Reiten in Lüdenscheid - so elegant kanns aussehen. Hier: Mit Bodo Haase bei der S-Dressur Prüfung. Foto: Jandke

Lüdenscheid. Bodo und Andrea Haase sind beides bekannte Größen in der Reiterszene. Beide reiten sehr erfolgreich auf S-Niveau, Bodo hat zahlreiche Pferde bis zur Grand-Prix-Reife ausgebildet und ist auch momentan wieder erfolgreich in der Königsklasse unterwegs. Er war in diesem Jahr zum Beispiel auch im Finale des deutschen Berufsreiter-Championates placiert. Die beiden trainieren ebenso erfolgreich Pferde und Reiter, haben einen eigenen Stall in Lüdenscheid am Nurrehang und bilden ganz nebenbei auch noch junge Leute zu Bereitern aus. Ich habe Andrea schon mehrfach reiten sehen und war immer fasziniert von ihrer Ausstrahlung und Eleganz, der Art, wie sie mit ihren Pferden harmoniert.

Andrea Haase - feines Reiten auf hohem Niveau
Andrea Haase – feines Reiten auf hohem Niveau

Bodo kannte ich von vielen Erzählungen anderer Reiter und im Gegensatz zu dem sonst eher üblichen Gemisch von Wahrheit, Dichtkunst und Legenden, die unter uns Reitern üblich sind, wenn wir über andere Reiter sprechen, habe ich über ihn überall nur sehr positive, klare, schon fast andächtige Rückmeldungen bekommen. Niemand schien etwas Negatives über ihn zu sagen zu haben. Im Gegenteil, er ist bekannt als jemand, der sich der Ausbildung von Pferd und Reiter ganzheitlich und sehr fein annimmt. Bei dem das Wohl des Pferdes an erster Stelle steht.

Ich lerne sie beide persönlich kennen durch Laura Betz, über die ich hier an dieser Stelle auch schon berichtet habe und die ich beim Training bei Bodo besuche. Bodo sitzt in eine dicke Decke gehüllt auf der Trainerbank und ist mir sofort richtig sympathisch. Später kommt seine Frau Andrea hinzu und zusammen sind sie ein stimmiges, total nettes und sehr offenes Gesamtpaket, dem man es ansieht, dass der Beruf auch die Berufung ist. Bodo unterrichtet sanft. Ohne groß die Stimme zu erheben. Ohne Druck. Ohne einzuschüchtern. Aber: Er sieht wirklich alles. Jeden Fehler. Korrigiert, muntert auf, stärkt auf leise Art und Weise Pferd und Reiter.

Auf der Trainerbank, im Winter auch mal ganz schön kalt. Bodo Haase, Dierk Vormann, Betty Betz
Auf der Trainerbank, im Winter auch mal ganz schön kalt. Bodo Haase, Dierk Vormann, Betty Betz

Eindrucksvoll, wie locker und leicht das alles wirkt, auf welch hohem Niveau die beiden Reiterinnen dort in der Halle sich bewegen und alle dabei zufrieden sind. Es wird viel gelacht. Mittlerweile sitzt man zu dritt auf dem Trainerbänkchen. Hat Spaß. Andrea und ich stehen daneben und lernen uns kennen. Ich frage einfach mal nach einem Interview. Für „unserLünsche“. Sie erkundigt sich nach uns, hat keine Vorbehalte gegen das Web, findet gut, was wir tun. Wir verabreden uns für die kommende Woche zum Interview. Als ich sie eine Woche später wiedertreffe, sitzen wir nach einer kurzen Besichtigungstour durch die sehr gepflegte Stallanlage in ihrem Kasino mit Blick auf die Halle, trinken Kaffee, erzählen uns Geschichten von unseren Pferden und ich habe den Eindruck, die beiden schon jahrelang zu kennen.

Ihr habt Mitte der 90er Jahre den maroden Reiterverein Lüdenscheid e.V. übernommen. Da gabs hier noch einen Schulpferdebetrieb, bei dem ich auch geritten bin. Da war der Verein aber schon fast am Ende und hier sah es noch ganz anders aus. Nicht so gepflegt wie jetzt.

