Völlig relaxt: Steffen Schulte-Lippern, Kreativkopf aus Lüdenscheid. Foto: Kannenberg
Steffen, wie er leibt und lebt: Big Smile, Käppi und die Austrahlung – einfach positiv! Foto Kannenberg
Steffen, wie er leibt und lebt: Big Smile, Käppi und die Austrahlung – einfach positiv! Foto Kannenberg

Lüdenscheid. Wer ist eigentlich Steffen Schulte-Lippern? Das habe ich mich schon oft gefragt. Ich seh ihn immer mal im Lönneberga. Beim Open Stage. Oder bei Konzerten dort. Dann schneit er kurz rein, schaut mal nach dem rechten, ist meistens auch gleich wieder weg. Oft hat er einen ganzen Tross Leute dabei. Steffen ist groß, sehr groß und fällt auf. Rote Haare, sehr viel Charisma, strahlendes Lächeln. Er ist nett. Und begabt. Steffen ist 35 Jahre alt und seit 10 Jahren selbstständig. Hat in dieser Zeit eine Werbeagentur mit gegründet, die in Lüdenscheid wohl jeder kennt, nämlich „David&Goliath“, hat ein eigenes Fotostudio „Studio Steve“ , hat die Bar Lönneberga in der Oberstadt mit seinem Kumpel Fabian eröffnet und hängt gerne mal mit seinen Freunden in deren Läden ab. Läden, die solche Namen haben wie „Die platte Bulette“. Er dreht zudem Musikvideos und schickt sich gerade an, mit seinen Fotos die Welt zu erobern.

Dabei macht er aber einen durchaus geerdeten Eindruck. Immer freundlich, sehr höflich und mit einem scharfen Auge fürs Detail, was man sowohl seiner Fotografie, als auch seiner Agentur, als auch dem Interieur von Studio und Lönneberga ansieht. Steffen ist einer, der besondere Augen hat, ein feines Gespür für Trends und einen Blick weit über den Tellerrand hinaus. Jemand, den man sich gut in solchen Städten wie New York, Paris oder Tokio vorstellen kann. Aber er mag das eher kleine Lüdenscheid, an dieser Stadt hängt sein Herz. Er hat eine klare Vorstellung davon, was nötig wäre, Lüdenscheid noch attraktiver zu machen. Und er arbeitet daran.

Konzentriert bei der Arbeit. Hier bei der Nachbearbeitung seiner Fotos am Rechner. Foto: Kannenberg
Konzentriert bei der Arbeit. Hier bei der Nachbearbeitung seiner Fotos am Rechner. Foto: Kannenberg

Als ich ihn in dem Loft über seinem Studio treffe, bereitet er gerade ein Portfolio von seinen bestenFotoarbeiten vor. Ich schau ihm kurz über die Schulter und bin fasziniert. Wie meistens von seinen Bildern, die „gewöhnliche“ Dinge und Menschen zu ungewöhnlichen Kunstobjekten werden lässt. Man schaut bei Steffens Arbeiten immer zweimal hin. Beim ersten Mal so, wie man sich eben ein Foto anschaut. Milde interessiert. Dann ein zweites Mal fasziniert, man ist getroffen von dem, was er hinter dem Bild mit fotografiert. Ein Stück Seele, Tiefe hinter einem Gesicht, hinter einer Landschaft. Nichts ist mehr auf dem zweiten Blick so, wie es auf den ersten war. Das ist seine besondere Gabe.

Dann sitzen wir erst einmal auf einer Couchgarnitur, die normalerweise spießig wäre, wenn sie nicht in diesem Ambiente stände. Hier wirkt sie stylisch und passt zu diesem 1,90 m großen Menschen, der die riesige Couch auf einmal recht klein aussehen lässt.

Steffen, danke, dass ich hier sein und Dir ein paar Fragen stellen darf. Du machst ja recht viel, bist sehr aktiv hier in der Stadt.

Einfach nur eine Landschaft? Oder ist da mehr... Foto: Steffen Schulte-Lippern
Einfach nur eine Landschaft? Oder ist da mehr… Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ja, doch, es läppert sich. Wenn ich so recht überlege, kommt da schon einiges zusammen. Das Lönne, mein Foto-Studio und sehr viele andere Projekte, ja, das ist schon viel.

Ich habe gehört, dass Du hier für die Oberstadt so eine Art „Kiez“ planst?

