Stefan Weippert - Leiter des Lüdenscheider Kulturhauses im Gespräch mit UnserLünsche. Fotos: Kannenberg

Lüdenscheid. Stefan Weippert ist der Leiter unseres Lüdenscheider Kulturhauses. Also ein wirklich prominenter Mann unserer Stadt. Ich hörte immer mal wieder etwas von ihm durch einen gemeinsamen Freund, der mir in regelmäßigen Abständen erzählte, wie unglaublich viel Stefan zu tun hat. Dann lernte ich ihn kennen. Auf der Bühne mit dem Adonis Salon Orchester. Und war noch gespannter auf ihn. Weil besagter gemeinsamer Freund, der auch in diesem Orchester mitspielt, mir nur am Rande davon erzählt hatte, dass Stefan dort den Kontrabass spielt. Und moderiert. Und beides richtig gut. Und dabei noch der Mann ist von Wanja, die in dieser Truppe singt und schauspielert und mit 200 Sachen zwei Stunden lang über die Bühne wirbelt.

Ohne Kontrabass schwer vorstellbar: Stefan Weippert und seiner Frau Wanja auf der kleinen Bühne des Kulturhauses. Hier zudem noch gemeinsam mit Klaus Sonnabend und Thomas Wurth, auch zwei nicht ganz unbedeutenden Mitglieder des Adonis Salon Orchesters.
Ohne Kontrabass schwer vorstellbar: Stefan Weippert und seine Frau Wanja auf der kleinen Bühne des Kulturhauses. Hier zudem noch gemeinsam mit Klaus Sonnabend und Thomas Wurth, zwei Mitgliedern des Adonis Salon Orchesters.

Mein erstes Treffen mit ihm findet dann auch gleich gar nicht statt – er ist wirklich und wahrhaftig und ganz echt krank. Hat kaum eine Stimme. Klingt, als hätte er eine Woche Ruhe jetzt sehr, sehr nötig. Aber das zweite Treffen klappt. Wir sitzen in seinem Büro hinter der Bühne. Sehr spannend für jemanden wie mich, der nicht jeden Tag die Gelegenheit hat, mal hinter die Kulissen des Kulturhauses zu schauen. Stefan ist dabei sehr sympathisch und wirkt ausnahmsweise einmal gar nicht gestresst sondern einfach entspannt und nett.

Danke, dass Du Zeit hast für mich! Ich bin sehr gespannt. Nachdem ich Dich auf der Bühne zusammen mit dem Adonis Salon Orchester gesehen habe, habe ich Dich das erste Mal so richtig als Musiker wahrgenommen. Davor immer in erster Linie als Kapitän dieses großen „Schiffes“ namens „Kulturhaus“, das Du ja nunmehr seit 2002 sehr gekonnt zwischen allen Klippen und Untiefen, die Kultur so mit sich bringt, hindurch manövrierst. Seit wann machst Du denn schon Musik?

Ich mache schon ziemlich lange Musik, genauer gesagt seit meinem 12. Lebensjahr.

Aber da war ich noch eher klassisch unterwegs. Ich habe Musik ja studiert. Jazz spiele ich allerdings erst, seitdem Thomas und Klaus in der Band sind. Mit Band meine ich das Adonis Salon Orchester, mit dem wir das nächste Mal am 9.3. hier im Kulturhaus auftreten,

Ach, die beiden haben Dich Richtung Jazz inspiriert? Das ist ja interessant. Wie hast Du denn mit dem Orchester angefangen? Dann eher klassisch?

Kontrabass und Moderation. Das und vieles mehr hat Stefan perfekt drauf.
Die Leitung des Kulturhauses. Kontrabass und Moderation. Das und noch sehr vieles mehr hat Stefan richtig gut drauf.

