Ingo Starink und Klaus Sonnabend. Die beiden Vorsitzenden des Vereins KultStädte e.V. Foto: Kannenberg Design & Kommunikation

Lüdenscheid. KultStädte e.V. Wenn man Menschen in Lüdenscheid danach fragt, was KultStädte e.V. wohl sein könnte, antworten die meisten erst einmal sehr vage. Sind sie jung und musikbegeistert, wissen schon ein paar mehr etwas damit anzufangen. Und wenn man dann fragt, ob sie etwas über die „KultBühne“ wissen, hellen sich viele Gesichter auf. Das sind doch die auf dem Stadtfest? Die mit diesen ganzen jungen Leuten, die ihre eigene Musik machen?

Ja, genau. Die sind das. Die „KultBühne“ auf dem Stadtfest ist tatsächlich etwas, was weit über Lüdenscheid hinaus bekannt ist und dazu die Initiative eines besonders musikbegeisterten Vereins, der das ganze seit Jahren initiiert. Eben dieser KultStädte e.V., der sich vor fast neun Jahren hier in Lüdenscheid gegründet hat. Aus der Überlegung heraus, dass man eine geeignete Plattform braucht, um junge Leute auf nicht-kommerzielle Art und Weise musikalisch zu fördern.

Um mehr über die genauen Hintergünde zu erfahren hat sich „Unser Lünsche“ mit den beiden Vorsitzenden des Vereines, Klaus Sonnabend und Ingo Starink getroffen.

Aus welcher Intention heraus habt ihr diesen Verein gegründet? Um junge Menschen gezielt zu fördern?

Die KultBühne. Auch dieses Jahr wieder auf dem Stadtfest dabei. Foto: Mike Starink
Die KultBühne. Auch dieses Jahr wieder auf dem Stadtfest dabei.

Das kann man schon irgendwie so sagen. 2007 lag in Lüdenscheid die Förderung junger Leute, die eigene Musik machten, fast brach. Es gab buchstäblich nichts, keine Plattform, kein Forum, wo sie sich hätten treffen oder einfach mal spielen können.

Und wir hatten da schon über zehn Jahre unsere Musikschule und das Bedürfnis, unsern Kids eben Plätze zu bieten, die es ihnen möglich sein sollten, auf einfache Weise auch einmal öffentlich aufzutreten. Und ihnen dabei gleichzeitig einen geschützten Rahmen zu geben.

Da wir nicht auf etwas warten wollten, was so eh nicht im Anmarsch war, haben wir zur Eigeninitiative gegriffen und einen Verein gegründet, der es uns ermöglicht, ganz unkonventionell und ohne finanziellen Vorteil für irgendwen, junge Musiker innerhalb der Stadt da zu platzieren, wo ihnen auch entsprechend Wertschätzung entgegen gebracht wird.

Was genau bietet ihr als Verein da an?

On Stage, der jährliche Band-Contest im Kulturhaus, gemeinsam mit KultStädte e.V.
On Stage, der jährliche Band-Contest im Kulturhaus, gemeinsam mit KultStädte e.V.

Nun, der Verein bietet den jungen Leuten nicht nur ein Forum, um auftreten zu können und erste Erfahrungen vor Publikum zu sammeln, sondern zudem auch die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen.

Also, wenn irgendeiner der Kids einen Schlagzeuger für seine Band sucht, ruft er mittlerweile einfach bei uns an. Wenn er eine Möglichkeit des Supportes auf den unterschiedlichsten musikalischen Ebenen sucht, kann er sich ebenfalls melden. Also Hilfe beim Aufnehmen seiner eigener Kompositionen und auch Videos, wir schauen uns mal seine Texte an, hören uns die Musik im Gesamten an, geben Tipps, unterstützen bei geplanten Studioaufnahmen und Konzerten.

Banddays gemeinsam mit dem Jugendkulturbüro

Und bieten Banddays an, z.B. mit dem „Jugendkulturbüro“ zusammen. Da können die Kids sich für einem Workshop einfach anmelden und einen Tag lang mal reinschnuppern in das, was Musik zu bieten hat. Gemeinsam Texte schreiben, dazu die Musik selbst komponieren und das so entstandene Lied dann auch direkt aufnehmen. Sie haben so die Möglichkeit, herauszufinden, ob Musik überhaupt etwas für sie ist und wenn ja, ob sie sie dann nicht nur reproduzieren, also von anderen covern, sondern die auch selber machen möchten. Überhaupt arbeiten wir gerne mit anderen Institutionen zusammen. Mit dem Jugendkulturbüro, dem Stadtjugendring, aber auch mit der Städtischen Musikschule, mit der wir gemeinsam das eine oder andere Projekt generieren.