Bodo: Ja, das kann man wohl sagen. Damals war hier noch vieles anders, es gab keine Wiesen, keine Weiden für die Pferde, keine Fenster in den Boxen. Wir haben viel gemacht seit der Zeit. Wir sind halt eine professionell geführte Anlage, d.h. wir wissen was wir tun und warum wir es tun. Damals als wir den Stall übernommen haben, sah man ihm halt an, dass es eine ganze Zeit nicht gut um die Finanzen der Anlage bestellt gewesen war.

Gibt es den Reiterverein Lüdenscheid denn noch? Reitet Ihr für diesen Verein, wenn Ihr Turniere geht?

Ja klar, der existiert noch und wir reiten auch für ihn. Es sind halt kaum noch Leute von früher dabei, aber er ist nach wie vor aktiv, weil wir ihn ja auch brauchen, z.B. um auf Turnieren starten zu können. Man muss sich als Turnierreiter für eine feste Stammmitgliedschaft entscheiden. Das ist nur einmal im Jahr möglich. Ohne Verein zu starten ist faktisch nicht möglich. Außerdem ermöglicht die Organisation der Turnierreiter in den Vereinen die Durchführung der Turniere. Der Reitsport wäre ohne das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder nicht möglich.

Wart Ihr sehr jung als Ihr den Stall übernommen habt?

Bodo: Das wäre schön gewesen. Nein, angefangen habe ich in Radevormwald. Mit 23 Jahren. Da habe ich damals quasi eine Baustelle gepachtet. Die dortige Reitanlage, war ein Rohbau mit drei Boxen drin. Das war 1984. Jeder um mich herum hat erst einmal gesagt: „Bodo, Du bist total verrückt, wie kannst Du so etwas machen.“ Ich hatte damals 3400 Mark gespart und davon habe ich erst einmal für 2000 Mark Heu gekauft. Danach kamen mir dann schon irgendwie die ersten Bedenken, als ich dieses winzige Häufchen Heu ganz verloren auf dem riesigen Heuboden gesehen habe.

Ich hatte erst 3 Boxen, 3 Monate später 5 Boxen. Im April habe ich angefangen und im September hatte ich schon 18 Pferde da stehen und hatte schon meinen ersten Angestellten, weil ich das alleine gar nicht mehr schaffen konnte. Das ging eigentlich echt gut, von Anfang an.

Training in der Halle am Nurrehang. Laura Betz und Andrea Haase haben Spaß
Training in der Halle am Nurrehang. Laura Betz und Andrea Haase haben Spaß

Kommst Du denn aus Rade, Bodo?

Nein, ich komme aus Lüdenscheid. Ich habe hier in dem alten Reitstall, der noch unten an der Straße lag, das Reiten angefangen und bin dann mit knapp 16 Jahren auf die Galopprennbahn in die Lehre als Jockey gegangen.

Du siehst auch aus wie ein Jockey, aber original!

Ich habe mit 9 Jahren das Reiten angefangen. Die Situation war einfach die, dass ich aufgrund der damaligen Kurzschuljahre bereits mit 15 Jahren die Mittlere Reife hatte und einfach Lust darauf, etwas praktisches zu machen. Die hier im Verein haben dann gesagt, „Bodo, Du bist so klein und so leicht, Du musst einfach Jockey werden.“ Darauf hin habe ich mir das einfach mal angeschaut, so nett, naiv, blauäugig, wie man dann so ist in dem Alter, habe dann eine Woche auf der Galopprennbahn mitgeholfen und bin dann direkt einem Trainer aufgefallen, der mich haben wollte. Dann habe ich das 3 ½ Jahre gemacht und bin auch ein paar Rennen geritten. Aber ungefähr in der Mitte der Lehre habe ich gewusst, dass ich das nicht beruflich machen möchte. Es ist ein sehr harter Beruf. Ich habe in der Zeit so viele sehr, sehr schwere Unfälle von Pferden und Reitern erlebt, Wirbelsäulenbrüche und ähnliches. Da wird man einfach nachdenklich. Und das Training an sich war mir zudem einfach zu monoton. Ein paar Runden Leichttrab, dann Galopp und eine halbe Stunde Schritt, das wars dann.

