Rainer Bisinger hat es geschafft. Sein Leben war an einem Tiefpunkt angelangt. Doch er hat die Entschlossenheit und Kraft aufgebracht und sein Leben um 180 Grad gedreht. Foto: Biesinger

Wenn man sich mit der Biografie von Rainer Biesinger auseinandersetzt, wird eines deutlich: Der Mann hat in seinem Leben viel mitgemacht. Früher gehörten Gewalt, Alkohol und Drogen zum Alltag von Rainer Biesinger. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem er sein Leben von Grund auf geändert hat.

Mit der Biografie im Hinterkopf, treffe ich mich mit Rainer in einem Café in der Lüdenscheider Oberstadt. Ich bin gespannt auf den Menschen, der hinter dem Namen steckt. Zwar habe ich Rainer schon im November 2014 flüchtig kennenlernen können. Jedoch reichte dieses kurze „Beschnuppern“ nicht aus, um mir eine Meinung zu ihm bilden zu können. Obwohl der erste Eindruck „Interessanter Typ“ war.

Nach einem recht langen Gespräch stelle ich fest, dass ich einige Sichtweisen mit Rainer teile und auch sonst scheint die Chemie zwischen uns zu stimmen. Die berühmte „Wellenlänge“ eben. Ich freue mich also umso mehr auf das jetzt folgende Interview.

Wer ist Rainer Biesinger und was zeichnet seine Persönlichkeit aus?

Rainer: Mein erstes Leben war seit frühester Jugend von massiven Extremerfahrungen und einem exzessiven Lebensstil am Rande der Gesellschaft geprägt. Es war ein am maximalen Lustgewinn orientiertes, planloses Chaosleben auf meinem ganz persönlichen „Highway to Hell“. Mit 31 Jahren bekam ich von allen Seiten „voll auf die Fresse“. Mein Leben war komplett an die Wand gefahren. Ich stand vor dem Nichts, war körperlich und psychisch total kaputt und hatte einen riesengroßen Scherbenhaufen hinterlassen. Ich hatte mich selbst verloren. Niemand war mehr da! Ich stand vor der Entscheidung „friss oder stirb“. Nach mehreren mächtig anstrengenden, psychischen und physischen Entzügen und einer lebensbedrohenden schweren Depression benötigte ich drei Jahre, bis ich mich im realen Leben zurechtfinden konnte. Der einfachste Weg wäre damals gewesen, mir mein Hirn vollends wegzuballern, mich als Opferkind der Gesellschaft aufzuspielen, die Schuld für mein verkacktes Leben auf alle anderen abzuwälzen und endgültig aus dem Leben auszuchecken. Ich habe mich für das Leben entschieden und konsequent damit begonnen, gnadenlos die Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen.

Ich habe mir meine Wurzeln aus dem Dreck gerissen, eine neue Saat gepflanzt und meinem alten Leben den Finger gezeigt. Das war und ist kein einfacher Weg, aber der einzige, den es meiner Ansicht nach zu leben lohnt! Heute weiß ich sehr genau wovon ich spreche, wenn es um die Themen radikale Persönlichkeitsveränderung, konsequente Selbstbestimmung und aktive Lebensgestaltung geht. Ich hab mir mein Wissen nicht nur angelesen, ich habe es gelebt, lebe es und spreche aus eigener Erfahrung. Seit annähernd zehn Jahren bin ich zertifizierter SeniorCoach QRC, professionelles Mitglied der German Speakers Association GSA und erfolgreicher Persönlichkeitstrainer. Wenn ich auf dieser Odyssee durch Sucht und Depression in meinem Leben auch nur Eines erkannt habe, ist das Folgendes: „Egal was Du tust, Du schenkst Dir immer selber ein!“

Das Schwierigste für Menschen um mich herum, ist nicht meine Art oder mein Aussehen sondern das, was sie über sich selbst erfahren.

Deine Geschichte klingt mehr als nur interessant. Sucht, Gewalt und Chaos haben Dein früheres Leben bestimmt. Jetzt gehört das der Vergangenheit an. Ein Wandel, der vielen Menschen nicht leicht fallen würde. Wann kam der Punkt, an dem Du für Dich entschieden hast, dass es so nicht weiter geht?

Rainer: Mehr als nur interessant!? Ich weiß nicht!? Sucht ist ein mächtiges „Scheiß-Spiel“, dessen sich die wenigsten Menschen wirklich bewusst sind. Sucht ist kompromisslos und zerbröselt die härtesten Charaktere.

