Vom Tischler zum Betreiber von 3 verhältnismäßig großen Clubs im märkischen Sauerland. Marco Schulz hat seinen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Obwohl er bereits in seiner Heimat Nordhorn (Norddeutschland) in der Gastronomie arbeitete, verschlug es ihn dann doch kurzzeitig in eine völlig andere Welt. Er machte eine Ausbildung zum Tischler und fand danach dann doch seinen Weg in die Gastronomie. Heute ist er Betreiber vom Living in Iserlohn und dem B6 und Saitensprung in Lüdenscheid.

Marco, wie bist du in die Gastronomie gekommen und was hast du gelernt?

Ich habe schon mit 16 nebenbei in einem Gastrobetrieb in Nordhorn gearbeitet. Damals nur gelegentlich und absolvierte eine Ausbildung zum Tischler. Damals war es für mich und meine Familie sehr wichtig, dass ich eine Berufsausbildung habe, die nichts mit der Gastro zu tun hatte. Quasi als Plan B. Schlussendlich bin ich dann aber doch in der Gastroszene in meiner Heimatstadt gelandet.

Deine Heimat liegt also im Norden? Wie bist du dann ins Sauerland gekommen?

Es ergab sich die Möglichkeit, in Lüdenscheid die Diskothek „Schnarchhahn“ zu übernehmen. Dadurch sind wir ins Sauerland gekommen. Heute ist hier der Saitensprung beheimatet. Direkt nebenan haben wir dann 2000 den B6 eröffnet und 2007 das Living in Iserlohn. Aber der Saitensprung ist unser Ursprung im Sauerland. Und ihn gibt es jetzt gut 21 Jahre lang. Das ist schon eine lange Zeit.

Du fühlst dich in dem Job des Gastronomen also Wohl? Oder wünschst du dir manchmal, du wärst doch Tischler geworden?

Nein, ich würde heute nicht mehr als Tischler arbeiten wollen. Ich fühle mich sehr wohl in dem Job und mache ihn sehr gerne. Ich kann mir kaum vorstellen was anderes zu machen.

Wohnst du denn dann jetzt auch in Lüdenscheid oder Iserlohn?

Nein, ich wohne noch immer in Nordhorn. Ich habe hier zwar eine kleine Wohnung, in der ich am Wochenende lebe, aber mein Zuhause ist noch immer im Norden.

Aber wie machst du das dann mit den Clubs im Sauerland? Du pendelst doch wohl nicht?

Doch, genau das mache ich. Ich fahre jeden Sonntag von Lüdenscheid bzw. Iserlohn nach Nordhorn und zum Wochenende wieder zurück. Das sind jedes Mal knapp 400 Kilometer. Aber ich mache das gerne. Ich sehe es als teil meines Jobs, der einfach dazugehört. Auch wenn ich merke, dass ich nicht mehr der Jüngste bin, denn nach so einem Wochenende brauch eich den Montag dann erst mal zur Regeneration vom Wochenende. Der Montag ist, wenn man es so will, mein Wochenende.

Und wie geht es dann weiter in der Woche?

In der Woche? Eigentlich ziemlich normal. Ich kümmere mich um Abrechnungen und auch alles andere was für drei Clubs so anfällt. Ich habe aber das Glück, dass ich bei der Programmplanung mit einer Agentur zusammenarbeite, die mir hier viel Arbeit abnimmt. Natürlich stehen wir im regen Austausch miteinander, aber wie gesagt, so wird mir viel Arbeit abgenommen und ich kann mich um andere Dinge kümmern, die so anfallen.

Drei Clubs im Märkischen Kreis. Einer davon in Iserlohn und zwei in Lüdenscheid. Das ist natürlich auch eine Hausmarke. Würdest du dich damit als maßgeblich für das Nachtleben in der Region ansehen?

Ganz ehrlich? Nein. Zum einen ist mir, ziemlich egal was andere von mir denken oder über mich sagen. Ich mache – zusammen mit meinem Team – mein Ding, probiere Sachen aus und das wars. Aber ich würde mich nicht als maßgeblich für die Region bezeichnen.

