Christina Appelt – Porträt einer Lüdenscheider Künstlerin, deren Arbeit nicht nur vielschichtig und kreativ ist, sondern auch vielfach Beachtung findet. Foto: Kannenberg

Lüdenscheid. Christina Appelt ist sicher eine der begabtesten Künstlerinnen, die wir zur Zeit in Lüdenscheid haben, eine Frau, die nicht nur sehr intelligent und sympathisch rüber kommt, sondern auch ein Multitalent ist. Christina Appelt, Jahrgang 1973, ist verheiratet und hat zwei Kinder und macht gerade wieder von sich reden mit dem Projekt „KUNSTKIOSK“ am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg in Plettenberg.

Christina schreibt, sie hat 3 Instrumente gelernt, fotografiert, dreht Filme hauptsächlich im Trickfilmbereich und arbeitet zudem als Bildende Künstlerin. Sie kreiert z.B. mit ihren Dioramen ganz besondere 3D-Miniaturwelten, die mich faszinieren und meine Fantasie wie bei Alice im Wunderland quasi hinter dem Kaninchen her in neue Welten hüpfen lässt.

Ich treffe mich mit ihr in einem Lüdenscheider Café. Ein paar Tage vorher habe ich einen Artikel über ihr Projekt „Kunstkiosk“ am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg für „unserLünsche“ geschrieben und sie in Aktion mit ihren Schülern erlebt. Das hat mich sofort neugierig darauf gemacht, mehr von ihr zu erfahren. Jetzt sitzen wir beide uns gegenüber, sie ist sehr hübsch mit ihren blonden Locken und den neugierigen blauen Augen und ich finde sie einfach zusehends sympathisch.

Christina, schön, dass Du kommen konntest. Erzähl mir bitte mal ein wenig von Deinem persönlichen Werdegang.

Ich habe ein Studium als Kunstpädagogin an der privaten Akademie Remscheid in Kooperation mit der Caspar-David-Friedrich Universität Greifswald abgeschlossen. Zudem bin ich Erzieherin. Daher arbeite ich als freie Künstlerin, aber auch festangestellt beim Johannes-Busch Haus als Erzieherin für Menschen mit Behinderung in der Tagespflege und projektbezogen für ein Jahr am Gertrud-Bäumer-Berufskolleg in Plettenberg.

In meinen Augen bist Du als erstes Künstlerin. Siehst Du das auch so?

Ich verstehe mich schon als Künstlerin. Es begann eigentlich damit, dass ich als Kind bereits anfing, Gedichte zu schreiben. Lesen ist meine Passion. Von klein auf habe ich immer gelesen und alles verschlungen, was ich an guter Literatur bekommen konnte. Später gehörten da solche Autoren zu, wie Rilke, Pablo Neruda, aber auch Tolkien, überhaupt Fantasy-Literatur. Das hat mich inspiriert und letztendlich auch in mir den Wunsch geweckt, mich bildlich auszudrücken. Man kann sagen, dass das Schreiben mein persönlicher Einstieg in die Kunst war. Dazu kam das Gitarre spielen und das Interesse an der Fotografie. Mein Vater hatte eine eigene Dunkelkammer und ich habe viele Stunden mit ihm dort verbracht, habe selbstfotografierte Fotos entwickelt, abgezogen und auch damit herumexperimentiert.

Welches Deiner vielen Talente übst Du am liebsten aus?

Da kann ich mich gar nicht festlegen. Ich lasse mich da inspirieren. Es kommt sehr stark auf meine persönliche Lebenssituation an. Was mich gerade beschäftigt, was mich gerade berührt. Zur Zeit fotografiere ich sehr gern mit dem I-Phone, ganz spontan und bearbeite die Bilder mit den I-Phone Filtern nach. Das gibt eine besondere Stimmung auf den Bildern und ganz besondere Effekte, die man mit einer normalen Kamera nicht so ohne weiteres hinbekommt.

Das I-Phone-Fotografieren ist ja mittlerweile eine richtige, anerkannte Kunstform, die international Beachtung findet. Oft kombiniert mit Videoinstallationen oder Zeichentrickfilmen. Durch Deine eigenen Trickfilmprojekte, hast Du ja auch sehr viel Aufmerksamkeit erzeugt.

Ja, das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg in Lüdenscheid hat mich z.B. für ein Trickfilmprojekt angefragt, das sehr erfolgreich war. Aus dieser Arbeit mit den Jugendlichen dort, sind wieder verschiedene andere Projekte entstanden. Ich gehöre zum „Künstlerpool des Landesprogrammes Kultur und Schule NRW“. Dieses Trickfilmprojekt war eines von fünf Projekten, die ich mittlerweile mit Unterstützung dieses Programmes durchgeführt habe. (für mehr Infos für interessierte Künstler: www.kulturundschule.de)

Stellst Du auch selbst aus?

