Regina Lehmann. Die Lüdenscheiderin ist nicht nur diplomierte Kreativtherapeutin, sondern betreibt auch erfolgreich ihr eigenes Atelier, den "Kunstraum". Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Regina Lehmann ist schon lange Zeit sehr aktiv in der Lüdenscheider Künstlerszene. Hauptsächlich hat sie sich mit Workshops für Kinder und Erwachsene einen Namen gemacht. Ob mit Ton, Textilien, Farben und Leinwand, mit Holz oder Filz oder als Designerin von Taschen, sie geht mit fast jedem Material gekonnt um und hat dabei die Fähigkeit, jedem noch so blutigen Anfänger künstlerisch etwas beizubringen.

Sie gibt Kurse für kleine und große Kunstbegeisterte und hat sich vor einem Jahr als Künstlerin selbstständig gemacht. Regina hat aus ihrem Kunsttraum einen „Kunstraum“ geschaffen und sich ein Atelier eingerichtet, in das sie Menschen einlädt zu den unterschiedlichsten kreativen Kursen und Workshops. Da sie etwas kann, sind ihre Angebote gut besucht, zudem wird sie oft gebucht für die unterschiedlichsten Events. Und wer noch nicht weiß, wie er den Kindergeburtstag der „lieben Kleinen“ gestalten soll, auch dafür bietet sie Lösungen an.

„Kunstraum“-Geburtstage

Sie organisiert „Kunstraum“-Geburtstage, bei denen sie ganz nebenbei den Kids auch noch das Malen, Modelieren oder Nähen beibringt. Dabei zeigt sie viel Geduld und wo jedem anderen bei so viel Trubel vielleicht auch einmal die Nerven durchgehen würden, ist sie die Ruhe selbst.

Frei nach Joseph Beuys`"Jeder Mensch ist ein Künstler", kann bei Regina Lehmann jeder sein Talent entdecken. Ganz ohne Druck.
Frei nach Joseph Beuys`“Jeder Mensch ist ein Künstler“, kann bei Regina Lehmann jeder sein Talent entdecken. Ganz ohne Druck.

Ich besuche Regina Lehmann in ihrem Studio, dort sitzt rund um einen großen Tisch eine ganze Gruppe Frauen jeden Alters, die dabei sind, größere und kleiner Gemälde zu kreieren. Es ist turbulent, laut und es wird viel gelacht. Überall stehen in dem kleinen Atelier Kunstwerke herum, hängen selbstentworfene Taschen und quellen Stoffreste aus Körben. Es riecht nach Farben und nach Ton. Alles ist bunt und sehr lebendig. Die Kaffeemaschine blubbert gemütlich vor sich hin. Hier fühle ich mich sofort wohl.

Hallo Regina, danke, dass ich euch mal über die Schulter schauen darf. Das sieht ganz schön professionell aus.

Das hier sind teilweise Schülerinnen, die bei mir Einzelunterricht hatten und sich dann jetzt hier in unserer Montagsgruppe mit anderen treffen, um ihre Fertigkeiten weiter zu verbessern. Ich gebe ja nicht nur Gruppenunterricht, sondern man kann sich auch einzeln oder zu zweit von mir unterrichten lassen. Ich komme auch gerne privat zu den Schülern nach Hause. Da bin ich sehr flexibel. Ich gebe Nähkurse, Zeichenkurse und auch gemeinsame Familien-Kreativ-Kurse z.B. für Mütter und Töchter. Das ist ganz beliebt. Und für die Eltern und ihre heranwachsenden Kinder eine Möglichkeit, auch mal etwas kreatives ausser Haus und doch zusammen zu machen.

Du machst ja ganz viel mit Taschen?!?

Taschen, Taschen, Taschen. Ein Paradies für Frauen!
Taschen, Taschen, Taschen. Ein Paradies für Frauen.

Ja, das hat sich so ergeben. Ich mach ganz viel mit Taschen (lacht). Früher habe ich Puppen genäht. Die Köpfe bemalt, Kleider genäht.

Taschen, Taschen, Taschen

Einige schöne Exemplare kannst Du hier noch sehen. Aber das ist etwas aus der Mode gekommen. Ich habe ja Nähen richtig gelernt und liebe es einfach, mit Stoffen zu arbeiten. Ich habe auch Mode für Erwachsene genäht. Auch für mich selbst und meine Familie. Und diese Mode immer mit einem individuellen Touch versehen.