Ja, das Adonis Salon Orchester an sich gibt es ja schon seit mehr als 20 Jahren. Ich habe es während meines Studiums gegründet. Studiert habe ich Kontrabass in Würzburg. Die klassische Schiene. Habe mich dabei schon immer für Salonmusik interessiert. Und in der Zeit, als ich studiert habe, so ab 1988, da war die Salonmusik sehr „en vogue“. Wir haben damals angefangen mit Musik der 20er und 30er Jahre. Ich hatte das Glück, einen richtigen Fundus dieser Musik in Form von Noten, von einer alten Dame geschenkt zu bekommen, deren Bruder mir eigentlich einen Kontrabass verkaufen wollte. Ich habe damals mit einem Cellisten ein klassisches Duo bei einem Blasorchestertreffen gespielt und der Organisator des Treffens hat währenddessen steif und fest behauptet, er hätte einen Kontrabass wie meinen noch zu Hause herumstehen. Das konnte ich mir echt nicht vorstellen, weil so ein Bass wie meiner wirklich sehr teuer ist. Aber er ließ nicht locker, also bin ich zu ihm gefahren.

Angeblich stand der Bass seit 10 Jahren in seiner Scheune. Und tatsächlich, der Bass stand immer noch dort. Und war unversehrt, kein Wurmbefall, da er aus Sperrholz und somit zwar schön aber für mich uninteressant war. Er erzählte mir, dass sein Vater und seine Schwester in einem Caféhaus-Orchester gespielt hätten. Und der Kontrabass aus dieser Zeit stammte. Ich habe ihn interessehalber gefragt, ob es nicht noch Noten dazu geben würde. Was er bejahte. Die hätte aber seine Schwester. Also habe ich einen Termin mit der Schwester gemacht. Und bin einfach hingefahren.

Die geretteten Noten. Wunderschön.
Die geretteten Noten. Außergewöhnlich.

Sie hat mich dort in ihre Scheune geführt und da lagen 3 Kubikmeter Noten auf einem Haufen. Einfach auf dem Boden. Es hatte wohl einmal gebrannt und die Noten waren gerettet worden. Und lagen seitdem einfach dort herum, teilweise noch feucht vom Löschwasser. Ich habe sie dann gefragt, ob ich die mal ausleihen darf. Und sie hat sie mir dann einfach geschenkt. Ich bin drei oder viermal mit dem Auto hingefahren, so viel war das. Ich habe die Noten dann sortiert und in Mappen gepackt und katalogisiert.

Er zeigt mir einige seiner Schätze, ich bin fasziniert. Echte Noten z.B. aus den 30er Jahren, Noten, die teilweise nicht mal mehr bei den Verlagen vorhanden sind.

Ich habe die Noten aufgearbeitet. Es sind tatsächlich 4500 verschiedene Stücke. Das ist schon richtig viel. Wir haben angefangen, sie zu spielen. Und damit habe ich dann mein Studium mehr oder weniger finanziert. Seitdem existiert das Adonis Salon Orchester.

Wie seid ihr denn zu dem Namen gekommen? ADONIS? Der Name kommt ja aus dem griechischen bzw. hebräischen und bedeutet „Mann, Herr“?

"Musik des Grauens", das jetzige Programm des Adonis Salon Orchesters. Seeeehhhrrrrr gruuuusseeelliggg.
„Musik des Grauens“, das jetzige Programm des Adonis Salon Orchesters. Seeeehhhrrrrr gruuuusseeelliggg. Foto: Studio Steve

In der griechischen Mythologie bezeichnete Adonis ja einen sehr schönen Mann und steht auch heute noch als Synonym dafür. Wir haben halt immer so zu 10. oder 11. gespielt und hatten da ein paar sehr attraktive Männer mit dabei. Wir waren jung und fanden diesen Namen echt super. So ist das dann eben gekommen, dass wir uns nach Adonis benannt haben. Obwohl wir auch Frauen dabei hatten. Wir waren nie nur eine reine Männer- Truppe. Aber der Name hat sich einfach eingebürgert.