Ich stelle gern eigene Werke aus. Ich bin ein großer Fan von Konzeptkunst und bin immer sehr neugierig, was diese Art der Kunst bei den Menschen auslöst. Zudem arbeite ich mit dem Jugendkulturbüro zusammen und setze einen meiner Schwerpunkt gern auf die Arbeit mit jungen Leuten. So habe ich einige Projekte durchgeführt, bei denen junge Menschen künstlerisch tätig wurden und deren Ergebnisse dann im Museum der Stadt Lüdenscheid ausgestellt wurden. Dazu gehört z.B. das Projekt „Heimat ist mehr als ein Ort“, als Teil der Ausstellung „Wir hier“. Zusammen mit drei Lüdenscheider Grundschulen sind Collagen entstanden, die dann ausgestellt wurden. Dabei habe ich eng mit Peter Sippel, einem bekannten Lüdenscheider Künstler, zusammengearbeitet.

Was würdest Du als eine Deiner besonders positiven Eigenschaften bezeichnen?

Ich kann gut loslassen. Ich bin flexibel und nicht auf einen bestimmten Punkt meines Lebens fixiert. Ich bin zwar Sammlerin von Dingen, die ich dann in meine Kunstwerke einarbeiten kann, aber ich kann mich auch gut von meinen Arbeiten trennen und zusehen, wie sie beginnen ihr eigenes Leben mit anderen Menschen zu führen.

Was macht Dir besonderen Spaß?

Ich mag Videoinstallationen und Aktionskunst wie das Wohnzimmerprojekt, bei dem ich zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher den Schriftzug „Wohnzimmer“ ausgesägt haben.
Dann haben wir ihn rot angemalt und sind damit an belebte Orte gegangen, um das im Kontext zu fotografieren. Das war ein Workshop im Rahmen des Jugendkulturbüro. Ein Jahr lang haben wir uns gefragt „Wo ist unser Wohnzimmer?“ Das waren für die Jugendlichen so erstaunliche Plätze, wie die Skaterhalle, der Bus oder der Park – Orte, die wir dann durch den Schriftzug „Wohnzimmer“ getaggt haben. Für dieses Projekt wurden wir sogar für den Jugenkulturpreis des Landes NRW nominiert und eingeladen. Wir haben zwar letztendlich nicht gewonnen, aber wir waren dabei. Und das alleine zählt!

Du bist sehr erfolgreich mit Deinen Aktionen hier in der Stadt. Alles aufzuzählen, was Du machst oder gemacht hast, würde diesen Rahmen hier um ein Vielfaches sprengen. Hast Du eine zentrale Botschaft in Deiner Kunst, etwas, was Du den Menschen gern mitteilen möchtest?!

Ich möchte einfach einen Keil reintreiben ins normale Leben. Das scheinbar „Normale“ aufreißen, einen Cut in die soziale Wirklichkeit machen und neu Leidenschaft entfachen für das Leben. Den Menschen eine neue Sicht der Dinge nahe und sie zum Nachdenken bringen.

Aber Du gestaltest auch ganz andere Sachen. So hast Du z.B. das Cover der Band Sonnabend entworfen, das nur eines von vielen Covern ist, die Du schon für Musiker kreiert hast.

Cover_Seite 01Ich bin ein großer Fan der sogenannten Urban Art. Dem Tapen (Tapen = Bekleben von Fotos oder Gemälden mit Klebestreifen zu künstlerischen Zwecken, Anm. der Redaktion) oder Übermalen von Fotos. Die Band Sonnabend kam da auf mich zu für ihre neue CD. Sie suchten nach einer guten Idee, bei der auf dem Cover nicht einfach nur alle Musiker real abgebildet werden sollten, sondern die Musiker verfremdet in eine Welt gestellt werden, die selbst zunehmend entfremdet und Nähe nur noch sehr begrenzt zulässt.

Cover_Seite 03Cover_Seite 02So kam ich auf die Idee mit dem Globus, als Synonym für die Welt, den erst einmal zu tapen und dann ebenso die Gesichter der Musiker. Die Fotos hat der Lüdenscheider Fotograf Steffen Schulte-Lippern gemacht und sie waren an sich schon besonders. Durch die Arbeit mit den Klebestreifen, werden die Gesichter jedoch zu etwas, das man nur noch erahnen, aber nicht wirklich sehen kann. Wie Masken oder Verbände, die man runterreißen möchte. Das weckt Neugierde, Aufmerksamkeit, stellt auch hier wieder gewohntes Sehen in Frage, führt zu einer neuen Erlebniswelt und gesteigerter Aufmerksamkeit.

Das ist wirklich ein Werk, das Aufmerksamkeit erregt, die Musik auf der CD unterstützt und nicht gegen, sondern mit ihr arbeitet. Gelungen, wie ich finde. Christina, was hast Du Dir fürs kommende Jahr vorgenommen?

Ich bin einfach gerade sehr zufrieden, wie es in meinem Leben läuft. Das „KUNSTKIOSK“-Projekt geht ja noch bis Mitte des Jahres 2015 und ich habe auch sonst einige künstlerische Angebote und Ideen im Kopf, die mich wirklich interessieren und deren Realisation viel Spaß machen wird. Ich schaue sehr gelassen nach vorne und freue mich auf das kommende Jahr mit seinen neuen und spannenden Herausforderungen.

Wer mehr von Christina wissen will , kann sich umfassend auf ihrer Webseite über ihr Werk informieren. Hier gibt es auch Beispiel für ihre Trickfilme und Texte, die sie verfasst. www.christina-appelt.de

 Arbeiten von Christina

 

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