Tlako Mokgadi - Vollblutmusiker aus Altena im Interview mit unserLünsche. Foto: Kannenberg

Lüdenscheid / Altena. Tlako Mokgadi ist 49 Jahre alt und lebt mit seiner Lebensgefährtin Ulrike in Altena. Er ist Vater einer fast erwachsenen Tochter und eines vierjährigen Sohnes. Tlako ist nicht nur ein bekannter Live-Musiker sondern auch Musiklehrer an drei verschiedenen Schulen, arbeitet als Songwriter und organisiert auch gerne mal den einen oder anderen Poetry Slam. Tlako ist eben ein echtes Multitalent, dem ich heute exklusiv Löcher in den Bauch fragen darf. Ein Bericht von Iris Kannenberg.

Ich bin auf dem Weg zu dem Interview mit Tlako Mokgadi. Es ist ein wunderschöner sonniger Freitagmittag und ich freu mich darauf, eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Lüdenscheider Musikerszene zu treffen und ihr ein paar Fragen stellen zu dürfen. Während ich Laptop, Kamera und diverse andere „Kleinigkeiten“ die steile Treppe der Musikschule hochschleppe, öffnet sich wie auf Kommando die Tür und Tlako höchstpersönlich kommt mir auf der Treppe entgegen.

Tlako ist so etwas wie ein personifizierter Sonnenstrahl, er schaut einen an, grinst breit über das ganze Gesicht und man ist einfach gut drauf.
So steht er nun auch in diesem Moment da, in der Hand eine Tasse Kaffee und brüllt: EIRIS, wir waren verabredet!! Solchermaßen ermutigt brülle ich zurück: „Ja, Tlako, waren wir“, schmeiße allen Ballast, den ich mit mir herumschleppe, einfach auf den Boden und setze mich erst mal mit ihm zusammen in die Sonne. Für ein paar Minuten scheint es nichts Besseres zu geben, als mit Tlako hier zu sitzen und ein Ründchen zu chillen.

Er trägt zum knallroten Hemd eine knallblaue Lesebrille und einen langen hellgrauen Mantel im Dandy-Style, was einen sehr interessanten Kontrast ergibt zu Rasta Zöpfen und dunkelbrauner Haut, die ihn aussehen lässt wie den kleinen, gesunden Bruder von Bob Marley. Nach dem Kaffee und einigen Fotos in der Sonne, nimmt er mich mit den Raum, in dem er seine Schülern normalerweise Gitarrenunterricht gibt.

Tlako, ich bin so neugierig, wie kommt jemand, der aussieht, wie frisch aus Jamaika importiert dazu, in Altena zu wohnen?

(Er grinst, spielt ein bisschen Gitarre, grinst wieder.)

Tlako: Also, das ist so: Meine Eltern stammen ursprünglich beide aus Südafrika und mussten unter dem dortigen Apartheidsystem nach der Gefangennahme von Nelson Mandela 1962 nach Deutschland emigrieren. Hier haben sie dann geheiratet. Ich selbst wurde dann in München geboren. Die beiden waren studierte Menschen, Akademiker, die es aber hier sehr schwer hatten, als Emigranten, Arbeit zu finden. Sie sind deswegen oft umgezogen, quasi einmal quer durch Westdeutschland. Wir haben erst in München, dann in Heidelberg und später 6 Jahre in Aachen gewohnt, wo ich meine Grundschulzeit verbrachte. Sehr zu meinem Leidwesen, sind wir dann nach Dortmund gezogen, einer Stadt, mit der ich nie so recht warm geworden bin, obwohl ich dann 25 Jahre dort gewohnt habe. Damals war Dortmund nicht so wie heute eine moderne interessante Stadt, sondern noch richtig Ruhrpott. Alles grau in grau, ich kam mir zu Anfang einfach verloren dort vor.

Was hat Dir und Deiner Familie überhaupt geholfen, sich hier in Deutschland halbwegs wohl zu fühlen? Das muss ja ein ziemlicher Kulturschock für sie gewesen sein. Eine Heimat wie Südafrika zu verlieren und dann in Dortmund zu landen, das stelle ich mir schwierig vor.