Zu den Taschen bin ich gekommen, einfach, weil der Bedarf da ist. Ich habe zu Anfang einfach mit Stoffresten experimentiert, wollte mal schauen, ob ich das kann und vor allem, ob sich überhaupt jemand dafür interessiert. Die fertigen Kreationen wurden mir aus den Händen gerissen. Ich hatte irgendwann dann mal einen Unternehmensberater hier, dem gefielen meine Taschen so gut, dass er meinte, er wolle ab jetzt mit mir arbeiten. Ich dachte, das wäre ein Witz, aber er ist jetzt mit mir tatsächlich zu einem Stoffhersteller gefahren und hat mich drei Taschen als Muster nähen lassen. Er hat selbst eine große Firma. Produziert Handschuhe und Handytaschen und so etwas. Und ist jetzt an einer Zusammenarbeit interessiert. Schaun wir mal, was daraus wird, hört sich aber im Moment sehr vielversprechend an.

Seit 2008 Kreativtherapeutin

Deine Taschen sind ja auch sehr schön. Aber auch Deine Bilder und all die anderen Dinge, die hier herumstehen und hängen. Wie kommt es, dass Du so vielseitig unterwegs bist?

Regina Lehmann in ihrem Element. Sie erklärt, zeigt und bringt einem sofort etwas bei. Ich bin fasziniert.
Regina Lehmann in ihrem Element. Sie erklärt, zeigt und bringt einem sofort etwas bei. Ich bin fasziniert.

Ich bin seit 2008 diplomierte Kreativtherapeutin. Und arbeite eigentlich schon seit 1990 in allen möglichen Bereichen der Kunst bzw. des Kunsthandwerkes.

Ich hatte immer Interesse daran, mich weiterzubilden und konnte mich dabei gar nicht für eine Richtung entscheiden. Ich habe mich ausbilden lassen im Nähen, im Töpferhandwerk, Aquarell – und Acrylmalerei und habe das dann schließlich quasi zusammengeführt in der Kreativtherapie. Kunst als heilendes Element ist eine sehr starke Waffe gegen psychische Beschwerden wie Traumata, Depressionen oder ähnliches. Auch Menschen, die körperliche Behinderungen erleiden müssen, kann man mit Kunst gut therapieren und ihnen helfen, sich besser zurecht zu finden bzw. auch einen Heilungsprozess positiv unterstützen.

So wenig, wie Du Dich für eine einzige Kunstrichtung entscheiden konntest, so wenig schränkst Du Dich ein im Umgang mit Menschen.

Überall Kunst, wohin man auch schaut.
Überall Kunst, wohin man auch schaut.

Ja, da gibt es ja auch keinerlei Beschränkungen. Ich gebe in den Ferien Kurse für Kinder. Ganz unterschiedlicher Art. Man kann nähen oder malen oder sonstwie kreativ werden. Für Kinder ist so ein Kurs oft der Einstieg zu mehr. Manche kommen dort das erste Mal so richtig mit Kunst in Berührung. Haben hier die Möglichkeit, mal was auszuprobieren, ohne Stress und schulische Noten.

Talente entdecken

Zudem kommen Menschen jeden Alters und jeder Prägung zu mir. Besonders berührt es mich immer, wenn ich Schüler habe, die schon älter sind. Und die sich gar nichts zutrauen. Oft werden sie überredet oder einfach „mitgeschleift“ von einer Freundin. Oder sind einfach neugierig. Oder ihnen fällt die Decke zu Hause auf den Kopf. Dann zu erleben, wie sie entdecken, dass sie in der Lage sind, etwas zu kreieren, ein Talent haben, etwas erschaffen können, das einzigartig ist, das ist schon jedesmal wieder sehr berührend für mich.

Passiert das öfter?

Den Fareun macht das Arbeiten mit Pinsel und Farben sichtlich Spaß.
Den Frauen macht das Arbeiten mit Pinsel und Farben sichtlich Freude.

Viele Menschen wissen doch nicht, was in ihnen steckt. Dass sie wertvoll sind und auch etwas zu geben haben. Manche meiner Schüler sind sehr begabt und wussten das ein ganzes Leben lang nicht.

Es gibt keinen Druck

Und einige meiner Schüler entdecken hier bei mir, dass sie ein Talent haben, dass vielleicht später sogar zum Beruf wird. Bei mir gibt es keinen Druck. Jeder kommt so, wie er ist. Kann ausprobieren, auch die Kurse wechseln, vielleicht will jemand malen und entdeckt dann seine Affinität zur Mode, beginnt zu nähen und entwirft Kleider und Taschen. Es macht mich froh, wenn ich Menschen zu einem Erfolgserlebnis verhelfen kann. Und sehe, wie sie selbstbewusster werden und sich generell mehr zutrauen.

Du hast Dich ja erst vor einem Jahr richtig selbstständig gemacht. Hast jetzt hier Deine eigene private Kunstschule.