Wir waren richtig auf Tournee, deutschlandweit. Von 1998 bis 2000 waren wir sogar mit zwei Sopranistinnen, einem Tenor und einem Moderator unterwegs. Mit dem Programm sind wir in Deutschland einmal rauf und runter gefahren. War eine sehr spannende Zeit.

Als ich nicht mehr soviel rumreisen wollte, da wir teilwiese über 100 Hotelübernachtungen im Jahr hatten und meine Frau und ich auch einen Sohn bekommen haben, bin ich dann über einige Umwege hier in Lüdenscheid gelandet.

Dein Frau Wanja ist ja auch eine bekannte Musikerin mit einer wunderbaren Stimme und einem großen Showtalent, die im Moment mit euch vier Männern gemeinsam das Adonis Salon Orchester bildet?

Wunderbare Wanja!
Wunderbare Wanja!

Ja, das ist sie. Ich kenne Wanja schon über 20 Jahre, seit 15 Jahren sind wir verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn. Wir haben uns 1992 auf der Bühne kennengelernt. Bei einer Kammeropernaufführung.

Ihr seid ein richtiges Künstlerehepaar. Sie hat eine richtige, klassische Gesangsausbildung und ist als Sängerin sehr erfolgreich. Und Du spielst einen riesigen Kontrabass. Der bei Dir aber sehr leicht aussieht. Wie bist Du denn eigentlich an dieses große, eher ungewöhnliche Instrument gekommen?

Ich bin 18 Jahre alt gewesen, als ich damit angefangen habe. Erst habe ich mit Gitarre angefangen, die war aber nicht so meins. Ich habe dann in verschiedenen Punk- und Rock-Bands gespielt. Da dann den E-Bass. Bass zu spielen hat mich so fasziniert, dass ich es richtig lernen wollte. Von der Pike auf. So habe ich mir dann einen Kontrabass zugelegt. Und weil ich Ehrgeiz hatte, habe ich dann 3 oder 4 Jahre lang nur Kontrabass gespielt, um die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bestehen zu können. Denn da hatte ich mich dann schon dazu entschlossen, Berufsmusiker zu werden und Kontrabass zu studieren.

Das ist aber relativ kurzfristig. Du warst 18, mit 19 Abi, dann Zivildienst. Also hast Du quasi in drei Jahren einüben müssen, wozu andere 13 Jahre brauchen. Da warst Du aber sehr, sehr zielstrebig und sehr talentiert.

Die Wirkungsstätte von Stefan Weippert – das Lüdenscheider Kulturhaus. Foto: Wolfgang Teipel

Stimmt, heute würde ich es sicher anders machen, aber damals war das einfach die einzige Möglichkeit, das noch studieren zu können. Üben, üben, üben. Und es hat dann ja auch geklappt. Ich wurde Musikstudent. Und dann habe ich ja diese Noten bekommen und damit haben wir gespielt. Auf Hochzeiten und zu vielen anderen Gelegenheiten. So konnte ich mein Studium von Anfang an finanzieren.

Du hast also Musik studiert mit dem Schwerpunkt auf Kontrabass und Du hast dann danach nahtlos als Berufsmusiker gearbeitet?

Das hat sich so ein bisschen überlappt. Ich habe studiert und nebenbei als Musiker gearbeitet, nach dem Studium habe ich dann in Reutlingen in einem Orchester gespielt, in der Württembergischen Philharmonie. Da habe ich die Arbeit als Orchestermusiker kennengelernt, habe aber sehr bald gemerkt, dass das etwas ist, das ich nicht ein Leben lang machen möchte, weil es wenig spannend war. Man spielt halt immer das gleiche. Mit den Kollegen war es auch nicht so wirklich lustig. Eher ein bisschen eingestaubt. Und ich war jung und wollte etwas bewegen.