Individuelle Probleme von Pferden wurden eher überritten. Mich hat aber schon damals eher interessiert, wie man Probleme am Pferd lösen kann. Ich war zu leicht und zu klein für die Hengste und bekam auf der Rennbahn immer die ganz hysterischen Stutentiere zugeschustert. Da hatte ich z.B. eine, die ließ sich nur von mir trensen. Wenn ich also nicht da war, dann blieb die einfach im Stall stehen. Mich haben solche Pferde aber immer besonders interessiert. Warum sind die so, welches Problem haben sie, wie kann man es lösen. Das hat mich beschäftigt. Da ist man dann im Rennsport eher fehl am Platze. Nachdem ich eigentlich jede Variante, wie man mit und auch ohne Pferd auf die Nase fallen kann, kannte, also entweder selber ausprobiert oder live gesehen hatte, wollte ich erstens einfach leben und zweitens fand ich das Dressurreiten viel interessanter. Also habe ich in Solingen eine zweite Lehre gemacht als Bereiter.

Da warst Du ja spätestens dann top vorbereitet auf Deine Selbständigkeit.

Und jetzt die Öhrechen gespitzt: Gleich gehts los!
Und jetzt die Öhrchen gespitzt: Gleich gehts los!

Bodo: Ja, da war ich in einem Dressurstall, das hat sich einfach so ergeben. 1981 habe ich dann die Prüfung gemacht und habe mich 1984 selbstständig gemacht.

Du bist parallel dazu aber auch immer geritten, warst also nicht nur Ausbilder und Betreiber eines Stalls, sondern selbst auch recht schnell ein erfolgreicher Reiter in der Dressurszene.

Bodo: Ich konnte ja immer nur das reiten, was ich an Pferden hatte. Das waren in den ersten Jahren hauptsächlich M und L Dressuren auf den entsprechenden Pferden. Später erst kamen Pferde auf S-Niveau dazu, die ich dann selbst ausgebildet hatte. Als dann eines meiner ersten eigenen Pferde den Sprung in die Grand-Prix-Tour schaffte, eröffnete das natürlich ganz neue Möglichkeiten. Der Radius, in den wir uns zu Turnieren bewegten wurde größer und damit erweiterte sich der Kundenkreis mit Ausbildungspferden um Pferdebesitzer aus ganz Deutschland, den USA und dem europäischen Ausland.

Wie habt Ihr beide Euch denn kennengelernt? Du und Andrea. Durch die Reiterei oder anders, z.B. beim Tanzen?

Andrea: Nee, klar, durch die Reiterei. Ich wollte in den Urlaub fahren und hab ein Pferd bei ihm untergestellt. Und dann ergab sich das eben so. Wir waren einfach zusammen. Später dann nach 13 Jahren, wir hatten ja die Anlage in Radevormwald nur gepachtet, haben wir uns  gesagt, dass es besser wäre etwas Eigenes zu haben. Dann wurde uns die Anlage hier in Lüdenscheid zu sehr günstigen Konditionen angeboten, da der Reitverein ja in die Insolvenz ging. Da haben wir nicht lange gezögert und zugegriffen.

Hattet Ihr da schon Euren festen Stamm an Leuten, die dann eventuell auch mitgekommen sind nach Lüdenscheid?

Hier lässt es sich auch im Sommer gut leben: Saftige Wiesen, da schlägt das Pferdeherz höher
Hier lässt es sich auch im Sommer gut leben: Saftige Wiesen, da schlägt das Pferdeherz höher

 

Andrea: Ja, da sind gleich 20 Pferde mitgekommen. Wir mussten dann hier umbauen. Ein halbes Jahr sind wir zweigleisig gefahren, also haben beide Ställe parallel geführt. Einer von uns war hier, der andere in Rade.