Ich hatte jetzt den Mut und das Selbstbewusstsein, daran zu glauben, dass ich davon leben kann. Es war einfach der richtige Zeitpunkt. Ich werde ja oft angefragt für Kreativ-Workshops in Kindergärten, Kirchen, Bildungsstätten, Kunsthandwerkermärkten etc.. Nun hier sozusagend eine „Base“ zu errichten, also eine eigene Schule mit eigenen Räumen, in denen ich meine Kurse ganz unabhängig geben und auch meine Zeit sehr frei gestalten kann, war eigentlich schon immer mein Traum. Ihn umzusetzen, bedeutete aber auch, dass meine Familie mir den entsprechenden Rückhalt gibt. Und die steht voll hinter mir. Unterstützt mich und glaubt daran, dass das der richtige Weg ist für mich.

Wie siehst Du Dich als Designerin? Da scheint sich ja wirklich einiges zu tun.

Kreatives Durcheinander und die Erkenntnis: Man kann aus allem Kunst machen. Auch aus einer alten Jeans!
Kreatives Durcheinander und die Erkenntnis: Man kann aus allem Kunst machen. Auch aus einer alten Jeans.

Die Taschen in jeglicher Form und Größe sind echt erfolgreich. Sie fallen einfach auf. Und wie Du siehst, habe ich auch schon einige verschiedene Designlinien entworfen, die man immer weiter entwickeln kann. Auch für einen viel größeren Markt.

Ich habe mittlerweile sogar Kontakte zu wirklich bekannten Designern bekommen, die sich für meine Taschen interessieren. Ich bin ganz gespannt, wie das weitergeht. Wäre natürlich super, wenn man irgendwann mal Taschen aus Lüdenscheid auf dem internationalen Markt finden würde. Das steht im Moment aber noch in den Sternen. Diese Jahr wird sich jedoch definitiv noch einiges tun. Sehr spannend!

Ich wünsche Dir jedenfalls ganz viel Erfolg. Es ist schön, dass es hier in  Lüdenscheid so viele begabte Menschen gibt. Und Lehrer wie Dich, die Spaß daran haben, anderen etwas beizubringen und sie auf ihrem Lebensweg so positiv zu begleiten. Was willst Du selbst noch lernen und dann natürlich an andere weitergeben, Regina? Gibt es da noch etwas, was Du Dir aneignen möchtest?

Ich mag Menschen und möchte noch viel mehr im Bereich Kunsttherapie machen. Ansonsten lasse ich mich inspirieren. Halte meine Augen offen und finde immer neue kreative Dinge, die mich begeistern. Mit Holz und Beton zu arbeiten reizt mich, aber auch im Eventbereich will ich noch mehr durchstarten. Mal ein Sektfrühstück organisieren, das in einem Kunst-Happening endet. Mal eine Mottoparty organisieren oder außergewöhnlichen Geburtstagsfeiern, an die man sich sein Leben lang freudig erinnert. Prinzessinen-Partys ausrichten, die diesen Namen verdienen (lacht)!

Was ist Dein persönliches Ziel?

Sympathischer Wuschelkopf mit ganz viel Herz. Regina Lehmann mit einer ihrer Eigenkreationen.
Sympathischer Wuschelkopf mit ganz viel Herz erobert den Rest der Welt. Regina Lehmann mit einer ihrer Eigenkreationen.

Immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen und zu suchen. Nicht stehenzubleiben bei dem, was man schon kann, sondern sich ständig zu verbessern und Grenzen neu auszuloten. Diese Möglichkeit zu haben und das mit anderen zu teilen, das ist wohl das, was ich bis an mein Lebensende machen möchte.

Als ich mich verabschiede, wird gerade gefachsimpelt über die beste Mal-Technik. Ich bin völlig vergessen. Hier lebt und weht ein wirklich kreativer Geist, der jeden erfasst, der den Fuß über die Schwelle in den „Kunstraum“ setzt.

Ein Ort, der auch ein Schutzraum ist, ein Schutzraum, in dem sich Begabungen entfalten können und Träume verwirklicht werden. Und ganz nebenbei manchmal sogar Menschen gesund werden. Heilung erfahren. Vom Unterschätzt werden. Von gefühlter Wertlosigkeit. Von Depressionen. Von dem, was das Leben uns allen an Wunden und Scharten zufügt. Ein guter Raum auch, um einfach mal Spaß zu haben, Menschen kennenzulernen und gemeinsam etwas zu erschaffen. Man fühlt sich lebendiger und hoffnungsvoller nach der Begegnung mit soviel Kreativität und Lebensfreude im „Kunstraum“ der Lüdenscheiderin Regina Lehmann.

Wer mehr über sie wissen will, sollte ihre Webseite besuchen: www.malnachmittage.de

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