Ich treffe mich mit Melina bei mir zu Hause. Sie kommt nach einem 10 Stunden Tag völlig relaxt und wunderschön wie immer, bei mir zur Tür hereinspaziert und ist einfach gut drauf. Melina Fuhrmann ist mit ihren 24 Jahren sicher eine der interessantesten und vielversprechendsten Sängerinnen, die Lüdenscheid zu bieten hat. Ich kenne sie jetzt seit einem Jahr und durfte beobachten, wie rasant sie sich allein in diesem kurzen Jahr stimmlich, aber auch ganz persönlich sehr positiv weiterentwickelt hat.

Sie sitzt jetzt erst einmal in meinem Wohnzimmer und strahlt mich erwartungsvoll an. Ich mache ein paar Fotos von ihr, die Stimmung ist entspannt und dabei irgendwie kreativ.

Hallo Melina, ich bin total gespannt auf Dich. Erzähl mal zum Einstieg, wer Du bist, und aus welchem persönlichen Hintergrund Du kommst.

In gemütlicher Atmosphäre führe Ich das Interview mit Melina.
In gemütlicher Atmosphäre führe Ich das Interview mit Melina.

Melina: Ich komme aus einem Elternhaus, in dem beide Eltern Musiker sind, bzw. waren. Mein Vater und meine Mutter standen gemeinsam auf der Bühne und haben mich von Anfang an mitgenommen. Ich selbst hatte meinen ersten Auftritt bereits mit sieben Jahren. Eigentlich habe ich immer Musik gemacht, auch Theater gespielt und bin auch schon einmal in einem Musical aufgetreten. Seit Januar 2014 bin ich Studentin in Köln an der Pop Akademie, genauer „Die Deutsche POP – Akademie der deutschen Medienbranche“. Ich fahre deshalb zweimal die Woche nach Köln und habe dort das Studienfach Singer/Songwriter belegt. Um das Studium zu finanzieren und finanziell abgesichert zu sein, arbeite ich zudem noch in Teilzeit in meinem erlernten Beruf als Rechtsanwaltsgehilfin und bei einem Internetversandhandel. Und stehe natürlich so oft wie möglich als Musikerin und Schauspielerin auf der Bühne.

Moment mal, Melina! Du machst zwei Jobs, Du singst und spielst regelmäßig vor Publikum und Du studierst auch noch? Wie schafft man denn so etwas?

Melina: Ich bin sehr konzentriert in allem, was ich tue, sehr diszipliniert und durchstrukturiert. Ich versuche, immer realistisch zu bleiben, aber dabei auch ganz pragmatisch. So schlägt mein Herz zwar für die Musik, aber die Arbeit, die meinen Lebensunterhalt im Moment noch sichert hat erst einmal Vorrang. Die Musik muss sich dem dann unterordnen. Natürlich stehen für mich von meinem Herzen her die Musik und das Theater an erster Stelle. Daher könnte ich mir für die Zukunft vorstellen, dass beides zumindest gleichwertige Erwerbsquellen für mich werden könnten. Es wäre schön, wenn ich z.B. von meiner Musik leben könnte. Aber das wird vermutlich noch einen Weile dauern.

Du bist ja sehr kreativ und schreibst auch eigene Texte und komponierst und arrangierst eigene Musik. In Deiner Musik geht es oft um sehr tiefe Emotionen ,
Gedanken und Gefühle…

Melina: Das stimmt. Ich sitze oft zu Hause und dann kommen Texte und Lieder über die Dinge in meinen Kopf, die ich erlebe oder erlebt habe, die mich prägen und umgeben. Ich setze mich damit auseinander. Das, was um mich herum passiert, lässt mich nicht kalt und prallt auch nicht einfach an mir ab. Ich sehe die Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, in Familien und Freundschaften, Dinge, die uns zerstören können, wenn wir nicht richtig damit umgehen, aber auch die Freude, die gute Beziehungen zu Freunden und Familie in unser Leben bringen. Das alles verarbeite ich in meinen Songs und in meinen Texten. So kann ich mich mitteilen und etwas geben, nutze es aber auch wie eine Katalysator nach außen, um Erlebtes zu verarbeiten und frei zu sein für neue Eindrücke.

Ich habe Dich das erste Mal mit der Band Jamis auf der Bühne des Kulturhauses gesehen. Zusammen mit Klaus Sonnabend, Ingo Starink, Tlako Mokgadi und einigen anderen Lüdenscheider Musiker-Urgesteinen. Wie genau bist Du denn an die gekommen?