Weil ich gemerkt habe, dass ich gut organisieren konnte, habe ich noch ein Betriebswirtschaftsstudium oben draufgelegt. Ich habe mit diesen Voraussetzungen dann ein Kammerorchester organisiert, damals für Professor Conrad von der Goltz. Also, die Auftritte, Unterbringung, alles, was rund um einen Auftritt anfällt.

Damals konnte man noch relativ gut davon leben, dass man mit einem Orchester in den Kirchen auftrat, was heute nicht mehr so der Fall ist. Es war üblich, zu den kirchlichen Festen, aber auch Gottesdiensten etc. ganze Orchester zu engagieren. So etwas kommt heutzutage relativ selten vor, damals war das aber tatsächlich gang und gäbe.

Stefan Weippert ist mit ganzem Herzen dabei. Das Kulturhaus ist bei ihm gut aufgehoben.
Stefan Weippert ist mit ganzem Herzen dabei. Das Kulturhaus ist bei ihm gut aufgehoben.

Daher habe ich damals für das Kammerorchester ca. 50 Auftritte im Jahr organisiert. Dabei habe ich einfach immer mehr gemerkt, dass mir die Organisation von Auftritten richtig gut liegt. Durch diesen Job bekam ich natürlich auch die entsprechende Routine. Und ich konnte davon zusammen mit dem Salon Orchester wirklich gut leben. Über diese Erfahrung bin ich dann 1996 zur Konzertdirektion Landgraf gekommen und habe als Dramaturg und Disponent die Theaterszene und sämtliche Bespieltheater in Deutschland kennen gelernt. 2002 habe dann ich hier in Lüdenscheid angefangen.

War das erst mal ein Kulturschock? Hier in dieser eher kleinen Stadt, nachdem Du doch schon einiges herumgekommen bist.

Nein, war es gar nicht. Ich bin sehr, sehr gut aufgenommen worden in dieser Stadt.

Es gab ganz viele Leute, die sehr offen auf mich zu gekommen sind und gesagt haben: „Schön, dass Sie da sind.“ Man lernt durch den Job dann eh relativ schnell viele Menschen kennen. Das ist alles von Anfang an sehr gut gelaufen. Was mich tatsächlich etwas frustriert hat, ist das Wetter hier. Das war ich nicht gewöhnt. Es ist einfach sehr, sehr nass und oft auch sehr, sehr kalt.

Das Sauerländer-Wetter eben. Das kann ich wohl bestätigen. Ich bin ja auch hierhergezogen, ohne zu wissen, was da wettertechnisch auf mich zukommt. Schon manchmal eher niederschmetternd.

Die WDR Bigband zu Gast im Kulturhaus Lüdenscheid. Ein jährliches festes Date, gemeinsam organisiert von Kulturhaus und KultStädte e.V.
Die WDR Bigband zu Gast im Kulturhaus Lüdenscheid. Ein jährliches festes Date, gemeinsam organisiert von Kulturhaus und KultStädte e.V.

Oh ja. Andererseits ist hier unheimlich viel los im kulturellen Bereich, davon können sich viele Großstädte eine Scheibe abschneiden. Das hat mich von Anfang an inspiriert. Ich versuche deshalb, hier im Kulturhaus eine große Bandbreite anzubieten. Die Stadt gibt das einfach her. Und auch in der restlichen Stadt wird kulturell sehr, sehr viel Interessantes angeboten. Das ist schon außergewöhnlich. Wir hier im Kulturhaus haben vielleicht manchmal den Nachteil, dass wir ein Bespieltheater sind, also kein eigenes Ensemble haben und von daher unserem Publikum keine eigenen Publikumslieblinge anbieten können, wie das oft bei einem festen Ensemble der Fall ist. D.h., dass wir quasi immer in einer Premierensituation stecken, weil das Publikum bei jedem Auftritt neuen Darstellern gegenüber sitzt. Andererseits haben wir aber dadurch den großen Vorteil, dass wir den Zuschauern immer wieder neue, interessante Live-Acts aus den unterschiedlichsten Bereichen anbieten können, also ein sehr buntes, interessantes Programm mit vielen Highlights quer durch die Saison.

