Märkischer Kreis. (pmk). Mehr als zwei Stunden beschäftigen sich die Mitglieder im Ausschuss für Gesundheit- und Soziales mit dem Thema ärztliche Versorgung im Märkischen Kreis. Dazu hatten sie drei Experten eingeladen.

„Die hausärztliche Versorgung wird an einigen Stellen im Märkischen Kreis zunehmend dünn“. Das sagte Ansgar von der Osten, bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zuständiger Leiter für die Zulassung und Sicherstellung. Er nannte die Rahmenbedingungen: 1.671 Einwohner pro Hausarzt. Im Märkischen Kreis gebe es gravierende Unterschiede. Im Lennetal, speziell in Altena, liege die Versorgungsquote gerade einmal bei 75 Prozent. In Plettenberg sei sie gut, in Meinerzhagen und Kierspe knapp. „Iserlohn steht mit 110 Prozent sehr gut da“, so von der Osten.

Mit einer Quote von ebenfalls 110 Prozent sei der gesamte Kreis mit Fachärzten überversorgt. Vor allem Iserlohn, Lüdenscheid und Menden stünden besonders gut da. Unterdurchschnittlich, im Vergleich zum gesamten Versorgungsgebiet Westfalen-Lippe, sei dagegen die Inanspruchnahme der Fachärzte durch die Patienten. Dramatisch sei auch die Altersstruktur der Hausärzte. In der Region Altena sei beispielsweise nur ein Arzt von insgesamt elf jünger als 55 Jahre, in Werdohl und Umgebung sogar nur einer von 17. Von der Osten: „Niedergelassener Hausarzt ist noch immer eine interessante Berufsoption für die Zukunft angehender Mediziner.“

„Die Krankenhäuser werden die Versorgung in Zukunft ohne Hausärzte nicht sicherstellen können“, argumentierte Dr. Martin Juncker, niedergelassener Arzt im Kreis Olpe und Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Nachbesetzung der freiwerdenden Praxen müsse jetzt Vorrang vor Zuwachs haben. Juncker ließ keinen Zweifel daran, dass die Patienten mobiler werden müssten und sich auf längere Wege einzustellen hätten.

Die Höhe der Honorare und damit des Einkommens sei zwar wichtig, aber für angehende Mediziner nicht nur ausschlaggebend. Juncker: „Die subtile Misstrauenskultur gegenüber den medizinischen und pflegerischen Berufen sowie die zunehmende Bürokratie schreckt viele eher ab sich niederzulassen.“ Juncker forderte von der Politik eine Reform des Zugangs zum Medizinstudium, die Abschaffung der Wartesemester, Zuschüsse für die Weiterbildung der Ärzte, eine Kommunale Förderung von medizinischen Versorgungszentren, die Einbindung der Industrie, weil auch den Betrieben an gesunden Mitarbeitern gelegen sein müsse, sowie die Unterstützung bei der Jobsuche für die Ehepartner der Mediziner. Zusammenfassend erklärte Dr. Martin Juncker: „Wir brauchen alle Anstrengungen, um das schon vorhandene Dilemma zu beseitigen.“

Wie es gehen kann, zeigte Ingo Jaschies den Gesundheits- und Sozialpolitikern des Kreises auf. Der 51-Jährige ist Geschäftsführer des Gesundheitscampus Sauerland im ehemaligen Balver St. Marien-Hospitals. Im geschlossenen 120-Betten-Haus der Katholischen Hospitalvereinigung haben sich Haus- und Fachärzte sowie pflegerische- und medizinische Service-Anbieter zusammengeschlossen. Jaschies: „Wir haben jeden Monat einen Patienten-Zuwachs. Von den vorgefundenen 5.000 Quadratmetern Fläche sind 3.000 Quadratmeter vermietet.“ Dr. Martin Juncker zum Gesundheitscampus Sauerland: „Balve ist ein vorbildliches Modell für das Südsauerland und wird Schule machen. Die ärztliche Versorgung dort ist für die nächsten 30 Jahre sichergestellt.“
Einig waren die alle Ausschussmitglieder, dass man dieses für die Kreisbevölkerung wichtige Thema weiter im Focus behalten müsse.

Mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurden zwei Anträge der Fraktion Die Linke. Die hatte für die Übernahme der Mietkaution von Hartz-IV-Beziehern bei einem Wohnungswechsel aufgrund eines Mietsenkungsverfahrens plädiert und um eine Auswertung der Daten von Leistungsbeziehern gebeten, die ihre Miete aus dem eigenen Regelbedarf aufstocken müssen. Der manuelle Aufwand dafür sei von den Mitarbeitern des Jobcenters nicht leistbar, entgegnete Volker Schmidt, beim Kreis zuständiger Fachbereichsleiter Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Schmidt: „Dafür bräuchten wir zwölf zusätzliche Stellen.“

Einen verbesserten Zugang zum Gesundheitssystem für Flüchtlinge, etwa durch die Ausgabe einer Chip-Karte einer gesetzlichen Krankenkasse, streben die Bündnisgrünen im Märkischen Kreis an. Nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz seien dafür aber die Städte und Gemeinden zuständig, erklärte Volker Schmidt. Die Grünen zogen ihren Antrag zunächst zurück.

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