Mein „Point of no Return“, meine Erleuchtung, meine Wiedergeburt, meine Berufung, wie auch immer du es nennen möchtest, war vor 18 Jahren, als mich selbst die hochstudierten, gottähnlichen, allwissenden, unfehlbaren Weißkittel – die Therapeuten, Sozialpädagogen und Ärzte – mit ihren statistisch belegten Patentrezepten zur glücklichen und zufriedenen Lebensbewältigung aufgegeben hatten. Damals gaben mir diese fragwürdigen Studierten mit einem knüppeldicken Schlag mitten ins Gesicht unmissverständlich zu verstehen, dass ich nicht therapierbar sei! Am Boden zerstört, fühlte ich mich von allen Menschen verlassen und hatte bereits die scharfe und entsicherte Kanone in meinem mit Jack Daniels gefüllten Mund stecken. Zum Abdrücken fehlte mir der Mut, zum Schlucken nicht. Ich war an meinem persönlichen Tiefpunkt angelangt, stand vor der gnadenlosen Entscheidung „leben oder sterben“ und meldete die Privatinsolvenz meines Verstandes an.

Muss man für solch tiefgehende Veränderungen erst den persönlichen Tiefpunkt erreicht haben?

Rainer: In meinem heutigen Wirken als Persönlichkeitstrainer stelle ich immer wieder fest, dass es wehtun muss, bevor der Mensch seinen Allerwertesten bewegt. Der naive Mensch an sich, ist von Hause aus sehr bequem und geht liebend gern den Weg des geringsten Widerstandes. Das Kommerzklistier hat man uns eh schon lange eingeführt. Selbst unsere Jüngsten sind schon vom schnöden Mammon angefixt und werden zu willenlosen Handpuppen abgerichtet. Süchtige und abhängige Menschen sind echte Koryphäen in Punkto Selbstbetrug. Manch einer schafft es, die schöngeredete Fassade seiner Scheinwelt ein Leben lang nach außen aufrecht zu erhalten. Er hat aufgehört zu hinterfragen, glaubt was suggeriert wird und suhlt sich dabei noch selbstgefällig und genüsslich wie ein Schwein in der Jauchegrube. Durch plumpe Passivität, verklärte Leidensfähigkeit, scheinheilige Ignoranz und faule Kompromisse, wird sich mit der Situation arrangiert. Auch dann noch, wenn sich die Geier bereits um die schönsten Stücke streiten und der Alltagsheld den letzten Bissen Stolz ausgespuckt hat. Die süßen Leichendüfte der inneren Verwesung sind das kleinste Übel, an die man sich sehr schnell gewöhnt. Wer gesteht sich selbst schon gerne ein, sein natürliches Geburtsrecht, die Kontrolle über sein Leben, abgegeben, verloren oder vielleicht sogar an den Teufel verkauft zu haben? Die Flucht in die Opferrolle der fröhlich vor sich hin grunzenden Mastsau und das vehemente Festklammern an die goldenen Ketten der Selbstgeißelung ist trauriger Weise bezeichnend.

Du sprichst also auch Menschen an, die meinen, vor allem und jedem gefeit zu sein?

Rainer: In meinen Trainings und Vorträgen geht es unter anderem darum, den Menschen ihr Suchpotential und das Ausmaß ihrer Fremdbestimmung und Abhängigkeiten bewusst zu machen. Nicht nur durch Drogen, Tabletten, Alkohol, Nikotin, Internet, sondern vielleicht auch von der Sucht nach Sicherheit und Anerkennung, Arbeitssucht und Profiliergehabe, Abhängigkeit vom Chef und Lebenspartner, den Banken, anderen Menschen, eigenen Werten, Glaubenssätzen, Fresssucht, Spielsucht, Sexsucht, Hass, Neid, Wut und alle möglichem Scheiß, den die Welt nicht braucht. Nur wer sich seiner Fremdbestimmung durch lebenshemmende Abhängigkeiten bewusst wird, hat es in der Hand den Weg in ein freies und selbstbestimmtes Leben anzutreten.

Selbst ein guter Boxer bekommt hin und wieder derbe Schläge auf seine Kauleiste, bevor er zur Belohnung als Sieger aus dem Ring steigt. Davonlaufen und die Flucht in alle möglichen Sucht- und Verdrängungsmechanismen bringt nichts! Alles was zählt ist, die Provokationen des Lebens bedingungslos anzunehmen, keine Routine und Passivität zuzulassen, die eigenen Fertigkeiten verbessern und lernen, lernen, lernen!

Viele Menschen wünschen sich Veränderungen in Ihrem Leben. Egal ob persönlich, beruflich oder körperlich. Meist bleibt es aber beim Wunsch nach Veränderung oder es wird nach Gründen gesucht, warum etwas gar nicht erst klappen könnte. Was rätst Du Menschen, die sich in einem solchen Kreislauf befinden?

