Einmal Hongkong und zurück: Michael Schwarzer, ein Lüdenscheider Musiker und Designer auf Erfolgskurs. Foto: Kannenberg

Lüdenscheid. Ich treffe mich mit Michael bei Karolina in ihrem neuen Café an der Werdohler Straße. Wie immer fünf Minuten zu spät und wie üblich mit Tasche, Laptop und Kamera beladen, betrete ich das Café und sehe einen Mann mit dem Rücken zu mir sitzen und lauthals lachen. Michael? Karolina und Elias, die beiden Betreiber von „Karolinas Kunst und Musik Café“ winken mir fröhlich zu, alle drei habe offensichtlich großen Spaß.

„Blinddate“ mit Michael

Nun bin ich richtig gespannt, denn das ist so: Ich habe so zusagend ein „Blinddate“ mit Michael. Er hat mich auf Facebook geadded. Ich wusste nicht, wer er war und habe natürlich erst einmal andere Musiker nach ihm gefragt. Von mehreren Seiten hörte ich übereinstimmend, dass er ein richtig Netter sei, den ich doch kennen müsste. Nein, tat ich nicht, dafür war ich jetzt erst einmal beruhigt. Nach einigen Telefonaten, bei denen er ausgesprochen freundlich wirkte, waren etwaige Bedenken dann bei mir komplett ausgeräumt – jetzt WOLLTE ich ihn kennenlernen. Das klang alles einfach ZU interessant.

DSC_0014Auf seiner Facebookseite hat er übrigens ein Bild, auf dem er von hinten zu sehen ist, was auch nicht wirklich hilfreich ist. Zumindest wusste ich inzwischen, dass er ein Musiker ist, den anscheinend alle in Lüdenscheid kennen – nur ich nicht – zudem Schmuckdesigner, Weltenbummler, der schon überall einmal gewesen ist und Ehemann der Besitzerin des wunderbaren Schmuckladens „Chapeau Claque“ in der Wilhelmstraße.

Als er sich jetzt bei Karo umdreht, fällt der Groschen dann auch bei der manchmal extrem begriffsstutzigen Autorin dieses Artikels. „Du bist Michael?“ entfährt es mir verblüfft. Klar kenne ich ihn, ich hab ihn bei einem „Jamis“-Konzert im Kulturhaus Anfang des Jahres kennengelernt als er dort die Percussions spielte und dabei fast drei Stunden lang das Publikum anstrahlte. Good vibrations eben. Später, im Raum der Musiker hinter der Bühne, alberte er dann mit Tlako und Ingo herum, was für uns alle sehr erheiternd war.

DSC_0022Danach hatten wir uns dann noch einmal beim Open Stage im Lönneberga gesehen wo er diesmal auf das dortige Schlagzeug eindrosch. Jetzt in diesem Moment sitzt er da, lacht mich an und ist ganz nebenbei in eine Diskussion mit Karo vertieft, darüber, wie man ihn, Tlako und einen noch zu definierenden Bassisten mitsamt Equipment in Karos Laden platziert und dann noch Platz für die zu erwartenden 200 Gäste hat. Scheint schwierig zu werden, da Karos Café leider nicht die Schützenhalle ist, sondern eben ein CAFÉ. Ich mache den Vorschlag, das Schlagzeug auf ein Minimum zu reduzieren, was mir zwei verachtungsvolle Blicke einbringt und Elias in Heiterkeit ausbrechen lässt. Ok, ich halte jetzt besser mal den Mund.

Cooler Schmuck meets interessierte Mädels

DSC_0030Ich setze mich also erst einmal, bestelle einen orangen Cocktail und baue alles, was ich an Zeug dabei habe, um mich herum auf. Das will ich jetzt einfach genauer wissen: Wieso ist Michael Schlagzeuger und gleichzeitig Schmuckdesigner? Ungewöhnliche Kombination. Er freut sich, dass er mich so schön an der Nase herumgeführt hat und packt erst einmal seine neue Kollektion an Uhren und Schmuck auf den Tisch. Ich bin sofort fasziniert. Das, was er da vor uns ausbreitet, ist wirklich außergewöhnlich. Filigran gestaltete Schmuckstücke, die gleichzeitig eine Funktion erfüllen. So zeigt er mir ein silbernes Plektrum, das als Anhänger an einer Kette getragen werden kann und aus versilberten Messing besteht, mit schönen Ornamenten verziert ist und trotzdem so effizient funktioniert, wie ein Plektrum aus biegsamen Plastik.

Oder eine lange Achatkette, mit einem geflügelten Anhänger, der nicht nur ein Designerstück ist, sondern auch zum Stimmen von Instrumenten genommen werden kann. Eine Uhr mit zart eingraviertem Schlagzeug. Ein Armband, dessen Perlen aus Lava sind und mit einem Edelstein versehen zwar keine spezielle Funktion erfüllt, aber dafür richtig gut aussieht. Karo, die neben mir sitzt bekommt ähnlich große Augen wie ich und wir sagen beide fast gleichzeitig: „Ohhhh, wiiieeee schöööönnn!“ Mädchen eben. Sie wird spontan zu unserem Model und muss die Kette mit den Flügeln vorführen. Zu unserem Leidwesen, will er sie wiederhaben, da ein Prototyp. Ach so …  schade.