Was heißt „planst“? Es wäre halt schon eine schöne Vorstellung, wenn es irgendwann mal soweit kommen würde, dass man eine Anlaufstelle hat für Leute, die nicht nur zu Hause vor dem Fernseher herumsitzen, sondern aktiv etwas unternehmen wollen. Lust haben zu feiern, Lust haben etwas voranzutreiben, kreativ zu sein. Letztes Jahr haben wir z.B. hier die „High Street“-Galerie angeboten, das Lönne ist hier, „Die Platte Bulette“, das „Studio Steve“, das „Eigenart“ direkt daneben und auch der „Reidemeister“, die die Straße beleben. Das ist eigentlich schon eine recht nette Ecke hier oben in der Hochstraße, die aber von außen her eher abwertend behandelt wird. Als ob es nicht so wichtig wäre, dass es Plätze gibt, die zum Leben einladen. Das wollen wir ändern.

Hast Du eine konkrete Vorstellung von dem „wie“ kann man das ändern? Und warum?

Ein besonderes Portrait von einem besonderen Menschen. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Ein besonderes Portrait von einem besonderen Menschen. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ich glaube, dass das eine ganz wichtiger Ort für die Stadt ist, ein Ort, wo die Menschen zusammenkommen, sich austauschen können, kreativ sein können. Gerade in diesen Zeiten des sogenannten „Demografischen Wandels“ und der Tatsache, dass es die jungen Leute eben in die Städte zieht, die ihnen auch kulturell etwas zu bieten haben, ist dies oft sehr unterschätzt. Wenn man mal Menschen fragt in meinem Alter, was ihnen wichtig ist an einer Stadt, so ist es nämlich nicht nur der Aspekt, dass man vielleicht günstig leben kann, wenig Miete bezahlt, etc., sondern, dass man in seiner Stadt auch etwas machen kann. Dass Leben da ist, Kreativität, Angebote, etwas zu unternehmen, die über das „Simple“ hinaus gehen. Wenn Leben da ist, ist das auch für viele ein Grund entweder nicht wegzugehen oder zurückzukommen oder die Stadt so attraktiv zu finden, dass man zumindest hier arbeitet. Es wäre schön, wenn Lüdenscheid so attraktiv würde, dass es seine jungen Leute hier hält, statt sie dazu zu animieren, in die nächst größeren Städte hier in der Umgebung zu ziehen. Oder noch weiter weg. Aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Denkst Du auch, dass sich kulturell und szenemäßig in den letzten zwei Jahren in Lüdenscheid viel getan hat?

Die interessieren ihn: Menschen. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Die interessieren ihn: Menschen. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ja, auf jeden Fall! Es gibt viele neue Impulse in dieser Stadt, viel Bewegung in der Musikerszene, der Künstlerszene an sich.

Wie kamst Du dazu, Dich hier in Lüdenscheid als Fotograf selbstständig zu machen? Kein einfaches Pflaster für Fotos.

Ich bin jetzt fast genau 10 Jahre selbstständig. Ich habe ein Ausbildung als Fotograf gemacht, ganz solide. Und hatte dabei das Glück , einen Chef zu haben, der mich viel hat ausprobieren lassen. Später wurde das Geschäft, in dem ich meine Ausbildung gemacht hatte verkauft und ich hatte die Möglichkeit, entweder dort weiter zu arbeiten für 600 Euro im Monat oder mich selbstständig zu machen. Da bin ich dann einfach ins kalte Wasser gesprungen. Habe lange gebraucht, ehe ich jemanden gefunden habe, der mir einen kleinen Kredit gegeben hat, aber als es dann soweit war, habe ich einfach mal losgelegt. Habe da als selbstständiger Fotograf schon viel mit meinen beiden Freunden Gregor und Matthes zusammen gearbeitet, die da aber auch noch angestellt waren und habe dann quasi ein Jahr später mit denen zusammen David&Goliath gegründet.

Wie seid ihr auf diesen doch recht ungewöhnlichen Namen gekommen?

Oh, dass ist schwer zu erklären, Namen sind wichtig, implizieren aber immer auch einen längeren Denk- und Reifungsprozess.

Ihr seid ja schon so was wie ein David, der gegen eine große etablierte Welt, also Goliath angetreten ist.

Ein Wüsten-Suchbild: Wo ist das Auto? Foto: Steffen Schulte-Lippern
Ein Wüsten-Suchbild: Wo ist das Auto? Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ja, das spielt sicher mit da hinein. Jeder von uns hat da einen Teil der anfallenden Arbeiten übernommen, das, was er am besten konnte. Irgendwann hat sich dann herausgestellt, dass das ganze einfach zu viel wurde. Diese ganze Werbegeschichte hat auch nicht wirklich mit der Art Fotografie zu tun, die ich präferiere, deshalb haben wir das dann auch später wieder ein bisschen mehr gesplittet. Die Jungs können sich auf das konzentrieren, was sie machen und was sie auch echt gut machen, ich konzentriere mich auf meine Kernkompetenz, nämlich Fotografie und wir arbeiten immer noch ganz eng zusammen, machen viele Projekte zusammen, fahren gemeinsam in den Urlaub und vieles mehr. Ich bin dann mit dem Studio in die Hochstraße gegangen, hierhin, wo wir gerade sitzen.