Warum gibt es denn kein festes Ensemble?

Der große Saal des Kulturhauses. Hier mit Eddi Reader, in Zusammenarbeit mit Kalle e.V.
Der große Saal des Kulturhauses. Hier mit Eddi Reader, in Zusammenarbeit mit Kalle e.V.

Weil sonst der Zuschussbedarf für das Kulturhaus noch viel höher wäre, als er jetzt schon ist. Mit einem festen Ensemble ließe sich der Spielbetrieb angesichts der Haushaltssituation nicht aufrecht erhalten. Es ist deutlich günstiger, die Stücke einzukaufen.

Das beste, was man natürlich von Seiten des Zuschauers tun kann, um so etwas wie das Kulturhaus in Zeiten schließender Schauspielhäuser aufrecht zu erhalten, ist, einfach hinzugehen. Nur dadurch ist gewährleistet, dass so ein Haus wie unseres eine Zukunft hat. Natürlich muss man sich als Verantwortlicher solch eines Hauses auch stets hinterfragen, ob man den Zuschauern die richtigen Dinge anbietet.

Wir haben ja einen Kulturauftrag, dem wir versuchen gerecht zu werden. Und solange Menschen uns dadurch unterstützen, dass sie zu den Aufführungen gehen, können wir auch weiterhin außer guter Unterhaltung auch mal etwas anbieten, das dann vielleicht nicht ganz so viele Liebhaber findet, nichtsdestotrotz aber wertvoll und förderungswürdig ist. Dazu gehören auch Auftritte von Ensembles oder Künstlern, die vielleicht nur 250 Menschen anziehen.

Das bringt mich zurück zu Deinem Adonis Salon Orchester.

Das Adonis Salon Orchester tritt ja auch regelmäßig im Kulturhaus auf. Meistens hinten auf der kleinen Bühne, ist dort jedoch immer restlos ausverkauft. Das Orchester hat ja eine Zeitlang geruht und jetzt gibt es das wieder seit einigen Jahren. In einer ganz neuen Besetzung und dann tendenziell auch eher jazzig als klassisch.

Ja, die musikalische Richtung des Salonorchesters hat sich komplett geändert. Die Musiker des Orchesters kommen heute, wie Klaus, Thomas und neuerdings Hans aus dem Jazz-Bereich. Was aber genau so gut ist. Und sehr interessant, da es die Bandbreite des Orchesters noch einmal vergrößert.

Wieder in Bewegung gekommen ist das Ganze dadurch, weil Frau von Pflug von den Freunden italienischer Kultur e.V., meine Frau gerne singen hören wollte. Wir fanden das gut und haben dann einen entsprechenden musikalischen Rahmen für sie gesucht. So sind wir auf das Salon Orchester in seinem ganz neuen Gewand gekommen. Wir erarbeiten jetzt jedes Jahr immer ein bestimmtes Thema, z.B. „La dolce Vita“, „Lieder aus der Werbung“ oder „Musik aus Horror- und Gruselfilmen“, wie jetzt gerade.

Dabei achten wir darauf, dass wir alle in diesem Orchester auf Augenhöhe musizieren. Dass nicht einer den Chef raushängen lässt und die anderen zu Nebendarstellern degradiert.

Das kommt ja auch voll rüber. Jeder von euch hat seinen besonderen Platz in diesem Orchester, seine eigenen Soloauftritte, bringt seine Persönlichkeit mit ein. Es gibt keinen ausgewiesenen Star, alles ist irgendwie harmonisch und ausgeglichen.

