Der Reiter, Trainer, Lehrer und Richter Olaf Harke. Hier mit seinem eigenen Pferd. Fotos: Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Sauerland ist Pferdeland, das weiß eigentlich jeder, der einmal in Lüdenscheid und Umgebung zu Besuch war. Hier gibt es viele Reitställe, kleine und große. Kaum eine Wiese ohne Pferd, kaum eine Familie ohne Reiter. Angefangen vom kleinen Privatstall direkt hinter dem Haus bis hin zu großen Anlagen mit über 120 Pferden.

Und auch das Angebot an Ausbildern, Reittherapeuten und Trainern ist vielfältig. Von Horsemanship über Parelli, Western, Springreiten, bis hin zur Hohen Schule des Dressurreitens ist alles möglich. Seit Mitte des letzten Jahres wird Lüdenscheid um einen weiteren guten Ausbilder bereichert.

Sein Name: Olaf Harke. Er ist Trainer und Bereiter in Lüdenscheids traditionsreichstem Stall, der in der Ausbildung erfolgreicher Reiter und Pferde für den internationalen Wettbewerb weit über die Grenzen unsere Stadt hinaus bekannt ist. Den Reitstall am „Nurrehang“ kennt jeder Lüdenscheider. Früher ein Reitverein, in dem fast jeder guter Reiter der Umgebung einmal angefangen hat, wird er heute geführt von Andrea und Bodo Haase. Diese zwei international erfolgreichen Dressurreiter, haben im letzten Jahrzehnt von Lüdenscheid aus nicht nur viele Pferde bis hin zur Olympiareife trainiert, sondern reiten auch selbst auf einem Niveau, das nur schwer zu toppen ist.

Es hat sich viel getan

Um zu erfahren, was es mit Olaf Harke als sogenannten „Dritten im Bunde“ auf sich hat, fuhr ich auf Einladung von Andrea Haase über die Nurrehang-„Serpentine“ zu einem Interview mit dem neuen Mann im Team. Seit meinem letzten „offiziellen“ Besuch bei den Haases hat sich einiges getan: Die Reithalle hat eine neue Fensterfront bekommen und wirkt sonnendurchflutet und riesig. Auch sonst macht die altehrwürdige Reitanlage einen lebendigen und frischen Eindruck. Überall schauen Pferdeköpfe aus den offenen Boxenfenstern und wiehern mir zu. Ich fühle mich willkommen.

So wird man doch gerne begrüßt. Prince ist begeistert, ich auch.
So wird man doch gerne begrüßt. Prince ist begeistert, ich auch.

Andrea stellt mir Olaf vor, der mir gleich sympathisch ist. Ein offenes Gesicht, ein schiefes Lächeln und die typische Figur eine Berufsreiters. Drahtig, nicht allzu groß und komplett durchtrainiert.

Die Reitstiefel sind quasi angewachsen, wahrscheinlich hat er 50 Reithosen im Schrank aber nur zwei Jeans. Wie sie eben so sind, diese Reit-Profis.

Olaf ist nett. Bei Kaffee und Kuchen sitzen wir im Casino und er hat so gar keine Lust, etwas über sich zu erzählen. Am liebsten würde er nur über seine Pferde sprechen. Muss das sein? Zeitung? Nöööö. Doch!! Andrea und ich kennen da kein Pardon und überzeugen ihn schließlich mit einer zweiten Tasse Kaffee und dem Versprechen, das es wirklich echt und überhaupt nicht weh tut, ein Interview mal über sich, statt über seine Pferde zu geben.

Olaf, sag mal, was hat Dich denn eigentlich nach Lüdenscheid verschlagen? Von Deiner Vita her würde man Dich eher in Warendorf oder in Holland bei der Ausbildung eines neuen „Totillas“ vermuten. Was macht Lüdenscheid für Dich so interessant?

Nun, erst ja einmal die beiden „Haases“. Wir kennen uns schon lange, wissen, dass wir uns eigentlich schon fast ohne Worte verstehen und uns völlig einig sind in der Ausbildung von Pferd und Reiter.