Bodo: Ich hatte damals schon eine fertig ausgebildete Bereiterin angestellt, die hat dann hier in Lüdenscheid gewohnt und die Pferde versorgt hat und ich bin jeden Abend um 19 Uhr, wenn ich in Rade mit dem Unterricht fertig war, hierhin gedüst und habe Fenster gestemmt. Also, eigentlich haben wir alles hier allein gemacht, außer der Elektrik. Das war eine sehr anstrengende Zeit. Hier waren ja nur noch 5 Leute mit ihren Pferden, da gab es dann auch nicht viel Unterstützung von außen. Da wir nur eine Halle haben, haben wir dann auch mit dem Schulbetrieb aufgehört. Wir machen halt schwerpunktmäßig die Ausbildung von Reitern und Pferd mit eigenen Pferden.

Und Du Andrea? Wo kommst Du her und wie bist Du zur Reiterei gekommen?

Ich komme ursprünglich aus München, bin dann nach Bonn gezogen und arbeite bis heute in der Verwaltung. Erst ganztags, dann halbtags und mittlerweile nur noch 3 Mal die Woche. In Wuppertal. Um mir entsprechend Kompetenz anzueignen und wegen unserer Auszubildenden bin ich dann auch irgendwann zur Bereiter-Prüfung gegangen, als Seiteneinsteiger. Geritten bin ich immer, habe ganz normal im Schulbetrieb angefangen. Hab dann relativ früh Longenstunden und Unterricht gegeben, auch Beritt, um mein eigenes Pferd zu finanzieren. Das war so in meiner Abizeit.

Ihr seid ja mittlerweile beide sehr erfolgreiche Reiter auf S-Niveau, die viele, viele Preise gewonnen haben und gewinnen.

Andrea: Ja das stimmt schon, wenngleich die Turnierreiterei inzwischen auch eine teure Angelegenheit ist. Neben Nenngeldern und Reisekosten kommen bei weiter entfernten Turnieren auch noch die Boxengelder hinzu. Da muss ein Pferd schon ganz erfolgreich laufen, um am Ende des Jahres seine Kosten erwirtschaftet zu haben. Die Preisgelder in der Dressurreiterei sind ja nicht so hoch bemessen. Wir haben natürlich großen Spaß am Reiten und können uns durch unsere Erfolge entsprechend in der Reiterszene etablieren, aber auch die Pferde werden immer wertvoller, je öfter sie platziert sind. Und wir gewinnen Schüler dadurch. Und davon, von der Ausbildung von Pferd und Reiter und natürlich auch vom Verkauf gut ausgebildeter und bestplatzierter Pferde leben wir ja letztendlich.

Von daher ist es wichtig für uns, an den Turnieren möglichst erfolgreich teilzunehmen. Und natürlich ist es für die Ausbildung des Pferdes wichtig, dass es gelernt hat, im sogenannten Viereck zu gehen. Es nützt nichts, wenn Du ein Pferd schön zu Hause in der Halle ausbildest und da ist alles gut und dann gehst Du mit ihm auf ein Turnier und es dreht im Viereck durch, weil es das nicht kennt. Also gehen wir mit unseren Pferden so oft wie möglich mitten rein in die Prüfungssituation und erleben dann nicht nur, dass wir gut platzierte Pferde verkaufen dürfen, sondern haben gleichzeitig eben auch den Effekt, dass die Pferde es gewöhnt sind, auf den Hänger zu gehen, an Turnieren teilzunehmen und Nervenstark sind.

Also ist es eines Eurer Standbeine, Pferde bis S-Niveau auszubilden?

Ja, wir haben viele Leute, die bringen uns ihre jungen Pferde zu Ausbildung. Ziel ist es, die Pferde bis zu ihrem 7. Lebensjahr auf S-Niveau zu platzieren, möglichst bis Grand Prix auszubilden und sie dann entsprechend gewinnorientiert weiterzuverkaufen. Zusätzlich haben wir natürlich noch den Stall mit 34 Boxen, die wir vermieten, geben Unterricht, trainieren unsere eigenen Pferde und vieles mehr. Um dies alles zu gewährleisten, bilden wir immer zwei bis drei Azubis aus und haben eine Bereiter-Meisterin angestellt.