Und wie würdest du die Entwicklung des Nachtlebens im Kreis und besonders in Lüdenscheid beurteilen? Ich meine, du sitzt da ja quasi an der Quelle und hast auch einige Jahre Erfahrung mit der ganzen Sache.

Nun, ich denke es kann dem Nachtleben im Märkischen Kreis und besonders in Lüdenscheid nicht schaden, wenn die Leute mal wieder öfter vor die Tür gehen würden. Zum einen kommen natürlich weniger Leute in die Clubs weil sie keine Lust auf das Nichtraucherschutzgesetz haben. Aber zudem haben wir grade genau die geburtenschwachen Jahrgänge im „Ausgehalter“ und das merkt man. Denn es kommen einfach weniger Leute. Das ist aber nicht nur bei uns so. Was ich auch meine zu beobachten ist die Tatsache, dass der Club bzw. die Gastronomie an sich als Mittel um Menschen kennenzulernen immer mehr in den Hintergrund tritt. Heute läuft die Partnersuche oder das schließen von Bekanntschaften zum Großteil über die sozialen Netzwerke. Früher hat man die Liebe seines Lebens noch am Wochenende in der Disco getroffen. Heute läuft das über drei Klicks bei Facebook und ein paar Mails, bevor man sich dann zum ersten Mal trifft.

Wobei Lüdenscheid im Gegensatz zu anderen Städten im Kreis einen großen Vorteil hat. Lüdenscheid hat ein sehr breit gefächertes Angebot an Gastronomie. Das gilt für Restaurant, für Cafés und auch für Clubs. Hier findet eigentlich jedes Angebot sein Publikum. Wenn man versteht, es anzusprechen. Bestes Beispiel hierfür ist zum Beispiel das Johnny Mauser. Würden Philip und Fabian ihr Handwerk nicht verstehen wäre das Johnny Mauser nicht so erfolgreich. Grundsätzlich sollten Gastronomen nicht darauf verlassen, dass die Lage irgendwann schon besser wird. Sie sollten lieber selbst aktiv werden.

Hältst du die sozialen Medien also für schädlich für die Gastronomie?

Nein. Ich selbst bin zwar privat nicht so der Nutzer von sozialen Netzwerken, aber dennoch finde ich, dass diese Plattformen für uns als Club eine große Rolle in der Kommunikation mit unseren Gästen spielen. Denn wo, wenn nicht in den sozialen Netzwerken können wir unser Zielpublikum erreichen? Daher bewerben wir all unsere Veranstaltungen natürlich auch bei Facebook oder veranstalten auch mal besondere Aktionen exklusiv für unsere Facebook-Freunde. Ein Gastronom der Facebook und Co. Heute nicht für sich nutzt hat ganz klar was verpennt.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft in Lüdenscheid und Iserlohn?

Ja haben wir. Beispiel sind wir grade dabei den B6 und den Sprung zu renovieren. Einiges der Renovierung läuft allerdings hinter den Kulissen ab. In beiden Clubs haben wir die Technik komplett erneuert. Das sind so Sachen, die bekommen die Gäste im Regelfall nicht mit, weil alles in der Woche oder eben hinter den Kulissen abläuft. Aber wir machen schon einiges und haben auch noch einiges vor. Sichtbarste Veränderung im B6 ist bisher der neue Kassenbereich. Die Arbeiten an der neuen Technik sind soweit abgeschlossen. Im Herbst werden wir dann das Innere Erscheinungsbild des B6 komplett überholen. Das wird die wohl größte Veränderung für unsere Gäste sein. Denn der Laden bekommt einen komplett neuen Look.

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Ich bin 31 Jahre jung und gehöre zur viel besprochenen Generation Y. Seit 1999 nutze ich digitale Kommunikationswege und seit 2012 bin ich Online-Unternehmer und berate und betreue Unternehmen als Social Media Experte.

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