Ich war einfach in meinem Leben an einem Punkt, da wollte ich mich verändern. Aber nicht irgendwas machen, sondern etwas, was mir auch Freiheit lässt, mich nicht einengt und die Möglichkeit gibt, so zu arbeiten, wie es mir auf dem Herzen liegt. Ich wollte keine Kompromisse mehr machen, sondern mit Menschen zusammen arbeiten, die mit mir an einem Strick ziehen. Die sich gegenseitig unterstützen und wertschätzen in dem, was sie tun.

Du bist ja jemand mit viel Erfahrung und hast in der Welt von Pferd und Reiter viel erlebt. Weißt also, wovon Du sprichst.

Olaf ist echter Pfedemensch. Ohne wenn und aber.
Olaf ist echter Pferdemensch. Ohne wenn und aber.

Ich war sehr froh, dass Andrea und Bodo auf mich zu kamen und sich vorstellen konnten, gemeinsam mit mir, diesen neuen Schritt zu wagen. Auch für sie ja etwas, in das sie erst einmal Vertauen investieren mussten. Denn die Reiter- und Pferdewelt ist sehr sensibel. Jemanden als quasi dritten Mann in so einen etablierten Reitbetrieb zu holen, das erfordert auch erst einmal eine Zeit des Bewährens. Man wird schon auch sehr kritisch angeschaut. Reiter und auch ihre Pferde binden sich sehr stark an ihre Trainer. Das muss passen. Und so ein Vertrauen muss man sich dann erst einmal erarbeiten. Das bekommt man nicht einfach so.

Auch nicht, wenn man so erfolgreich ist, wie Du?

Nein, auch dann nicht. Man muss schon beweisen, dass man was kann. Immer wieder. Und dass man ein Fundament hat, das trägt. Ich arbeite seit 1984 mit Pferden beruflich. Nach einer Ausbildung zum Pferdewirt, bin ich seit 1993 auch Pferdewirtschaftsmeister.

Das hat Dir aber anscheinend nicht gereicht.

Sie mag ihn. Sichtbar.
Sie mag ihn. Sichtbar.

Nein, mir war immer beides wichtig. Der Kontakt zu den Pferden, aber auch der zu den Menschen. Ich bin gerne ein Lehrer. Mir macht es Freude, mein Wissen weiterzugeben. An Menschen und Tiere.

Und ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, sich auf beide ganz einzulassen, also nicht nur ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen, sondern das Beste in dem Pferd aber auch in dem Reiter zu sehen. Potenziale zu wecken, Selbstvertrauen aufzubauen und auch dann nicht aufzugeben, wenn Reiter und Pferd sich gar nichts oder nur sehr wenig zutrauen.

Denkst Du, dass Du mehr siehst, als manch anderer, weil die Arbeit als Ausbilder für Dich eigentlich sehr viel mehr ist als nur ein Job? Du wirkst so, als wäre das Dein Leben, also nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Nun, das ist ein großes Wort, aber schön, wenn ich diesen Eindruck vermittle. Mir ist es sehr wichtig, mich nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Letztendlich kommt es doch in erster Linie darauf an, dass man das Gelernt so weiter gibt, das Pferd und Reiter etwas davon haben.

Wichtig war mir auch, zu wissen wie man sich auf beiden Seiten fühlt. Als derjenige, der in die „Arena“ muss und sein Können unter Beweis stellt und der, der es beurteilen soll. So habe ich 2005 auch die Prüfung zum Turnierrichter abgelegt. Seither bin ich an Wochenenden auf Turnierplätzen nicht nur als Teilnehmer und Betreuer meiner Schüler, sondern eben auch als Richter unterwegs.

Was genau bringt Dir und Deinen Schülern das?

Nun, man gewinnt eine andere Sicht, kann beide besser verstehen, Prüfer und Prüflinge. Man weiß aber auch besser, auf was es ankommt in so einer Prüfung.

Manch einer meiner Schüler fragt sich schon nach einer Prüfung, was er denn falsch gemacht hat. Fühlte sich doch alles gut an. Aber, nun ja, wenn man am Richtertisch sitzt und den Vergleich mit vielen anderen hat, dann hat man schon manchmal echt gute Reiter dabei, die nicht auf die ersten Plätze kommen, weil es eben oft auch noch bessere Reiter gibt.

