Große Musik von epischem Ausmaß lieferten die Musiker der Westfalen Winds ihrem Publkum bei ihrem Konzert auf dem Werdohler Risei. Fotos: Tim Haakvoort

Werdohl. „Visions and Fantasy“ lautete der Titel, unter dem die Bläserphilharmonie Westfalen Winds am Sonntag in Werdohl ihr letztes Konzert für dieses Jahr spielte. Trotz ungemütlichen Schmuddelwetters fand eine erfreulich hohe Anzahl Gäste den Weg zum Festsaal Riesei, wo sie sogleich in die Welten der Mythologie, Phantasie und Zauberei, aber auch in vergangene, dafür aber reale und gar nicht mal so fremdartige Zeiten entführt wurden.

Roter Faden Freiheit

Thema des Abends: Die Freiheit!

Der rote Faden, der alle Werke des Abends inhaltlich verband, war die Freiheit. Oder vielmehr eine jeweils unterschiedliche Vision dieses höchsten Gutes. So flieht etwa Dädalus mit seinem Sohn Ikarus mit selbstgebauten Flügeln aus König Minos Gefangenschaft von der Insel Kreta.

Ikarus wird jedoch sein Übermut zum Verhängnis und findet schließlich dabei den Tod im Mittelmeer. Der amerikanische Komponist Keith Gates nahm sich dieses Stoffes an und schuf mit der „Icarus and Daedalus Fantasy“ eine facettenreiche und lebhaft bildliche Phantasie für Blasorchester, die gleich mehreren Instrumentalisten Raum zu glänzen gab und einen gelungenen Auftakt für das Konzert im Festsaal Riesei bildete.

Dynamische Bandbreite

Westfalen Winds: Impression aus der Streicher-Ecke.

Von der Mythologie der griechischen Antike in das sehr reale Südamerika des 19. Jahrhunderts: Die Suite „200“ von Victoriano Valencia erzählt vom Kampf für die kolumbianische Unabhängigkeit, zu deren Jubiläum das Werk im Jahr 2010 in Auftrag gegeben worden war.

Jeder der vier Sätze verbildlicht, unter Zuhilfenahme traditioneller lateinamerikanischer Musiken, eines gesungenen Klageliedes und wunderschöner Soli, jeweils unterschiedliche Aspekte der historischen Gegebenheiten. Mit einem reichen Spektrum an Klangfarben und großer dynamischer Bandbreite erweckte das Orchester unter der Leitung von Ulrich Schmidt die zweihundert Jahre alten Geschehnisse zum Leben.

Der „Herr der Ringe“

J.R.R. Tolkiens wohl berühmtestes Epos schildert den Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Aggressor, der die Freiheit einer ganzen Welt bedroht. Sowohl unter dem Aspekt der Freiheit als auch in Bezug auf den Titel „Visions and Fantasy“ nahm Johan de Meijs grandiose Vertonung des „Herrn der Ringe“ passend und verdient den Platz als Hauptwerk des Abends ein.

Dieses wohl berühmteste Werk für sinfonisches Blasorchester, hervorragend dargeboten von den Musikern von Westfalen Winds, die aus ganz NRW und darüber hinaus stammen, bildete einen Abschluss, den das Publikum mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations honorierte. Man ließ sich letztendlich nicht lange bitten und ließ als Zugabe, getreu dem Programm, eine musikalische Erinnerung an Miss Rosa Parks folgen. Samuel Hazo komponierte zum Gedenken dieser herausragenden Person der Bürgerrechtsbewegung in den USA das Stück „Today is the Gift“, mit welchem die Westfalen Winds das Publikum beeindruckte und trotz des unliebsamen Novemberwetters glückselig in Selbiges entließ.

Das nächste Mal wird die westfälische Bläserphilharmonie Westfalen Winds am 08. April 2018 in der Stadthalle Meinerzhagen zu hören sein.

Text: Robin Gerke

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here