Auch ein wichtiger Teil des Kukturhauses. Das Kinder-Theater. Foto: Corbeau
Auch ein wichtiger Teil des Kulturhauses. Das Kinder-Theater. Hier eine Szene aus dem Stück für Kinder: Bumm! Foto: Corbeau

Ja, das ist uns wichtig. Daran arbeiten wir stetig. Der eine singt sehr gut, der andere hat ein Talent für Arrangements, jeder hat etwas Besonderes zu bieten, etwas, das wir versuchen, ins Programm mit hinein zunehmen. Deshalb wirkt das Adonis Salon Orchester wie aus einem Guss, eine runde, schlüssige Sache, die gut ankommt bei den Zuschauern.

Bei euch erwartet man ja auch immer eine durchgängig choreografierte Geschichte.

Ja, wir erzählen gern Geschichten und die sind auch manchmal traurig und nicht nur stimmungsgeladen. Wir versuchen das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern auch Hintergrundinformationen zu liefern, Menschen Neues zu erzählen, sie auferbaut und um einiges an Wissen reicher, aus dem Konzert zu entlassen.

Ihr seid gut und sehr besonders. So etwas wie dieses Orchester habe ich persönlich noch nie gesehen. Ihr könntet sicher damit ins Fernsehen oder anderweitig einfach berühmt werden. Alles zusammen, die Einbindung von eigenen Filmen, Fotos, Kostümen, und die Moderation ergeben ein so gelungenes Gesamtkonzept, das würde sicher auch bei einem sehr viel breiteren Publikum großen Anklang finden.

Ja, aber dann müssten wir nur noch das machen und uns da komplett reinknien. Und das wollen wir alle nicht, da wir ja auch unsere Berufe haben und Familien. Und ich sehe meinen Lebensmittelpunkt einfach in meiner Arbeit am Kulturhaus. Daran hängt mein Herz, das könnte ich nicht aufgeben.

Das ist spürbar. Du gibst ja auch hier im Kulturhaus Dein Bestes. Hast Ziele. Machst Dir viele Gedanken.

Auftakt der Kleinkunsttage 2015 - Christoph Reuter. Foto: Reuter
Auftakt der Kleinkunsttage 2015 – Christoph Reuter. Foto: Reuter

Ja, das ist ja auch meine Aufgabe. Mehr zu tun als nur aus einem Prospekt fünf Stücke auszuwählen. Sondern dem Geschmack der Region gezielt entgegen zukommen. Dafür habe ich mich ja auch lange vorbereitet durch meine Studien, durch meine Arbeit bei einer Konzertagentur, dann dem Professor und als selbstständiger Musiker. Ich will hier in Lüdenscheid Kultur fördern und Dinge anbieten, die das Kulturhaus attraktiv machen und der Stadt und ihren Menschen dienen. Ich suche die Dinge danach aus, ob sie hierhin passen, versuche Trends zu erspüren, den Menschen auch Themen zu bieten, mit denen sie sich nicht so ohne weiteres auseinandergesetzt hätten. Das gelingt relativ häufig. Auch Künstler zu engagieren, bei denen wir schon sehen können, dass sie mal sehr bekannt werden.

Und damit Künstler hier zu haben, die man später gar nicht mehr bezahlen könnte. Wir haben einen bestimmten Etat zur Verfügung, verbunden mit einer bestimmten Sitzplatzkapazität. Und meine Intention ist es, Künstler dann zu bekommen, wenn sie kurz vor dem richtigen Bekanntwerden sind.

Auch eine Band von denen, die vielleicht demnächst schon für das Kulturhaus nicht mehr bezahlbar sind, weil ihr Stern gerade stetig aufgeht. Die Band Sonnabend aus Lüdenscheid. Hier noch ganz relaxt im kleine Saal.
Auch eine Band, die vielleicht demnächst schon für das Kulturhaus nicht mehr bezahlbar ist, weil ihr Stern gerade stetig aufgeht. Die Band Sonnabend aus Lüdenscheid. Hier noch ganz relaxt im kleine Saal.