Und das meine Schüleren weiterzugeben, nämlich, dass sie gut waren, aber das Ganze eben auch ein Wettkampf ist, bei dem man trotz bester Leistung manchmal nicht gewinnt, ist mir wichtig. Das Leben ist einfach so, dass man, auch wenn man sein Bestes gibt, nicht immer den Erfolg hat, den man sich wünscht und gerade der Pferdesport ist ein gutes Abbild unseres Lebens. Ich möchte meinen Schülern vermitteln, dass ein erster Platz sicher super ist, aber im Mittelpunkt doch die Beziehung zwischen Pferd und Reiter steht, die eigene Wertigkeit nicht von einem Platz eins abhängt, sondern von persönlichen, guten Beziehungen und dem Spaß und der Freude am Pferdesport an sich.

Heißt das, dass man auch mal einstecken muss? Und trotzdem was für sich dabei gewinnt?

Andrea Haase und Olaf Harke. Passt!
Andrea Haase und Olaf Harke. Passt!

Einstecken können ja, aber dann möglichst nicht austeilen, sondern Niederlagen zum Ansporn nehmen, um besser zu werden, mehr zu geben und vor allem nicht aufzugeben. In jeder scheinbaren Niederlage steckt doch auch die Chance, an sich zu arbeiten und etwas Positives daraus zu machen.

Was genau bietest Du denn hier bei den Haases an?

In meiner Obhut finden sich Berittpferde verschiedenster Richtungen – von talentierten Jungpferden, die ich auf ihre Turnierkarriere vorbereite, über bereits erfahrene Sportpferde, die den nächsten Schritt auf ihrer Karriereleiter gehen sollen, bis hin zum Freizeitpartner Pferd.

Wir sind ganz allgemein ein Stall, in dem Du Pferd und Reiter bis zum S-Standard trainieren lassen kannst, aber eben auch die Möglichkeit hast, einfach Spaß zu haben an Deinem Tier und dabei zu lernen, wie Du ein besserer Reiter wirst und auch Dein Pferd besser verstehst. Wenn Du dann in der Lage bist, ohne Angst und mit einem Pferd schön locker ins Gelände zu gehen und glücklich dabei bist, haben wir auch da unser Ziel erreicht. Wir wollen Pferd und Reiter da abholen, wo sie sich befinden und dahin begleiten, wo sie sich gemeinsam wohl fühlen.

Also muss man bei Dir nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen wollen?

Berittpferd Prince.
Eines seiner Berittpferd. Prince, sehr groß und sehr, sehr neugierig.

Nein, mir ist wichtig, dass ich jemanden vor mir habe, der ambitioniert ist. Der ein Feeling hat für sein Pferd. Den Umgang mit dem Pferd kann man dann immer verbessern. Eine Einheit werden mit seinem Tier. Im besten Fall. Das kann bis zur höchsten Reitkunst gehen und S-Standard erreichen, kann sich aber auch einfach darauf beschränken, dass man mit seinem Tier freizeitmäßig unterwegs ist, aber auch dort weiß, was man tut und nicht alles dem Zufall überlässt.

Ambitionierte Reiter finden in mir einen Ausbilder, der sie bestmöglich fördert. Ein wesentliches Augenmerk lege ich dabei auf die Ausbildung der Reiter und Pferde nach modernen Ausbildungsmethoden und -kriterien. Sie erhalten beide eine zielgerichtet Förderung und diese eben entsprechend ihrer Wünsche auch bis in die hohen Klassen.

Du hast ja auch viele Erfolge zu verbuchen.

Irgendwie sieht er aus wie im Sattel festgeklebt.
Irgendwie sieht er aus wie im Sattel festgeklebt.

Ich stelle mich selbst nicht so gerne in den Vordergrund. Aber es ist schon für die Schüler wichtig, zu wissen, dass sie in guten Händen sind und derjenige, dem sie sich anvertrauen, auch weiß, was er tut. Ich reite in der Dressur bis zur **Klasse S und auch im Springen bis zur Klasse M.