Es ist einfach so, dass man am Anfang seiner Selbstständigkeit auch vieles macht, was man eigentlich nicht so sehr liebt, es ist harte Arbeit und im Nachhinein fragt man sich schon manchmal, wie man das so geschafft hat. Wir haben in unseren Anfangszeiten viel Familienfotos gemacht, sehr viele Hochzeiten, Feiern, Familienfeste, Kleinkinder, Passfotos, alles, was eben dazu geführt hat, dass man als Selbstständiger überleben konnte. Dazu gekommen sind dann immer mehr Firmen und Unternehmen, und über die Agentur viele Werbesachen, so dass sich unser anfängliches Kerngeschäft in Richtung Werbung verschoben hat. Wir haben zwar immer noch 60 bis 70 Hochzeiten im Jahr fotografiert, aber eben auch Produktfotografie, Werbefotografie, Firmenporträts, Mode und Musik. Alles, was man mit Fotografie abarbeiten kann.

Wir, das waren David&Goliath?

Das Individuum in der Menge erkennen. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Das Individuum in der Menge erkennen. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Nein, nicht nur, ich hatte hier im Studio auch noch Mitarbeiter, freie und feste, und im letzten Jahr habe wir das ganze dann noch einmal gesplittet. Alex, die schon lange bei mir arbeitet, hat die Privatkunden übernommen und ich kümmere mich jetzt um andere Sachen. So haben wir letztes Jahr unser erstes Buch herausgebracht, haben jetzt eine Agentin in Hamburg, also eine große Repräsentanz, die mich vertritt. Bis jetzt ist es von Jahr zu Jahr immer ein bisschen vorwärts gegangen. Stillstand hat es in dem Sinne nie gegeben. Los marschiert bin ich hier in Lüdenscheid und nun bin ich schon europaweit unterwegs, wobei diese Repräsentanz in Hamburg natürlich auch ein großer Schritt in die richtige Richtung ist. Wir haben von Anfang an immer alles gemacht, also auch in der Agentur waren wir offen für die Vermarktung von Stanz- und Biegeteilen ebenso, wie für Mode oder ganz andere Geschäftsbereiche. Wir haben immer versucht, über den Tellerrand hinauszuschauen, Trends zu setzen, neue Stilrichtungen zu entwickeln. Nicht abzuschauen, sondern Gegebenes weiterzuentwickeln oder ganz Neues anzubieten. Und das ist scheinbar ganz gut angekommen.

Wie würdest Du denn Deinen eigenen Stil bezeichnen.

Alles schwebt. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Alles schwebt. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Seinen eigenen Stil zu bezeichnen ist immer schwierig. Jeder Fotograf sucht ja nach seinem eigenen Stil, möchte gern direkt erkannt werden. Das ist aber auch viel Arbeit. Man probiert viel aus, feilt, verwirft, findet neue Wege. In meinen Anfangszeiten habe ich nächtelang Magazine gewälzt, habe mich dafür interessiert, wer, was, wie gemacht hat, habe versucht, das auch hinzubekommen, bzw. darin meinen eigenen Stil zu finden. „Learning by doing“.

Man entwickelt dabei einen eigenen Bildgeschmack. Mir ist es wichtig, dass mir gefällt, was ich mache. Das ich mir auch nach fünf Jahren meine Bilder noch ansehen kann und sagen kann: „Das ist gar nicht so schlecht.“ Es gibt natürlich immer Leute, die das nicht gut finden. Aber wir verkaufen auch Bilder über „Yellow Corner“, das ist ein riesengroße Pariser Galeriegeschichte ähnlich wie „Lumas“, die unsere Bilder vertreiben. Über die haben wir mittlerweile über 8000 Bilder verkauft, die jetzt bei Leuten weltweit an den Wänden hängen. Da denke ich dann, sooo schlecht kann’s gar nicht sein. Man muss seine eigenen Sachen gut finden und dahinter stehen, dann kann man auch andere damit überzeugen. Es gibt natürlich auch immer viele Neider, die sagen, so wie Du das machst, ist das ja alles Schrott.