Dann sind sie für das Kulturhaus bezahlbar und treten auch noch gerne bei uns auf. Ist der Künstler erst einmal „durch die Decke geschossen“, dann ist es schwer, ihn zu den gleichen Konditionen wieder hierhin zu bekommen. Dann ist er oft einfach unbezahlbar. Dieses zu schaffen, eine richtige Nase zu haben für jemanden, den ich den Leuten jetzt zu einem vernünftigen Preis bieten kann und der dann im nächsten Jahr so berühmt ist, dass wir uns den nicht mehr leisten können, wir aber genau deswegen stolz drauf sein können, so einen guten Riecher gehabt zu haben, das ist eine meiner Intentionen. So haben wir es immer wieder geschafft, dass die Lüdenscheider in den Genuss gekommen sind, Ausnahmekünstler zu sehen, die ein paar Jahre später nur noch in den größten Hallen spielten und zu Preisen, die drei, viermal so hoch waren, wie bei uns.

Du sprichst ja auch ganz gezielt junge Leute an. Mit Bandcontests, Rock/Pop-Konzerten, Musicals für junge Leute und vielem mehr.

Wir sind offen für Ideen von außen, freuen uns, wenn das Kulturhaus vielseitig genutzt wird. Man kann mir auch gern Vorschläge schicken. Wir mögen es dabei besonders, junge Leute anzusprechen und zu fördern. Das machen wir sehr, sehr gerne.

Junge Leute herzlich willkommen. Hier: Die Band FunkTastic im kleinen Saal.
Junge Leute herzlich willkommen. Hier: Die Band FunkTastic im kleinen Saal.

Das Kulturhaus ist ja ein Haus für alle Lüdenscheider. Für junge und alte, wir sind für jede Altersgruppe offen, weil dieses Haus allen Lüdenscheidern gemeinsam gehört. Ein Haus von allen für alle. Im Moment haben wir sehr viel Erfolg in der Zusammenarbeit mit dem Verein Kalle e.V., ein Verein, der sich darum kümmert, gute Folkmusic zu uns nach Lüdenscheid zu bringen und über den viele sehr, sehr gute Leute zu uns kommen. So z.B. Eddie Reader, die jetzt gerade bei uns war und mit „Perfect“ einen Welthit hatte.

Wir freuen uns aber auch über die Kulturvereine. So haben wir regelmäßig den griechischen Kulturverein hier, den türkischen Kulturverein und andere Nationen, die hier bei uns feiern.

Eddi Reader - ein ganz besonderer Abend im Kulturhaus.
Eddi Reader – ein ganz besonderer Abend im Kulturhaus.

Wie siehst Du die Zukunft für solche Häuser wie das Kulturhaus?

Ich glaube, es werden noch viele Theater oder Orchester in Deutschland geschlossen, weil es in bestimmten Bereichen ein Überangebot gibt. Es verändert sich einiges an Sehgewohnheiten, die demografische Entwicklung führt dazu, dass es weniger Menschen gibt, auch weniger Kinder, die z.B. ins Kindertheater kommen. Da kann man dann nur schwer die Zuwachsraten steigern. Wir sind daher auch offen für ganz neue Konzepte.

Man kann hier im Kulturhaus rein theoretisch auch seinen 18. Geburtstag feiern. Wir haben Säle für 150, 200 oder noch mehr Gäste. Wir bieten so etwas gern an, verbinden das auch mit einer Führung, um Berührungsängste gegenüber dem Kulturhaus abzubauen.

Wir freuen uns über jeden, der Interesse hat an unserem Haus. Die Zeiten ändern sich sehr schnell, aber wir sind auf einem guten Weg, mit neuen Konzepten und ungewöhnlichen Formaten. Wir sitzen alle gemeinsam in diesem großen Boot, um zusammen Wege zu finden, wie man heute Kultur schaffen kann, die vielseitig ist, anspruchsvoll und eine Zukunft hat. Am Publikum vorbeizuziehen und Dinge anzubieten, die niemand sehen will, geht einfach nicht mehr. Diese Zeiten sind – vielleicht auch zum Glück – definitiv vorbei.

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