Also, wenn einer unserer Leser z.B. einen Ausbildungsplatz als Bereiter sucht, könnte er oder sie den bei Euch finden? Welche Voraussetzungen muss man dann mitbringen?

Wir machen das normalerweise so, dass die jungen Leute erst ein Praktikum bei uns machen, einfach um zu sehen, ob es passt. Natürlich sollte man reiten können, großes Interesse am Reitsport und an Pferden mitbringen und kein Anfänger sein. Eventuell schon Reitabzeichen und eine gute gesundheitliche Konstitution haben. Aber wichtig ist uns auch, dass die Person ins Team passt, da die Azubis auch bei uns auf dem Hof wohnen, essen und leben. Das muss dann schon auch auf zwischenmenschlicher Ebene passen. Wir bilden Pferdewirte der Fachrichtung „Klassische Reitausbildung“ aus.

Zentral gelegen, mit Blick auf den Oeneking - die Reitanlage der Haases
Zentral gelegen, mit Blick auf den Oeneking – die Reitanlage der Haases

Ihr seid sehr offen, immer wieder selbst weiterzudenken, Euch neu zu orientieren, neues Wissen zu erwerben und Euer Wissen auch wieder weiterzugeben. Ihr seid vielseitig interessiert und scheut auch keine Konkurrenz-Situationen.

Andrea: Wir sind sehr offen und immer bereit, neues zu lernen und unseren Horizont zu erweitern. Netzwerke zu bilden, abzugeben, aber auch zu empfangen. Bei der Fülle von Informationen ist es nicht mehr möglich, alles zu wissen, aber es ist möglich miteinander zu arbeiten, sein Wissen zu teilen und dadurch zu vermehren. Netzwerke mit anderen zu bilden, ist uns sehr wichtig. Wir haben in unserem Freundeskreis immer viele, wirklich gute Leute, die zum Training zu uns kommen, oft mit speziellen Problemen, die wir dann entweder für sie lösen konnten oder mit ihnen gemeinsam. Und uns dabei dann auch wieder neues Wissen aneignen konnten.

Andrea Haase - auch ein schöner Ausritt gehört zum Programm
Andrea Haase – auch ein schöner Ausritt gehört zum Programm

Bodo: Ich hatte sowieso nie das Gefühl, dass man sich durch Weitergabe von Wissen Konkurrenz züchtet, sondern dass man stattdessen an dem anderen partizipiert und dabei Ansehen und Respekt erwirbt. Dass man gewinnt, wenn man abgibt.

Ihr kennt viele bekannte Reiter in der Szene. Z.B. Nicole Uphoff und ähnlich hochpreisige, berühmte Leute. Das sind dann auch Eure Freunde. Ich halte Euch für kompetente gute Lehrer und angenehme Zeitgenossen. Trotzdem habt Ihr ja auch durch Eure vielen Erfolge und Euer berühmtes Umfeld einen recht einschüchternden Ruf in der lokalen Reiterszene.

Andrea Haase lacht.

Ja leider. Immer denken viele „Altlüdenscheider“, wir seien so elitär und man könnte erst Unterricht bei uns nehmen, wenn man mindestens auf L-Niveau reitet. Aber so ist es überhaupt nicht. Wir möchten ja Leuten etwas beibringen, also kann JEDER zu uns kommen, der etwas lernen will und motiviert ist. Egal, was er bereits kann. Es gibt ja auch ältere Leute, die gerade erst anfangen zu reiten, es aber wirklich gern richtig lernen möchten, auch die nehmen wir gern, genauso wie junge Leute, die sich verbessern wollen. Wir bringen die Leute auf ein gewisses Niveau, wenn sie es denn wollen. Vielleicht reicht ihnen aber auch einfach aus, sich wohl im Sattel zu fühlen und ihr Pferd zu verstehen, das ist für uns auch völlig ok. Wir machen wirkliche Basisarbeit. Wir bilden meistens Gruppen von Leuten, die in ihrer Ausrichtung ähnlich sind. Da sind auch Kinder bei oder Späteinsteiger, die einfach nur ihr Reiten etwas verbessern wollen. Dieser ganze elitäre Schnickschnack, der uns da angedichtet wird, entspricht so gar nicht dem, was wir wirklich leben. Wir bieten Einzelunterricht an und Gruppenstunden bis zu 3 Leuten an. Vom Grand-Prix-Niveau bis zum Unterricht für Einsteiger ist wirklich alles dabei.