Ist ein großes Thema, der Neid, besonders wenn man so im Focus steht, wie Du das tust. Noch dazu in so einer Kleinstadt, wo jeder jeden kennt.

Steffen erklärt mir seine Arbeit. Foto: Kannenberg
Steffen erklärt mir seine Arbeit. Foto: Kannenberg

Ja, damit hat dann wohl jeder zu kämpfen. Mit Neid und manchmal auch übler Nachrede, aber man entwickelt da mit der Zeit ein dickes Fell, sonst kann man so einen Job einfach nicht machen. Sonst würde man sagen, entweder man geht hier weg, ganz woanders hin oder man macht etwas komplett anderes. Ich hatte auch schon das eine oder andere Mal die Überlegung nach Berlin oder Hamburg zu gehen, denn Lüdenscheid ist keine Fotostadt. Keine idealen Bedingungen. Aber, Lüdenscheid ist MEINE Stadt. Ich fühle mich hier wohl, ich kenne die Leute hier, ich finde mein Netzwerk super, ich mag meine Freunde, ich mag es da, wo ich wohne, es gefällt mir hier wirklich gut. Und auch wenn ich jetzt viel unterwegs bin, wird Lüdenscheid immer meine „Base“ sein.

Was mir bei Dir so gut gefällt Steffen, ist, dass Du so authentisch bist. Wohin Du auch gehst, nimmst Du ein Stück von Dir mit und parkst das da, wo Du gerade bist. Lässt einen Teil von Dir da.

Ja, das stimmt irgendwie. Ich versuche schon, meine Umwelt zu prägen, zu verändern, meine Persönlichkeit mit einzubringen, erkennbar zu sein. Aber: Man kann auch nicht alles machen. Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich sieben Tage in der Woche gearbeitet und dann mindestens zwölf Stunden am Tag, hatte nie ein Wochenende. Und es gibt sicher nicht so viele, die das freiwillig machen.

Kommst Du aus einer guten Familie, die Dich dabei unterstützt hat?

Ja, aus einer für mich sehr guten Familie, die zwar zu Anfang skeptisch war und sich Sorgen gemacht hat, ob ich das wohl packe, aber mittlerweile voll hinter mir steht und auch stolz auf mich ist. Ich habe mich auch sehr verändert durch die Selbstständigkeit. Ich war früher eher wenig zielorientiert, so nach dem Motto „Kommste heut nicht, kommste morgen“. Aber das hat sich schnell geändert durch die Leidenschaft, die ich für meinen Arbeit entwickelt habe. Ich kann mir auch nichts anderes mehr vorstellen. Deshalb arbeiten wir mittlerweile auch an so vielen Projekten, machen so viele Sachen auch und gerade hier in und für die Stadt. Und das hat ja auch viele Gründe. Man mag die Stadt, macht deshalb auch viel und macht mit Sicherheit auch Sachen mit, die keinen so großen Spaß machen, aber man investiert sich und bleibt hier, mit sehr vielen Projekten, die alle auch irgendwie zusammen hängen.

Du drehst auch Filme oder?

Bulli on the road. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Bulli by the beach. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ja, das bietet sich heutzutage an, die Technik ist da und man kann durch den Film noch viel mehr Emotionen rüberbringen, in Kombination z.B. mit Musik. Video ist gut und macht viel Spaß, Fotografie wird aber immer mein Schwerpunkt bleiben.

Video ist aber immer schön, weil man viel rauskommt, wegkommt, neues sieht. Letztes Jahr haben wir in Kalifornien eine Motorrad-Tour gemacht und einen kleinen Film gedreht, den wir dann online gestellt haben. Der wurde dann 13.000 Mal angeklickt und wird jetzt vom größten Motorradverleiher in den Staaten als Werbemedium verwendet, weil die den einfach gut fanden. So führt immer eines zum anderen, ergeben sich ständig wieder neue, spannende Dinge.

Wichtig ist es halt immer wieder, zwischendurch den Kopf frei zu bekommen, Abstand zu finden. Wirklich Abstand. Also mal ganz raus und was anderes sehen. Sonst bist Du irgendwann einfach fertig. Es reden immer viele über diesen Burn-Out-Kram und man denkt, das betrifft einen nicht, aber das ist ganz und gar nicht so. Auf einmal bist Du genau da drin, fertig, kannst Dich nicht mehr bewegen, bist platt. Wenn Du irgendwann mal merkst, dass es einfach nicht mehr geht, dass Du es nicht mehr kräftemäßig schaffst und es auch von Deinem Kopf her nichts mehr geht, dann musst Du Dir eine Auszeit nehmen. Das geht nicht anders.