Von Mexico ins Hardrockcafé, Hongkong

DSC_0067Als ich ihn frage, wie er dazu kommt, solchen Schmuck zu produzieren, erzählt er mir, dass er bereits Ende der 70er Jahren als Hippie nach Asien gefahren ist und später auch nach Mexiko und von dort mit ganzen Containern voller Schmuck nach Deutschland zurückgekehrt ist. Schmuck, der ihm dann hier aus den Händen gerissen wurde. Schnell wurde der Verkauf von Schmuck zu einem zweiten Standbein neben der Musik. Denn dass er ein Vollblutmusiker ist und mit Leib und Seele Schlagzeuger, das ist eben der andere kreative Teil seiner Person. Und dann die logische Schlussfolgerung: Warum nicht als Musiker auch Schmuck für Musiker entwerfen und auch gleich produzieren lassen?

Als ich mich darüber wundere, wie man es hinbekommt als Kreativer mit gesicherter unternehmerischer Null-Erfahrung einfach mal so ein Ding in Gang zu setzen, strahlt er mich mit großen Augen an und sagt: „Ich hatte das Gefühl, dass das klappen könnte.“ Und es klappt. Erst von Taco, Mexiko aus. Bis Mitte der 90er Jahre. Dann geht dem damaligen Boom in der mexikanischen Schmuckindustrie langsam die Luft aus und Michael wendet sich Asien zu, sucht dort Partner, die seine Kreationen umsetzen und produzieren können und wird in Hongkong fündig. Dies bedingt natürlich, dass er seitdem mehrfach im Jahr nach China fliegt, um dort vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Und dann erzählt er mir so nebenbei, dass er dort irgendwann das dortige Hardrockcafé besucht und sich mit der damaligen Hausband anfreundet. Und dann als Deutscher quasi von denen adoptiert wird und als Schlagzeuger für ein paar Jahre bei jedem Besuch in Hongkong auch im Hardrockcafé auftritt. Einfach so.

Ich frage: „Einfach so. Oha. Das sind ja mal nicht die schlechtesten Musiker, die da in den Hardrockcafés rund um den Planeten spielen, das sagt ja schon was aus über Deine Fähigkeiten.“ „Ich spiele ja auch schon seit meinem 9. Lebensjahr die Trommel“ meint er daraufhin. „Und Gitarre!“ Ich hätte mich auch gewundert, wenn er nicht noch mindestens ein anderes Instrument gespielt hätte. Innerhalb einer kurzen Stunde habe ich über ihn herausgefunden, dass er die ganze Welt bereist hat, als Schmuck- und Uhrendesigner, Musiker und erfolgreicher Unternehmer tätig ist, normalen Schmuck produziert und zusätzlich eine Kollektion für Musiker namens „ROCKYS“ herausgibt, die z.B. bei solchen Musikhausgiganten wie Thomann oder auch Music Store Köln sehr erfolgreich verkauft wird.

Karo, Elias und ich müssen soviel Erfolg jetzt erst mal verkraften und beschließen, noch etwas zu trinken und dabei zu überlegen, wie man ihn vielleicht doch noch davon überzeugen könnte, uns seinen Schmuck einfach dazulassen. Michael sinniert indes darüber, ob er sein Schlagzeug vielleicht doch so verkleinern könnte, dass Tlako und der imaginäre Bassist sich noch daneben quetschen können. Ich überlege, ob man vielleicht Tlako verkleinern kann, damit Michael sein heiß geliebtes Schlagzeug komplett aufbauen könnte, verwerfe aber den Gedanken schnell wieder, da ich mir vorstellen kann, dass Tlako mich leider von seiner Freundesliste streicht, wenn ich ihm von diesem guten Plan berichte.

„Global Beat“, die Band um Michael Schwarzer herum

Dann erzählt Michael mir noch, dass er neben vielen Bands, in denen er mitspielt oder gespielt hat, auch eine eigene, erfolgreiche Band hat, die „Global Beats“. Eine rockige Cover-Band mit dem ganz eigenen, energiegeladenen Charme einer 5-köpfigen Jungstruppe, die die Stimmung bei jedem Konzert zum Kochen bringt.

DSC_0068Ich beschließe spontan, mir die Truppe am nächsten Abend einmal anzuschauen und zwar im „Altdeutschen Biergarten“ auch „Langer Gang“ genannt. Wir verabschieden uns also für ca. 24 Stunden voneinander und ich platze am nächsten Tag – diesmal sehr pünktlich – mitten hinein in ihren Soundcheck. „Global Beat“ ist ein „Special“ für sich. Man sieht die fünf nur ganz kurz zusammen und weiß sofort, dass gleich die Post abgeht. Sie müssen nichts sagen. Sie strahlen das einfach aus.

Ein besonderer Gimmick der Band: Wenn man sehr laut schreit und Lärm macht, macht sich die Lichtanlage selbstständig und tausend bunte Blitze zucken um die Musiker herum. Was bedeutet, dass die Jungs von „Global Beat“ sehr oft, sehr laut schreien und ordentlich Spaß dabei haben, wenn eine Farbexplosion um sie und ihre Gäste herum statt findet. Ansonsten sind sie einfach fünf richtig gute Musiker, die ihre Instrumente und Stimmen perfekt beherrschen.

Alles in allem ist Michael für mich ein Phänomen. Ich versuche ihn mir vorzustellen, mit einem Sack voller Schmuck unter dem einen Arm und seinem Schlagzeug unter dem anderen, inmitten von 1 Million Chinesen durch Hongkong schlendernd, Richtung Hardrockcafé, unbeeindruckt davon, dass gerade 8000 Kilometer zwischen ihm und Lüdenscheid liegen. Er ist angekommen. Bei sich selbst. Egal, wohin es ihn gerade verschlägt …

 

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