Anlässlich des Bundeschampionats im Jahr 2000 habe ich z.B. den selbst ausgebildeten Hengst „Dollmann“ zur Vizemeisterschaft der dreijährigen Reitpferde geritten. Das bedeutet schon was in Reiterkreisen. Mit von mir ausgebildeten Jungpferden bin ich zudem seit 30 Jahren erfolgreich in Reitpferde-Dressur- und Springpferdeprüfungen bis zur Klasse M unterwegs. Auch beim  Vielseitigkeitsreiten bis zur Klasse L war ich mit Begeisterung bei vielen Prüfungen erfolgreich dabei.

Und dieses breite Wissen steht mir als Lehrer eben auch aktiv zur Verfügung. Ich sitze jeden Tag selbst auf dem Pferd, bilde mich weiter. Stillstand ist tatsächlich Rückschritt und kommt daher nicht für mich in Frage.

Du warst ja früher Dein eigener Herr, warst Pächter einer großen Reitanlage in der Nähe von Remscheid. Jetzt arbeitest Du hier in einem Team. Geht das so einfach?

Skeptischer Blick. Kann man die Kamera vielleicht essen? Oder sollte man besser wegrennen? Prince ist noch unentschlossen.
Skeptischer Blick. Kann man die Kamera vielleicht essen? Oder sollte man besser wegrennen? Prince ist noch unentschlossen.

Ich bin froh, jetzt in diesem Team zu sein. Trotz aller meiner Erfolge und dem eigenen Hof, ist es mir im Laufe der Jahre immer wichtiger geworden, mit Menschen zusammen zu arbeiten, die bewegt, was mich bewegt und die meine Art, Pferd und Reiter auszubilden in vollem Maße teilen.

Es gibt in der Pferdewelt so viele Strömungen, so unterschiedliche Meinungen. Wie man füttert, ausbildet, mit dem Pferd umgeht. Jeder Reiter weiß aus Erfahrung, dass es nicht leicht ist, alle gleichermaßen zufrieden zu stellen in einem Stall, in dem es manchmal sehr große Unterschiede gibt in Sicht und Handeling. Bei Andrea und Bodo habe ich das Gefühl, wir ziehen an einem Strang. Wir müssen gar nicht lange diskutieren über was und wie. Wir sind uns in den meisten Dingen völlig einig, sind Profis, unterstützen uns, stehen uns aber nie im Wege oder streiten über die Art und Weise, was und wie wir uns die Arbeit mit Pferd und Reiter vorstellen.

Das lässt mich hoffen, dass wir gemeinsam hier eine Atmosphäre für Pferd und Reiter schaffen, in der sich unsere zwei- und vierbeinigen Schüler einfach wohl fühlen und wachsen können. Und wir mit ihnen zusammen. Denn man lernt ja auch als Lehrer bekanntermaßen nie aus.

Olaf Harke hat jetzt keine Lust mehr, zu reden. Es zieht ihn nach draußen, zu seinen Vierbeinern. Er muss aufs Pferd. Ich sehe ihm noch beim Training zu mit seinem großartigen Berittpferd „Prince“ und lasse mir später sein eigenes Pferd zeigen, das ihn freudig schon von weitem begrüßt. Olaf macht zwischen seinen Vierbeinern einen völlig ausgeglichenen Eindruck und strahlt dabei die Sicherheit eines Menschen aus, der seinen Platz gefunden hat. Lüdenscheid hat zudem einen weiteren Top-Reiter in seinen Reihen, von dessen Wissen die jetzige und künftige erfolgreiche Reiterwelt in und um die Stadt herum profitiert. Wer mehr über ihn wissen will oder einen persönlichen Termin mit ihm machen möchte, findet ihn auf Facebook oder auf seiner Webseite: www.olafharke-dressur.de

Unterstütze uns auf Steady

1 KOMMENTAR

  1. Achtung rutsch Gefahr….
    Diese Berichte sollten alle mal deutlich objektiver geschrieben werden.
    Jeder Reiter hier im Kreis weiß das wir kein Pferde Land sind, es gibt fast keine Ställe wo man sein Pferd guten Gewissens hinstellen kann, gute Trainer sind absolut ausgestorben, und der Nurrenhang hat sich selber überlebt.
    Für mich sind diese Texte hier eher der Wunsch der “redakteurin“ bei allen Leuten gut dazustehen..
    Ein Schrei nach Anerkennung…

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here