Kinder bei der Astma-Shulung, der Tunnel symbolisiert die Bronchien. Foto: Andrea Kleff

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Jedes Jahr Anfang Mai wird der Welt-Asthma-Tag begangen. Die Global Initiative for Asthma (GINA) hat diesen Tag ausgerufen, um die breite Öffentlichkeit gezielt über die Risikofaktoren und die Warnsignale für Asthma zu informieren. Die Mitarbeiterinnen aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Märkischen Kliniken haben ein Interview mit Dr. Holger Frenzke, Oberarzt und Kinderpneumologe der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Lüdenscheid geführt.

Einer seiner Schwerpunkte ist die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die unter Asthma leiden. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern – rund zehn Prozent aller Kinder deutschlandweit sind betroffen.

Herr Dr. Frenzke, wie definieren Sie die Erkrankung und welche Symptome zeigen sich vor allem bei Kindern?

Dr. Frenzke: Asthma ist eine genetisch bedingte Veranlagung zur Überempfindlichkeit in den Bronchien. Häufig leiden auch die Eltern betroffener Kinder darunter. Die Überempfindlichkeit führt durch Auftreten entsprechende Auslöser wie Infekte oder Allergien zu einer chronischen Entzündung der Bronchien, die wiederum anfallsweise Verengungen der unteren Atemwege auslösen kann, was man dann als Asthmaanfall bezeichnet. Symptome sind Kurzatmigkeit oder plötzliche Atemnot, pfeifende Geräusche beim Ausatmen oder anhaltender Husten.

Dr. Holger Frenzke ist Oberarzt und Kinderpneumologe der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Lüdenscheid. Foto: Andrea Kleff

Müssen Eltern bei diesen Symptomen dann damit rechnen, dass ihr Kind unter Asthma leidet?

Nein, nicht unbedingt. Fast alle Kinder machen in ihren ersten Lebensjahren eine so genannte obstruktive Bronchitis – eine entzündliche Verengung der Atemwege durch. Eltern fragen dann oft besorgt den Kinderarzt, ob dies womöglich ein Vorbote für Asthma ist. Das muss aber nicht sein. Bei Kindern in den ersten Lebensjahren liegt oft ein ähnliches Krankheitsbild vor, die so genannten spastischen Bronchitiden. Die Atemwege kleinerer Kinder sind noch nicht ausgereift und deshalb besonders anfällig. Bei einer Entzündung verstopft der Schleim die Atemwege schneller, diese zusätzliche Verengung macht den Kleinen besonders zu schaffen.

Wenn es bereits eine Allergieanfälligkeit in der Familie gibt, ist das Risiko allerdings erhöht, an Asthma zu erkranken. Viele Kinder reagieren auf Auslöser wie Hausstaubmilben, Allergene von Tieren sowie Pollen. Körperliche Anstrengung und Infektionen mit Viren und Bakterien verschlechtern die Symptome außerdem. Für Eltern wichtig zu wissen: Kinder können auch andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen haben. Sind die Kleinen aber häufig an Bronchitis erkrankt, sollte der Kinderarzt das konkret abklären.

Wie wird Asthma bei Kindern in der Klinik für Kinder und Jugendliche diagnostiziert?

Uns stehen umfangreiche Möglichkeiten für die Diagnostik zur Verfügung: Allergiediagnostik, Röntgen der Lunge oder Lungenfunktionsprüfungen. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit unserer Klinik für Pneumologie in unserem Haus können wir dabei auch auf ein sehr gut ausgestattetes Lungenfunktionslabor zurückgreifen. So können bei uns z.B. Ganzkörper-Bodyplethysmographien, Lungenfunktionsprüfungen mit Laufbandbelastung und andere Provokations-Untersuchungen durchgeführt werden.

Ist Asthma heilbar und wie wird es behandelt?

Die schlechte Nachricht zuerst: Asthma ist nicht heilbar. Die gute Nachricht: Die Krankheit lässt sich sehr gut behandeln und zwar meistens so gut, dass die betroffenen Kinder später ein ganz normales Leben ohne Einschränkungen führen können. Behandelt wird mit einer medikamentösen Therapie, beispielsweise entzündungshemmenden Medikamenten und Sprays, die die Bronchien erweitern. Je nach Schweregrad des Asthmas gibt es unterschiedliche Therapiestufen.

Was können Eltern noch tun?

Asthma bei Kindern erfordert kindgerechte Erklärungen. Die Kleinen müssen lernen, Experte in eigener Sache zu werden. Hierfür bietet unsere Klinik ambulante Asthmaschulungen für Kinder, Jugendliche und deren Eltern an. Wir nennen diese humorvoll Luftiku(r)s. Die Schulung soll Kindern und ihren Eltern helfen, die Krankheit besser zu verstehen, eine bessere Selbstwahrnehmung der Asthmabeschwerden zu entwickeln und sicherer im Umgang mit Medikamenteneinnahme, Alltagsbelastungen und Notfallsituationen zu werden. Unser Schulungsteam besteht aus Kinderkrankenschwestern, Physiotherapeuten, Psychologen und einem Kinderarzt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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