Ihr habt ja mittlerweile auch noch andere Angebote, die ihr jungen Musikern hier in der Stadt macht?

Der Breakfast-Club mit Melina Fuhrmann und Dominik.
Der Breakfast-Club im Stock, diesmal mit Melina Fuhrmann und Dominik.

Ja, wir gehen Kooperationen ein mit diversen Einrichtungen unserer Stadt. Mit dem Kulturhaus z.B., wo wir jedes Jahr einen Band-Contest veranstalten.

Wir haben eine Kooperation mit der „Bar Lønneberga“, in der Oberstadt, wo einmal im Monat eine „Open Stage“ statt findet, bei der immer eine Band ca. eine Stunde lang spielt und dann die Bühne frei macht für jeden, der Lust hat, einfach zu jammen und ganz generell mal mit anderen Musikern zusammen zu spielen.

Dazu bieten wir monatlich zusammen mit dem „STOCK“ den „Breakfast-Club“ an, auch eine Möglichkeit für Bands oder Singer/Songwriter, vor Publikum – im Rahmen eines immer gut besuchten Brunches – ganz unkompliziert aufzutreten. Zudem initiieren wir einmal im Jahr auf dem Lüdenscheider Stadtfest die „KultBühne“, auf der dann in zwei Tagen zwölf Bands mit ihrer eigenen Musik auftreten.

Aber da treten auch durchaus etablierte Bands mit älteren Musikern auf, wie „Jamis“ z.B., zu denen ihr ja auch gehört.

Klaus und Ingo kurz vor dem Auftritt im Museeum der Stadt für "Bunt ist Kult". Die beiden sind engagiert und verstehen sich. Meistens wortlos;-)
Klaus und Ingo kurz vor dem Auftritt im Museeum der Stadt für „Bunt ist Kult“. Die beiden sind engagiert und verstehen sich. Meistens wortlos;-)

„Jamis“ existiert aber eigentlich als Band gar nicht mehr. Wir tun uns als Band dann nur zusammen, um junge Musiker und ihre Musik zu supporten. So spielen wir auch hauptsächlich die Songs junger Singer/Songwriter, die wir dazu eigens mit in die Band einbinden. Dieses Jahr sind das z.B. Songs von Melina Fuhrmann, Christian Breddermann oder Koroma, die wir gemeinsam umsetzen. Diese Musiker sind natürlich persönlich dabei und treten mit uns auf.

Ihr macht ja alles in allem sehr viele unterschiedliche Aktionen in der Stadt. Über 40 Events. Das alles ehrenamtlich und schon echt lange. Habt ihr das Gefühl, dass sich dadurch etwas positiv verändert hat in der örtlichen Musikszene?

Die "Open Stage". Hier mit "Otherside", einer jungen Musikschulband.
Die „Open Stage“. Hier mit „Otherside“, einer jungen Musikschulband.

Nun, wir sind nicht so überheblich zu sagen, dass WIR etwas geändert haben. Aber es war ein Bedarf unter den jungen Musikern da, den es galt zu wecken und in die richtige Richtung zu schubsen. Unsere Intention ist es ja nicht, selbst im Mittelpunkt zu stehen. sondern dem kulturellen Leben hier in der Stadt die Möglichkeit zu geben, sich mehr zu entfalten. Denkanstöße zu geben, zu ermutigen und vielleicht auch mal die eine oder andere Tür zu öffnen.

Wir freuen uns darüber, dass daraus mittlerweile eine ganze Bewegung hier in der Stadt geworden ist. Dass viele Leute auf den Zug mit aufspringen, die Idee weiter entwickeln und ganz unabhängig von uns eine Musikszene erschaffen, die breit gefächert, vielfältig und lebendig ist. Die Kids brauchen uns ja auf die Dauer gar nicht. Die kümmern sich dann irgendwann ganz alleine darum, auftreten zu können oder sich zu vernetzen. Wir sehen uns als Helfer, als Leute, die das Boot anschieben. Fahren muss es dann von selber. Und das tut es im Moment gut. Die Musikszene in der Stadt kann sich wirklich sehen lassen. Und es entstehen immer neue Projekte und Foren.

