aufhört, sich nach leistungsorientierten Maßstäben zu beeurteilen. Bei uns zählt der Mensch. Sonst nichts.

Seid ihr eigentlich ein Verein?

Nein, wir sind einfach eine ganz lockere Truppe. Wir halten nichts von Vereinsstrukturen. Nicht, weil wir Vereine nicht schätzen, sie leisten gute und wertvolle Arbeit, sondern weil wir diese Verantwortung und den damit verbundenen organisatorischen Aufwand nicht übernehmen wollen.

Im Moment sind wir einfach eine Gruppe von Menschen, die Lust hat, in ihrer Freizeit zu tanzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Strukturen in unserer Gruppe haben sich ganz organisch entwickelt und sind so, dass jeder für sich seinen Platz gefunden hat. Linedance impliziert ja auch eigentlich schon vom Ansatz her eine gewisse Freiheit. Der Tanz drückt viel Freude aus, aber auch eine besondere Art der Individualität. Man ist man selbst, tanzt alleine, ist aber dennoch Teil einer Gruppe, die einen trägt. Schon irgendwie auch ein Geheimnis. Und übt daher eine gewisse Faszination aus!

Was wünscht ihr euch?

Auch von hinten schön anzusehen.
Auch von hinten schön anzusehen.

Das sich noch mehr Menschen für den Linedance begeistern. Wir sind offen für jeden, der Lust hat, sich uns anzuschließen und freuen uns über Zuwachs. Das Alter ist egal. Man sollte nur über 18 Jahre alt sein, einfach deshalb, weil wir ja auch oft außerhalb unterwegs sind und das dann sonst Probleme gibt.

Selbst, wenn man nicht mehr tanzen kann oder mag, kann man sich trotzdem einbringen und die Gruppe allein durch die Anwesenheit und den Spaß am Linedance bereichern. Wir sind stolz auf unseren Doc Hollyday und unsere anderen „lebenden Bilder“, die uns einfach ergänzen und das ganze zu einer „runden Sache“ machen. Bei unseren Auftritten sind oft gerade sie es, die mit den Menschen ins Gespräch kommen und dafür sorgen, dass wir nicht nur eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen, sondern auch das Western-Flair den Menschen auf besondere Weise nahe bringen.

Das sehe ich auch so. Die ganze Company ist irgendwie wie ein Fenster in die Vergangenheit und gleichzeitig ist sie ganz modern und sehr vielfältig und aufgeschlossen.

So soll es auch bleiben. Wir sind inspiriert von dem Country- and Western-Style. Aber wir sind auch vollkommen geerdet und wissen, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Du hast ja auch gehört, dass die Musik, nach der wir tanzen sehr vielfältig ist. Sie muss sich nur rythmisch eignen und den entsprechenden Drive mitbringen, muss aber nicht „Western“ sein. Wir tanzen genauso nach den Charts oder anderer gängiger Musik.

Wenn sich euch jemand anschließen möchte, was muss er dann tun? Muss er irgendwelche Vorkenntnisse mitbringen?

Linedance macht ganz offensichtlich gute Laune!
Linedance macht ganz offensichtlich gute Laune!

Nein, er kann kommen, wie er ist. Einfach mal reinschnuppern, mal einen Tanz mittanzen und ganz entspannt schauen, ob es ihm gefällt. Wie gesagt: Wir wollen keine Druck, wir wollen Spaß und Freude, an dem, was wir tun. Druck bekommt man eh genug, den lassen wir draußen. Wir wollen einfach einmal die Woche ganz relaxt eine schöne Zeit zusammen verbringen.

Das nimmt man den beiden ab. Ganz und gar. Und wer einmal mit der Gruppe getanzt hat, der hat sehr schnell Feuer gefangen. Ich komme jedenfalls wieder, das habe ich mir ganz fest vorgenommen. Wer Lust hat, sich einfach mal anzuschauen, was genau es mit dem Linedance so auf sich hat, kann die genauen Trainingszeiten und den Ort, an dem die Tänzer sich einmal wöchentlich treffen, bei Billy und Susanne per E-Mail und Telefon oder über Facebook erfragen. BillytheKid und Susanne Schmeckenbecher: 02351 53644, h.schmeckenbecher@gmx.de. Die Trainingsstunden finden jeweils Dienstags in der Zeit von 18.00 bis 21.00 Uhr statt.

 

 

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