Es könnte auch das Cockpit eines Flugzeugs oder Raumschiff sein, ist aber der Arbeitsplatz von Ingo Starink in der "Music Store" Musikschule an der Lösenbacher Landstraße. Foto: Kanneberg

Die „Music Store“ Musikschule in Lüdenscheid. Gibt es seit 21 Jahren und sie hat mittlerweile schon mindestens zwei Generationen von Musikern aus den Bereichen Rock/Pop/ Jazz/Funk/Elektronische Musik ausgebildet. Grund genug für „unserLünsche“ mal genauer nachzufragen, wie es denn so zugeht in dieser „Talentschmiede“ an der Lösenbacher Landstraße.

Ich treffe mich daher mit Ingo Starink, dem Gründer, Leiter und Lehrer der Music Store Musikschule zu einem Interview. Mein erster Eindruck von der Location: Sehr cool. Mein zweiter Eindruck: sehr, sehr cool! Man betritt die Jugendstilvilla, in der die Schule hausiert und steht in einem technikgeladenen Vorraum. Riesiger Flat Screen an der Wand auf dem eigenproduzierte Videos von Musikschulbands laufen, spannend illuminiert, moderne Kaffeemaschine, kleiner Kühlschrank mit Getränken und auch sonst alles da, um einfach mal eine Runde zu entspannen, bevor sich eine der Türen öffnet und es in den ersten Übungsraum geht.

Übungsraum?! Ok! Da hab ich von früher her noch andere Assoziationen. Als ich ein Kind war, stand da in MEINER Musikschule ein altes Klavier, lagen Papiernoten herum und der Lehrer, der mich empfing, war gefühlte 100 Jahre alt. Hier ist es anders. Ingo Starink sitzt konzentriert vor einer gigantischen Studioanlage, mit Mischpulten, E-Pianos, Synthesizern und jeder Menge Mikros. Eine große Kamera  liegt lässig auf einer noch größeren Box, überall blinkt es und Musik kommt aus Ecken, aus denen man es nicht vermutet. Ich bin beeindruckt.

Ingo selbst entpuppt sich als moderner, netter Typ, mit einem offenen Blick und einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Es gibt einen Kaffee von draußen und eines seiner selbst komponierten Stücke zur Einstimmung.

Hallo Ingo, stell Dich bitte mal unseren Lesern kurz vor!

Ingo Starink: Mein Name ist Ingo Starink, geboren Mai 1973 in Lüdenscheid – also bester Jahrgang (lacht). Ich bin seit 1993 Inhaber der Music Store Musikschule Lüdenscheid und habe sie damals in einem wirklich kläglichen Zustand übernommen.

Moment mal, 1993, Du bist 1973 geboren, da warst Du aber noch in einem Alter, in dem andere Leute nichts anderes als die nächste Party im Kopf haben.

Ingo Starink: Genau genommen war ich erst 19 Jahre alt und Du kannst Dir ungefähr vorstellen, wie meine Eltern reagiert haben, als ich denen offerierte, dass ich mich jetzt als Musikschullehrer selbstständig mache?! Sie waren alles andere als begeistert. Ich kam damals frisch von der Schule und hatte gerade mal ein Semester Informatik studiert. Parallel dazu hatte ich in einer Filiale der Hagener Music Store Musikschule, die sie hier in Lüdenscheid eröffneten, als Keyboard Lehrer angefangen. Nach einem Jahr war ich dort dann der einzige Lehrer. Die Hagener boten mir daraufhin an, die Schule zu übernehmen, da sie sich aus Lüdenscheid wieder zurückziehen wollten.

Für mich war das ein Wink des Schicksals. Der Aufwand, mein Studium und die Musikschule gleichzeitig zu betreiben, war sehr hoch, parallel dazu meldeten sich immer mehr Schüler an, ich musste mich also entscheiden. Ich hab dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und bin quasi übergangslos „Jungunternehmer“ geworden sprich Leiter, Besitzer und einziger Lehrer einer Musikschule in einer Person.

Wie sah das denn zu Anfang aus? Warst Du da schon hier in der Lösenbach?

Ingo Starink: Nein, natürlich nicht. Angefangen habe ich in einem einzigen Raum in der Winkhauser Straße. Ich habe Werbeflyer drucken lassen und bin nach Unterrichtsende losgezogen, um dann noch selbst die Flyer in jeden Briefkasten zu schmeißen. Einfach war das nicht. Zudem hatte ich ziemlich schnell Probleme mit den Nachbarn. Die waren zwar alle echt nett, aber so richtig gut fanden die das nicht, einen Keyboardlehrer im Haus zu haben. Ich bin dann umgezogen und hatte dann auch tatsächlich schon zwei Räume zur Verfügung.

