Dr. Melinda Crane sprach über die Polarisierung des US-Präsidentschaftswahlkampfes. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Dr. Melinda Crane ist eine vorsichtige aber vor allem gut informierte Frau. Dennoch wagte die die in Deutschland lebende Geschichtswissenschaftlerin und Publizistin beim Sparkassenforum „novum“ eine Prognose. Sie geht davon aus, dass Hillary Clinton die nächste US-Präsidentin sein wird. „Sicher ist das aber nicht“, warnte sie vor rund 180 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern. „Viele Stammwähler der Demokraten trauen ihr nicht und gehen möglicherweise deshalb nicht zur Wahl.“

„Das hat niemand vorausgesehen“

Wie konnte es zu der derartigen Polarisierung zwischen den beiden Kandidaten Trump und Clinton kommen? „Das hat niemand vorausgesehen.“ Die Schuldfrage sei nicht eindeutig zu klären. Den Medien gibt sie zumindest eine Mitschuld. „Sie haben über Trumps Kandidatur wie über ein Unterhaltungs-Event berichtet.“ Das habe sich erst in den vergangenen Wochen gelegt.

Frust der Mittelschicht

Zudem spreche der republikanische Präsidentschaftskandidat gezielt die weiße Mittelschicht an, eine große Gruppe, für die „der amerikanische Traum“ schon lange vorbei sei. In der Einkommensentwicklung abgehängt, verwandele sich ihr Frust in Wut. Das Vertrauen in die Politik sei verlorengegangen. Da spiele es kaum noch eine Rolle, dass Trump nachweislich lüge. 71 Prozent seiner Aussagen seien nachweislich falsch. Aber auch Clinton arbeite mit falschen Aussagen.

Verbrechen gegen die Geografie

Sparkassendirektor Markus Hacke kündigte Dr. Melinda Crane als kompetente Gesprächs¬partnerin auf dem weltpolitischen Sektor. Foto: Wolfgang Teipel
Sparkassendirektor Markus Hacke kündigte Dr. Melinda Crane als kompetente Gesprächs¬partnerin auf dem weltpolitischen Sektor. Foto: Wolfgang Teipel

Dr. Melinda Crane schmerzt es, wenn sie den Präsidentschaftswahlkampf beobachtet. „So eine hässliche und gefährliche Rhetorik habe ich noch nie erlebt.“ Die Verschiebung von Wahlkreisgrenzen zugunsten der Republikaner: „Ein Verbrechen gegen die Geografie“, analysiert Dr. Melinda Crane. Wähler der Demokraten in den Südstaaten seien regelrecht isoliert worden, demonstrierte die Referentin anhand einiger Grafiken. „Das erlaubt den Republikanern extreme Positionen.“ Dazu komme der Hang zur Selbstbestätigung. „Die Frustrierten nehmen keine zweite Meinung mehr zur Kenntnis.“ Im Gegenteil: Auf der Suche nach Zustimmung ihrer eigenen Auffassung würden sie in zahllosen Internetportalen fündig.

Zur Person: Die gebürtige Amerikanerin studierte Geschichte an der Brown University in Providence/Rhode Island, USA. Im Anschluss ging sie an die Harvard Law School und promo­vierte in Politischer Ökonomie über Entwicklungshilfe an der renommierten Fletcher School of Law and Diplomacy. Während dieser Zeit war sie als Entwicklungshelferin häufig in Afrika, vor allem in Ghana und Burkina Faso.

Talksendung „Global Players“

Melinda Crane produzierte für US-amerikanische und deutsche Fernsehsender Dokumentationen und Reportagen zu politischen Themen. Als kompetente Gesprächs­partnerin auf dem weltpolitischen Sektor und als Kommen­tatorin der US-Politik ist sie immer wieder Gast in TV- und Hörfunksendern. Darüber hinaus schrieb sie Beiträge für Zeitungen wie „The Boston Globe“ und „The New York Times Magazine“ und produzierte zusammen mit der deutschen Talkmasterin Sabine Christiansen die Talk-Sendung „Global Players“.

In ihrer Laufbahn hat Melinda Crane zahlreiche Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Kofi Annan, Bill Clinton und George W. Bush geführt.

Das Publikum war von der messerscharfen Analyse fasziniert. Foto: Wolfgang Teipel
Das Publikum war von der messerscharfen Analyse fasziniert. Foto: Wolfgang Teipel

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