Am schönsten ist es eigentlich, wenn man solch einen Break mit dem Job verbinden kann. So fliegen wir jetzt als Team in die Mongolei für einen Foto-Job und kombinieren das mit eine Städtetour, wandern und campen im Gebirge. So dass wir beides haben: Wir machen einen spannenden Job und wir haben die Möglichkeit, den Kopf von den Alltagsdingen frei zu bekommen durch viele neue Erfahrungen und Eindrücke.

Was ist Dir sonst noch wichtig?

Ich selbst zu sein, mir selbst treu zu bleiben. Freunde zu haben, mit ihnen eng zu leben. Das funktioniert hier in Lüdenscheid sehr gut. Ich denke viel besser, als in einer Großstadt. Hier sind die Abhängigkeiten untereinander und das Leben miteinander doch sehr viel direkter, einfacher und verbindlicher als in einer großen Stadt, in der man doch austauschbarer ist, einfach weil es viel mehr Leute gibt. Tiefe Beziehungen zueinander sind mir sehr wichtig. Beweglich zu bleiben. Sich zu verändern. In der Natur leben zu können und gleichzeitig ganz schnell in der Stadt zu sein. Das geht gut in Lüdenscheid. Hier ist alles sehr kompakt. Sehr verbunden. Alleinsein in der Natur und zehn Minuten später bist Du mitten in der Stadt. Das ist großartig.

Hast Du eine Sicht für die Zukunft unserer Stadt?

Man at work. Foto: Steffen Schulte-LIppern
Man at work. Foto: Steffen Schulte-LIppern

Ja, eine ganz große. Ich mag diese Stadt echt gerne und bin gerne engagiert und freu mich, wenn hier etwas passiert. Es ist oft kompliziert und nicht so einfach, etwas zu bewegen. Das mussten wir schon oft feststellen. Aber auch da ist es wichtig, wie man mit jemandem spricht, mit wem man spricht und wie man sein Anliegen und seine Vision rüber bringt. Vieles wird erst einmal bewusst oder unbewusst falsch verstanden. Aber auch da muss man am Ball bleiben. Wie gesagt, ich mag die Stadt echt gerne und tue auch gerne etwas Positives für sie. Entgegen aller Widerstände, die sich eventuell da aufbauen.

Ich finde es gut, wenn hier was passiert. Und das muss nicht immer auf meinem Mist gewachsen sein. Ich finde es auch super, wenn andere sich engagieren und etwas auf die Beine stellen. Sachen, die aus einem Idealismus heraus entstehen und uns allen eine bessere Lebensqualität bringen. Man kann was tun! Warum tut man´s dann nicht? Wir machen es oft einfach. Man investiert viel, kann auch mal auf die Nase fallen, was aber auch nicht so schlimm ist, denn man lernt immer auch etwas daraus und macht dann weiter. Stillstand ist für mich das schlimmste. Wenn ein Jahr lang in dieser Stadt NICHTS passieren würde, dann wäre das schon echt traurig.

Ich halte das auch für unwahrscheinlich, weil Lüdenscheid doch ein sehr dynamisches „Dörfchen“ ist.

Ein Umzug auf der Straße. Foto: Steffen Schulte-Lippern
Einfach nur die Post. Foto: Steffen Schulte-Lippern

Ja, das stimmt, aber das liegt daran, dass es hier genug Leute gibt, die sagen, wir machen etwas oder einfach mal etwas anders, wir kümmern uns einfach mal, dass was passiert. Es gibt natürlich auch viele bequeme Menschen, die sich nicht von der Stelle rühren, aber das wird auf die Dauer nicht funktionieren.

Man könnte speziell hier in der Oberstadt noch viel mehr machen. Aber das ist auch Erziehungssache. Man muss ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Leute das auch wollen, dass sie Lust drauf haben und verstehen, dass ihnen das etwas bringt. Man muss Sachen auf den Weg bringen, an einem Strang ziehen. Ich glaube, das ist jetzt genau der Punkt, an dem wir alle gerade sind. Allein durch diese Altstadtsanierungs-Geschichte hier, die gerade anläuft, könnte jetzt viel passieren. Wir lassen uns da überraschen. Wir haben auch noch so ein, zwei Ideen, was wir hier machen wollen und die mit Sicherheit auch noch ein wenig Antrieb und Schwung bringen. Für mich erfüllt Lüdenscheid einfach ganz viele Punkte von dem, was eine Stadt für mich lebenswert macht. Das zu erhalten, weiter zu entwickeln und zu intensivieren, erscheint mir daher mehr als lohnenswert.

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