Warst Du die ganze Zeit alleine oder hattest Du Hilfe?

Ingo Starink: Innerhalb von zwei Jahren kam bereits ein Gitarrenlehrer hinzu. Zudem hatte ich von Teenagerzeiten an immer in vielen verschiedenen Bands gespielt, sodass es sich relativ schnell unter den Musikern herumsprach, dass ich nun auch noch eine eigene Musikschule hatte. Durch entsprechende Mund-zu-Mund Propaganda hatte ich kontinuierlich immer mehr Zulauf. Ich hatte zudem bereits in den 90ern, als noch niemand daran gedacht hat, unsere Webseiten–Domain www.Musikschule-Luedenscheid.de schützen lassen und war daher als eine der ersten Schulen überhaupt im Web präsent. Mich haben die neuen Medien und die Möglichkeiten, die sich da auftaten von Anfang an begeistert.

DSC_0446Man braucht sich ja nur bei euch umschauen, dann sieht man nur das modernste Equipment! Bei manchem hier habe ich nicht den Hauch von Ahnung, wozu man das brauchen könnte… (Ingo zeigt mir daraufhin begeistert ein Gerät (Foto rechts), das aussieht, wie die Steuerungskonsole aus dem Raumschiff Enterprise und auch genau solche Töne und Blinkzeichen von sich gibt.)

Ingo Starink: (Total begeistert:) Ja, schau mal das Teil hier! Damit kann man Klavier spielen, wenn man`s denn kann!

(Für mich sieht ein Klavier nachhaltig anders aus, aber als er ein paar bunte Knöpfe drückt, blinkt das Teil nicht nur, sondern gibt tatsächlich eine Klaviermelodie von sich. Ich bin verblüfft.)

Sag mal Ingo, steht so etwas auch euren Schülern zur Verfügung?

Ingo Starink: Ja natürlich, wir waren von Anfang an eine Musikschule, die innovativ und zukunftsweisend gearbeitet hat. 1993 haben wir noch Nischen bedient, aber heute sind wir damit mitten im Mainstream gelandet. Also, Geige, Oboe oder klassischen Gesang, suchst Du hier vergeblich. Unsere Richtungen sind Pop, Rock, Jazz und Funk, das ganze modern arrangiert. Wir holen die Kids da ab, wo sie gerade stehen: In einer voll digitalisierten Welt. Gleichzeitig bringen wir ihnen bei, wie man ein Instrument wirklich beherrscht. Das kann das Klavier sein, die Gitarre oder auch die eigene Stimme. Wir gründen mit den Kids dann nach einer Zeit auch Bands und die Bands können hier in unserem Studio direkt aufnehmen, Demos erstellen und so weiter, das heißt ausprobieren, wie sich das anfühlt, mit Mikrofon zu singen, eine CD aufzunehmen, selbst vielleicht ein Lied zu komponieren und zu arrangieren. Wenn sie älter sind und erfolgreich als Musiker, kommen sie dann oft mit ihren Bands hierhin zu uns zurück und lassen ihre Alben von uns produzieren.

Wir versuchen das alles natürlich auch bereits in den Unterricht einzubauen. Dazu gehört auch das selbstverständliche Arbeiten mit Playbacks und YouTube Videos und das nahtlose Weiterüben können, durch Verschicken von MP3`s an die Schüler. Die Kids treffen bei uns auf eine perfekt auf sie abgestimmte Peripherie, die sie fördert. Ein ganzheitliches Konzept von A bis Z. Dazu gehören auch zusätzliche Angebote, wie unser Bandcamp, bei dem die Lehrer ein Wochenende im Jahr zusammen mit den Jugendlichen wegfahren und zwei Tage lang von morgens bis abends nur Musik gemacht wird.

Die Schule machst Du heutzutage aber sicher nicht mehr nur alleine oder zu zweit?

DSC_0018Ingo Starink: Nein, so ein Angebot kann man nur bieten, wenn man über mehrere gute und zugleich engagierte Lehrer mit fundierter Ausbildung verfügt. Diese müssen auch vom Typ her hier reinpassen, locker sein und dabei freundlich und kompetent. Wir sind hier mittlerweile 8 Lehrer aus allen Sparten der Rock, Pop und Jazz Musik. Wir sind Freunde und ein wirklich gutes Team. Klaus Sonnabend zum Beispiel ist seit über 16 Jahren Lehrer an unserer Schule.

Wie lange seid ihr denn nun schon hier in diesem Haus?