Ihr habt ja auch noch Einsteller.

Ja, wir haben 34 Boxen hier. Eine Größe, die wir gut handeln können und unserer Philosophie entspricht, die besagt, dass wir uns persönlich um jedes Pferd kümmern möchten. D.H. wir bieten 24 Stunden Komplett-Service, gehen auch abends noch einmal durch den Stall und schauen, ob alle Pferde gefressen haben, ob alles ok ist, geben Medikamente, wenn nötig und schauen ganz allgemein, dass es allen gut geht, bevor wir selber ins Bett gehen. Da wir hier auch wohnen, könnte ich gar nicht einfach den Schlüssel rumdrehen, ohne vorher noch einmal zu schauen, ob es allen gut geht. Daher ist unsere jetzige Größe auch ideal.

Ihr seid ja auch sehr ganzheitlich eingestellt. D.H. Ihr setzt Euch nicht einfach nur auf die Pferde drauf, sondern besonders Du Bodo, hast ja auch sehr viel Wissen darüber, wie so ein Pferd funktioniert, wie es körperlich beschaffen ist, wie man Krankheiten erkennen und behandeln kann, wie die Psyche dieser Tiere funktioniert und wo es haken kann.

Bodo: Ja, das hat eigentlich zwei Gründe, warum mich damit so intensiv beschäftigt habe. Erstens haben wir ja einmal das Problem mit unserer Dopingregelung im Turniersport. Es ist sehr, sehr schwer, die Pferde gesund zu erhalten, wenn Du quasi gar nichts mehr hast, mit dem Du behandeln darfst, ohne dass Du dann direkt unter die Dopingregel fällst. Du musst ja irgendwie sehen, dass Du mit einem Minimum an Medikamenten klar kommst, sonst kannst Du ja dauernd wieder Pause machen und bist einfach trainingsmäßig und auch so raus und kannst teilweise wieder komplett von vorne anfangen. Und dazu reichen so Sachen wie ein Mohnbrötchen oder ein Schokobrötchen oder ähnliches, dann sind die Pferde unter Umständen schon positiv beim Dopingtest.

Zum anderen ist es ja ganz simpel reiner Eigennutz. Ich kann ja nur gesunde Pferde ausbilden. Und man bekommt ja immer wieder Pferde gebracht zur Ausbildung, die angeblich nicht wollen, bei denen man erst einmal klären muss, ob das Tier tatsächlich nicht WILL, und das ist selten der Fall, oder ob eine körperliche Bedürftigkeit vorliegt, ein Problem, das man lösen kann und dem Pferd dadurch ermöglicht, die Leistung zu bringen, die es im Normalfall bringen könnte. Wir versuchen, das Problem, das das Tier haben könnte, einzukreisen, um dann zu entscheiden, zu welchem Spezialisten wir das Pferd bringen können. Die entsprechende Erfahrung in diesem Bereich erwirbt man dadurch, dass man sehr viel und viele verschiedene Pferde reitet, so dass man von oben aus dem Sattel heraus erkennt, wo das Pferd nicht stimmig läuft und das Problem liegen könnte. Dann kreist Du es immer weiter ein und kommst schließlich an eine Punkt, an dem Du weißt, was los ist.

