Die Planungsausschüsse der vier Kommunen "Oben an der Volme" billigten in gemeinsamer Sitzung die Rahmenverträge zum Volmeradweg. Foto: Rüdiger Kahlke

Volmetal/Lüdenscheid. “Ich bin froh, wenn der Radweg überhaupt noch kommt“. – Empathie hört sich anders an, als dieses Fazit eines Ausschuss-Mitglieds bei der gemeinsamen Sitzung der Planungsausschüsse aus Schalksmühle, Halver, Kierspe und Meinerzhagen. Sie tagten gemeinsam im PZ der Gesamtschule Kierspe. Einziger Tagesordnungspunkt: Kenntnisnahme des Rahmenplans zum Volmeradweg und – im nichtöffentlichen Teil – Zustimmung zu den Rahmenplänen.

Einstimmigkeit

Beides erfolgte in getrennten Abstimmungen einstimmig in allen vier Ausschüssen. Primeln auf den Tischen sorgten für Frühlingsstimmung. In der gut 90-minütigen Sitzung wurde deutlich, dass Primeln wohl noch häufiger blühen werden, bevor Radler auf einem gesicherten Weg vom Bahnhof Meinerzhagen nach Schalksmühle strampeln können. Schalksmühles Bürgermeister Jörg Schönenberg hoffte, dass „zum Ende der Legislaturperiode“ der Radweg fertig ist. Dann, 2020, ist wieder Wahlkampf und Schönenberg und seine Kollegen könnten mit dem Radweg glänzen, den sie als ein Leitprojekt der Regionale 2013 angekündigt hatten.

Planer vorsichtiger

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Hans-Joachim Hamerla, Büro ASS, erläuterte Planung für den Radweg. Foto: Rüdiger Kahlke

Hans-Joachim Hamerla, Leiter des Planungsbüros ASS kündigte an, dass noch „dicke Bretter“ zu bohren seien. Er sei schon froh, wenn in den nächsten fünf Jahren „60 Prozent“ des Radweges fertig wären.

Novum: Radweg neben aktivem Gleis

Neben Grundstücksfragen sind auch Belange der Bahn und des Straßenverkehrs zu berücksichtigen. Hamerla: „Es gibt noch viele Probleme, die wir noch nicht gelöst haben.“ Zumindest Geld scheint in diesem Fall keine Rolle zu spielen. Planungs- und Baukosten samt baulicher Unterhaltung übernimmt Straßen NRW. Auch da muss man „Gas geben“, wenngleich das bei einem Radweg, wie Kierspes Bürgermeister Frank Emde meinte, „paradox klingt“. Denn: Mit dem Ausbau der A 45 droht die Volmetalstraße (B 54) herabgestuft zu werden. Folge wäre, dass der Bund kein Geld mehr für einen Radweg parallel zur derzeitigen Bundesstraße geben würde. Ludger Siebert, Niederlassungsleiter Südwestfalen von Straßen NRW, machte deutlich, dass man „das Zeitfenster nutzen“ müsse.

Abzweig nach Halver erwünscht

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Der Radweg verläuft nur zum Teil neben der Bundesstraße. Foto: Rüdiger Kahlke

Eine Besonderheit ist, dass ein Teil des Radweges auf der Bahntrasse verlaufen soll (Teilstück Brügge – Schalksmühle). Erwünscht, so Hamerla, ist auch eine Anbindung Halvers über die Trasse der Schleifkottenbahn. Bürgermeister Dr. Bernd Eicker verfolge dieses Ziel. Die Schleifkottenbahn will ihre Trasse aber auch für Draisinen nutzen. Eicker schließt eine Doppelnutzung aus. Bei der Schleifkottenbahn hält man die Option für möglich.

Straßen NRW: Kriegen das hin

Volker Nicolaus, Leiter des Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW, wies auf technische und rechtliche Hürden hin, die im Zusammenhang mit dem Bahnbetrieb stehen. Radwege parallel zur Bahnstrecke seien inzwischen Alltag. Ein Novum sei es jedoch, dort, wo früher das 2. Gleis verlief, einen Radweg einzurichten – bei laufendem Bahnverkehr. Er sicherte auch zu, dass nach Abschluss der Rahmenverträge der Radweg dauerhaft angelegt werden könne, bis, ja, bis die Bahn wieder Anspruch auf die Flächen erhebt. Das könnte der Fall sein, wenn Taktzeiten von derzeit einer Stunde für den Bahnverkehr verkürzt werden sollten. – Zukunftsmusik.

Da wird das Ausschussmitglied mit seiner anfänglichen Skepsis gerne das Fazit von Ludger Siebert vernommen haben: „Es geht schon lange genug. Ich kümmere mich, dass wir das hinkriegen.“


 

Info

  • Der Volmeradweg ist etwa 23 Kilometer lang. Er wird in 13 Teilabschnitten geplant.
  • Der Weg ist gut zwei Meter breit und über weite Strecken asphaltiert.
  • Damit entspricht er dem Standard für Alltags- und Freizeitverkehr.
  • Zwischen Brügge und Schalksmühle verläuft der Radweg auf etwa fünf Kilometern Länge auf der Bahntrasse, auf 1,5 Kilometern direkt neben dem noch befahrenen Gleis. Die Absicherung zum Bahngleis soll durch einen Zaun erfolgen.
  • Auf Schalksmühler Gebiet geht es zudem auf 800 Metern Länge durch einen Tunnel. Hier verlaufen beide Trassen in jeweils einer eigenen Röhre.

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