Melina in Aktion
Melina in Aktion

Melina: Über das Lüdenscheider Rapper-Label „Kein Limit“. Zwei Rapper aus der Gruppe sollten auf dem Stadtfest bei KultStädte e.V. auftreten und haben mich gefragt, ob ich den Refrain singen würde. Dadurch habe ich Klaus Sonnabend kennengelernt, der mich dann einfach gefragt hat, ob ich als Backroundsängerin bei „Jamis“ mitmachen wollte. Aus dieser ersten Zusammenarbeit entstand das Video „Gib niemals auf!“, das später im Lüdenscheider STOCK gedreht wurde. Klaus hat die Musik produziert und geschrieben. und es dann dort mit den anderen eingespielt. Er hat mich gefragt, ob ich als Sängerin dabei bin. Daraus sind dann wiederum solche Sachen entstanden wie Open Stage im Lönneberga oder der Breakfastclub oder der diesjährige Auftritt mit „Jamis“ beim Stadtfest. Zudem entwickelte sich daraus eine für mich wertvolle Zusammenarbeit mit der Music Store Musikschule, also mit Ingo Starink und der Musikschulband Funtastic. Das alles hat mir im letzten Jahr einfach auch viel Selbstbewusstsein gegeben, es als Musikerin schaffen zu können.

Das kann ich mir vorstellen, ich habe auch den Eindruck, dass Du bei den älteren Musikern hier in Lüdenscheid hohe Akzeptanz genießt, einfach weil man Dir anmerkt, dass Du einen Vollblutmusikerin bist. Aber Du spielst ja auch schon lange Theater. In einer sehr ungewöhnlichen Truppe.

Melina: Oh ja, die Theatergruppe „Halber Apfel“ ist eine türkischdeutsche Truppe, mit der ich schon zweimal im Kulturhaus aufgetreten bin. Bei dieser Truppe bin ich schon lange dabei und habe dort viel Bühnenerfahrung sammeln können. Da wir immer wieder auch in anderen Städten Deutschlands auftreten, lerne ich durchs Theaterspielen auch Künstler außerhalb Lüdenscheids kennen und habe so die Möglichkeit, ein überregionales Netzwerk aus Musikern und Schauspielern aufzubauen. Außerdem macht mir das Arbeiten in dieser Formation einfach sehr viel Spaß.

Wie sieht sich Melina Fuhrmann in der Zukunft? Strebst Du eine Karriere als Sängerin an, also hauptberuflich?

Melina: Ich kann mir gut vorstellen, als professionelle Sängerin zu arbeiten und mich als Songwriterin zu etablieren. Ich bin einfach mit Leib und Seele dabei. Dabei ist meine Bandbreite an Musik unbegrenzt. Ich liebe deutsche Texte, covere aber auch gerne die Musik fremdsprachiger Musiker. Zudem singe ich sehr gern auf Hochzeiten, in Kirchen oder auf dem Standesamt, das ist etwas, wofür ich mittlerweile auch öfter als Solosängerin gebucht werde. Mich bewegt die Atmosphäre in der Kirche, die mir eine besondere Ruhe gibt und die Freude, für zwei Liebende zu singen, die sich gefunden haben. Für mich ist es ein wunderbares Gefühl, Teil dieses besonderen Lebensereignisses zu sein, ein Ereignis, an das sich das Paar immer erinnern wird. Und damit auch an mich. Ich werde so zu einem Teil ihrer Geschichte. Bleibe unvergessen.

Siehst Du Dich dann eher in einer Karriere als Solokünstlerin oder bist Du doch eher der Teamplayer?

Melina: Weder das eine noch das andere. Ich bin sehr, sehr vielseitig und will mich nicht auf eine Musikrichtung oder ein Konzept festlegen lassen. Ich bin offen und flexibel, sowohl als Solokünstlerin, als auch als Bandmitglied, Musik zu machen. Ich würde später auch gern für andere Musiker schreiben und Musik arrangieren. Es ist einfach spannend zu sehen, dass sich ständig etwas Neues tut, dass Türen aufgehen, die vorher verschlossen waren und Leute auf mich zukommen, um mit mir als Künstlerin zu arbeiten. Ich freue mich auf das, was kommt und werde weiter hart daran arbeiten, mich als Musikerin und Schauspielerin stetig zu verbessern und zu etablieren.

Du hast ja eine große Bandbreite in der Stimme. Du singst Rock, Jazz, Pop, alles ohne Probleme. Du bist hier in Lüdenscheid mittlerweile sehr präsent. Als
Sängerin, Jurorin von diversen Bandcontests etc. Möchtest Du in Lüdenscheid bleiben oder zieht es Dich hinaus in die großen Künstlermetropolen wie Berlin,
Hamburg oder Köln?

Melina: Ich bin mit meinem ganzen Herzen Lüdenscheiderin und möchte die Beziehung zu meiner Geburtsstadt festigen, dem treu bleibt, was ich hier habe. Klar bin ich offen für Angebote aus den Großstädten, aber ich möchte mit Lüdenscheid einfach verbunden bleiben. Ich habe hier meine Wurzeln, lebe gerne hier. Zusammen mit meinen Freunden und meiner Familie. Das gibt mir einfach die Kraft, die ich brauche, um erfolgreich an meiner Karriere zu arbeiten und dabei nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Ich habe nach diesem Interview den Eindruck gewonnen, dass mir hier nicht nur ein großes Talent gegenübersitzt, das sich gerade aufmacht, die Musikwelt zu erobern, sondern gleichzeitig eine bodenständige und bescheidene junge Frau, die gerade wegen dieser Eigenschaften ihren Weg machen wird.

Viel Glück Melina!

Interview mit Melina Fuhrmann, Sängerin und Songwriterin aus Lüdenscheid am 10.11. 2014

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