Ein Beispiel: Wir haben letzte Woche eine Stute bekommen, die wurde bei ihrem bisherigen Reiter immer steifer und steifer, erst vierjährig. Physiotherapeut und Tierarzt kamen nicht weiter mit der Problematik. Ich hab sie direkt an die Longe genommen, danach geritten. Nach relativ kurzer Zeit war für mich aus meiner Erfahrung heraus klar, dass sie eine Rückenblockade hat, aber dass das eigentliche Problem von zwei entzündeten Knien herrührte, da die Winkelung vom Knie zum Körper beim Reiten nicht stimmte. In diesem Fall war klar, dass es das Knie war, da sie z.B. bestimmte Wendungen nicht gehen konnte. Wir sind also mit ihr zum Spezialisten und da kam dann heraus, dann die Kniee entzündet sind. Jetzt hat sie ein paar Tage Ruhe und dann sehen wir weiter.

Ist es mittlerweile Usus, das Leute mit solchen Problemfällen zu Euch kommen?

Bodo: Ja, haben wir oft. Auch Pferde mit Allergien und innerem Pilzbefall haben wir schon gehabt, die fast unreitbar waren

Immer im Gespräch und zusammen einfach ein gutes Team: Andrea und Bodo
Immer im Gespräch und zusammen einfach ein gutes Team: Andrea und Bodo

und dann wieder gesund geworden sind, nachdem wir die Ursache für ihre Beschwerden gefunden hatten. Wir möchten nicht Pferde trainieren, die offensichtlich krank sind und sprechen die Besitzer auch ganz direkt darauf an. Wir bieten unsere Hilfe an, aber wir lehnen es ab, einfach über  gesundheitliche Probleme hinwegzusehen und kranke Pferde zu trainieren, als ob nichts wäre. Überhaupt ist uns das Pferd und seine Grundversorgung sehr wichtig. Dass sie dem Tier entspricht, seinen natürlichen Bedürfnissen entgegen kommt. Wir halten nichts von 1000 verschiedenen Futterzusätzen, sondern ernähren unsere Pferde so, wie sie es auch in der Natur von sich aus tun würden. Also mit Heu, verschiedenen für das Pferd verwertbaren Getreidearten, entsprechenden Pellets und Möhren in Maßen. Alles, was man in Maßen und mit Verstand gibt und nicht einfach wahllos reinschüttet, würden wir bejahen. Wir sind offen für Chiropraktik, Homöopathie etc. Aber es muss mit Durchblick passieren und nicht als Experiment. Ebenso wichtig ist ein guter Schmied. Aber auch ihm muss ich Feedback geben, weil auch er auf den angewiesen ist, der das Pferd kennt und reitet.

Ich unterhalte mich jetzt eine Zeit mit Euch und sehe einfach ein großes Interesse an Mensch und Tier. Dass es beiden gut geht, wenn Ihr mit ihnen arbeitet. Ich finde Euer Engagement überdurchschnittlich, ja vorbildlich.

Andrea: Aber deswegen kommen die Leute ja zu uns. Das erwarten sie ja, dass ist ja Teil unserer Dienstleistung, dass wir uns voll einsetzen, nicht zurückhalten oder gleichgültig reagieren bei einem so emotionalen Thema wie die Gesundheit der Pferde oder der Ausbildung der Reiter. Und das können sie auch erwarten. Dass wir zu 100% dabei sind und alles geben und nicht nur ein bisschen, dass es so gerade reicht. Vielleicht ist das aber auch wieder ein wenig Eigennutz, denn nur dieser Einsatz garantiert uns die Zufriedenheit und Kunden, die gern bei uns sind und bleiben. Und uns weiterempfehlen. Darüber freuen wir uns sehr.

Unterricht
Unterricht – auch zu Dritt eine lehrreiche Zeit

Ich bedanke mich bei den beiden. So offen und so ehrlich hat bisher kaum einmal ein Reiter mit mir gesprochen. Lüdenscheid ist eine kleine Stadt und beherbergt trotzdem solche Top-Sportler, die zudem gern hier leben und arbeiten. Darauf können wir stolz sein. Ich freue mich darauf, das Ehepaar Haase bald wiederzusehen. Und wünsche ihnen Glück. Denn das Glück der Erde liegt bekanntlich auf dem Rücken der Pferde …

 

 

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