Tlako: Ja, war es auch, eben auch dadurch, dass sie hier nicht so arbeiten konnten, wie sie es sich gewünscht hätten. Zur Hilfe kam ihnen sicher, dass sie nicht nur Bauingenieur und Wirtschaftswissenschaftlerin waren, sondern auch mit Leib und Seele Musiker. Meine Mutter war Sängerin und mein Vater Percussionist. Immer zusammen als Duo oder gemeinsam in Bands. Das hat ihnen Kraft gegeben und Lebensfreude.

Die sie anscheinend an Dich weitergegeben haben…

Tlako: Ja, das ist richtig. Bei uns war es einfach so, dass mein Bruder und ich mit Musik aufgewachsen sind. Da wir wenig Geld hatten und uns teuren Musikunterricht nicht leisten konnten, haben wir uns das Gitarre spielen selbst beigebracht. Meine erste Gitarre hatten meine Eltern bei einer Tombola gewonnen. Wir beherrschten unsere Instrumente ziemlich schnell ziemlich gut. Schon als Kinder haben wir uns aus Waschmitteltonnen Trommeln gebastelt und um die Wette getrommelt.

Meine Eltern, die ja eh schon regelmäßig auftraten, gründeten mit uns zusammen dann eine richtige Band und wir spielten bald wirklich quer durch die Republik überall, wo man uns hören wollte. Wir waren erfolgreich, spielten sogar schon zu Zeiten als dies fast niemand durfte, in der ehemaligen DDR. Ich war damals 16 Jahre, als diese Band-Zeit begann. Wir haben oft die Ferien genutzt, auch für Auslandsauftritte. So haben wir z.B. auch eine Tournee durch Italien gemacht.

 Aber Du hast ja auch noch Abitur gemacht und später studiert. War das nicht alles ganz schön viel? Wie hast Du das hinbekommen.

Tlako: Ach, ich habe mich schon sehr früh entschieden, dass ein Leben als selbstständiger Musiker das ist, was meinem Naturell entspricht. Da ich immer noch Südafrikaner bin, mit einer riesigen Familie in Südafrika, standen meine Chancen auf eine gute Ausbildungsstelle hier in Deutschland nach meinem Abitur echt schlecht. Ich landete deshalb erst mal in einer Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme – genau zu dieser Zeit kam das Angebot für die Tournee in Italien und ich musste mich sehr schnell entscheiden, ob ich Vollzeit-Musiker sein wollte, oder Vollzeit-Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Teilnehmer.
Meine Entscheidung fiel da sehr klar aus. Ich wurde Musiker und hatte ein wirklich gute Zeit, während der nachfolgenden Tournee.

Ok, Tlako, aber du bist ja nicht nur Musiker, Du bist auch studierter Sozialpädagoge. Und Du bist auch ein wirklich guter Musiklehrer.

Tlako: Ich dachte, es wäre gut, etwas zu lernen, das sich mit der Musik verbinden lässt. Etwas, dass mir ermöglicht, Musik zu machen, aber auch ganz normal mein Geld zu verdienen. Durch meine erste richtige Stelle nach meinem Studium, nämlich in einer Suchtklinik, bin ich dann auch nach Altena gekommen.
Als Musikpädagoge, der mit suchtkranken Menschen arbeiten durfte und ihnen durch die Musik zu einem neuen, besseren Selbstbild verhelfen durfte.
Ich hab dadurch aber nicht nur gelernt, wie heilsam Musik sein kann, sondern ich musste auch lernen, mich abzugrenzen, mich selbst zu schützen und genau aufzupassen, wer mir da gegenüberstand. Die Arbeit in der Suchtklinik war sehr erfolgreich, mein Angebot an die dortigen Patienten wurde gern und begeistert angenommen.

Gleichzeitig bin ich so nach und nach in die Kinder– und Jugendarbeit hineingerutscht. Es sprach sich in Altena herum, dass ich ein engagierter Musiklehrer war, der gern mit Menschen arbeitet. Und so kam ein Kindergarten auf mich zu mit der Frage, ob ich nicht Trommelunterricht geben wollte für die Kleinen. Dabei habe ich gemerkt, dass ich super mit den Kindern klar kam. Der Kindergarten war eine kirchliche Einrichtung, der Pastor dort fragte mich dann, ob ich nicht Lust hätte, auch den Gottesdienst mitzugestalten.