Ingo Starink: 2000 sind wir hierher gezogen. Wir, das waren damals Michael Wirth, Schlagzeuger und Leiter der Flüchtlingsberatungsstelle des Diakonischen Werkes, mein Bruder Mike, ein Lüdenscheider Fotograf und ich. Parallel dazu gründeten wir gemeinsam die Firma Jamis Records. Diese Firma produziert Videos. Auch dafür ist das Studio hier eingerichtet, so gibt es z.B. Schnittplätze für Ton UND Bild. Und auch dieser Service steht unseren Schülern natürlich zur Verfügung. Also man kann nach Unterricht und eigener CD auch gleich sein eigenes Musikvideo produzieren lassen.

Bei mir war es ziemlich schnell so, dass mein Wohnbereich hier im Haus immer mehr zum Studio und Übungsraum mutierte. Gewohnt habe ich recht schnell nur noch im Bad und im Schlafzimmer. Als ich Ulrike (Ingos Lebensgefährtin) mit ihren zwei Töchtern kennenlernte, war es an der Zeit, sich etwas Größeres zu suchen. Seitdem leben wir als Familie in Lüdenscheid-Brügge.

Wir haben bisher immer von euren jungen Schülern gesprochen. Gibt es auch Erwachsene hier, die ein Instrument lernen?

Ingo Starink: Ja, aber ganz sicher! Circa ein Drittel unserer Schüler sind Erwachsene. Hier kommt uns zugute, dass wir sehr flexible Unterrichtszeiten. Unsere Unterrichtseinheiten gehen von 8 bis 22 Uhr. Bei vielen Erwachsenen, bei denen zum Beispiel durch den Job bedingt der wöchentliche Unterricht gar nicht möglich ist, reagieren wir quasi auf Zuruf. Sie sagen uns Bescheid, wann sie zum Unterricht kommen können und wir machen es dann möglich. Wer gerade im Ausland arbeitet oder krank ist oder einfach sonst wie nicht kommen kann hat auch die Möglichkeit, per Videokonferenz in Echtzeit mit einem Lehrer seinen Unterricht abzuhalten. Wir sind auch hier für alle Möglichkeiten, die uns die Technik heute bietet, offen.

Würdest Du sagen, dass Deine Musikschule noch ausbaufähig ist?

Ingo Starink: Auf jeden Fall. Die Schule boomt. Was ich unter anderem auch auf ein gesundes Wachstum mit einem ordentlichen Fundament zurückführe und der Tatsache, dass wir als private, staatlich anerkannte Musikschule eben von Anfang an den Schwerpunkt auf moderne Musik gelegt haben.

10704337_727711850643010_767466460620846834_oDu engagierst Dich ja auch zusammen mit Klaus Sonnabend ganz stark in der Kultur- und Jugendförderung. Ihr veranstaltet Bandcontests, schafft jungen Künstlern eine Möglichkeit, erste Erfahrung zu sammeln. So haben Du und Klaus gemeinsam einen Verein gegründet, Kultstädte e.V., über den ihr ganz gezielt als Kulturschaffende in die Stadt hineinarbeitet. Kannst Du mir zu dem Verein und seinem Hintergrund kurz etwas erzählen?

Ingo Starink: Wir haben KultStädte e.V. gegründet, um jungen Musikern eine eigene Plattform zu geben, sie einem breiteren Publikum bekannt zu machen, Talent- und Nachwuchs-förderung zu betreiben oder einfach mal einen Bandcontest zu starten. Durch den Verein haben wir zudem die Möglichkeit mit unsern Schülern auch im Kulturhaus aufzutreten oder solche speziellen Events zu lancieren wie das Open Stage im Lönneberga oder den Breakfastclub im Stock.

Wo genau geht’s hin mit der Schule? Gibt es eine Sicht für die Zukunft, Bereiche, die Du mehr ausbauen möchtest?

Ingo Starink: Ich plane im Moment Kurse für DJ`s und spezielle Musikproduktionen für E-Musiker! Zudem arbeiten wir an Gratis Lessons auf der Website, sogenannten „Beginners Guides“. Wie eine digitale Probestunde, die wir aber natürlich auch weiterhin ganz real anbieten.

Wo geht es hin mit dem Musiker Ingo Starink?

Ingo Starink: Ich möchte 2015 meine eigenen Musikproduktionen mehr puschen. Ich denke da an Werbe- und Filmmusik. Sogenannte Gema-freie Musik für Filme, Motion Grafics und 3D Animationen. Zudem plane ich mit einigen Lehrern, darunter Klaus, Tlakko und Steven ein neues Musikprojekt, in dem die Show genauso im Vordergrund stehen wird wie die Musik selbst. Lasst euch überraschen! Es bleibt spannend, auch 2015!

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