Für uns ist es dann so, dass, wenn es in Bereichen richtig läuft, die wir eine Zeitlang gepuscht haben, wir uns nach neuen Projekten umschauen können oder ganz gezielt Dinge in den Fokus rücken, die bis dahin vielleicht einfach so mitgelaufen sind. Weil z.B. die Zeit nicht da war, um sich entsprechend vertiefend darum zu kümmern.

Ihr holt aber auch von außerhalb Künstler in die Stadt. Und nicht immer nur ganz junge, sondern auch z.B. die WDR-Bigband.

Die WDR-Bigband im Kulturhaus. Eine Gemeinschaftsinitiative von Kulturhasu und KultStädte e.V.
Die WDR-Bigband im Kulturhaus. Eine Gemeinschaftsinitiative von Kulturhaus und KultStädte e.V.

Ja, das tun wir. Nicht nur, weil KultStädte eben mittlerweile auch weit über die Lüdenscheider Stadtgrenze bekannt ist, sondern zudem, um neue Impulse in die Stadt zu holen. Um zu zeigen, dass Musik lebendige Kultur ist und zum Menschsein und einer lebendigen Stadt einfach dazu gehört. Einen wirklich wichtigen Part einnimmt. Dazu sollte Musik auch immer inspirieren und inspiriert werden.

Ein wirklich guter Weg dahin ist es, Musikern und Zuschauern immer wieder auch ein „AHA“-Erlebnis zu liefern, sie herauszufordern, Neues einzubringen oder auch hier einfach nur eine Plattform zu schaffen, auf der man sich austauschen kann.

Von Hip-Hop bis zum Jazz

Und Musik wird ja nicht nur von jungen Leuten gemacht, sondern jede Altersgruppe ist daran beteiligt und hat Spaß daran. Gerade die Begegnung von alt und jung, etabliert und avantgardistisch macht die Spannung aus und führt ja dazu, dass das ganze nicht an Lebendigkeit verliert und zudem fruchtbar ist. Dazu gehören auch die verschiedenen Musikstile, die bei uns vom Hip-Hop bis zum Jazz reichen. Vielfalt macht das ganze einfach rund.

Ihr habt ja auch oft Migranten unter euren Musikern. Habt ihr diese besonders auf dem Herzen?

Bunt ist Kult. Eine Initiative des Landes, bei der sich KultStädte ebenfalls einbrachte.
Bunt ist Kult. Eine Initiative des Landes, bei der sich KultStädte ebenfalls einbrachte.

Sagen wir mal so: Wir machen da eigentlich überhaupt keinen Unterschied. Für uns sind das alles einfach Menschen. Ob wir jemanden dabei haben, der aus Sierra Leone kommt, aus der Türkei, Afrika oder Syrien, wir sehen hier erst einmal den Musiker. Und der ist willkommen. Wir freuen uns genauso über einen iranischen Drummer wie über einen deutschen. Musik ist weltumfassend und verbindet.

Musik spricht eine eigene globale Sprache

Menschen, die Musik machen, greifen selten zu Waffen, um ihre Konflikte zu bereinigen. Musik ist doch etwas, das uns alle mit dem Herzen verbindet und eine eigene globale Sprache spricht.

Flüchtlinge aus der Flüchtlingsunterkunft sind uns daher genauso willkommen, wie jeder andere Bürger dieser Stadt. Wir können da einfach keinen Unterschied erkennen. Wir sehen nur darauf, ob die Person Musik genauso liebt wie wir oder eben nicht. Die Nationalität oder Hautfarbe spielt da keinerlei Rolle. Und selbstverständlich stehen auch auf diesem Stadtfest viele Menschen anderer Nationen mit uns auf der Bühne. Wir feiern hier ja ein Fest der Musik. Gemeinsam.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Wer KultStädte e.V. live und in Action erleben möchte, sollte die diesjährige „KultBühne“ mit ihren zwölf Bands am 12. und 13.9. auf dem Stadtfest nicht verpassen. Wer Lust hat, bei KultStädte mitzuhelfen, sich über die Arbeit des Vereins informieren möchte oder beim „Breakfast-Club“ oder der „Open Stage“ dabei sein möchte, kann Klaus oder Ingo gern über die KultStädte-Seite auf Facebook oder über die Webseite des Vereins (www.kultstaedte.de) kontaktieren.

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