Lünsche2Rainer: Ganz einfach: „Metal up your ass!“ Mach Dir bewusst, dass kein anderer außer Dir selbst Dein Leben für dich leben kann und leben wird! Mach Dir klar, was Du mit Deinem einmaligen und begrenzten Gastspiel auf unserem wundervollen Planeten anfangen willst, höre auf damit, Dich selbst zu bescheißen, Dir Deine Welt schön zu reden und vor Dir selbst wegzulaufen. Steig hinab in Dein persönliches Tal der Tränen, miste aus und übernimm kompromisslos die Verantwortung für Dein Sein. Dass irgendwann irgendeiner vorbeikommt, Dich liebevoll ans Händchen nimmt und Dir Deinen Weg zeigt, ist Illusion und abgedroschener Schwachsinn. Darauf kannst Du verdammt lange warten! Werde aktiv, hol´ Dir die Informationen dort, wo sie vorhanden sind und beginne die Dinge zu hinterfragen, die man Dir ungefiltert zum Fraß vorwirft. Bleib frei und „Rock your Life“. Du hast nur ein Leben! Die Uhr läuft! Mir ist klar dass diese Ansage ein verdammt hartes Stück Brot ist, an dem wir alle noch lange zu kauen haben, aber Nahrung für Dein ganzes Leben. Was soll irgendwann auf Deinem Grabstein stehen und mit wem musst Du es ein Leben lang aushalten?

Heute stehst Du mitten im Leben, rockst mit Deinen Vorträgen ganze Hallen und arbeitest als Persönlichkeitstrainer mit Unternehmen und Hochkarätern in ganz Europa. Vom Saulus zum Paulus?

Lünsche 3Rainer: Für irgendetwas musste der ganze gelebte Wahnsinn ja gut gewesen sein. „Normal kann´s jeder“, war schon immer meine Devise. Nicht jeder mag mich und das ist auch gut so. Hätte ich mein Leben immer nur am fuckin´ Mainstream orientiert, wäre ich innerlich schon längst Totalschaden. Würde ich es allen recht machen wollen, wäre ich keinen Fatz besser als all die aalglatten, makellosen Hampelmänner, die da meinen, das Patentrezept für erfolgreiche Lebensbewältigung mit Löffeln gefressen zu haben. Ich bin provozierend, weil ich die Dinge klar anspreche, polarisierend, weil ich in keine Schublade passe und motivierend, weil ich lebe, was ich sage. Gegen sämtliche Mahner, Warner und auch Anfeindungen der klassischen Lebensschulen habe ich mir, gerade durch meine Nonkonformität, einen eigenen Markt geschaffen. Der Kern meines Erfolges beruht darauf, ein „Unikat“ zu sein! Dafür bin ich sehr dankbar. Das macht mich in der Tat sehr stolz, treibt mich an und lässt mich heute ein recht zufriedenes, glückliches, und meist auch erfülltes, also erfolgreiches Leben leben. Gepflegte Sonntagspredigen und oberflächliches Tschacka-Motivationsguru-Gelaber braucht daher niemand zu erwarten.

Zur damaligen Zeit wäre ich extrem dankbar dafür gewesen, wenn wirklich jemand die Courage und die Stärke aufgebracht hätte, mich mit mir selbst zu konfrontieren, mich aufzuwecken, mir meine Grenzen aufzuzeigen, oder mich zumindest ins Nachdenken zu bringen. Und zwar so, dass ich es in meiner damaligen Situation und mit meinem, massiv fremdbestimmten und durchgeknallten Schädel auch verstanden hätte. Ich war ein junger Kerl, einfach nur unwissend, und hatte es nie anders gelernt. Mir persönlich hat wohlgemeinte, halbherzige Hilfe und Unterstützung nichts gebracht. Mir, meiner Tochter, meinem familiären und sozialen Umfeld wäre viel Leid erspart geblieben, wenn mir zur damaligen Zeit jemand mein heutiges Wissen wohl dosiert oder vielleicht auch schonungslos und brutal, vor den Latz geknallt hätte.

Cover Fire of ChangeDein neues Buch: „The Fire of Change – Für ein besseres Leben ist es nie zu spät“ steht kurz vor der Veröffentlichung. Worum geht es in diesem Buch ?

Rainer:  Mein neues Buch bei GABAL. Vorbestellbar in jeder Buchhandlung und jedem Online-Shop. „The Fire of Change“ ist die Bibel für Ungläubige, ein Gedankenmassaker für Stehengebliebene und das Manifest für Lebenssüchtige. In diesem, mit grammatikalischen Juwelen in Reinkultur gespickten autobiografischen Lesewerk, gibt es Antworten auf existenzielle Fragen, die Du Dir noch nie gestellt hast.

Vielen Dank Rainer für dieses spannende Interview!

Weitere Infos: www.Rainer-Biesinger.de  Link zum Buch: www.thefireofchange.com

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Ich bin 31 Jahre jung und gehöre zur viel besprochenen Generation Y. Seit 1999 nutze ich digitale Kommunikationswege und seit 2012 bin ich Online-Unternehmer und berate und betreue Unternehmen als Social Media Experte.

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