Ein Jahr später bekam ich die Verantwortung für die Ausgestaltung des Familien-Gottesdienstes. Wieder ein Schritt mehr in Richtung Kinder- und Jugendarbeit.

Das heißt, Du bist auch ein gläubiger Mann, Tlako?

Tlako: Ja, ich bin tiefgläubig. Schon von Kindesbeinen an trägt mich mein Glaube durchs Leben und gibt mir eine positive und lebensbejahende Grundeinstellung, die mir Kraft gibt und Halt, auch in schwierigen Situationen. Allerdings bin ich nicht religiös, sondern habe meinen eigenen Glauben.

Heute lehrst Du ja nicht nur in Lüdenscheid…

Tlako: Nein, ich habe mittlerweile ein eigene, kleine Musikschule in Altena, unterrichte hier an der Music Store Musikschule und an einer Hauptschule in Plettenberg. Mir macht die Arbeit mit den Jugendlichen und Kindern einfach riesigen Spaß. Zu sehen, wie sie sich zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln und teilweise richtig gute Musiker werden, das ist schon ein besonderes Geschenk für mich.

Du trittst ja auch ständig irgendwo als Musiker auf und produzierst parallel dazu gerade bereits Dein 3. Album, das Du „ODD“ genannt hast.

Tlako: Ja, ich trete sehr gern auf. Musik machen gibt mir große Energie, lässt mich innerlich gesund und ausgeglichen sein. Musik zu machen ist für mich nie wirklich anstrengend, sondern gibt mir Kraft und Stärke da zurück, wo ein manchmal anstrengender Alltag sie verbraucht hat.Ich bin mit Leib und Seele Musiker.

Hast Du eine bestimmt Musikrichtung, die Du präferierst?

Tlako: Ich lasse mich von der Musik der Welt inspirieren und bin sehr vielseitig aufgestellt. Da Musik meine emotionale Ausdrucksform ist, und Emotionen vielschichtig sind, kann ich mich nie wirklich auf eine Art der Musik festlegen. Meine persönliche Bereicherung besteht darin, meine Emotionen durch die Musik mit dem Publikum zu teilen. Sobald ich auf der Bühne steht, ist jedes Problem vergessen. So mache ich mit meiner Band „Tlakomania“ schwerpunktmäßig Reggae, spiele dort eigene Stücke, gemischt mit Covermusik. In meiner Band „Funcascade“ mache ich gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin Ulrike Wagner Musik, die Sängerin und Erzieherin ist und mit der ich einen kleinen Sohn habe.

„Black&White Showbrothers“ ist ein Duo, in dem ich mich als Funk&Soul Musiker gegen Rock&Pop battle. Und zwar einmal quer durch die jüngere Musikgeschichte.

Zudem planen vier der Lehrer des Music Store Musikschule, nämlich Ingo Starink, Klaus Sonnabend, Steven Regnitz und ich ein Band die „The Red Bill“ heißen wird und in der wir nur Lieder spielen, die niemand mehr hören kann. Die werden von uns natürlich auf eine ganz besondere Art dargebracht.
Das wird sehr, sehr lustig!!

Hast du einen Schwerpunkt in Deiner Arbeit?! Bist Du eher Musik-Lehrer oder eher Live-Musiker?

Mein Schwerpunkt liegt nicht bei der Musik ODER dem Lehren, sondern beides ist ausgewogen. Lehren ist Beziehungsarbeit. Herauszufinden, was der einzelnen Schüler braucht, damit er im Leben weiter kommt, macht mir Spaß und lässt mich diese Arbeit wertschätzen. Einfach, weil der einzelne daran intensiv gewinnt. Aber man muss dabei viel geben, laugt manchmal aus, muss sich seine Energie, die man gibt auch wieder holen. Dazu ist die Musik für mich da, sie gibt mir das, was ich brauche, um dann wieder geben zu können. Ich führe ein ausgewogenes, gutes Leben.

Und wertschätze beides, ein Lehrer zu sein UND ein Musiker, der auf der Bühne steht und sein Publikum mitreißt.

 

 

 

 

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